Die Bestände wandernder Süßwasserfisch-Arten sind einem UN-Bericht zufolge seit 1970 weltweit um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Ihr Schutz erfordere länderübergreifende Zusammenarbeit, sagte Zeb Hogan, Leitautor der Analyse zu wandernden Süßwasserfische.
Der Bericht des UN-Übereinkommens zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) wurde zur laufenden Konferenz in Brasilien vorgestellt. Demnach gehören wandernde Süßwasserfische zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen weltweit.
Ursachen: Dämme, Verschmutzung, Klimawandel
Als Hauptursachen nennt die Analyse den Bau von Staudämmen, die Fragmentierung von Flüssen, Verschmutzung, Überfischung und klimabedingte Veränderungen von Ökosystemen. Viele Arten sind auf lange, ununterbrochene Flussverbindungen angewiesen, um zwischen Laichgebieten, Nahrungsräumen und Überschwemmungsflächen zu wandern. Werden diese Wege unterbrochen, brechen Populationen oft rasch ein.
Laut Bericht benötigen mindestens 325 Arten koordinierte Schutzmaßnahmen über Ländergrenzen hinweg. Besonders betroffen sind große Flusssysteme wie Amazonas und La-Plata-Becken in Südamerika, aber auch Mekong (Asien), Nil (Afrika) und Ganges (Indien und Bangladesch).
"Flüsse kennen keine Grenzen - und die Fische auch nicht", sagte Michele Thieme vom WWF. Die Krise unter der Wasseroberfläche sei "weitaus schwerwiegender als die meisten Menschen erkennen".
Konkrete Lösungsansätze
Als zentrale Lösung nennt der Bericht ein Umdenken im Gewässerschutz: Flüsse müssten als zusammenhängende Systeme über Staatsgrenzen hinweg bewirtschaftet werden. Dazu zählten der Schutz von Wanderkorridoren, abgestimmte Fischereiregeln und gemeinsame Managementpläne für die Einzugsgebiete.
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In Südamerika gilt der Amazonas noch als eine der letzten Hochburgen für wandernde Süßwasserfische. Doch auch dort wächst der Druck durch Infrastrukturprojekte und wirtschaftliche Nutzung. Brasilien und andere Staaten wollen nun einen internationalen Aktionsplan für wandernde Wels-Arten auf den Weg bringen.
Die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS) hatte am Montag in Brasilien begonnen. Regierungsvertreter, Wissenschaftler und Naturschützer beraten über Maßnahmen gegen die globale Biodiversitätskrise. Fast die Hälfte der Bestände geschützter wandernder Arten nimmt bereits ab, rund ein Viertel ist vom Aussterben bedroht. Ein Schwerpunkt ist der Schutz von Lebensräumen und Wanderkorridoren über Ländergrenzen hinweg.