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Satellitenfotos Alle können mitmachen: 500.000 Freiwillige sollen Walrösser zählen – vom heimischen Bildschirm aus

Schmelzendes Meereis: Immer öfter sind Walrösser auf Strände angewiesen, um sich auszuruhen oder ihre Jungen zur Welt zu bringen
Schmelzendes Meereis: Immer öfter sind Walrösser auf Strände angewiesen, um sich auszuruhen oder ihre Jungen zur Welt zu bringen
© mikhail cheremkin / Adobe Stock
In einem bislang einzigarten Projekt sollen Hunderttausende Freiwillige Walrösser an den Küsten des Atlantiks zählen – auf hochauflösenden Satellitenbildern

Niemand weiß, wie viele Walrösser es im nördlichen Atlantik gibt. Und wo genau sie sich aufhalten. Das soll sich nun ändern. Mit Hilfe von Hunderttausenden Freiwilligen planen der World Wide Fund for Nature (WWF) und British Antarctic Survey (BAS) eine ungewöhnliche Bestandsaufnahme: An ihren heimischen Computerbildschirmen sollen die Citizen Sientists detailgenaue Satellitenaufnahmen auswerten.

Für das Mammut-Projekt Walrus from Space eignen sich Walrösser ideal: Zum einen lassen sich dank moderner Satelliten-Kameras die massigen Walrösser aus der Erdumlaufbahn gut erkennen. Zum anderen sind die Aufenthaltsorte von Walrössern oft schwer zugänglich. Und da Walrösser extrem schreckhaft sind, besteht bei einer herkömmlichen Zählung von Land aus immer die Gefahr einer Panik mit Todesopfern.

Wohin, wenn das Meereis schmilzt?

Wie WWF und BAS erklären, ist das Walross eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Tierarten. Denn die Tiere sind auf das Meereis angewiesen, um sich auszuruhen, ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Doch die Temperaturen in der Arktis steigen fast dreimal schneller als die globalen Mittelwerte. Rund 13 Prozent des Meereises, das auch den Sommer überdauert, verschwindet pro Jahrzehnt.

Gesucht sind nun bislang ungezählte Walrösser im nördlichen Atlantik und der russischen Laptewsee, die – notgedrungen – Zuflucht auf dem Festland suchen.

Für die Forscher*innen sind die untypischen Aufenthaltsorte besonders interessant, weil hier möglicherweise mehr Gefahren lauern als auf hoher See. An überfüllten Stränden etwa kann es bei einer Störung leicht zu einer tödlichen Massenpanik kommen. Zudem sind fischreiche Meeresregionen vom Festland aus möglicherweise weiter entfernt. Das würde die Tiere zwingen, energiezehrende Distanzen zurückzulegen. Die industrielle Erschließung der Arktis und der zunehmende Schiffsverkehr stellen weitere Störfaktoren dar.

Bei der Zählung am heimischen Computerbildschirm können im Prinzip alle mitmachen, die über einen Computer und einen Internetanschluss verfügen. Interessierte müssen lediglich ein Tutorial absolvieren und ein Bilderquiz bestehen. "Man fühlt sich schnell machtlos angesichts des Klima- und des Natur-Notstands", sagt Rod Downie, Polar-Experte beim WWF. "Aber dieses Projekt ermöglicht Menschen, aktiv zu werden und einer Spezies, die vom Klimawandel bedroht ist, zu helfen."


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