Das weltberühmte Tauchparadies Raja Ampat liegt im Herzen des Korallendreiecks. Die Inselwelt im Osten Indonesiens galt lange Zeit als globales Vorbild für Meeresschutz. Haie, Mantas und Meeresschildkröten gleiten dort neben riesigen Fischschwärmen durch Fächerkorallenformationen, von denen manche nur in diesen Gewässern zu finden sind. Einige Biologen sprechen von dem einzigen Ort auf der Erde, an dem sich auf so kleinem Raum so viele Fische, Korallen und andere Lebewesen versammeln. Starke Meeresströmungen transportieren Nährstoffe und erhalten so das, was Wissenschaftler als das artenreichste marine Ökosystem der Erde bezeichnen. Neben dem Amazonas einer der wenigen Orte weltweit, an denen die Artenvielfalt jährlich zunimmt.
Heute stehen die Ökosysteme von Raja Ampat jedoch massiv unter Druck, da die Besorgnis über die Ausweitung des Nickelabbaus sowie den boomenden internationalen Tourismus wächst.
Das Ökosystem war schon einmal bedroht
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Riffe nicht immer so gesund aussahen, wie wir sie heute kennen. In den frühen 2000er-Jahren setzten Fischer aus anderen Teilen Indonesiens und Südostasiens Sprengstoff und große Netze zum Fischen ein. Dabei beschädigten sie Korallen und dezimierten die Haipopulationen. Einheimische Fischer waren gezwungen, für ihren Fang bis zu zehn Kilometer vor die Küste zu fahren. Das hatte Auswirkungen auf die Wirtschaft von Raja Ampat. Die Regierung konzentrierte sich auf Bergbau und Forstwirtschaft als wichtigste Motoren der Region.
Dieser Kurs änderte sich, als eine Meeresuntersuchung von Conservation International Gespräche zwischen lokalen Führungskräften und Umweltgruppen anregte. Dabei wurde erörtert, wie der Schutz der Gewässer von Raja Ampat Ernährungssicherheit und nachhaltige Tourismuseinnahmen gewährleisten und gleichzeitig eines der wichtigsten Ökosysteme des Ozeans bewahren könnte. Das Resultat sind zehn Meeresschutzgebiete, die ab 2007 eingerichtet wurden und eine Fläche von zwei Millionen Hektar umfassen. Darunter befinden sich 45 Prozent der Riffe, Seegraswiesen und Mangroven von Raja Ampat.
Das schillernde Ökosystem erholte sich – bis jetzt
Heute nehmen die lokalen Gemeinden den Meeresschutz sehr ernst. Sie patrouillieren in den Gewässern, setzen Fischereivorschriften durch und überwachen touristische Aktivitäten. Dies wird größtenteils durch Tourismuseinnahmen finanziert, darunter eine Eintrittsgebühr für den Meerespark in Höhe von 700.000 indonesischen Rupiah (umgerechnet 34 Euro).
Nach zwei Jahrzehnten sind die Ergebnisse beachtlich. So ergab ein Bericht der Misool Foundation aus dem Jahr 2024 für eine der Inseln innerhalb des Meeresschutzgebiets, dass die Fischbiomasse um 109 Prozent gestiegen ist – ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des Ökosystems.
In denselben Gewässern leben heute 2007 nachgewiesene Riffmantas – eine große Zahl, wenn man bedenkt, dass die Art aufgrund von Überfischung in weiten Teilen des Indopazifiks vom Aussterben bedroht ist.
Doch die Nachfrage nach Nickel steigt, denn parallel zum Erfolg im Naturschutz vollzieht sich ein umfassender Übergang zu erneuerbaren Energien.
Steigender Nickelabbau
Nickel ist ein wichtiger Bestandteil von Batterien für Elektrofahrzeuge und für den Aufbau von Wind- und Solarinfrastruktur unverzichtbar. Und wurde zu einem zentralen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Indonesiens, denn laut U.S. Geological Survey verfügt das Land über etwa 43 Prozent der weltweiten Reserven.
Im Jahr 2025 erteilte die Regierung neue Konzessionen für den Nickelabbau auf drei nördlichen Inseln von Raja Ampat. Einige dieser Inseln liegen innerhalb eines von der UNESCO anerkannten Globalen Geoparks und befinden sich in der Nähe erstklassiger Tauchgebiete. Das führte zu Spannungen mit Einwohnern, die von Fischfang und Tourismus leben – beides ist durch den Bergbau gefährdet. Doch trotz des öffentlichen Protests gibt die Regierung den Abbau nicht vollständig auf.
Nickelgewinnung als Umweltrisiko
Verstärkt werden die Umweltrisiken des Nickelabbaus durch die steile und niederschlagsreiche Geografie der Inseln. Sedimente aus den Abbaustätten können so direkt ins Meer gelangen. Das betroffene Gebiet liegt zudem an einem wichtigen Migrationskorridor für Riff-Mantarochen und beherbergt ausgedehnte Seegraswiesen und Mangrovenwälder, wie sie laut UNO nur 0,1 Prozent des Meeresbodens und ein Prozent der weltweiten Tropenwälder bedecken. Sie fungieren als natürliche Senken, die Kohlendioxid absorbieren und zur Regulierung des Klimas beitragen.
Eine Studie der Umweltgruppe Manurung im März ergab, dass die Entwaldung bereits fast 1000 Hektar erreicht hat – eine große Menge für die kleine Inselwelt.