Malerischer Rettungsanker Gegen die Wucht der Wellen: Thailand setzt auf Rückkehr der Magrovenwälder

  • von Frauke Gans
Mangrovenwald
Mit ihren verzweigten Wurzeln sichern Mangrovenwälder die Küsten
© imageBROKER / Raimund Franken
Lange schützten Mangroven Thailands Ufer, dann wurde abgeholzt. Nun forsten die Bewohner wieder auf

Das Meer frisst sich in die Küsten Thailands. Wo zuvor Mangrovenwäldchen den Boden festhielten, vor allem an den westlichen Ufern des Golfs von Thailand, nimmt sich Wasser den Boden Stück für Stück, mitunter fünf Kilometer im Jahr landeinwärts. Massive Abholzung ließ die Ufergebiete blank und wehrlos zurück, einige Dörfer und Kleinstädte ziehen sich inzwischen ins Landesinnere zurück und überlassen Gebäude dem Meer. Andere schützen ihre Strandgürtel:  In Bang Kaeo in der Provinz Samut Songkhram sichern frisch aufgeforstete Mangrovenwälder mit ihren verzweigten Wurzeln den Küstenstreifen des Ortes. 

Kontrollierte Rodungen der Mangrovenwälder gab es in Thailand zwar bereit seit 1896, aber erst mit Beginn der 1960er bis in die 1980er Jahre wurde ein Drittel der gegen Salzwasser resistenten Bäume und Büsche vernichtet. Sie mussten Zuchtanlagen für Garnelen weichen, und auch Anlagen, die Meersalz gewinnen. 

Gefahr durch steigenden Meeresspiegel

In Bang Kaeo leben viele der knapp 60.000 Einwohner von eben diesen Wirtschaftszweigen. Nun fürchteten sie, dass auch ihnen, ohne den Schutz durch die Mangroven, das Wasser bald bis zum Hals stünde: Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel spürbar ansteigen. Also stellten Aktivisten der Region einen fünf Kilometer langen Bambuszaun im Meer auf. Er schwächt die Wucht der Wellen und hält den Schlamm am Ufer: Ideale Lebensbedingungen für Mangroven, aber auch für frische Setzlinge. Der Wald erholte sich, Fischotter, Austern, Garnelen, und Fische kehrten zurück. Seit die Einwohner die Vorteile der Wälder unmittelbar spüren, widmen sich auch voller Enthusiasmus dem nachhaltigen Schutz der bestehenden 6,4 Hektar Mangrovenwald. 

Mann auf Holzboot an Andamanensee
Auch an der Andamanensee befestigten Bewohner die mit Mangroven bewaldeten Uferzonen 
© Carolyn Cowan

Das ist auch sinnvoll, weil oft das staatliche "Department of Marine and Coastal Resources" die Küste Thailands ebenfalls durch Aufforstung der Mangroven schützt. Aber viel zu oft werden die staatlichen Setzlinge in unvorbereitete Küstenabschnitte gepflanzt, in denen sie nicht gedeihen können. "Die Medienwirksamkeit dürfte bei solchen Pflanzungen eine Rolle spielen," so Martin Zimmer, Professor für Mangrovenökologie am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung. 

Monokultur statt Vielfalt

In der "Mangrove Nature School", einem Aufklärungszentrum, lernten die Bewohner von Bang Kaeo schon früh über die Vorzüge des Bambuszaunes: Wenn Bodenverhältnisse und die Wasserwucht reguliert werden, können Samen mittelfristig sogar wieder selbstständig keimen, Setzlinge werden dann überflüssig. 

Zudem wird in Thailand in der Hoffnung auf schnelle Besserung nur eine einzige Baumart gesetzt. Doch diese Monokulturen sind deutlich instabiler als artenreiche Pendants und ziehen keine vielfältige Tierwelt an. Dabei setzen sich thailändische Mangrovenwälder ursprünglich aus bis zu 80 Pflanzenarten zusammen. "Viele dieser homogenen Wiederaufforstungen schlagen fehl," so Martin Zimmer. 

So auch in einem Abschnitt an der Küste von Bang Kaeo – nicht weit von dem jetzt florierenden Waldstück der Gemeinde. Hotelketten setzten damals 1000 Jungpflanzen in ein unvorbereitetes, verschlammtes Areal. Nur zwei der Setzlinge überlebten. In Bang Kaeo begrüßt man die Bemühungen der Firmen trotzdem – weil zeitgleich der Müll am Strand eingesammelt wird. 

Erschienen in GEO 04/2026

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