Traumatisierte Elefanten "Die Tiere versuchen ihre Stoßzähne zu verstecken"

Nervöse Tiere, die versuchen, ihre Stoßzähne zu verbergen – und die Nachwuchs bekommen, der komplett zahnlos ist: Faye Cuevas macht beim Kampf gegen Wilderer in Kenia erstaunliche Entdeckungen
Elefant mit langen Stoßzähnen

Big Tuskers werden Elefanten mit besonders mächtigen Stoßzähnen genannt. "Davon gibt es weltweit nur noch sehr wenige. Aber die Tiere wirken auf mich wie traumatisiert", sagt Faye Cuevas. Die ehemalige Geheimdienstoffizierin kam 2009 für einen militärischen Auftrag nach Afrika – und blieb, um Elefanten zu schützen.

GEO: Was brachte Sie zum Kampf gegen Wilderer?

FAYE CUEVAS: Als wir im Jahr 2009 nach Zentralafrika kamen, kannten wir das Gebiet nicht und mussten Indikatoren finden, um zu verstehen, wo Gefahr drohte. Zum Beispiel gilt: Ist ein lokaler Markt schlecht besucht, dann kann das ein Warnsignal sein. Die Menschen fühlen sich nicht sicher. Erstaunlicherweise gilt etwas Ähnliches auch für Elefanten, so fanden wir heraus.

Wie meinen Sie das?

Wenn Elefanten plötzlich neue Laufrouten wählen, dann gibt es einen Grund dafür – das kann beispielsweise die Gefahr sein, die von Menschen ausgeht. Die Tiere spüren das intuitiv, wir konnten das beobachten. Ich wollte die Elefanten schützen. So wurde ich leitende Vizepräsidentin des International Fund for Animal Welfare und Managerin des tenBoma-Projekts.

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Was genau tut das tenBoma-Projekt?

Wir setzen uns für die Erhaltung der Tsavo-Nationalparks in Kenia ein. Nur acht Prozent der Fläche Kenias sind geschützt, im Rest des Landes sind Elefanten Freiwild. Wir entwickeln ein System, um die Aktivitäten von Wilderern vorhersagen zu können.

Faye Cuevas

Faye Cuevas setzt beim Schutz von Wildtieren auf die Hilfe von Frauen

Wie funktioniert das?

Gefährdet sind Gebiete, wo die Menschen arm sind und wenig Chancen auf Bildung haben: Das Letzte, worüber sie reden wollen, ist Elefantenschutz. Deswegen hören wir erst einmal zu, versuchen zu verstehen, wo die Probleme liegen. Da Wilderer oft aus der Gegend stammen, in der sie Jagd auf Elefanten machen, suchen wir in den lokalen Gemeinden Verbündete. Besonders unter den Frauen.

Warum unter den Frauen?

Ich bekomme als Frau die Gelegenheit, mit anderen Frauen im Vertrauen zu sprechen. Sie sind oft Mütter und Erzieherinnen der kommenden Generationen. Sie wünschen sich Frieden für ihre Kinder und sind eher ansprechbar für das Anliegen, Wildtiere zu schützen.

Welche Erfolge haben Sie erzielt?

Wilderei ist in unserem Einsatzgebiet um ein Drittel zurückgegangen. Als wir im Jahr 2015 als Partner der kenianischen Wildschutzbehörden starteten, gab es in der Umgebung 11 000 Elefanten. Jetzt sind es 13 000. Darunter finden sich auch einige „Big Tuskers“, das sind Elefanten, deren Stoßzähne bis zum Boden reichen. Davon gibt es weltweit nur noch sehr wenige. Aber die Tiere wirken auf mich wie traumatisiert.

Elefanten mit Trauma – woran sehen Sie das?

Wenn wir sie beobachten, dann versuchen sie manchmal, sich so im Gebüsch zu verstecken, dass man die Stoßzähne nicht sieht. Außerdem sind sie andauernd nervös und rastlos. Das erinnert mich an Soldaten, die aus dem Krieg nach Hause kommen. Und ihre Kälber haben oftmals keine Stoßzähne mehr.

Als Folge der Wilderei?

Es gibt Forschungsergebnisse, wonach bis zur Hälfte aller Elefantenkälber in Wildereigebieten ohne Stoßzähne geboren werden. Als würde die Vorbeugung gegen Wilderer genetisch vererbt.

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