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Esel, Tiger, Pferde Wie Tiere an Urlaubsorten als Touristenattraktion missbraucht werden

Santorin, Griechenland: Sogenannte "Esel- und Maultier-Taxis" schleppen Touristen auf 400 Höhenmeter
Santorin, Griechenland: Sogenannte "Esel- und Maultier-Taxis" schleppen Touristen auf 400 Höhenmeter
© Photographer253/Shutterstock
Attraktionen mit Tieren wie die "Esel-Taxis" auf Santorin, Fütterungen und Selfies mit Wildtieren sind auch nach der Corona-Pause bei Touristen beliebt. Und gehen immer zu Lasten der Tiere

Insel Santorin, am 11. August 2021: Bei 33 Grad Celsius im Schatten schleppen abgemagerte Esel Touristen über steile Wege und 400 Höhenmeter in den Ort Fira. So genannte Esel-Taxis gehören zur mediterranen Touristen-Attraktion dazu – immer noch. Denn schon vor Jahren gab es Proteste von Tierschützern.

Der Vorwurf: Die Esel würden schlecht behandelt, nicht ausreichend mit Wasser und Nahrung versorgt, von ihren Besitzern misshandelt und außerhalb der Saison vernachlässigt. Zudem müssten die Tiere auch bei sengender Hitze stundenlang auch zu schwere Menschen die steilen Pfade hochschleppen.

Zwar reagierten die Behörden schon im Jahr 2018 mit einer Begrenzung der Traglast. Touris, die mehr als 100 Kilo auf die Waage bringen, dürfen seither nicht mehr auf den Eseln reiten. Doch das neue Gesetz lindert das Problem kaum. "In der Praxis hält sich jedoch kaum jemand daran", sagt Denise Schmidt von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. "Und schon weitaus weniger als 100 Kilo sind eine enorme Last für die geschwächten Tiere." Außerdem sei die Anzahl der Ritte pro Tag weiterhin nicht beschränkt.

Hinzu kommt laut Vier Pfoten, dass die Tiere in der Wintersaison völlig vernachlässigt werden. Sie erhalten weder tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen noch Impfungen oder Schutz vor Parasiten, während der Saison seien die Esel oft dehydriert, übermüdet und unterernährt. Das Reitgeschirr hinterlasse oft Wunden und Druckstellen, die nicht versorgt würden. Auch die wichtige Hufpflege unterbleibe in der Regel – was zu Fehlstellungen führen könne.

Viele Tiere leiden im Saison-Geschäft mit den Touristen

Nicht nur auf Santorin – in vielen Urlaubsdestinationen leiden Tiere für das Saison-Geschäft. Ob Esel-, Pony- oder Kamelreiten: "Was nach einem harmlosen Spaß aussieht," sagt Martin Rittershofen, Kampagnenverantwortlicher für Wildtiere bei Vier Pfoten, "ist für viele Tiere purer Stress und im schlimmsten Fall grobe Tierquälerei." Pausenzeiten würden nicht eingehalten, die Versorgung mit Wasser und Futter sei oft mangelhaft. Und auch Kutschfahren in viel befahrenen Innenstädten seien für sensible Tiere wie Pferde eine schwere Belastung.

Immer wieder werden exotische Tiere auch zum Streicheln oder für ein Selfie angeboten – etwa so genannte Restaurant-Bären in Südosteuropa oder Tigerbabys in Privatzoos in Deutschland oder Frankreich. "Generell sollten die Alarmglocken immer dann läuten", sagt Rittershofen, "wenn damit geworben wird, ein Wildtier zu füttern, zu berühren, auf ihm zu reiten oder ein Foto mit ihm zu machen“.

Begegnungen mit Tieren in freier Wildbahn oder in Schutzzentren

Auf Begegnungen mit Tieren im Urlaub muss deswegen niemand verzichten. Neben Beobachtungen in freier Wildbahn und mit ausreichend Abstand gibt es die Möglichkeit, Wildtiere in Schutzzentren für gefährdete Arten oder Tiere aus schlechter Haltung zu beobachten. Allerdings sollten Besucher immer darauf achten, dass bei der Einrichtung Tierschutz und Nachhaltigkeit oberste Priorität haben. Vom Besuch von Wildparks etwa, die auch Tiervorführungen anbieten, rät Martin Rittershofen ab.

Bei der Orientierung für einen Tierleid-freien Urlaub helfen vier einfache Regeln:

  • Meiden Sie Selfies mit Tieren
  • Besuchen Sie keine Orte, wo Wildtiere von Besuchern gefüttert werden können oder wo sie Tricks vorführen müssen
  • Kaufen Sie keine Andenken, die aus Tieren oder Tierteilen gemacht sind
  • Buchen Sie keine direkten Interaktionen mit Tieren, wie etwa Tigerbabys streicheln

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