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Tierische Solidarität Erstaunliche Rettungsaktion: Wildschwein-Kommando befreit Frischlinge aus Käfig-Falle

Die ganze Rotte schiebt am Balken.
Sau solidarisch: In einer gemeinsamen Aktion schoben die Tiere die Balken beiseite
© Tschechische Universität für Biowissenschaften / PR
Unter Führung einer großen Sau befreite eine Gruppe von Schweinen zwei Ferkel, die in einem Käfig gefangen waren. Erstaunlich ist das planvolle Vorgehen der Gruppe

Im Januar 2020 gerieten zwei Frischlinge in der Nähe von Prag in eine Käfig-Falle. Doch nach zwei Stunden nahte Hilfe: Eine Gruppe von acht Wildschweinen unter Führung einer großen Bache näherte sich dem Käfig. In einer gemeinsamen Aktion schoben die Tiere die Balken beiseite, die den Käfig verriegelten, und befreiten so die Ferkel.

Das Ganze wurde von einer Kamera beobachtet. Wissenschaftler der Tschechischen Universität für Biowissenschaften veröffentlichten zu der Heldentat jetzt eine Studie in der Zeitschrift "Scientific Reports". Denn der schweinische Rettungseinsatz ist mehr als eine tierische Anekdote.

Kollektive Rettungsaktion 

Er ist der erste Beweis für das Rettungsverhalten von Wildschweinen. Die Ferkel waren zweieinhalb Stunden in der Falle gefangen. Nach etwa zwei Stunden tauchten die Befreier auf, nach etwa einer weiteren halben Stunde konnten die Ferkel fliehen. Die eigentliche Verriegelung mit einem Baumstamm konnte die Gruppe in nur sechs Minuten entfernen. Die Falle wurde zu Beobachtungszwecken wegen der Afrikanischen Schweinepest im Nationalen Naturreservat Voděradské Bučiny aufgestellt. Die Ferkel wurden dann von leckeren Maiskolben in den Verschlag gelockt. Als beide in dem Käfig waren, lösten sie den Verschluss aus und waren gefangen.

Als die anderen Schweine eintrafen, bearbeiteten sie sofort den Verschluss, so als wäre ihnen die Funktionsweise der Käfigfalle bekannt. Die führende Wildsau baute sich wie zum Angriff auf und stürmte mit gebeugtem Rücken und aufgerichteter Mähne auf den ersten Balken zu. Als der sich gelockert hatte, widmete sie sich dem zweiten. Nach kaum 15 Minuten drückte das weibliche Schwein auch diesen Stamm aus seiner Position und entriegelte die Tür.

Emotionale Geschichte

Während der gesamten Befreiung war die Leitsau emotional erregt, zu erkennen an den aufgestellten Haaren. Die Forscher nehmen an, dass das große Weibchen die Gruppe dazu brachte, die beiden im Käfig befindlichen Ferkel zu retten, und zwar aus Empathie heraus. Ihr aufgestelltes Fell deutet auf eine physiologische Erregung des Weibchens hin, weil sie andere in Not sieht, so die Forscher in ihrer Studie. Dazu blickte sie die gefangenen Ferkel häufig an, auch ein Zeichen einer "emotionalen" Beziehung. Das Mitgefühl des großen Wildschweins hat zu einer erstaunlichen Folge von Ereignissen geführt. Die ganze Gruppe brach zur Befreiung auf, war in der Lage arbeitsteilig den Riegel zu entfernen und schließlich den Käfig zu öffnen.

Dieser Artikel ist auch bei stern.de erschienen.

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