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Studie Parallele zum Menschen: Lemurenart singt mit Rhythmus-Gefühl

Indri
Der Indri (Indri indri) ist im östlichen Regenwald der Insel Madagaskar beheimatet und ist der einzige Lemur mit Stummelschwanz
© Nick Garbutt/IMAGO / Nature Picture Library
Im Film "Madagascar" und seinen Serien-Ablegern sind Lemuren für ihre Musik- und Tanzlust bekannt. Eine existierende Lemurenart singt tatsächlich mit einer Rhythmik, die auch menschliche Musikalität ausmacht

Einige Lemuren auf Madagaskar verfügen über ein Rhythmus-Gefühl. Die Gesänge der Indris sind in Rhythmus-Kategorien unterteilt, die auch die Musik des Menschen kennzeichnen, wie ein internationales Team im Fachmagazin "Current Biology" berichtet. "Die Suche nach musikalischen Kennzeichen bei anderen Arten ermöglicht es uns, einen "evolutionären Baum" musikalischer Merkmale zu erstellen und zu verstehen, wie die rhythmischen Fähigkeiten beim Menschen entstanden sind und wie sie sich entwickelt haben", erläutert Andrea Ravignani vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nimwegen (Niederlande).

Lemuren sind Primaten und kommen ausschließlich auf der Insel Madagaskar im Indischen Ozean vor. Etwa 100 Arten leben dort, im nordöstlichen Teil sind die Indris (Indri indri) heimisch, die größte Lemuren-Art. Sie sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN vom Aussterben bedroht, ihr Bestand werde auf 1000 bis 10 000 Tiere geschätzt - bei abnehmender Tendenz. Indris sind bekannt für ihre markanten Gesänge aus trompetenartigen Lauten, die bis zu zwei Kilometer weit zu hören sind. Für gewöhnlich singen die Mitglieder eines Paares oder einer Familie zusammen, in Duetten oder Chören.

Die Forscher stellten bei den Gesängen eine Verlangsamung des Tempos fest

Die Forschenden zeichneten im Verlauf von zwölf Jahren die Lieder von 30 Indri-Gruppen in ihrer natürlichen Umgebung, dem Regenwald der Insel, auf. Dann analysierten sie den Aufbau und die Struktur der Songs. Diese weisen ähnliche Rhythmus-Kategorien auf wie menschliche Lieder. So hatten die Tonintervalle zum Teil genau die gleiche Länge, zum Teil eine verdoppelte Länge. Die Intervall-Länge war bei männlichen und weiblichen Indris unterschiedlich. Zudem stellten die Forscher ein "Ritardando" bei den Gesängen fest, also eine Verlangsamung des Tempos.

Dass die Rhythmik bei Indris und Menschen einen gemeinsamen Ursprung in der Evolution hat, halten die Forschenden für unwahrscheinlich, da der letzte gemeinsame Vorfahr beider Arten bereits vor 77,5 Millionen Jahren gelebt habe. Vermutlich sei diese Fähigkeit mehrmals im Verlauf der Evolution bei singenden Tieren entstanden. Möglicherweise erleichtere die Organisation in rhythmische Kategorien ähnlich wie bei Singvögeln das Erlernen der Lieder und das Wiedererkennen, selbst wenn ein Lied in unterschiedlichem Tempo gesungen werde.

Anja Garms, dpa

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