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Notfall im Garten Was tun, wenn ein Eichhörnchen aus dem Nest gefallen ist?

Kleine Eichhörnchen können problemlos berührt werden. Der menschliche Geruch stört Eichhörnchen-Mütter nicht
Kleine Eichhörnchen können problemlos berührt werden. Der menschliche Geruch stört Eichhörnchen-Mütter nicht
© PapaPics/Shutterstock
Jedes Jahr landen bis zu 4000 kleine Eichhörnchen in Auffangstationen. Wir erklären, wie Sie Erste Hilfe leisten können

Ab Ende März gibt es bei den Eichhörnchen Nachwuchs. Bis zu sechs nackte und zunächst blinde Babys drängen sich dann in ihrem Nest, dem so genannten Kobel. Doch wie auch bei Vögeln und anderen Wildtieren in Garten oder Park kann es passieren, dass sie aus dem Nest fallen.

Die möglichen Gründe sind zahlreich. So kann es sein, dass die Mutter überfahren wurde und die Jungen hungrig und unruhig werden – bis sie schließlich aus dem Nest fallen. Aber auch Sturmschäden oder Angriffe von Krähe, Marder und Co. können Jungtiere heimatlos machen. Gelegentlich werden Jungtiere auch von der Mutter verstoßen.

Jetzt heißt es für menschliche Finder: ruhig bleiben. Denn sehr oft, informiert der Eichhörnchen-Notruf, werden die scheinbar hilflosen Eichhörnchen-Babys von der Mutter zurückgeholt oder in einen neuen Kobel befördert. Für solche Ausweich- und Rettungs-Aktionen bauen Eichhörnchen stets mehr als einen einzigen Kobel. Zumal, wenn die Mutter schon in Sichtweite suchend herumklettert oder schimpft, sollte man abwarten – bis zu drei Stunden.

Verletzte Jungtiere werden von der Mutter nicht zurückgeholt

Wichtig ist dann, dass man die Mutter bei der Rückholaktion nicht stört – gleichzeitig aber dicht genug am Geschehen dran bleibt, um zu erkennen, wenn Gefahr im Verzug ist. Etwa, wenn sich Katzen oder Hunde nähern.

Nur wenn klar ist, dass die Mutter das Jungtier nicht zurückholt, sollten Finder aktiv werden. Und das ist dann der Fall, wenn das Kleine schon stark unterkühlt ist, blutet oder sonst verletzt ist, wenn zu viele Störungen das Zurückholen verhindern – oder wenn die Nacht hereinbricht.

Wirken Jungen geschwächt oder apathisch, hilft nur noch der Gang zum Tierarzt oder zu einer der bundesweit rund 200 Auffangstationen. Eine laufend aktualisierte Linkliste mit Stationen gibt es beim Eichhörnchen-Notruf.

Eichhörnchen, die schon etwas älter sind, suchen instinktiv die Hilfe von Menschen, wenn sie sich alleingelassen fühlen, berichtet Jaqueline Gräfe vom Eichhörnchen-Notruf. Dabei müssen sich Finder keine Sorgen machen, dass ihr Geruch die Mutter stört. Kleine Eichhörnchen werden problemlos auch dann wieder aufgenommen, wenn Menschen sie angefasst haben.

Erste Hilfe: Wärme ist das Wichtigste

Das Wichtigste ist zunächst, die Kleinen zu wärmen – sei es in den eigenen Händen oder in einer mit weichen Tüchern ausgefütterten Kiste mit einer handwarmen Wärmflasche. Die Jungtiere sollten zwar gut von Tüchern oder Fleece umgeben sein – die schützende Enge kennen sie aus dem Kobel. Aber sie brauchen im künstlichen Nest genügend Platz, um sich von der Wärmequelle etwas zu entfernen, falls ihnen zu warm ist.

Vor allem, wenn die Tiere unterkühlt sind, sollten sie weder gefüttert werden noch etwas zu trinken bekommen. Und dann auf dem schnellsten Wege in die nächstgelegene Auffangstation mit ihnen!

Sofern die hilflosen Jungen einen gesunden Eindruck machen, können Sie auch versuchen, die Rückführung am folgenden Tag zu wiederholen. Eichhörnchen-Mütter suchen auch am nächsten Tag noch nach Jungen, die sie aus den Augen verloren haben.


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