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Kaventsmann Forschende dokumentieren rekordverdächtige Monsterwelle im Pazifik

Große Wellenberge in Küstennähe wie hier vor Hawaii sind keine Seltenheit. Dass sie sich aber auf offener See haushoch auftürmen, wird kaum dokumentiert
Große Wellenberge in Küstennähe wie hier vor Hawaii sind keine Seltenheit. Dass sie sich aber auf offener See haushoch auftürmen, wird kaum dokumentiert
© mauritius images / Andre Seale / VWPics / Alamy / Alamy Stock Photos
Lange galten sie als Mythos unter Seefahrern: Monsterwellen, die sich weit über 20 Meter hoch auftürmen. Mittlerweile hat die Wissenschaft ihre Existenz belegt – und nun eine neue Riesenwoge vermessen

November 2020. Der Pazifik vor Vancouver Island ist unruhig, ein kräftiger Wind pfeift über die Wasseroberfläche. Dann kommt das Ungetüm: Eine 17,6 Meter hohe Wand aus Wasser türmt sich auf, schiebt weiße Gischt vor sich her und bricht zusammen. Eine Monsterwelle.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nennen solche Ungetüme auch Kaventsmänner und – aus dem Englischen stammend – Rouge- oder Freakwaves. Um als solche gezählt zu werden, muss eine Welle mindestens doppelt so hoch sein wie die Durchschnittswellen in ihrer Umgebung.

Die Welle vor Vancouver Island schaffte das locker, waren die Wogen um sie herum doch "nur" rund fünf Meter hoch. Gerade diese Differenz macht die Welle zum Rekordbrecher: In Relation zu den Umgebungswellen sei sie die vermutlich größte Welle, die je aufgezeichnet wurde, schreiben Johannes Gemmerich und Leah Icon von der University of Victoria, die ihre Auswertung der von Bojen gesammelten Daten jüngst im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlichten.

Dass solche ungeheuren Wellenberge tatsächlich existieren, galt lange als nicht gesichert. Zwar gab es Indizien, erzählen doch Seefahrer seit Jahrhunderten von gigantischen Wogen auf offener See. Auch sind einige Schiffskatastrophen im 20. Jahrhundert wohl auf Monsterwellen zurückzuführen. So fanden Rettungskräfte 1978 im Nordatlantik ein leeres Rettungsboot des verschwundenen, 261 Meter langen Frachters "München". Das Boot war offenbar von einer Welle beschädigt worden, während es noch am Frachter hing – also 20 Meter über dem Meeresspiegel.

Einen handfesten Beweis für die Existenz der Riesenwellen konnte trotzdem niemand liefern – bis er am Neujahrstag 1995 auf die Draupner-Bohrinsel in der Nordsee krachte.  Ein Lasermessgerät zeichnete die Höhe der Riesenwelle auf: Sie maß von Wellental zu Wellenkamm knapp 26 Meter und übertraf damit die übrigen, im Schnitt rund elf Meter hohen Wellen um mehr als das Doppelte.


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