Studie "Mensch, versteh mich doch!" Viele liegen beim Einschätzen ihrer Hunde falsch

Dackel guckt in die Kamera
Hunde sind wahre Meister darin, den Menschen zu verstehen. Und andersherum?
© Olia Kolvitz / Getty Images
Die meisten Menschen sind der Meinung, die Gefühlslage ihrer Vierbeiner sehr gut einschätzen zu können. Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt nun allerdings das Gegenteil

Ist Fiete gut oder schlecht drauf, gelangweilt, ängstlich oder eher freudig aufgedreht? Die meisten Hundehalterinnen und Hundehalter behaupten selbstbewusst von sich, dass sie ihren Vierbeiner bestens einschätzen und sich dementsprechend gut auf ihn einlassen können. Eine neue Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "PeerJ" veröffentlicht worden ist, kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Demnach schätzen viele Menschen die Gefühlslage ihrer Hunde falsch ein.

Der Grund: Unsere eigene Stimmung verzerrt die Wahrnehmung – und beeinflusst damit messbar die Einschätzung der Hundegefühle. Gut gelaunte Menschen halten Hunde im Schnitt eher für trauriger, schlecht gelaunte Menschen hingegen eher für glücklicher, als die Tiere es tatsächlich sind. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Arizona State University (ASU).

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Die Forschenden zeigen sich selbst von ihren Studienergebnissen überrascht. "Menschen und Hunde leben seit mindestens 14.000 Jahren eng zusammen. In dieser Zeit haben Hunde viel darüber gelernt, wie man mit Menschen umgeht", sagt Clive Wynne in einer Mitteilung der Universität. Er ist Mitautor der Studie und Professor für Psychologie und Direktor des Canine Science Collaboratory an der ASU. "Und doch deuten unsere Forschungsergebnisse darauf hin, dass es ziemlich große Lücken in unserem Verständnis davon gibt, was Hunde fühlen."

Experiment mit Filmsequenzen

Für seine Untersuchung hatte das Forschungsteam um Erstautorin Holly Molinaro 300 Probandinnen und Probanden gebeten, kurze Videoclips von drei zuvor ausgewählten Hunden zu bewerten, in denen die Tiere entweder eindeutig positive, neutrale oder negative Emotionen zeigten. Damit die Umgebung keinen Einfluss auf die Wahrnehmung hatte, wurden die Hintergründe in den Filmsequenzen geschwärzt. Anschließend versetzten die Forschenden die Probandinnen und Probanden in verschiedene Stimmungen – von positiv über neutral hin zu negativ – und befragten sie anschließend zu den Gefühlslagen der Tiere.

Daraufhin bewerteten glücklichere Studienteilnehmer die Hunde als trauriger, während schlechter gelaunte Studienteilnehmer die Hunde in den Videos als glücklicher einschätzten. Bemerkenswert ist auch, dass die Forschenden feststellten, dass allein das Betrachten der Videos von Hunden – selbst von den Tieren, die in einer negativen Stimmung gezeigt wurden – die emotionale Stimmung aller Studienteilnehmenden hob.

Die Forscherinnen und Forscher räumen ein, dass ihre Untersuchungen gewissen Einschränkungen unterliegt. Ihr Experiment basiert lediglich auf Videoclips von drei Hunden. Dennoch liefere ihre Studie eindeutige Hinweise auf mögliche systematische Fehler beim Lesen von Hunden und deren Emotionen, so Molinaro.

Die Untersuchung ist Teil einer umfassenderen aktuellen Forschungsinitiative der ASU, die darauf abzielt, menschliche Vorurteile und gängige Annahmen aufzudecken und infrage zu stellen, die unsere Wahrnehmung bei Emotionen von Tieren prägen.

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Den Forschenden zufolge ist es wichtig, dass Menschen sich ihrer Fehlinterpretation von Hunden bewusst sind. Denn Missverständnisse könnten schnell zu unangemessenem Umgang, verzögertem Intervenieren oder unerfüllten Bedürfnissen der Tiere führen, so die Forschenden. Molinaro und Wynne glauben, dass ihre Forschung die Mensch-Tier-Interaktion verbessern und eine genauere und einfühlsamere Pflege unterstützen kann. Holly Molinaro fasst es so zusammen: "Wenn wir besser verstehen, wie wir die Emotionen von Tieren wahrnehmen, können wir uns besser um sie kümmern."