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Hundeschmuggel Trauriger Rekord: Illegaler Welpenhandel hat sich 2021 mehr als verdoppelt

Ein Welpe sitzt im Kofferraum eines Autos in einem Pappkarton
Der illegale Welpenhandel floriert – die Corona-Pandemie hat vor allem osteuropäischen Tierhändlern satte Gewinne beschert
© juefraphoto - Adobe Stock
Der Handel mit geschmuggelten Hunden, besonders mit Welpen, boomt. Die Corona-Pandemie und die große Nachfrage nach Haustieren haben das Milliardengeschäft zusätzlich befeuert. Wie neue Zahlen der Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN" zeigen, haben die aufgedeckten Fälle einen traurigen Rekord gebrochen

Meist beginnt alles ganz harmlos und unauffällig: Fotos von niedlichen Welpen aus einer vermeintlich liebevollen Hobbyzucht tauchen in gängigen Online-Portalen wie "eBay-Kleinanzeigen", "Deine Tierwelt" und "Quoka" auf. Privatpersonen möchten den Hundenachwuchs angeblich an eine neue Familie vermitteln und suchen über die Portale nach passenden Interessentinnen und Interessenten. Richtige Informationen über die Hunde gibt es in den Anzeigen selten.

Weil seriöse Hundezüchterinnen und Hundezüchter den riesigen Bedarf an Hunden, aber auch Katzen, der durch die Corona-Pandemie entstanden ist, nicht decken können, die Tiere aber möglichst schnell verfügbar sein sollen, schauen Interessierte häufig im Internet nach einem passenden Vierbeiner und stoßen auf die dubiosen Anzeigen. Dort zahlen sie selbst dann hohe Preise für ein Tier, wenn es weder Kaufvertrag noch Papiere gibt.

Hinter Online-Inseraten versteckt sich großes Tierleid

Hinter den hübschen Anzeigen verbirgt sich oft ein brutales Geschäft. Nicht selten kommen die Tiere aus illegalen Zuchtstationen in osteuropäischen Ländern nach Deutschland – ein qualvolles Leid, das viele der Welpen und Muttertiere erst gar nicht überleben. Kommen die Jungtiere in den Verkauf, sind viele aufgrund schlechter Haltung bereits erkrankt oder verhaltensauffällig.

"Zu früh werden die Welpen häufig vom Muttertier getrennt, werden weder entwurmt noch mit wichtigen Impfungen versorgt und zudem tierschutzwidrig transportiert und schlecht versorgt", erklärt eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Das würden Käuferinnen und Käufer aber häufig erst später sehen – wenn die Welpen schwer erkrankt sind und sich die Händler nicht mehr auffinden lassen. Nicht selten müssen solche Tiere kurz nach der Übergabe bereits eingeschläfert werden. Nach Schätzungen der Europäischen Union werden monatlich rund 50.000 Welpen zwischen den europäischen Ländern gehandelt, nur ein Bruchteil wird jedoch aufgedeckt und die Täter registriert – die Behörden sind überlastet, die Kontrollen zu selten.

Fallzahlen in Deutschland auf Rekordhoch

Auch Deutschland bleibt von diesem Problem nicht verschont. Bereits im ersten Halbjahr 2021 zeigte die Halbjahresbilanz des Deutschen Tierschutzbundes, dass die Zahl der bekannt gewordenen Fälle illegalen Welpenhandels nach sechs Monaten bereits die Zahl aus dem gesamten vergangenen Jahr 2020 überschritten hatte. In damals bereits 179 bekannt gewordenen Fällen waren 1307 Tiere betroffen, die große Mehrheit davon Hundewelpen. Von einer hohen Dunkelziffer sei auszugehen. 

"Dieser erneut extreme Anstieg ist erschreckend, war aber leider fast zu erwarten. Die Nachfrage ist weiter hoch, die Pforten des Internets sind für kriminelle Händler weit geöffnet und der Gesetzgeber greift nicht ein. Solange sich daran nichts ändert, werden weiter massenhaft Welpen unter schlimmsten Bedingungen produziert und illegal geschmuggelt", sagt Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Anstieg der entdeckten Fälle um 145 Prozent

Neue Zahlen, die aus dem aktuellen Report der Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN" von Januar 2022 hervorgehen, bestätigen diesen Trend. Demnach registrierte die Organisation im Jahr 2021 insgesamt 211 Fälle, davon betroffen waren 1839 entdeckte Tiere, darunter 1765 Hunde und 74 Katzen.

Vergleicht man die Zahl der entdeckten Tiere, die illegal in den Jahren 2020 und 2021 in Deutschland gehandelt wurden, zeigt sich ein Anstieg um 140 Prozent
Vergleicht man die Zahl der entdeckten Tiere, die illegal in den Jahren 2020 und 2021 in Deutschland gehandelt wurden, zeigt sich ein Anstieg um 140 Prozent
© VIER PFOTEN

Entdeckt wurden die meisten von ihnen in Transportern auf der Autobahn oder in Wohnungen, wo sie zum Verkauf angeboten wurden. Die Tiere waren häufig in einem sehr schlechten Gesundheitszustand, schwach, ungepflegt und unterkühlt. Viele der Tiere wurden über Tage ohne Futter und Wasser in viel zu kleinen Boxen oder Käfigen transportiert – bis zu sechs Welpen in einer Katzentransportbox. 13 Tiere waren zum Zeitpunkt, als sie entdeckt wurden, bereits verstorben, mindestens 68 starben kurz darauf. Viele der Tiere hatten keine oder gefälschte Papiere, in mindestens 43 Fällen war der Impfschutz der Tiere gar nicht oder nur unzureichend vorhanden.

Vergleicht man die Zahlen mit denen des Reports von 2020, so fällt auf, dass die Zahl der Fälle im Jahr 2021 deutlich höher war: In 86 Fällen wurden 771 Tiere, darunter 57 Katzen, entdeckt. Dies bedeutet einen Anstieg um 145 Prozent der aufgedeckten Fälle und rund 140 Prozent der entdeckten Tiere im Vorjahresvergleich.

Meiste Beschlagnahmungen in Bayern

"VIER PFOTEN" wertete außerdem aus, wie sich die aufgedeckten Fälle illegalen Tierhandels auf die deutschen Bundesländer verteilen. Der Auswertung zufolge fanden demnach in Bayern mit 68 Fällen fast ein Drittel (32,6 Prozent) der Beschlagnahmungen statt. Das macht das Bundesland mit Abstand zum Spitzenreiter. Auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen mit 46 Beschlagnahmungen (22,4 Prozent).

In Baden-Württemberg fanden 29 Beschlagnahmungen statt (12,7 Prozent) und in Sachsen wurden 13 Fälle (6,6 Prozent) entdeckt. Die übrigen Fälle verteilen sich in absteigender Reihenfolge auf die folgenden Bundesländer: Hessen, Niedersachsen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein, Brandenburg, Thüringen sowie Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland.

BESCHLAGNAHMTE TIERE PRO BUNDESLAND 2021
In Bayern fanden die meisten Beschlagnahmungen statt: 68 Fälle illegalen Welpenhandels wurden hier im Jahr 2021 registriert
© VIER PFOTEN

Vergleicht man die Zahlen von 2021 mit denen aus dem vergangenen Jahr, so fällt auf, dass auch im Jahr 2020 die meisten Beschlagnahmungen in Bayern registriert wurden (32,6 Prozent), gefolgt von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Die Entwicklung zeigt, dass bei gestiegenen Zahlen der Beschlagnahmungen und der sichergestellten Tiere im Jahr 2021 dieselben vier Bundesländer wie im Vorjahr eine wichtige Rolle im illegalen Welpenhandel einnehmen. Hier muss angemerkt werden, dass für diese Zahlen verschiedene Faktoren entscheidend sein können:

  • es werden dort mehr Kontrollen durchgeführt
  • Mitarbeitende der regionalen Behörden sind für die Problematik des illegalen Tierhandels besonders sensibilisiert
  • der Handel in diesen Bundesländern ist besonders hoch
  • die Nachfrage nach Welpen in diesen Regionen ist besonders hoch
  • die Bundesländer an den deutschen Grenzen dienen als Transitbereiche für den Weitertransport in andere Bundesländer

Die Preise der illegalen Händler verändern sich

Ein auffällig niedriger Preis ist nach wie vor ein Warnsignal, doch die Kriminellen haben dazugelernt und bieten Trendrassen wie etwa Französische Bulldogge, Labrador, Retriever und Malteser auf dem gleichen Preisniveau an wie verantwortungsbewusste Züchterinnen und Züchter. Das sorgt nicht nur für einen größeren Gewinn, sondern auch für mehr Glaubwürdigkeit im Internet. Daher ist der hohe Preis allein kein Signal für die Seriosistät. Das zeigen auch Daten aus dem Report von "VIER PFOTEN".

Zu den am meisten angebotenen Hunderassen auf Onlineplattformen gehörten der Tierschutzorganisation zufolge im Jahr 2021 Französische Bulldogge, Labrador, Chihuahua, Zwergspitz, Malteser, Golden Retriever, Border Colli und Mops. Die Preisentwicklung zeige über alle Rassen und Plattformen im Laufe des Jahres einen deutlichen Trend nach oben, wobei vor allem die untere Preisgrenze signifikant ansteige.

Die Rasse "Französische Bulldogge" steht beispielhaft für diese Entwicklung: So lag der niedrigste Preis für eine Französische Bulldogge im ersten Quartal nach Angaben von "VIER PFOTEN" zwischen 250 und 550 Euro, der Höchstpreis zwischen 3000 und 3500 Euro ("Quoka") bzw. 6.500 Euro ("Deine Tierwelt"). Im vierten Quartal variierten die Preise stark zwischen 550 und 8000 Euro (dieser Höchstpreis wurde im November auf Deine Tierwelt erreicht, im Schnitt liegt die obere Preisgrenze aber bei 3500 Euro).

Doch wie können Tierkäuferinnen und Tierkäufer nun erkennen, ob alles mit rechten Dingen zugeht? "Faustregel ist, keinen Hund übers Internet zu kaufen", empfiehlt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. "Man kann sich dort informieren, aber danach sollte man ins Tierheim oder zu Züchtern gehen."


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