Glänzender Riecher Fakten und Irrtümer: Warum Hundenasen meistens feucht sind

Was hier glänzt, verspricht Hochleistung: Die feuchte Nase macht den Hund zu einem Riechweltmeister
Was hier glänzt, verspricht Hochleistung: Die feuchte Nase macht den Hund zu einem Riechweltmeister
© smrm1977 / Getty Images
Sie ist ein Wunderwerk des Riechens. Und fast immer nass. Die Feuchtigkeit der Hundenase entscheidet über Wahrnehmung, Kühlung, Schutz. Und sie nährt einen Mythos

Wenn ein Hund uns begrüßt, ist sie fast immer zuerst da, neugierig, kühl, feucht: die Nase. Ständig scheint sie in Bewegung, tastet gleichsam die Atmosphäre ab, nimmt Düfte wahr, die uns verborgen bleiben. 

Der im Wortsinn glänzende Riecher ist legendär. Und das nicht ohne Grund. Kaum ein Tier erschnuppert die Welt so exzellent. Doch warum ist die Hundenase eigentlich fast immer nass? Woher kommt die Feuchtigkeit, welche Rolle spielt sie beim Schnuppern? Und stimmt es wirklich, dass eine trockene Hundenase ein Indikator dafür ist, dass das Tier kränkelt?

Die Nase von Dackel, Dogge oder Dobermann ist ein kleiner Umschlagplatz: Hier treffen mehrere Quellen zusammen, die die Nasenspitze beinahe ständig feucht halten.

Der wichtigste Nachschub kommt aus dem Inneren des Riechers selbst. Seitlich in der Nasenhöhle sitzen paarige Drüsen, die ein dünnflüssiges Sekret abgeben. Es fließt über feine Ausgänge nach draußen und verteilt sich dann auf einer Oberfläche, die dafür wie gemacht ist: Der Nasenspiegel, auch Rhinarium genannt, ist von einem Netz aus Feldern überdeckt, durchzogen von winzigen Furchen. In ihnen hält sich die Feuchtigkeit länger. Und auch die die schmale Rinne zwischen den Nasenlöchern hilft: Über Kapillarkräfte transportiert sie permanent Feuchtigkeit vom Mund in Richtung Riechorgan. 

Etliche Drüsen sorgen dafür, dass die Hundenase nass ist 

Obendrein ist die Schleimhaut der Nasenhöhle mit vielen Drüsen ausgekleidet, die fortlaufend ein Sekret absondern. Besonders beim Schnüffeln, wenn der Hund interessanten Gerüchen nachgeht und die Luft in schnellen Zügen einzieht, wird dieser Nachschub wichtig. Denn die Drüsen entlang der Nasenpassage befeuchten zugleich die eingeatmete Luft. Und auch bei Hitze kurbeln die Drüsen die Schleimproduktion an.

Hinzu kommt das, was man bei vielen Hunden im Alltag beobachtet: ein rasches Lecken über die Nasenspitze. Damit wischt der Vierbeiner nicht bloß Staub und Pollen von der Oberfläche, sondern verteilt auch Speichel. Und zu guter Letzt stammt noch ein Quäntchen der Nasennässe von den Augen: Tränenflüssigkeit gelangt über entsprechende Kanäle bis zum Rhinarium. 

All die Feuchtigkeit hätte wenig Wert, wäre sie bloß ein Nebenprodukt der Anatomie. Tatsächlich ist sie ein Schlüssel zu dem, was Hunde so einzigartig macht: ihr phänomenaler Geruchssinn. Die nasse Oberfläche der Nase wirkt wie ein feines Fangnetz. Wehen Duftmoleküle am Rhinarium vorbei, bleiben sie haften, lösen sich im Sekret und werden so für die Riechzellen im Inneren der Nase zugänglich. Ohne diesen feuchten Film würden viele Gerüche schlicht vorbeiziehen, zu flüchtig, um erfasst zu werden.

Kaum ein Sinnesorgan im Tierreich ist so überdimensioniert wie die Nase des Hundes. Rund 300 Millionen Riechzellen sitzen in seinem Naseninneren – beim Menschen sind es gerade einmal fünf bis sechs Millionen. Auch die Fläche, auf der Gerüche verarbeitet werden, ist eine andere Dimension: Während sie bei uns kaum fünf Quadratzentimeter misst, bringt es der Hund auf 150 bis 200. Die Nase ist kein Detail am Kopf, sie ist ein eigenes Wahrnehmungsorgan.

Dass Hunde Düfte oft zehntausend- bis hunderttausendmal besser wahrnehmen als Menschen, liegt nicht nur an dieser schieren Ausstattung, sondern auch an einem physikalischen Trick: Die Feuchtigkeit verlängert den Kontakt zwischen Geruchsstoffen und Sinneszellen. Selbst extrem verdünnte Spuren bekommen so eine Chance, gelesen zu werden.

Die nasse Hundenase hält Duftmoleküle länger fest

Beim Schnüffeln teilt sich der Luftstrom in der Nase auf. Ein Teil strömt direkt in den Riechbereich, während der Rest erwärmt, angefeuchtet und gefiltert wird. Wobei sich der Effekt bei schnellem, rhythmischen Atmen noch steigert. Die nasse Nase sorgt dafür, dass die Duftinformationen nicht sofort wieder verloren gehen, sondern einen Augenblick länger präsent bleiben.

Frau und brauner Labrador spielen gemeinsam am Strand.

Mehr als nur Spaß Warum Sie mit Ihrem Haustier spielen und toben sollten

Kaum etwas begeistert Hunde und Katzen so sehr wie gemeinsames Toben und Tollen. Der vergnügte Zeitvertreib mit Haustieren ist unverzichtbar für ihre körperliche und seelische Gesundheit – und fördert ihr Vertrauen und ihre Bindung zum Menschen

Doch der Nutzen endet nicht beim Riechen. Hunde haben kaum Schweißdrüsen. Überschüssige Wärme geben sie über die Pfoten und vor allem via Hecheln ab. Aber auch ein Stückweit über die Nase, von der permament Wasser verdunstet. Dabei kühlt Blut in den feinen Gefäßen unter der Nasenoberfläche ab. Die Nase ist damit Teil der körpereigenen Klimaanlage des Hundes.

Obendrein bilden Antikörper im Nasensekret eine erste Abwehrlinie gegen Eindringlinge wie Viren und Bakterien. Die feuchte Nase bildet also auch einen Schutzschild. 

Und jüngst haben Forschende noch etwas Erstaunliches entdeckt: Hunde können mit ihrer Nase offenbar sogar Infrarotstrahlung wahrnehmen. In einer Studie trainierten Wissenschaftler drei Hunde darauf, zwischen zwei in einigem Abstand platzierten Objekten zu unterscheiden, die sich allein durch ihre Temperatur voneinander unterschieden. Das Ergebnis: Alle drei Hunde wählten zuverlässig das wärmere Objekt. 

Hirnscans offenbarten, dass immer dann, wenn die Tiere thermischen Reizen ausgesetzt waren, ein spezielles Areal in der Großhirnrinde aktiv wurde: ein Teil des somatosensorischen Kortex, der an der Sinnesverarbeitung der Nasenregion beteiligt ist. Die feuchte Hundenase ist somit nicht bloß Riechorgan, Kühlfläche und Keimschutz. Sondern auch ein Wärmesensor.

Rund um die Hundenase ranken sich viele Mythen – etwa, was es besagt, wenn sie trocken ist

Gerade weil die Nase des Hundes so präsent ist, neigen wir aber auch dazu, die Aussage des Feuchtigkeitsgehalts überzuinterpretieren. So haben sich rund um die Hundenase im Laufe der Zeit zahlreiche Vorstellungen gebildet: einige plausibel, andere hartnäckig falsch. Die bekannteste lautet: Ist die Nase trocken, geht es dem Tier nicht gut.

Tatsächlich schwankt der Feuchtigkeitsgrad der Hundenase im Laufe des Tages natürlicherweise. Nach dem Schlafen etwa, wenn der Hund längere Zeit ruhig gelegen und weniger geleckt hat, fühlt sich die Nasenspitze oft ein bisschen trockener an. Auch warme Luft, Wind oder ein Sonnenbad können ihr vorübergehend den Glanz nehmen. Umgekehrt kann sie bei feuchtem Wetter oder nach einem Spaziergang im Regen besonders nass erscheinen. All das sagt zunächst wenig über den Gesundheitszustand aus.

Hundeblick: Was Hunde uns mit ihren Blicken sagen wollen
Was Hunde uns mit ihren Blicken sagen wollen

Eine trockene Nase ist also keineswegs ein Alarmsignal, ebensowenig wie eine feuchte Nase ein Garant für Wohlbefinden ist. Hunde können dehydriert oder krank sein und dennoch eine kühle, nasse Nase haben. Umgekehrt gibt es vollkommen gesunde Tiere, deren Nase phasenweise trocken wirkt. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Körpermerkmal, sondern das Gesamtbild.

Sollte sich allerdings mehr verändern als der Feuchtigkeitsgrad, gilt es achtsam zu sein und im Zweifel tierärztlichen Rat einzuholen: etwa wenn Ausfluss dauerhaft, verfärbt oder gar blutig ist, wenn die Oberfläche der Nase rissig, verdickt oder entzündet erscheint. Oder wenn weitere Symptome hinzukommen, etwa Lethargie, Fieber oder Atemprobleme. Dann kann die Nase tatsächlich einer von mehreren Hinweisen sein, dass es dem Hund nicht gut geht.

Ein Blick auf die Nase kann also Hinweise liefern – aber nie allein. Wer wissen will, wie es seinem Hund geht, sollte weniger auf einen einzelnen Körperteil achten als auf Verhalten, Appetit, Bewegung und Stimmung. Die Nase ist dabei kein Orakel, sondern Teil eines fein abgestimmten Systems. Sie erzählt viel über die Welt, die der Hund wahrnimmt. Und manchmal auch etwas über sein Befinden. Man muss nur lernen, richtig hinzuschauen.