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Bedrohte Tierart Boomender Glühwürmchen-Tourismus gefährdet Bestände

Glühwürmchen in einem Wald in Japan
Es ist ein beeindruckendes Naturerlebnis, wenn Tausende Glühwürmchen die Nacht erhellen
© mauritius images / Diversion / Shosei
In Ostasien hat er eine lange Tradition, doch inzwischen boomt der Glühwürmchen-Tourismus weltweit. Das könnte lokale Bestände bedrohen, mahnen Forscher und nennen ein Beispiel. Verhaltenstipps sollen die Insekten schützen

Manche Menschen beobachten im Urlaub Großwild, andere halten nach Vögeln Ausschau - und wieder andere ziehen los, um Leuchtkäfer (Lampyridae) zu suchen. Tatsächlich ist es ein beeindruckendes Naturerlebnis, wenn Tausende Glühwürmchen die Nacht erhellen. Inzwischen gebe es in vielen Ländern der Welt einen regelrechten Glühwürmchen-Boom, der die Bestände der Leuchtkäfer mancherorts bedrohe, berichten Forscher um Sara Lewis von der Weltnaturschutzunion (IUCN) im schweizerischen Gland. Im Fachblatt «Conservation Science and Practice» beschreiben sie die Licht- und Schattenseiten dieses Trends und geben Tipps für einen naturverträglichen Tourismus.

Mit weltweit etwa 2200 Arten - drei davon in Deutschland - zählten Leuchtkäfer zu den charismatischsten Insekten der Erde, schreibt das Team. Larven sämtlicher Arten können demnach Licht erzeugen, und bei jenen Spezies, die das noch im adulten Stadium können, diene das Leuchten der Partnerwerbung. Je nach Art verbringen die Tiere wenige Monate bis mehrere Jahre als Larven, wogegen die adulten Tiere nach der Paarung meist nur noch einige Wochen leben.

In Ostasien - etwa Japan und Korea - ziehen traditionell Tausende Menschen zu Orten mit besonders hoher Glühwürmchen-Dichte. In Japan hat der Glühwürmchen-Tourismus demnach eine jahrhundertelange Tradition: Schon im frühen 20. Jahrhundert fuhren Menschen zu Tausenden in Zügen aus Kyoto und Osaka in die Stadt Uji, um dort bei nächtlichen Bootstouren bei Käferleuchten zu speisen. Aus Thailand gibt es Überlieferungen aus dem 17. Jahrhundert, die beschreiben, dass Tausende Tiere synchron blinken - dieses Aufleuchten im Gleichtakt kommt nur bei wenigen Arten vor. 

Die Glühwürmchen-Population schrumpfte um 80 Prozent

Inzwischen werden Glühwürmchen-Events in den USA - etwa in den Staaten Tennessee und North Carolina - ebenso angeboten, wie in Mexiko, Indien, Portugal oder Italien. Schätzungsweise eine Million Menschen reise jährlich, um solche Phänomene zu bestaunen, schreibt das Team. 

Das Phänomen sei zwar für Besucher ein denkwürdiges Erlebnis und könne auch den Menschen vor Ort Verdienstmöglichkeiten bieten, betonen die Forscher. Allerdings habe der Trend auch Schattenseiten und bedrohe manche Glühwürmchen-Populationen. Als warnendes Beispiel beschreiben die Forscher die Entwicklung im thailändischen Ort Amphawa südwestlich von Bangkok. Dort versammeln sich die Männchen der Art Pteroptyx malaccae auf den Bäumen der Mangrovenwälder und blinken synchron, um Weibchen anzulocken.

Als die Behörden den Tourismus ankurbelten, stieg die Zahl der Ausflugsboote dem Artikel zufolge zwischen 2004 und 2010 von 7 auf 180. Nachts gab es teils mehr als 200 Touren in die Zone, wobei manche Bootsführer die Bäume anstießen, um die Insekten aufzuscheuchen. In den folgenden Jahren schrumpfte die Population um schätzungsweise 80 Prozent.

Generell könnten Glühwürmchen sehr empfindlich auf Besucherströme reagieren, mahnt das Team und nennt mehrere Gründe:

  • Der Bau etwa von Straßen, Parkplätzen, Wegen und Restaurants zerstört den Lebensraum der Tiere. 
  • Die Besucher verdichten den Boden und zertreten dir dort lebenden Eier, Larven und Puppen sowie die bei vielen Arten flugunfähigen Weibchen.
  • Die Tiere reagieren empfindlich auf Lichtverschmutzung etwa durch Taschenlampen, Smartphones oder Blitzlicht.
  • Auch Lärm kann die Insekten stören, ebenso Rauchen und Parfüms, da viele Arten auf Duftstoffe reagieren. 

Die Corona-Pandemie habe den Leuchtkäfer-Tourismus unterbrochen, aber nur vorübergehend, schreibt das Team. Künftig sei es für Organisatoren wie auch für Touristen wichtig, sich verantwortungsvoll zu verhalten, sagt Lewis: «Mit diesem Überblick über den derzeitigen Stand des Glühwürmchen-Tourismus und die sich verschlechternden Lebensräume rufen wir Ortsgemeinschaften und Regierungen und auch die Touristen selbst dazu auf, sich als Schützer der Glühwürmchen zu verhalten.» 

Walter Willems, dpa

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