Befahrensverbot Rätselhafte Orca-Angriffe auf Segeljachten: Spanische Regierung verbietet Fahrten in Küstennähe

In diesem Sommer kam es vor der Küste Spaniens immer wieder zu bedrohlichen Begegnungen von Sportboot-Besatzungen mit Schwertwalen. Forscher rätseln weiter über die Motive der Tiere. Unterdessen hat die spanische Regierung ein Befahrensverbot erlassen
Orca

Vor der Küste Spaniens haben Orcas Segeljachten ins Visier genommen. Über den Grund können Experten bislang nur Vermutungen anstellen

Orcas sind zwar gewiefte Jäger, doch Angriffe auf Menschen sind nur wenige bekannt. Umso erstaunlicher waren Meldungen von der spanischen Atlantik-Küste. Besatzungen verschiedener Segeljachten berichteten von Begegnungen mit mehreren Tieren, die neben dem Boot und unter dem Boot schwammen, es rammten und Schäden an Ruderanlagen verursachten.

Weitere Berichte von ähnlichen Vorfällen deuten darauf hin, dass es sich nicht um zufällige Kollisionen handelt, wie sie in der Vergangenheit schon öfter vorgekommen sind. Offenbar gehen die sozialen und hochintelligenten, bis zu sechs Tonnen schweren Tiere gezielt vor.

Ziel der Angriffe scheint die Ruderanlage zu sein

Die Besatzung einer spanischen Segeljacht – hier ein Video des Vorfalls – bemerkte erst später, dass die Ruderanlage des Boots beschädigt war. Die Besatzung eines anderen Boots berichtete, ein Schwertwal habe das Heck mindestens 15 Mal gerammt. Das Boot verlor sein Ruder und musste in den nächstgelegenen Hafen geschleppt werden.

Vorsorglich hat nun die spanische Regierung nun ein Befahrensverbot für Segeljachten ausgesprochen. Es gilt für das Küstengebiet, in dem sich die Vorfälle ereignet haben – und zunächst für eine Woche. Zwischen dem Kap Priorioño Grande und dem Kap Punta de Estaca de Bares an der Küste Galiziens dürfen Boote unter 15 Meter Rumpflänge nicht mehr in Küstennähe fahren, sondern nur noch, um den offenen Ozean zu erreichen.

Das Verbot soll, so heißt es in einer Erklärung des Verkehrsministeriums, Menschen und Schwertwale gleichermaßen schützen.

Meeresbiologen suchen weiter nach einer Erklärung

Wale und Delfine sind zwar bekannt dafür, dass sie gerne neben Schiffen und Booten schwimmen. Auch zu Schäden an Schiffsrümpfen ist es in der Vergangenheit schon öfter gekommen. Doch die wurden meist als unglückliche Zufälle angesehen. Über den Hintergrund der aktuellen Zwischenfälle rätseln Meeresbiologen weiter. Einigkeit gibt es offenbar nur darüber, dass das Verhalten der Orcas „ungewöhnlich“ und „besorgniserregend“ ist.

Die Orcas aus dem Golf von Cádiz befinden sich laut Meeresbiologen im September auf dem Weg Richtung Norden, um in der Biscaya Blauflossen-Thunfische (auch „Roter Thun“ genannt) zu jagen. Doch der wird durch Überfischung immer seltener.

Einen Zusammenhang mit der Langleinen-Fischerei nach Blauflossen-Thunfisch schließt Orca-Experte Rob Lott von der Whale and Dolphin Conservation (WDC) nicht aus: „Möglicherweise hat das Rammen der Boote mit Stress zu tun, da diese kleine, akut vom Aussterben bedrohte Population schon lange an der Überfischung ihrer bevorzugten Beute, dem Roten Thun aus dem Atlantik, leidet", heißt es in einer Pressemitteilung der WDC.

Schwertwale sind bekannt dafür, dass sie in Gruppen von bis zu 20 Tieren jagen, dabei miteinander kommunizieren und ausgeklügelte Strategien verfolgen. So schneiden sie Robben den Weg ab, kippen sie von Eisschollen, zwingen Heringsschwärme zum Auftauchen – und greifen sogar Weiße Haie an.