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Mythen-Check Fünf verbreitete Irrtümer über Hunde – und was dahinter steckt

Border Collie Welpe liegt im Gras
Trotz weitverbreiteter Meinung sieht es die Verhaltensforschung als erwiesen an, dass es bei Hunden den sogenannten Welpenschutz nicht gibt
© otsphoto - Adobe Stock
Junghunde haben Welpenschutz und Mischlinge sind gesünder als Rassehunde – manche Irrtümer halten sich hartnäckig in den Köpfen. Wir räumen mit fünf gängigen Mythen über Hunde auf

1. "Junghunde genießen bei anderen Hunden Welpenschutz"

Eine weitverbreitete Annahme unter Hundehalterinnen und Hundehaltern ist, dass Junghunde generell Welpenschutz genießen – dass erwachsene Hunde also instinktiv erkennen, dass es sich bei einem Artgenossen um einen harmlosen Junghund handelt und diesen besonders nachsichtig behandeln oder gar beschützen.

Dies ist jedoch ein Irrtum. Mit dem Begriff "Welpenschutz" beschreibt die Wissenschaft bei Wölfen die Toleranz der eigenen Familie zu einem Welpen in den ersten sechs bis sieben Lebenswochen. Jungtiere werden nicht angegriffen, um die Existenz des Rudels nicht zu gefährden.

Nach der etwa siebenwöchigen Schonzeit werden die Jungtiere auf den Ernst des Lebens vorbereitet, der Nachwuchs genießt nun nicht mehr alle Freiheiten. Dieser Schutz existiert jedoch nur innerhalb des eigenen Rudels, bei fremden Artgenossen gibt es ihn nicht. Das lässt sich auch bei Hunden beobachten.

Somit kommt es nicht selten vor, dass ausgewachsene Hunde nicht sonderlich nachsichtig auf fremde Welpen reagieren, die sich freudig aufdrängen und ihnen mit den spitzen Milchzähnen spielerisch ins Fell zwicken. Stattdessen reagieren manche Hunde, insbesondere ältere und gebrechliche Hunde, mit wenig Begeisterung und manchmal auch aggressiv.

Wer mit einem Welpen draußen unterwegs ist, sollte diesen daher immer angeleint lassen und vorher bei Herrchen und Frauchen des anderen Hundes fragen, ob eine Kontaktaufnahme in Ordnung ist, bevor der kleine Wirbelwind losgelassen wird.

2. "Mischlingshunde sind gesünder als Rassehunde"

Im Gegensatz zu Rassehunden, die häufig krank seien, seien Mischlingshunde weitaus weniger anfällig für Krankheiten und müssten deshalb auch seltener in die Tierarztpraxis, so die weitverbreitete Ansicht vieler Hundehalterinnen und Hundehalter. Tatsächlich aber gibt es hierfür keinerlei statistische Belege.

Im Gegenteil: Vor einigen Jahren kam ein britisch-australisches Forschungsteam zu dem Schluss, dass Mischlinge nicht weniger häufig zum Tierarzt müssen als ihre reinrassigen Artgenossen und dass sie genauso Krankheiten in ihren Genen tragen können wie die Rassehunde. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der internationalen Fachzeitschrift PLOS ONE.

Bekannt ist allerdings, dass manche Züchtungen eine signifikante Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen zeigen und infolgedessen manche Rassehunde Krankheitsbilder häufiger entwickeln als andere Rassen oder Mischlingshunde. Seriöse Züchter und Zuchtvereine bemühen sich jedoch, solche bekannten Erbkrankheiten zu vermeiden.

Rassehunde sind daher weder gesünder noch krankheitsanfälliger als Mischlingshunde. Der grundsätzliche Unterschied besteht darin, dass durch eine verantwortungsvolle Zucht das Risiko für bekannte rassetypische Erbkrankheiten minimiert werden kann. Bei Mischlingen lässt sich hingegen gar nicht vorhersagen, wie hoch das Risiko für den Hund ist, an einem bestimmten Leiden zu erkranken.

3. "Das Wedeln der Rute ist immer ein Zeichen der Freude"

Hin und wieder lauern in der Mensch-Hund-Kommunikation Missverständnisse. Ein typischer Fall ist das Schwanzwedeln. Entgegen der Meinung vieler Menschen möchte ein Hund mit dem Wedeln seiner Rute nicht immer nur seiner Freude Ausdruck verleihen.

Ganz grundsätzlich zeigt ein Hund mit dem Bewegen der Rute seine Erregung – diese kann sowohl positiv als auch negativ besetzt sein. Mit dem Schwanzwedeln signalisiert der Vierbeiner seine Aufmerksamkeit und zeigt, dass er in dieser Situation bereit zum Handeln ist.

Welche Emotion beim Schwanzwedeln des Hundes ausschlaggebend ist, lässt sich an der restlichen Körpersprache des Tiers ablesen. Die Neigung des Kopfes, die Höhe der Rute und die Position der Ohren lassen Rückschlüsse darauf zu, ob der Hund erfreut, angespannt, unsicher oder gar aggressiv ist.

Auch die Richtung, in die die Rute eines Hundes wedelt, kann Informationen über die Gemütslage des Tieres liefern: Forschende aus Italien berichteten vor einigen Jahren in der Fachzeitschrift "Current Biology", dass ein Hund mit einem nach links gerichteten Schwanzwedeln negative Gefühle signalisiert, beispielsweise als Warnung an feindselige Artgenossen. Mit einem nach rechts gerichteten Wedeln der Rute drückt ein Hund hingegen positive Emotionen aus, zum Beispiel beim Anblick von Herrchen oder Frauchen.

4. "Kampf- und Listenhunde sind aggressiv"

Gemeinhin gilt der Hund als bester Freund des Menschen. Manche Rassen, so genannte "Kampfhunde", gelten jedoch als äußerst gefährlich. Viele Menschen gehen Rassen wie Pitbull-Terrier und Bullterrier daher lieber aus dem Weg. Landen diese Hunderassen im Tierheim, werden sie nur schwer wieder vermittelt.

Tatsächlich aber belegen Studien: So genannte Listenhunde – also Hunderassen, die per Gesetz als gefährlich oder potenziell gefährlich gelten – reagieren nicht aggressiver als andere Hunderassen. Das Ergebnis einer Dissertation der Freien Universität Berlin zeigt zudem: Statistisch gesehen gibt es keine Hunderasse, die im Vergleich zu anderen Hunderassen mehr beißt. So ist ein Staffordshire-Terrier also nicht gefährlicher als beispielsweise ein Labrador.

Der Grund für den Begriff "Kampfhund" liegt viele hundert Jahre zurück, die Geschichte beginnt mit grausamen Tierkämpfen. Für diese wurden Bulldoggen mit Terriern gekreuzt und die muskulösen Tiere dann zum Statussymbol. Ihre Halter richteten sie ab und trainierten die Tiere darauf, nach dem Zubeißen nicht mehr loszulassen. So ließen sich die Hunde gezielt als Waffe einsetzen. Noch heute gelten solche Hunderassen als gefährlich, weshalb es in Deutschland strenge Regeln für die Haltung gibt.

Man kann jeden Hund allerdings darauf trainieren, Artgenossen zu verletzen oder gar zu töten. Gezieltes Training, fehlende Erziehung, eine schlechte Sozialisierung und Haltung sind daher meist der eigentliche Grund für eine hohe Aggression. Und hier zeigt sich das eigentliche Problem: Wenn ein so genannter "Listenhund" falsch gehalten wird, ist dieses Tier letzten Endes wegen seiner körperlichen Stärke deutlich gefährlicher, als wenn ein Dackel oder Chihuahua nicht gut erzogen oder schlecht sozialisiert ist.

5. "Die Nase ist das wichtigste Sinnesorgan eines Hundes"

Zweifelsohne ist der Geruchssinn des Hundes von all seinen Sinnen am besten ausgeprägt. Das Tier nimmt seine Umwelt größtenteils über diesen Sinn wahr, doch in vielen Alltagssituationen ist die Nase für den Hund zunächst nicht ganz so bedeutsam.

Viel wichtiger ist beim Aufeinandertreffen das Sehen, also das aufmerksame Beobachten, wie sich das Gegenüber in der Distanz verhält. Denn genauso wie wir Menschen entscheidet auch bei Hunden der erste Eindruck darüber, wie die weitere Begegnung verläuft oder ob man sich vielleicht lieber ganz aus dem Weg geht. Erst danach kommen das Riechen und Hören hinzu und zuletzt unter Umständen auch das Fühlen, also die eigentliche Annäherung.

Auch in der Kommunikation zwischen Hund und Mensch nimmt das genaue Beobachten eine große Bedeutung ein. Hunde besitzen eine Fähigkeit, die selbst Menschenaffen weitgehend fehlt: menschliche Mimik und Gestik zu deuten, etwa einen ausgestreckten Finger, eine erhobene Hand oder ein freudiges Lächeln.

Inzwischen finden viele Forscherinnen und Forscher immer mehr über die einzigartige Fähigkeit der Hunde heraus, Menschen zu beobachten und zu analysieren. Und die Forschung ist noch lange nicht am Ende. Im Gegenteil: Viele Hunde wissen vermutlich schon viel mehr über uns Menschen, als wir bislang verstehen.


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