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Wal- und Klimaschutz Wale könnten die Kohlenstoffspeicherung fördern

Blauwal von oben an der Wasseroberfläche
Über ihre Nahrung nehmen Wale Kohlenstoff auf, das in ihrer eigenen Biomasse eingelagert wird
© picture alliance / NurPhoto | Tharaka Basnayaka
Bei naturbasierten Maßnahmen gegen den Klimawandel geht es meist um Bäumepflanzen oder Renaturierung von Mooren. Die Zahl der großen Wale in den Meeren zu erhöhen, könnte eine weitere Möglichkeit sein

Blauwale, Finnwale und Pottwale gehören zu den größten Lebewesen der Erde. Möglicherweise könnten die tonnenschweren Giganten beim Kampf gegen den Klimawandel helfen, schreibt ein Team von US-Forschern im Fachmagazin "Trends in Ecology & Evolution". Die Wale lagerten beim Fressen und Wachsen Kohlenstoff ein und transportierten ihn in die Tiefsee, wenn ihre Körper nach dem Tod absinken. Der mögliche Beitrag zum Klimaschutz ergänze die vielen ökologischen, kulturellen und moralischen Gründe, die es für den Erhalt der Walbestände gebe.

In ihrem Beitrag erläutern die Forschenden um Heidi Pearson von der University of Alaska Southeast, welche Rolle große Wale in den Meeren für den Kohlenstoffkreislauf der Erde spielen. Wale fressen demnach bis zu vier Prozent ihrer eigenen Körpermasse in Form von Krill und Plankton - jeden Tag. Den Kohlenstoff, aus dem ihr Futter größtenteils besteht, lagern sie in ihrer eigenen Biomasse ein. Auf der anderen Seite fördern ihre nährstoffreichen Ausscheidungen das Wachstum von Phytoplankton, was wiederum Kohlendioxid aus der Atmosphäre bindet.

Wale speichern Kohlenstoff effektiver

Aufgrund ihrer Größe und Langlebigkeit speicherten Wale Kohlenstoff effektiver als kleine Tiere, nähmen extreme Mengen an Beute auf und produzierten große Mengen an Abfallprodukten. "In Anbetracht der Tatsache, dass Bartenwale einige der längsten Wanderungen auf dem Planeten haben, beeinflussen sie möglicherweise die Nährstoffdynamik und den Kohlenstoffkreislauf über Ozeanbecken hinweg." Mit dem industriellen Walfang und dem Schrumpfen vieler Walbestände sei die in den Tieren gespeicherte Menge an Kohlenstoff zurückgegangen, schreiben die Forschenden. 

Ob Maßnahmen zum Schutz und zur Erholung der Bestände tatsächlich eine naturbasierte Lösung im Kampf gegen den Klimawandel sein könnten, vermögen die Autoren nicht eindeutig sagen. Es gebe noch zu wenige Daten und zu viele Unsicherheiten, um das Potenzial auch quantitativ abschätzen zu können. Aber: "Die natürliche Verstärkung der ozeanischen Kohlenstoffsenke durch den Schutz der Wale könnte eine wirksame Strategie zur Entfernung von Kohlendioxid mit geringem Risiko, längerer Dauerhaftigkeit und höherer Effizienz sein als Geo-Engineering-Lösungen, etwa direkte Kohlenstoffinjektion in das Innere des Ozeans."

Anja Garms, dpa

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