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Klimakonferenz COP26 Kerry beschwört Klimakonferenz: "Menschen sterben, schon heute"

John Kerry auf dem COP26
John Kerry beschwört Klimakonferenz
© Alberto Pezzali/AP/dpa
Die News zur Klimakonferenz COP26 im GEO.de-Ticker

Inhaltsverzeichnis

12.11. Kerry beschwört Klimakonferenz: "Menschen sterben, schon heute"

Der US-Klimabeauftragte John Kerry hat die Staaten auf der Weltklimakonferenz in Glasgow beschworen, ihren Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase noch in diesem Jahrzehnt drastisch zu drosseln. Die Wissenschaft sage klar, dass die Emissionen bis 2030 um 45 Prozent sinken müssen, um das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. "Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden, müssen wir jetzt handeln", sagte er am Freitag vor dem Plenum.

Schnelles Handeln sei eine existenzielle Frage, betonte er. "Menschen sterben, schon heute." Und überall auf der Welt seien die Folgen des

Klimawandels zu spüren. Kerry räumte zugleich ein, dass die großen Wirtschaftsnationen der G20 im Kampf gegen die Klimakrise die Hauptverantwortung tragen, weil sie 80 Prozent der Treibhausgase ausstoßen. Diese Verantwortung nähmen die USA an.

Zum Streit über einen Entwurf der Abschlusserklärung, in dem ein Ende der Subventionen für fossile Energieträger gefordert wird, sagte Kerry: "Diese Subventionen müssen weg." Auch US-Präsident Joe Biden habe dies zum Ziel. In den vergangenen fünf Jahren seien weltweit 2,5 Billionen Dollar solcher klimaschädlichen Subventionen geflossen, sagte Kerry. "Das ist die Definition des Irrsinns!"

12.11. COP-Präsident: Brauchen einen letzten Schuss "Wir-schaffen-das-Geist"

Der britische Präsident der Weltklimakonferenz, Alok Sharma, hat die Delegierten auf den letzten Metern des Gipfels erneut zu Eile und Kompromisswillen aufgerufen. "Wir brauchen einen letzten Schuss Wir-schaffen-das-Geist", sagte Sharma am Freitagmittag in Glasgow. Trotz laufender Verhandlungen und ausstehender Differenzen verkündete der Gastgeber noch keine Verlängerung der Konferenz, die planmäßig am Freitagabend enden sollte.

Am Morgen hatte die Präsidentschaft einen neuen Entwurf für die Abschlusserklärung veröffentlicht. "Ich glaube, dass uns das einen Schritt näher zu einem ehrgeizigen Beschluss bringen kann", sagte Sharma. Er räumte aber auch ein, dass der Text noch nicht an allen Stellen fertig sei.

Besonders uneinig sind sich die rund 200 Staaten, die seit zwei Wochen in Glasgow verhandeln, bei Geldern, die reichere Staaten ärmeren Ländern im Kampf gegen die Klimakrise zusagen. Auch Details der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens sind strittig.

12.11. Hunderte Demonstranten ziehen durchs Gebäude der UN-Klimakonferenz

Hunderte Delegierte der Weltklimakonferenz in Glasgow sind am Freitag in einem lautstarken Protestmarsch durch das Tagungsgebäude gezogen. Sie liefen dabei an einem langen, roten Band und riefen Parolen wie "Klimagerechtigkeit jetzt!". Die Teilnehmer, überwiegend von Nichtregierungsorganisationen, wollten sich danach weiteren Straßenprotesten im Zentrum Glasgows anschließen, unter anderem von der Klimaschutzbewegung Fridays for Future.

Zuvor hatte ein neuer Entwurf für die Abschlusserklärung für Empörung bei Umweltschützern gesorgt. Darin wurden Forderungen aus einer früheren Fassung wie ein beschleunigter Kohleausstieg und ein Ende der Subventionen für fossile Energieträger deutlich verwässert.

Am Ende des Mammutreffens mit rund 40 000 Delegierten - planmäßig für Freitagabend angesetzt - müssen die Vertreter der rund 200 Staaten den endgültigen Text der Erklärung einstimmig beschließen. Alle Konferenzen der vergangenen Jahre wurden ins Wochenende verlängert.

12.11.Verbände rügen Textentwurf und warnen vor "Luftnummer"

In einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung der Weltklimakonferenz ist die Forderung nach einem beschleunigten Kohleausstieg und einem Ende der Subventionen für fossile Energieträger deutlich verwässert worden. Umweltschutzverbände reagierten am Freitag empört und forderten, nun müsse sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in der Schlussphase der Verhandlungen "reinhängen", damit das UN-Treffen in Glasgow keine Luftnummer werde. Auch Klimaaktivisten wollten noch einmal Druck aufbauen: Auf den Straßen Glasgows kritisierten sie – teilweise als Boris Johnson und andere Politiker verkleidet – die Mächtigen als zündelnde Brandstifter.

In einer früheren Fassung der Abschlusserklärung war noch davon die Rede, dass alle Staaten den Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen für fossile Energieträger beschleunigen sollten. Nun ist in der aktuellen Fassung lediglich von Kohlekraftwerken die Rede, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird - also etwa durch Lagerung in geeigneten Gesteinsschichten. Kritiker dieser Technologie wenden ein, es sei unsicher, ob das Kohlendioxid über den angedachten Zeitraum von 10 000 Jahren eingeschlossen bleibt oder doch entweicht.

Bei den Subventionen heißt es nun einschränkend, lediglich "ineffiziente" Subventionen sollten gestrichen werden. Dazu sagte der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig der Deutschen Presse-Agentur, damit stünde es quasi im Belieben der einzelnen Staaten, welche Förderungen gemeint sein sollen.

Am Ende des Mammutreffens mit rund 40 000 Delegierten - planmäßig für Freitagabend angesetzt - müssen die Vertreter der rund 200 Staaten den endgültigen Text der Erklärung einstimmig beschließen. Alle Konferenzen der vergangenen Jahre wurden ins Wochenende verlängert.

Der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser, erklärte: "Jetzt ist der Moment gekommen, in dem Umweltministerin Svenja Schulze das Gewicht der viertgrößten Wirtschaftsnation in die Verhandlungen bringen muss." Die Schlupflöcher beim Thema Kohle und Subventionen müssten dringend geschlossen werden. "Ansonsten wird Glasgow eine gefährliche Luftnummer."

Doch gibt es aus Sicht der Umwelt- und Entwicklungsverbände auch kleine Lichtblicke. So blieb die Aufforderung an alle Länder erhalten, ihre Klimaschutzpläne für dieses Jahrzehnt bis Ende 2022 nachzubessern. Weiterhin bleibt diese aber freiwillig, es gibt keine Verpflichtung. Auch sollen alljährlich die Minister zum dem Thema zusammenkommen. Kowalzig kommentierte: "Als echte Kehrtwende im Kampf gegen die Klimakrise lässt sich der jetzige Entwurf aber weiterhin nicht bezeichnen."

Erstmals wird in dem Entwurf zudem die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Dabei geht es etwa um Zerstörungen und erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen, die infolge der Erderhitzung zunehmen.

Die Staaten werden aufgefordert, in diese neue "Fazilität" einzuzahlen. Es gibt aber keine Verpflichtung dazu, und auch konkrete Summen werden nicht genannt. Kowalzig kritisierte, dass der Topf nur technische Unterstützung nach Schadensereignissen bereitstellen, aber nicht den kompletten Schaden begleichen soll. "Das ist so, als wenn der Brandstifter dem Eigentümer des zerstörten Hauses sagt: Ich zahle aber nur den Architekten für den Neubau."

Die reichen Länder werden im neuen Entwurf weiter aufgefordert, die Finanzhilfen für ärmere Länder für die Anpassung an Klimaänderungen, etwa Dürren, in den ärmeren Ländern zu verdoppeln. Neu hinzu kam nun das Enddatum 2025 und der Maßstab, nämlich das aktuelle Niveau. Derzeit fließen dafür weltweit etwa 20 Milliarden Dollar, diese müssten also bis in vier Jahren auf 40 Milliarden aufgestockt werden.

12.11. Greenpeace-Chef fordert Deutschland zu mehr Ehrgeiz auf

Im Ringen um den Abschlusstext des Weltklimagipfels hat der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser die Bundesregierung aufgefordert, sich für ehrgeizigere Formulierungen einzusetzen. "Wenn keine klare Aussage zu fossilen Energieträgern reinkommt, droht das Ganze zu einer Luftnummer zu werden", sagte Kaiser am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) müsse sich nun "reinhängen" und gemeinsam mit der EU-Delegation ein starkes Signal setzen.

In einem neuen, am Freitagmorgen veröffentlichten Entwurf für die Abschlusserklärung ist die Forderung nach einem Ausstieg aus der Kohle deutlich abgeschwächt worden. In einer früheren Fassung war noch davon die Rede, dass die Staaten den "Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen in fossile Energieträger beschleunigen" sollten. In der aktuellen Fassung heißt es, der Ausbau sauberer Energien solle vorangetrieben werden und die schnelle Abschaltung von Kohlekraftwerken, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, beschleunigt werden. Außerdem sollten lediglich "ineffiziente" Subventionen für fossile Energieträger beendet werden.

Am Ende der Weltklimakonferenz, planmäßig für Freitagabend angesetzt, müssen die rund 200 Staaten den finalen Erklärungstext gemeinsam offiziell beschließen. Frühere Konferenzen waren meist ins Wochenende verlängert worden.

12.11. Neuer Textentwurf schwächt Forderung zu Kohleausstieg ab

In einem neuen Entwurf für die Abschlusserklärung des Weltklimagipfels in Glasgow ist die Forderung nach einem Ausstieg aus der Kohle deutlich abgeschwächt worden. Das geht aus dem am Freitagmorgen von der COP-Präsidentschaft veröffentlichten Dokument hervor. In einer früheren Fassung war noch davon die Rede, dass die Staaten den "Ausstieg aus der Kohle und aus Subventionen in fossile Energieträger beschleunigen" sollten. In der aktuellen Fassung heißt es, der Ausbau sauberer Energien solle vorangetrieben werden und die schnelle Abschaltung von Kohlekraftwerken, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, beschleunigt werden. Außerdem sollten lediglich "ineffiziente" Subventionen für fossile Energieträger beendet werden.

Am Ende der Weltklimakonferenz, planmäßig für Freitagabend angesetzt, müssen die rund 200 Staaten den finalen Erklärungstext gemeinsam offiziell beschließen. Frühere Konferenzen waren meist ins Wochenende verlängert worden. Erklärtes Ziel des Gipfels ist, es die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit im Rahmen des Möglichen zu halten.

12.11. UN-Klimakonferenz: Neuer Entwurf für Abschlusserklärung erwartet

Vor dem geplanten Ende der Weltklimakonferenz in Glasgow an diesem Freitag legt der britische Vorsitz voraussichtlich am Morgen einen neuen Entwurf für die Abschlusserklärung vor. Im Laufe des Tages dürfte sich dann entscheiden, ob das Mammuttreffen mit 40 000 Delegierten in die Verlängerung geht. Die letzten Klimakonferenzen sind stets um mindestens einen Tag verlängert worden.

In dem ersten Entwurf des Abschlusstexts war am Mittwoch erstmals seit 25 Jahren in einer dieser "Cover Decisions" der Kohleausstieg überhaupt erwähnt und eingefordert worden, dazu das Ende aller Subventionen für fossile Energieträger. Umweltorganisationen würdigten das - bemängelten aber sogleich, dass ein konkretes Datum dafür fehle.

Vor dem Endspurt hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres die rund 200 Staaten nochmals ermahnt, in den Verhandlungen mehr Ehrgeiz und Kompromissbereitschaft zu zeigen. Zudem müssten alle Länder schnell ihren Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase drosseln. "Jedes Land, jede Stadt, jede Firma, jede Finanzinstitution muss radikal, glaubwürdig und nachvollziehbar ihre Emissionen runterfahren und ihre Portfolios entsprechend bereinigen - und zwar ab jetzt", forderte Guterres. Anders sei das gemeinsame Ziel nicht zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

EU-Kommissar Frans Timmermans sagte, er sehe gute Chancen dafür, das seit Jahren unfertige Regelbuch für das Pariser Klimaabkommen von 2015 abzuschließen. Mit Blick auf die Verhandlungen der etwa 200 beteiligten Staaten insgesamt sagte er, er sehe eine "positive Dynamik".

Der Großteil des Regelbuchs für das Paris-Abkommen wurde schon 2018 auf der Klimakonferenz in Kattowitz festgezurrt. Es fehlen aber noch einige eher technische Einigungen. Dabei geht es unter anderem um die Transparenz und Überprüfbarkeit, wenn Staaten dem UN-Klimasekretariat über ihre Fortschritte beim Klimaschutz berichten.

Am Donnerstagabend hatte das Plenum zudem beschlossen, dass die nächste Weltklimakonferenz COP27 im November 2022 in Ägypten tagt. Die ägyptische Delegation dankte für das Vertrauen und erklärte, man sei "erfreut und geehrt". Die Konferenz tagt vom 6. bis zum 18. November 2022. Für das Jahr 2023 bewarben sich die Vereinigten Arabischen Emirate.

Umweltorganisationen kritisierten den zögerlichen Auftritt der geschäftsführenden Bundesregierung in Glasgow. "Deutschland war mit einer geschäftsführenden Bundesregierung eine "Lame Duck" (lahme Ente) auf der Klimakonferenz", sagte der Chef von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Freitag).

Der Klimaschutz-Chef des Naturschutzbunds Deutschland, Michael Schäfer, sagte dem RND: "Statt andere Länder mitzuziehen, musste die Bundesregierung selbst mitgezogen werden."

12.11. Die Gretas des Südens: Aktivistinnen an der Front der Klimakrise

Man mag sie bejubeln oder verfluchen, aber es dürfte wenige geben, denen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg gar kein Begriff ist. Bei Mitzi Jonelle Tan, Vanessa Nakate und Elizabeth Wathuti ist das anders. Dabei sind sie es, die in ihren Heimatländern schon heute mit Fluten und Hitzewellen zu kämpfen haben. Über drei führende Stimmen aus dem globalen Süden, die zur COP26 nach Glasgow gereist sind, um Alarm zu schlagen.

Mitzi Jonelle Tan von den Philippinen

Taifune und Sturmfluten gehören zu Mitzi Jonelle Tans Leben wie für andere der Nieselregen im November. "Ich bin damit aufgewachsen, die Klimakrise zu sehen", erzählt die 24-Jährige in Glasgow im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Oft habe ihre Familie nachts Radio gehört, um nicht zu verpassen, sich wegen Überflutungen in Sicherheit bringen zu müssen. Vor vier Jahren entschloss sie sich, gegen die Zerstörung des Planeten ins Feld zu ziehen - doch das ist auf den Philippinen unter dem Regiment von Präsident Rodrigo Duterte eine gefährliche Angelegenheit.

"Wenn ich die Polizei sehe, fängt mein Herz an zu pochen, denn ich wurde schon mal von der Polizei festgehalten", sagt Tan. Die Sorge für Aktivisten sei dann nicht, wie lange man im Knast sitze. "Die Frage ist, ob man überhaupt im Gefängnis landet oder einfach verschwindet, das ist vielen von uns passiert, sie werden geschnappt und wir sehen sie nie wieder. Aufhören ist für Tan trotzdem keine Option. "Es gibt ein philippinisches Sprichwort: Wenn deine Augen geöffnet worden sind, ist es eine Sünde, sie wieder zu schließen."

Vanessa Nakate aus Uganda

Auf den letzten Metern der Weltklimakonferenz klingt Vanessa Nakate in Glasgow nicht mehr sehr hoffnungsvoll: "Wir ertrinken in Versprechen." Gleichzeitig würden die Emissionen auch in diesem Jahr weiterhin steigen. Das sei der Grund, warum "Millionen von Aktivisten nicht den Erfolg sehen, dem in diesen Hallen hier applaudiert wird". Fast flehend richtet sich die 24-Jährige an die Delegierten: "Ich bitte euch, uns das Gegenteil zu beweisen."

Nakate warnt davor, dass in ihrem Heimatland Uganda in einer "Zwei-Grad-Welt", mit der sie eine deutlich stärkere Erderhitzung als die angestrebten 1,5 Grad meint, extreme Hitzewellen bald auch für gesunde Menschen ein Todesurteil bedeuten könnten. Die Afrikanerin hatte den Medien vergangenes Jahr Rassismus vorgeworfen, weil sie aus einem Foto mit prominenten westlichen Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer herausgeschnitten worden war.

Elizabeth Wathuti

Die Kenianerin Elizabeth Wathuti pflanzt Bäume. Mittlerweile sollen es mehrere Zehntausend sein, die die Kenianerin mit der von ihr gegründeten Green Generation Initiative und etlichen anderen jungen Menschen in die Erde gesetzt hat.

"Die Entscheidungen, die ihr hier trefft, werden mitbestimmen, ob die Obstbäume, die wir pflanzen, gedeihen oder eingehen", warnte die 26-Jährige in Glasgow, als sie bei der Eröffnungszeremonie der COP26 vor den Mächtigen aus aller Welt redete. "Ich glaube daran, dass wir in der Lage sind, das Richtige tun, wenn wir es nur zulassen, es in unseren Herzen zu spüren. Also öffnet eure Herzen und handelt."

11.11. Rund ein Dutzend Staaten wollen schnell aus Öl und Gas aussteigen

Rund ein Dutzend Staaten wollen unter der Führung von Dänemark und Costa Rica mit gutem Beispiel vorangehen und einen konkreten Ausstieg aus Öl und Gas festlegen. Das jeweilige Enddatum soll so gesetzt werden, dass es vereinbar ist mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens ist. "Wir tun das, weil wir denken, dass wir es tun müssen", sagte der dänische Klimaminister Dan Jørgensen am Donnerstag in Glasgow. "In einer 1,5-Grad-Welt gibt es keinen Platz für Öl und Gas." Deutschland gehört wie bereits bei mehreren anderen internationalen Allianzen nicht zu den Unterzeichnern.

Neben Dänemark und Costa Rica haben sich Frankreich, Irland, Schweden, Grönland, Quebec und Schweden der Allianz angeschlossen. Auch Italien, Neuseeland und Kalifornien unterstützen die Ziele der Koalition, gehören aber nicht zu den Kernmitgliedern, die sich dazu verpflichten, die Ausgabe neuer Lizenzen für die Öl- und Gasförderung zu beenden. Das erklärte Ziel der Staatengemeinschaft ist es, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Experten zufolge ist der schnelle Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas dafür entscheidend.

Die Umweltministerin von Costa Rica Andrea Meza verteidigte die Bedeutung der Allianz, auch wenn große Ölstaaten wie Saudi-Arabien oder Russland nicht dabei sind. "Wir wissen, dass das nur ein Anfang ist", sagte Meza. "Aber wir sind eben die, die den Mut haben, etwas zu tun." Man wolle eine Debatte anstoßen und sei mit vielen weiteren Staaten in Kontakt, die auch Interesse angemeldet hätten.

11.11. Schulze in Glasgow: Atomkraft darf nicht als umweltfreundlich gelten

Deutschland stemmt sich gemeinsam mit Dänemark, Österreich, Luxemburg und Portugal gegen Forderungen anderer EU-Staaten, Atomkraft als umweltfreundliche Energie einzustufen. Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellte dazu am Donnerstag auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow eine gemeinsame Erklärung der fünf Staaten vor. Schulze sagte, die Atomkraft sei keine Lösung in der Klimakrise, beim Klimaschutz sollte sich niemand auf die riskante und teure Technologie verlassen. Bessere und schnell verfügbare Alternativen seien etwa erneuerbare Energien aus Wind und Sonne.

Hintergrund sind laufende Arbeiten der EU-Kommission an einem Klassifizierungssystem für nachhaltige Investitionen. Damit sollen Anleger klare Vorgaben bekommen, welche Investitionen als klimafreundlich gelten - die Kennzeichnung bietet also enorme finanzielle Vorteile.

In Brüssel kursierte jüngst ein Papier mit Forderungen, Kernkraft und Gas in die Taxonomie aufzunehmen. Es stammt nach Angaben von Diplomaten von Frankreich, wird aber auch von etlichen anderen Ländern wie Polen und Tschechien unterstützt.

Die luxemburgische Umweltministerin Carole Dieschbourg sagte, die "Hochrisikotechnologie" Atomkraft könne nicht als grün oder nachhaltig eingestuft werden. Sie sei nicht nur zu riskant, sondern auch zu teuer. In der Erklärung wird zugleich betont, jedes EU-Land könne weiter souverän entscheiden, ob es auf Atomkraft setze oder nicht.

Deutschland hat sich zwar klar dagegen ausgesprochen, Atomkraft als klimafreundlich zu klassifizieren. Es gibt allerdings eine starke Lobby dafür, Gas als Übergangstechnologie zu fördern, um die Stromversorgung nach dem geplanten Atom- und Kohleausstieg abzusichern.

Laut der zuständigen EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness soll die Entscheidung zur Einstufung von Atom und Gas bis Jahresende fallen. Die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament haben dann zwei Monate Zeit, Einwände zu erheben - sonst tritt die Taxonomie in Kraft.

11.11. Schulze auf UN-Klimakonferenz: Schon gut weitergekommen

Die seit knapp zwei Wochen laufende Weltklimakonferenz in Schottland kommt nach Einschätzung der geschäftsführenden Bundesumweltministerin Svenja Schulze gut voran. "Es ist immer schwierig auf diesen COPs, das ist ja grundsätzlich so", sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag nach ihrer Ankunft in Glasgow. Doch sei man schon ein gutes Stück weiter gekommen. "Es ist im Moment nicht so, dass man große Bremser sieht, sondern, dass die Fragen einfach sehr komplex sind."

Auf die Frage, ob es eine Verlängerung über das geplante Ende an diesem Freitag hinaus gibt, sagte Schulze: "Gab es schonmal eine COP ohne Verlängerung?" Dann fügte sie an: "Wir sind noch zuversichtlich, dass wir das bis morgen hinbekommen."

Es sei nun wichtig, Finanzierungsfragen wirklich auch zu lösen, sagte Schulze, die wegen der Verhandlungen über eine Ampel-Koalition im Bund erst kurz vor Schluss der COP26 nach Schottland reiste. Das sei ein berechtigtes Anliegen der Entwicklungsländer.

Arme Staaten fordern in Glasgow unter anderem eine langfristige, aufgestockte Finanzierung zur Anpassung an die Erderwärmung und für ihre Maßnahmen zur Drosselung des Treibhausgasausstoßes. Darüber hinaus pochen sie sie auf Schadenersatz für schon erlittene Schäden ("loss and damage").

Weiter sagte Schulze, auch das Regelbuch zum 2015 abgeschlossenen Klimaabkommen von Paris müsse abgeschlossen werden. "Schauen wir mal. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit, um das hinzubekommen", sagte sie.

Geplantes Ende der Mammutkonferenz mit mehr als 40 000 Delegierten ist am Freitagabend. In den Vorjahren wurde die Konferenz immer verlängert.

11.11. COP-Präsident Sharma: Verhandlungen über Klima-Finanzierung stocken

Der britische Präsident der Weltklimakonferenz, Alok Sharma, hat bei den Verhandlungen über die strittige Klima-Finanzierung zu mehr Kompromisswillen aufgerufen. In der Arbeitsgruppe, die über finanzielle Zusagen an stark vom Klimawandel betroffene Länder verhandelt, stocke es selbst bei den grundsätzlichsten Aspekten, sagte Sharma am Donnerstag in Glasgow vor Delegierten. "Das kann so nicht weitergehen, liebe Freunde". Bis zum geplanten Ende der COP26 am Freitag müsse noch viel passieren. Die Welt warte und schaue auf die Beschlüsse von Glasgow, erinnerte er erneut. "Wir können uns nicht erlauben, sie zu enttäuschen."

Die Verhandlungen von rund 200 Staaten in Glasgow sind in die entscheidende Phase eingetreten. Derzeit wird um Details einer Abschlusserklärung gefeilt, die das erklärte Ziel hat, die Begrenzung der Erderwärmung bei 1,5 Grad im Rahmen des Möglichen zu halten.

11.11. Besorgte Wissenschaftler*innen richten offenen Brief an UN-Klimaverhandelnde

Dutzende Klimawissenschaftler*innen aus mehreren Ländern appellieren in einem offenen Brief an die Verhandler der Weltklimakonferenz, die Warnungen der Wissenschaft zu den Folgen der Erderwärmung ernstzunehmen. "COP26 ist ein historischer Moment für das Schicksal des Klimas, der Gesellschaft und der Ökosysteme, weil menschliches Handeln den Planeten bereits um rund 1,1 Grad erwärmt hat", erklären die Forschenden darin, unter ihnen auch Klima-Experten aus Deutschland. Der Schweizer Forscher Reto Knutti, der ebenfalls auf der Liste der Unterzeichner steht, hatte den Appell am Mittwoch auf seiner Twitter-Seite veröffentlicht.

Knutti und seine Kollegen fordern sofortige und konsequente Maßnahmen, um die globale Erderwärmung noch deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Nur so könnten die Risiken für künftige Generationen und die Notwendigkeit, sich an die Klimafolgen anzupassen, in Schach gehalten werden.

Die COP-Verhandler in Glasgow sollten die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen hohen Treibhausgasemissionen und der Veränderung des Weltklimas in ihrem Entscheidungsprozess maßgeblich berücksichtigen, lautet eine zentrale Forderung.

Die Forscher beziehen sich in ihrem Brief explizit auch auf den IPPC-Klimabericht, der im August veröffentlicht wurde. Nach diesem Bericht ist die Hälfte des Kohlenstoffdioxid-Anteils in der Erdatmosphäre in den vergangenen 30 Jahren entstanden. Es habe noch nie eine so hohe Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre gegeben, betonen die Forscher.

Wenn es mit den Emissionen so weitergehe wie bisher wäre das verbleibende Budget zum Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2027 und 2033 aufgebraucht, heißt es weiter. Deshalb müssten die Emissionen "sofort" sinken, um unumkehrbare Folgen für das gesamte Klimasystem abzuwenden.

11.11. Großbritannien ruft zu Investitionen in klimafreundliche Städte auf

Als Gastgeber der Weltklimakonferenz in Glasgow hat Großbritannien zu einer stärkeren finanziellen Unterstützung von Großstädten aufgerufen, um diese klimafreundlicher zu gestalten. "Auf der COP26 rufen wir Städte, Regionen, Regierungen und Unternehmen dazu auf, sich mutige Netto-Null-Ziele zu setzen, während wir als globale Gemeinschaft daran arbeiten, unseren Beitrag zum Klimawandel zu beenden", sagte der britische Staatssekretär für Wirtschaft und Energie, Martin Callanan, am Donnerstag in einer Mitteilung.

Großbritannien selbst will 27,5 Millionen Pfund (mehr als 32 Mio. Euro) seiner bereits für die Klima-Finanzierung zugesagten Gelder Städten in Afrika, Asien und Lateinamerika zugute kommen lassen. So sollen in Städten wie Nairobi oder Kuala Lumpur klimafreundliche Verkehrssysteme, erneuerbare Energien und ein nachhaltiges Abfallsystem bezuschusst werden.

Nach Darstellung der britischen COP-Präsidentschaft sind städtische Gebäude für rund 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Im Jahr 2050 würden schätzungsweise 1,6 Milliarden Menschen in Städten leben, die regelmäßig Hitzewellen ausgesetzt sein werden. Mehr als 800 Millionen Menschen würden dann in Städten leben, die durch Fluten gefährdet sind. Daher sei das Ziel, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, entscheidend.

11.11. USA und China arbeiten im Klimaschutz zusammen – Schub für die COP26?

Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften und Verursacher von Treibhausgasemissionen, die USA und China, verstärken ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen die Erderwärmung. "Wir können unsere Ziele nicht erreichen, wenn wir nicht zusammenarbeiten", sagte der US-Klimaschutzbeauftragte John Kerry am Mittwochabend auf der Weltklimakonferenz in Glasgow. Die USA und China hätten etliche Differenzen. "Aber beim Klima ist das der einzige Weg, diese Aufgabe zu bewältigen."

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, man wolle angesichts der Klimakrise diesen "kritischen Moment" nutzen, um gemeinsam und auch jeder für sich den Umbau hin zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft zu beschleunigen. Dazu werde man noch in diesem Jahrzehnt ehrgeizigere Klimaschutzmaßnahmen ergreifen. Eingesetzt werden soll dazu auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe.

Außerdem wollen die beiden Weltmächte in der ersten Hälfte des kommenden Jahres gemeinsam beraten, wie sie den Methanausstoß verringern können. Dazu hatten die USA und die EU auf der Klimakonferenz Anfang der Woche bereits eine Allianz Dutzender Staaten geschmiedet. Ziel ist es, den Ausstoß des zweitwichtigsten Treibhausgases bis 2030 um 30 Prozent zu senken.

Beobachter stuften die aktuellen Klimaschutzpläne Chinas zuletzt als eher schwach ein. Das Riesenreich will erst 2030 überhaupt anfangen, seine Treibhausgasemissionen zu drosseln.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres begrüßte die Erklärung der zwei Großmächte: "Der Kampf gegen die Klimakrise braucht internationale Zusammenarbeit und Solidarität. Und dies ist ein Schritt in die richtige Richtung."

China machte in der Erklärung keine konkreten neuen Zusagen zum Klimaschutz, teilte aber mit, seinen bei den UN eingereichten Klimaschutzplan für 2030 unter Umständen nachzubessern. Die Volksrepublik war in die Kritik geraten, da Präsident Xi Jinping zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs vergangene Woche nicht angereist war und lediglich eine schriftliche Erklärung abgab.

Offizieller Schwerpunkt der COP26 ist am Donnerstag der Klimaschutz in Städten. Erwartet wird dazu eine Erklärung der britischen Regierung als Gastgeber des Mammuttreffens mit gut 40 000 Teilnehmern. Zudem will der Vorsitzende Alok Sharma in der Nacht weitere "fast fertige" Texte zu verschiedenen Streitthemen veröffentlichen.

Erwartet wird in Glasgow gegen Mittag erstmals auch die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die SPD-Politikerin war wegen der intensiven Verhandlungen über eine Ampelkoalition im Bund seit Beginn der COP26 in Berlin geblieben. Geplantes Ende der Klimakonferenz ist am Freitag, eine Verlängerung war aber in den vergangenen Jahren üblich.

In Glasgow formiert sich an diesem Donnerstag zudem eine neue Staatenallianz, die den Ausstieg aus der klimaschädlichen Öl- und Gasproduktion beschleunigen will. Geschmiedet wurde das Bündnis "Beyond Oil & Gas" von Dänemark und Costa Rica, deren Minister mittags vor die Presse treten wollen. Wie viele Staaten mitmachen, war zunächst nicht bekannt. Die Initiatoren erklärten vorab, es sei nicht akzeptabel, dass nach bisherigen Planungen die weltweite Öl- und Gasproduktion jährlich um zwei Prozent steigen soll.

10.11. "Die Welt schaut auf Glasgow" - Endspurt bei der Weltklimakonferenz

Mehr Tempo beim Kohleausstieg, verschärfte Klimaschutzpläne bis Ende 2022 und kein Steuergeld mehr für Gas, Öl oder Kohle: Sieben Seiten Text mit so mancher knackigen Forderung sollen den notorischen Bremsern im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe endlich Beine machen. Es ist der erste ausformulierte Entwurf für die Abschlusserklärung der Weltklimakonferenz in Glasgow, die nun nach knapp zwei Wochen auf die Zielgerade einbiegt. Veröffentlicht hat der britische Vorsitz das mit Spannung erwartete Dokument mit dem sperrigen Titel "1/CMA.3" am Mittwoch um 5.51 Uhr, noch bevor über Schottland die Sonne aufging.

Beachtlich, auch aus Sicht von Klimaschützern: Erstmals seit 25 Jahren soll in der sogenannten "Cover Decision" der Kohleausstieg überhaupt erwähnt und eingefordert werden, dazu das Ende aller Subventionen für fossile Energieträger. Umweltorganisationen würdigten das - bemängelten aber sogleich, dass ein konkretes Datum dafür fehle. Zudem sei der Fokus auf die Kohle zu eng, sagte Cansim Leylim vom Klimabündnis 350.org. Auch das Verbrennen von Gas und Öl müsse schließlich enden, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase gen Null zu drücken. Ob dem aber Staaten wie Saudi-Arabien oder Russland zustimmen könnten, deren Wirtschaft komplett auf dem Öl- und Gasexport fußt, wird sich im Schlussspurt der COP26 zeigen. Alle Beschlüsse in Glasgow müssen einstimmig fallen, was jedem Staat auch Blockademöglichkeiten eröffnet.

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer, kurz vor dem geplanten Gipfelende am Freitag? Gastgeber Boris Johnson, der am Mittwoch nach Glasgow reiste, dämpfte die Erwartungen: "Wir werden den Klimawandel hier und jetzt nicht einsperren können", sagte der Premier und rief gleichzeitig Staatenlenker in aller Welt auf, ihre Verhandlungsteams anzurufen und ihnen Spielraum für dringend benötigte Kompromisse zu geben. "Die Welt ist näher dran denn je, das Ende vom Anfang des menschengemachten Klimawandels einzuläuten", so Johnson.

Am Ziel seien die Verhandlungspartner noch nicht, sagte der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth und Kopf der Verhandlungsdelegation. Der Vorschlag für das Abschlussdokument atme aber "durchweg den Geist von mehr Anstrengungen im Klimaschutz". Was in dem Entwurf bislang fehle, sei der Bezug zu den größten Verursachern von Treibhausgasen, kritisierte Flasbarth. "80 Prozent der Emissionen kommen aus den G20-Staaten."

Sichtbare Fortschritte im Vergleich zu den Vorjahren gab es auch beim Thema, wie streng die Staaten im Abschlusstext dazu angehalten werden, ihre insgesamt völlig unzureichenden Pläne zur Drosselung von Treibhausgasen nachzubessern. Der Ausstoß müsse schnell, stark und nachhaltig runter, und zwar um 45 Prozent bis 2030 und dann auf netto Null bis zur Mitte des Jahrhunderts, heißt es dazu. Anders lasse sich die Erderwärmung nicht wie angestrebt auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzen. Nicht im Textentwurf findet sich aber eine konkrete Selbstverpflichtung der etwa 200 vertretenen Länder, dies auch zu tun. Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig äußerte sich skeptisch zu der Textpassage. "Ob der Aufruf zu deutlich mehr Klimaschutz führen wird, ist daher fraglich."

Alle Interessen und Einwände unter einem Hut zu bringen, das ist eine komplexe Aufgabe. Archie Young, Chef-Verhandler Großbritanniens, formulierte es diese Woche so: "Stell dir vor, du willst 197 Freunde zusammenbekommen und dich darauf einigen, wo man gemeinsam Mittagessen geht." Auf den Verhandlern lastet der Druck, dass es in diesen entscheidenden Tagen in Glasgow um ein wenig mehr geht als die Wahl zwischen Pizza oder Fish und Chips.

Enttäuschend für die ärmeren Staaten fielen die Formulierungen zum Thema Schadenersatz für schon durch den Klimawandel entstandene, unvermeidbare Schäden aus. Es fehlt zum einen ein handfester Auftrag, über das Thema zu verhandeln, zum anderen werden aber auch keine Zeitpläne oder gar Summen genannt. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan sagte, in den Text gehörten "echte Zahlen".

Konferenzpräsident Alok Sharma rief die Arbeitsgruppen auf, die Ärmel hochzukrempeln. "Ich habe immer noch die Absicht, diese Konferenz am Freitagabend abzuschließen. Diesen Freitag, nur um das klarzustellen", sagte er unter dem Gelächter der Delegierten und Minister, die teils die Nacht hindurch verhandelt hatten. Alle müssten den "höchsten gemeinsamen Nenner" finden. "Die Welt schaut auf Glasgow", mahnte er. Was hier vereinbart werde, "entscheidet über die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder".

Wie geht es nun weiter? So wie gehabt, sagt Sharma: Schon in der Nacht zum Donnerstag sollten weitere "fast fertige" Texte zu verschiedenen Themen veröffentlicht werden.

10.11. Nach Kontroverse um Privatjet: Johnson reist im Zug nach Glasgow

Der britische Premierminister Boris Johnson ist am Mittwoch mit der Bahn zur Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow gereist. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie der konservative Politiker in London einen Zug bestieg. Johnson war in der vergangenen Woche in die Kritik geraten, weil er nach seinem Auftritt und viel mahnenden Worten an die versammelten Staats- und Regierungschefs bei dem UN-Klimagipfel in einem Privatjet in die britische Hauptstadt zurückkehrte. Einem Bericht zufolge traf er sich dort mit einem bekennenden Klimaskeptiker zum Dinner in einem exklusiven Londoner Club.

Bei seinem zweiten Besuch bei der in dieser Woche zu Ende gehenden Konferenz will Johnson den Verhandlungen nach Angaben der Regierung einen Schub verleihen. Es gebe noch viel zu tun, sagte Johnson der BBC zufolge vor seiner Reise. "Es geht hier um mehr als nur ein einzelnes Land, und es ist Zeit für Staaten, ihre Differenzen zu überwinden und sich zum Wohle des Planeten und unserer Menschen zu einigen", so der Premier laut dem Bericht.

10.11. Deutschland unterzeichnet Erklärung zu Verbrennerautos nicht

Deutschland beteiligt sich zunächst nicht an einer Allianz von zwei Dutzend Staaten, die ein Enddatum für den Verkauf von Benzin- und Dieselautos festsetzen wollen. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte am Mittwoch auf der Weltklimakonferenz in Glasgow, Deutschland werde die Erklärung zu Null-Emissions-Autos "heute nicht unterzeichnen". Das sei das Ergebnis der regierungsinternen Prüfung.

Weiter sagte er, es bestehe innerhalb der Bundesregierung zwar Konsens, dass bis 2035 nur noch Null-Emissionsfahrzeuge zugelassen werden sollen. "Allerdings besteht nach wie vor keine Einigkeit zu einem Randaspekt der Erklärung, nämlich der Frage, ob aus erneuerbaren Energien gewonnene e-Fuels in Verbrennungsmotoren Teil der Lösung sein können." Das Umweltministerium halte e-Fuels in Pkw mit Blick auf Verfügbarkeit und Effizienz "genau wie die Unterzeichnerstaaten nicht für zielführend".

Hintergrund ist der Widerstand des noch geschäftsführenden Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU). Er hatte dem Vorstoß zuvor schon eine Absage erteilt. Die Erklärung berücksichtige den Antrieb mit synthetischen Kraftstoffen nicht, rügte er. Deshalb sei sein Ministerium dagegen.

Wie der britische Gastgeber des Klimagipfels am Mittwoch mitteilte, wollen 24 Staaten, sechs große Auto-Hersteller sowie einige Städte und Investoren sich auf ein Enddatum für den Verkauf von Autos mit Verbrennermotor festlegen. Die beteiligten Regierungen wollen "darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind". Die Autokonzerne sollen demnach anstreben, spätestens 2035 in führenden Märkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen. Zu den beteiligten Unternehmen gehören der britischen Mitteilung zufolge Mercedes, Ford und General Motors.

9.11. Astronaut Peake lehnt Weltraumtourismus für Milliardäre ab

Astronaut Tim Peake (49) hält nichts von Weltraumtourismus für Superreiche. "Ich bin ein Fan davon, den Weltraum für die Wissenschaft und zum Wohle aller auf der Erde zu nutzen", sagte der Brite der Nachrichtenagentur PA am Rande der Klimakonferenz COP26 in Glasgow. Deshalb sei er enttäuscht, dass Milliardäre den Weltraum nun verstärkt als exklusives Reiseziel sähen. Zuletzt hatten Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie Virgin-Galactic-Chef Richard Branson jeweils kurze Ausflüge an den Rand des Weltraums unternommen.

Peake verteidigte aber die Raumfahrt grundsätzlich. "Letztlich stammen fast 50 Prozent unserer Klima-Daten aus dem All", sagte er. "Wir brauchen den Weltraum, um den Puls des Planeten zu spüren." Der Klimawandel könne ohne das im All gesammelte Wissen nicht bekämpft werden. "Ob es um den Salzgehalt der Ozeane geht, um Temperatur, Kohlendioxidausstoß, Entwaldung oder Eiskappen - diese Daten kommen alle von Satelliten, wir brauchen also den Weltraum", sagte er.

Peake hatte 2015/16 ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS verbracht und lief in rund 400 Kilometern Höhe auf einem Laufband den Londoner Marathon mit.

9.11. Klimaforscher: Risiko für Pandemien muss mehr Beachtung finden

Der deutsche Klimaforscher Hans-Otto Pörtner hat dafür plädiert, die Bedeutung des Klimawandels für künftige Pandemien stärker zu beleuchten. "Die Pandemie ist Teil eines größeren Problems", sagte Pörtner, der am Dienstag als Teil des Weltklimarats (IPCC) virtuell in eine Sitzung des Forscherverbunds auf der Weltklimakonferenz in Glasgow zugeschaltet war. Das erhöhte Risiko für Pandemien, das durch den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt befeuert werde, müsse stärker beachtet und diskutiert werden. "Wir sind noch nicht am Kern dieser Debatte angekommen", sagte der Klimaforscher vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven.

Auch für den Weltklimarat stellte die Pandemie eine ungekannte Herausforderung dar. Für den jüngsten, im August veröffentlichten Bericht des Weltklimarats, für den mehr als 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund 14 000 Klima-Studien ausgewertet haben, seien mehrwöchige Zoom-Sessions und Tausende Nachrichten über den Kurznachrichtendienst Slack notwendig gewesen. "Es war ein bisschen wie das Summen eines Vogelschwarms", berichtete die Ko-Vorsitzende der zuständigen Arbeitsgruppe, Valérie Masson-Delmotte, in Glasgow.

Der Vorsitzende des Weltklimarats, Hoesung Lee, erzählte vom letzten persönlichen Treffen des Gremiums vor mehr als eineinhalb Jahren in Paris kurz vor dem Ausbruch der Pandemie. "Wir haben dort analysiert, was im Jahr 2100 passieren wird, aber wir haben nicht kommen sehen, was zwei Wochen später passieren würde", sagte Lee. Die Pandemie habe die Forscher sehr demütig gemacht.

9.11. Greenpeace klagt gegen Volkswagen auf Verbrenner-Ausstieg bis 2030

VW wehrt sich gegen die Forderung von Umweltverbänden nach einem Verbrennerausstieg bis 2030. Nun reicht Greenpeace Klage ein. Das Geschäftsmodell des Wolfsburger Autokonzerns sei nicht mit den Klimazielen vereinbar

Die beiden Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland haben gemeinsam mit einer Klima-Aktivistin Klage gegen die Volkswagen AG wegen mangelnden Klimaschutzes beim Landgericht Braunschweig eingereicht. Außerdem unterstützte Greenpeace die identische Klage eines Biobauern vor einem weiteren deutschen Landgericht, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung der Umweltorganisation. Die Kläger führen an, dass die gigantischen CO2-Emissionen des Wolfsburger Autokonzerns erheblich zur Klimakrise und deren Folgen beitrügen. Das Geschäftsmodell von VW sei nicht mit dem Ziel zu vereinbaren, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Zum Schutz ihrer Freiheits- und Eigentumsrechte fordern die Kläger VW unter anderem auf, den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner spätestens 2030 weltweit zu beenden. Hätte die Klage Erfolg, würden gut zwei Gigatonnen weniger CO2 bis zum Jahr 2040 ausgestoßen, hieß es. In ihrer Argumentation stützen sich die Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser und Roland Hipp, die Fridays-for-Future-Aktivistin Clara Mayer und der Landwirt auch auf das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts sowie ein niederländische Urteil gegen den Ölkonzern Shell.

Anfang September hatten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Greenpeace juristische Schritte gegen vier deutsche Konzerne eingeleitet, um sie zu mehr Klimaschutz zu verpflichten. BMW, Mercedes-Benz und VW sowie dem Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea wurden Unterlassungsschreiben zugeleitet. VW lehnte Ende Oktober die juristische Aufforderung ab, seine CO2-Emissionen schneller zu reduzieren.

Aus VW-Sicht sind Auseinandersetzungen vor Zivilgerichten durch Klagen gegen einzelne Unternehmen nicht der richtige Weg, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Das Unternehmen habe sich klar zum Pariser Klimaabkommen bekannt und will spätestens 2050 bilanziell CO2-neutral sein. Es sei zudem Aufgabe des Gesetzgebers, den Klimaschutz zu gestalten, hieß es zuletzt.

"Ein riesiger CO2-Emittent wie Volkswagen muss sich internationalen Klimazielen und dem Richterspruch aus Karlsruhe beugen", sagte Kaiser am Rande der Klimakonferenz in Glasgow. "Nur mit einem schnellen Abschied vom Verbrenner kann VW seinen Beitrag zur Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad leisten." Eine ähnliche Klage hatte bereits Erfolg: Ein niederländisches Gericht stellte im Mai fest, dass nicht nur Staaten, sondern auch Konzerne ihre Treibhausgas-Emissionen verringern müssen und verurteilte den Konzern Shell mit allen Tochterfirmen zu mehr Klimaschutz.

VW als global zweitgrößter Autobauer weigere sich, eine Strategie vorzulegen, die auf einem CO2-Restbudget fußt, das mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar sei, hieß es in der Greenpeace-Mitteilung. Um das Budget einzuhalten, müsse der Konzern seinen CO2-Fußabdruck bis 2030 um mindestens 65 Prozent im Vergleich zu 2018 senken, Verbrenner dürften nur noch ein Viertel aller bis dahin verkauften VW-Autos ausmachen und ab 2030 gar nicht mehr in den Verkehr gebracht werden.

9.11. Festnahmen bei Protesten am Rande der Klimakonferenz in Glasgow

Bei Protesten von Fracking-Gegnern am Rande des UN-Klimagipfels COP26 in Glasgow sind 16 Menschen vorübergehend festgenommen worden. "Wir haben einen friedlichen Protest ermöglicht", teilte die Polizei am Montagabend mit. Um allerdings das Demonstrationsrecht mit der öffentlichen Sicherheit und den Rechten der Gemeinschaft in Einklang zu bringen, würden die Demonstranten "auf sichere Weise" entfernt.

Wie schottische Medien berichteten, wollten die Demonstranten ein Abendessen von Wirtschaftsbossen blockieren. Einige Protestler hätten sich aneinander gekettet und manche sogar an den Boden festgeklebt, schrieb die "Scottish Sun" unter Berufung auf Augenzeugen. Alle Festgenommenen kamen später wieder auf freien Fuß. Am Rande der COP26 kommt es täglich zu Protesten.

9.11. Gleichstellung von Frauen im Fokus der Weltklimakonferenz in Glasgow

Beim Klimagipfel in Glasgow soll es am Dienstag darum gehen, welche Rolle die drohende Klimakatastrophe für Frauen und Mädchen spielt. Prominente Stimmen haben sich angekündigt. Hinter den Kulissen geht das Ringen um dringend benötigte Kompromisse weiter

Bei der Weltklimakonferenz in Glasgow will der britische Gastgeber am Dienstag auf die besondere Belastung von Frauen in der Klimakrise aufmerksam machen. "Es sind Frauen, Mädchen und jene, die ohnehin am meisten ausgegrenzt werden, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sein werden", sagte die britische Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan am Dienstag einer Mitteilung zufolge. "Aber sie spielen auch eine entscheidende Rolle dabei, die Klimakrise anzugehen."

Den Vereinten Nationen zufolge sind Frauen unter anderem deshalb stärker von Klimafolgen betroffen, weil sie in den ärmsten Bevölkerungsgruppen der Welt in der Mehrheit sind und oft von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben leben. Beim Thementag auf der COP26 will sich unter anderem die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon mit Klimaaktivistinnen austauschen. Auch die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, will sich an den Gipfel wenden. Darüber hinaus sollen die Themen Gesundheit sowie Wissenschaft und Innovation auf der Agenda stehen.

Einen weiteren Realitätscheck für den bisherigen internationalen Klimaschutz gibt es am Dienstag von den Umweltschutzorganisationen Germanwatch, dem NewClimate Institute und dem Climate Action Network. In ihrem diesjährigen Klimaschutz-Index vergleichen die Organisationen die Bemühungen der größten Emittenten, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu drosseln. Zudem wird analysiert, inwieweit die Staaten auf dem richtigen Pfad zum 2015 in Paris vereinbarten Klimaziel sind, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

In den Hinterzimmern der Konferenz geht derweil das Ringen um eine ehrgeizige Abschlusserklärung weiter. Erste veröffentlichte Stichpunkte hatten Umweltschützer und Beobachter alarmiert. Der Entwurf - im Fachjargon der Gipfel als "Non-Paper" bezeichnet - bleibt bei vielen Themen im Ungefähren. Vorgaben für das Auslaufen des Verbrennungsmotors oder Enddaten für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gibt es keine, obwohl die britischen Gastgeber "Kohle, Autos, Geld und Bäume" zu den zentralen Prioritäten erklärt hatten.

Oberstes Ziel des Gipfels ist es, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Rahmen des physikalisch Möglichen zu halten. Bislang reichen die Pläne bei weitem nicht aus. Offen ist auch, wie Fortschritte vergleichbar kontrolliert werden sollen und in welchen Abständen die Staaten verpflichtet werden, nachzubessern.

8.11. Obama lobt Fridays for Future: "Ich will, dass ihr wütend bleibt!"

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat an die Jugend appelliert, die Politik beim Klimaschutz unter Druck zu setzen. "Ich will, dass ihr wütend bleibt! Ich will, dass ihr frustriert bleibt!", sagte der 60-Jährige auf der Weltklimakonferenz in Glasgow. Er lobte insbesondere die Klimaschutzbewegung Fridays for Future und auch deren deutsche Aktivistin Luisa Neubauer, die 2019 erfolgreich 270 000 Menschen in Berlin auf die Straße gebracht hätten. Neubauer habe bewiesen, wie man Angst in praktisches Handeln übersetzen könne.

Obama rief junge Leute auch auf, bei Wahlen für den Klimaschutz abzustimmen. "Wählt, als ob euer Leben davon abhängt – denn das tut es", sagte er. Er wisse aus eigener Erfahrung: Regierungen brauchten den Druck der Bürger. Nur auf Proteste zu setzen, reiche nicht. "Denkt nicht, dass ihr die Politik ignorieren könnt", warnte der Ex-Präsident.

Auch als Verbraucher habe die Jugend riesige Macht, sagte Obama. Firmen könnten über Kaufentscheidungen dazu gebracht werden, klimafreundlich zu wirtschaften. "Nebenbei" komme als Aufgabe hinzu, Eltern, Großeltern und andere Vertreter der älteren Generation von der Bedeutung des Klimaschutzes zu überzeugen. "Sie hören euch mehr zu, als ihr denkt", sagte er.

Obama beklagte, beim Kampf gegen die Erderhitzung sei die Welt nicht da, wo sie sein müsste. Viele Staaten verfehlten selbst gesteckte Ziele oder setzten sich zu schwache. Namentlich rügte er Russland und China. Dass deren Staatschefs der Konferenz fernbleiben, sei beschämend. Auch seinen Nachfolger als US-Präsident, Donald Trump, kritisierte Obama für dessen feindselige Haltung zum Klimaschutz.

Obama gestand, dass auch er manchmal daran zweifle, ob die Menschheit den Kampf gegen die Erderwärmung gewinne. Aber Zynismus sei keine Option. "Die Welt muss sich bewegen – und zwar jetzt." Eine Fridays-for-Future-Aktivistin aus Uganda, Vanessa Nakate, ging Obama auf Twitter jedoch frontal an. "Ich war 13, als Sie 100 Milliarden Dollar Klimafinanzierung versprochen haben. Die USA haben dieses Versprechen gebrochen, und das kostet Menschenleben in Afrika." Dazu schrieb sie den Slogan "Zeig' uns das Geld."

8.11. Deutschland unterstützt Klimaanpassung mit weiteren 150 Millionen Euro

Deutschland stellt 150 Millionen Euro bereit, um ärmere Staaten bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. Das teilten Umwelt- und Entwicklungsministerium zum Auftakt der zweiten Woche der Weltklimakonferenz in Glasgow mit. Demnach sollen 50 Millionen Euro in einen Fonds ("Adaptation fund") für Projekte fließen. Weitere 100 Millionen investiert das Entwicklungsministerium in den sogenannten Least-Development Countries Fund, der den am wenigsten entwickelten Ländern zugutekommt.

Der Beitrag ist Teil der öffentlichen Mittel, die Deutschland jährlich für Klimaschutz und Klimaanpassung in ärmeren Staaten zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr waren dies insgesamt 7,64 Milliarden Euro. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth betonte die Notwendigkeit, besonders betroffene Staaten zu unterstützen. "Wenn einem das Wasser an den Füßen steht, wenn man Ernteverluste zu beklagen hat, wenn es Stürme gibt und Hitzewellen, dann muss man dringlich vor diesen Auswirkungen geschützt werden."

Deshalb seien die internationalen Mittel immer wichtiger. Der Anpassungsfonds sei eines der "wesentlichen Instrumente", um ärmere Staaten zu unterstützen. Dieser Fonds umfasse derzeit eine Milliarde Euro, erklärte Flasbarth. Deutschland stocke seinen Anteil nun von 390 Millionen auf 440 Millionen Euro auf. Pläne, einen Extrafonds für Schäden und Verluste einzurichten, gebe es derzeit nicht, erklärte Jürgen Zattler, der die Klimaschutz-Abteilung im Entwicklungsministerium leitet.

8.11. Kritik an großer Zahl von Energie-Lobbyisten

Die Zahl der Lobbyisten für fossile Energieträger bei der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hat Kritik von Klimaschützern auf sich gezogen. Nach Angaben der Organisation Global Witness ist die Zahl der Öl- und Gas-Lobbyisten größer als jede einzelne Delegation der teilnehmenden Länder. Das geht den Angaben zufolge aus eine Liste der Vereinten Nationen hervor. Demnach sind bei der Konferenz 503 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie akkreditiert. Die größte nationale Delegation Brasilien hat hingegen nur 479 Mitglieder.

Gleichzeitig hätten sich viele Gruppen aus Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, über mangelnden Zugang zu der Konferenz beklagt, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Anwesenheit Hunderter Lobbyisten werde "die Skepsis von Klimaschutzktivisten nur noch erhöhen", warnte Murray Worthy von Global Witness der Mitteilung zufolge.

8.11. Globaler Süden fordert Schadenersatz für Klimafolgen

Nach den Großdemos in Glasgow für mehr Klimaschutz startet die Weltklimakonferenz in ihre zweite, entscheidende Woche. Zahlreiche Minister und Regierungschefs reisten nach Schottland, um den Verhandlungen der rund 200 vertretenen Staaten Schwung zu geben. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kommt erst gegen Ende der Woche dazu, die SPD-Politikerin ist an den Verhandlungen über eine Koalition von SPD, Grünen und FDP im Bund beteiligt.  

Bei dem Mammuttreffen in Glasgow mit knapp 30.000 Delegierten steht nun das heikle Thema Geld auf der Agenda. Arme Staaten, die schon jetzt unter Dürren, Überschwemmungen und dem steigenden Meeresspiegel wegen der beschleunigten Erderhitzung leiden, pochen auf Schadenersatz der reichen Industrieländer. Diese reagieren aber seit Jahren zurückhaltend – auch weil sie Klagen auf Reparationen vor Gericht fürchten.

Dennoch rief die britische Regierung die reichen Industriestaaten ausdrücklich auf, vor 2030 mehr Gelder im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe bereitzustellen. "Wir müssen nun handeln, um zu verhindern, dass der Klimawandel immer mehr Menschen in die Armut stürzt", sagte Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan, die die Gespräche über entsprechende finanzielle Zusagen leiten sollte.

Die Finanzierung ist eines der strittigsten Themen in den Klimaverhandlungen. So gestanden die Industriestaaten bereits ein, ihre Zusage von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für besonders vom Klimawandel betroffene Staaten voraussichtlich erst drei Jahre verspätet erstmals vollständig einzuhalten, konkret im Jahr 2023.

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte eine Lösung an. "Die Sirenen heulen", twitterte er. "Unser Planet sagt uns etwas, wie auch die Menschen überall. Wir müssen zuhören, wir müssen agieren, und wir müssen uns weise entscheiden". Diese Entscheidung müsse für den zum Schutz der Zukunft und zur Rettung der Menschheit fallen.

7.11. Umweltschützer werfen Saudi-Arabien Blockade vor

 Zur Halbzeit der Weltklimakonferenz in Glasgow werfen Umweltschützer dem ölreichen Königreich Saudi-Arabien vor, die Verhandlungen blockieren zu wollen. Regierungsvertreter aus Riad hätten sich am späten Freitagabend gegen ehrgeizige Formulierungen zum Klimaschutz in der geplanten Abschlusserklärung gewandt, beklagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. Auch habe die saudi-arabische Delegation Beschlüsse blockiert, um beim Thema Anpassung an die Folgen der Erderwärmung voranzukommen.

Morgan sagte, solche strategischen Manöver des autoritär regierten Golfstaats seien "zynisch", aber leidlich bekannt. "Sie wähnen sich am Schachbrett und manipulieren die Figuren, um ein Ergebnis zu verhindern, dass das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite hält." Die Logik Saudi-Arabiens sei: Wenn bedürftige Länder nicht die benötigte Hilfe zugesagt bekommen, könnten diese am Ende keiner gehaltvollen Erklärung zustimmen.

Morgan rief die Regierungen der anderen rund 200 vertretenen Staaten auf, die Delegation Saudi-Arabiens zu isolieren. Das Land, dessen Wirtschaft komplett auf dem Ölexport fußt, hat allerdings eine Vetomacht, denn die Beschlüsse auf der COP26 müssen einstimmig fallen.

7.11. Greenpeace: Billionen an Klimahilfen notwendig

Umweltverbände und Entwicklungsorganisationen verlangen, dass reiche Staaten ihre Klimahilfen für arme Länder drastisch aufstocken. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan bezifferte den Finanzbedarf der weniger entwickelten Länder auf mehrere Billionen. Nur so könne sich der globale Süden an die fatalen Folgen der Erderhitzung wie immer mehr Dürren und Überschwemmungen anpassen und auch klimaschädliche Treibhausgase reduzieren.

Die Klimaexpertin der Organisation Oxfam, Nafkote Dabi, machte die Industrieländer als Urheber der Klimakrise verantwortlich. Arme Länder litten am meisten darunter. Diese Ungerechtigkeit müsse ausgeglichen werden. Sie prangerte zudem einen ökologischen Vandalismus vor allem von "Superreichen" an, deren Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen weit über dem der übrigen Menschheit liege. Klimaschädlicher Luxus gehöre hoch besteuert oder verboten.

Greenpeace-Klimaexpertin Lisa Göldner warf der Europäischen Union vor, es beim Gipfel an Führungsstärke fehlen zu lassen. An EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen appellierte sie, den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas voranzutreiben. Zugleich warnte sie die rund 200 in Schottland vertretenen Staaten davor, einen weltweiten Kompensationshandel für Emissionen einzurichten. Dies lieferte den Industriestaaten eine "weitere Ausrede", den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu verzögern.

7.11. Gegengipfel stellt Klimasünder vor Gericht

 Nach zwei Großdemonstrationen für mehr Klimaschutz mit Zehntausenden Demonstranten hat in Glasgow ein Gegengipfel zur UN-Klimakonferenz begonnen. Der viertägige "People's Summit" startete mit einem "Tribunal der Völker", das über die Klimapolitik der meisten Staaten und der Vereinten Nationen zu Gericht sitzen will. Falsche Lösungen und Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung gefährdeten schon jetzt Gesundheit und Heimat von Millionen Menschen, hieß es.

Wie die Proteste an den Tagen zuvor hat auch der Gegengipfel zum Ziel, den Druck auf die Verhandlungsteams der etwa 200 in Glasgow vertretenen Staaten zu erhöhen. Kernforderungen sind radikaler Klimaschutz, eine umfassende Entschuldung aller Entwicklungsländer sowie Reparationszahlungen der Industriestaaten. Die COP26 Coalition – ein Bündnis von Organisationen und Kampagnen – schrieb: "Wir brauchen Klimaschutz, der für alle funktioniert, nicht nur für die Leute mit dem meisten Geld in der Tasche."

6.11. Massenproteste erhöhen Druck auf die Weltklimakonferenz

Nach Massenprotesten für mehr Klimaschutz mit Hunderttausenden Demonstranten wächst der Einigungsdruck auf die Weltklimakonferenz. Der britische Premierminister Boris Johnson – Gastgeber des Gipfels in Schottland – mahnte weitere Zusagen der rund 200 beteiligten Staaten an. Erklärtes Ziel ist es, die Erderhitzung auf noch erträgliche 1,5 Grad einzudämmen.

Am Freitag und Samstag hatten Zehntausende in vielen Ländern ihrem Unmut über jahrzehntelang verschleppten Klimaschutz Luft gemacht und mehr Klimagerechtigkeit gefordert. Die Organisatoren sprachen von mehr als 100 000 Teilnehmern allein in Glasgow. Nach Angaben der Veranstalter gab es rund um den Globus außerdem mehr als 300 weitere Aktionen. Auch in Amsterdam, Dublin und vielen britischen Städten kamen viele Demonstranten zu Protesten zusammen. "Systemwandel, nicht Klimawandel!", stand auf einem großen Banner an der Spitze eines Protestmarsches in London.

5.11. Tausende Protestierende: Thunberg bezeichnet Klimakonferenz als Greenwashing-Festival

Sie fordern "Kein Blabla mehr" und sofortiges Handeln gegen die Klimakrise: Tausende Menschen haben knapp eine Woche nach dem Start der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow für mehr Tempo im Kampf gegen die Erderhitzung demonstriert. Die Teilnehmer forderten in Sprechchören einen "Systemwechsel" und mehr Klimagerechtigkeit - vor allem für ärmere Staaten. Mit dabei waren führenden Klimaaktivistinnen und -aktivisten wie die Schwedin Greta Thunberg. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie "Kapitalismus killt den Planeten", "Handelt jetzt!" und "Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit".

Thunberg wurde bei ihrer Rede auf dem George Square im Zentrum der Großstadt von der Menge umjubelt. Den Staatschefs der großen Wirtschaftsmächte warf die 18-Jährige Tatenlosigkeit im Kampf gegen die Klimakrise vor. "Es ist kein Geheimnis, dass die COP26 ein Fehlschlag ist", sagte sie. "Dies ist nicht länger eine Klimakonferenz. Dies ist jetzt ein Greenwashing-Festival des globalen Nordens, eine zweiwöchige Feier des Business as usual und des Blablabla!" Sie prangerte an, dass es bereits 26 solcher Klimakonferenzen gegeben habe. "Doch wohin haben sie uns geführt? Mehr als 50 Prozent aller CO2-Emissionen sind seit 1990 ausgestoßen worden, ein Drittel seit 2005."

Zuvor war die Menge durch die Innenstadt marschiert - mit Thunberg, ihrer deutschen Fridays-for-Future-Mitstreiterin Luisa Neubauer und weiteren Klimaaktivistinnen. Bei der Demonstration gingen viele Schüler und Familien mit, aber auch ältere Menschen. Kinder im Grundschulalter trugen Schilder, auf denen stand: "Rettet unsere Welt" und "Was ist mit uns?". Die Stimmung war friedlich - und teilweise fröhlich. In Sprechchören schwangen jedoch auch Wut und Enttäuschung vieler Jugendlicher über den jahrzehntelang weltweit verschleppten Klimaschutz mit.

Solidarisch mit den Demonstranten äußerte sich der frühere US-Vizepräsident Al Gore. "An alle in den Hallen der COP26: Jetzt ist die Zeit, auf sie zu hören und zu handeln", schrieb er auf Twitter. In einer Rede sagte er, die Welt könne die Erwartungen der jungen Leute erfüllen - dafür müsse aber Schluss sein mit der Zeit des Aufschiebens, der Ablenkung und dem Festhalten an der Vergangenheit. Die Staatengemeinschaft müsse anerkennen, dass sie nun in eine "Phase der Konsequenzen" eingetreten sei und sie zu einer "Phase der Lösungen" machen.

5.11. Greenpeace: Zweite Konferenzwoche ist "Test für die Menschheit"

Nach der ersten Woche der UN-Klimakonferenz fordert Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan mehr Bewegung in den Verhandlungen der rund 200 vertretenen Staaten. Es sei zwar eine schlechte Woche für die Kohle-, Gas- und Ölkonzerne gewesen - "aber nicht schlecht genug". Mit Blick auf öffentlichkeitswirksam verkündete Zusagen dutzender Staaten zum Kohleausstieg, Waldschutz und der Reduzierung von Methan-Emissionen kritisierte sie, zu vieles davon sei rein freiwillig und im Kleingedruckten gebe es viele Schlupflöcher. In der nun beginnenden zweiten Woche der Verhandlungen müsse Vertrauen aufgebaut werden, sagte Morgan. Nötig seien dazu "Durchbrüche" bei den Klimahilfen für arme Länder. "Wir sind hier in Glasgow, weil Leben auf dem Spiel stehen. Die nächste Woche ist ein Test für die Menschheit und die Zeit zu handeln."

Die Rolle Chinas und der USA auf der Konferenz mit etwa 28 000 Teilnehmern stuft Greenpeace als enttäuschend ein. Peking habe anders als erhofft gar keine ehrgeizigeren Zusagen in Glasgow vorgelegt, und Washington im wesentlichen nur Reduktionen beim Klimagas Methan zugesagt. Beide Großmächte stoßen bei weitem am meisten klimaschädliche Treibhausgase aus.

Morgan forderte, in der Abschlusserklärung müsse festgeschrieben werden, dass weltweit keine neuen Kohle-, Gas- und Ölprojekte mehr geplant, finanziert oder gefördert werden dürfen. Zudem müssten auch nach 2025 Klimahilfen für arme Länder fließen, und zwar deutlich mehr als 100 Milliarden US-Dollar jährlich. 

5.11. Präsident der Klimakonferenz hat Verständnis für Wut der Jugend

Der Präsident der Weltklimakonferenz, Alok Sharma, hat Verständnis geäußert für die Wut vieler Jugendlicher über den zu lange verschleppten Klimaschutz weltweit. "Ich verstehe das, ich habe selber Kinder", sagte er auf einer Veranstaltung, auf der junge Menschen mehr Ehrgeiz und Tempo im Kampf gegen die Klimakrise verlangten. "Ich kämpfe im wahrsten Sinne des Wortes Tag und Nacht dafür, damit das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite bleibt", sagte er. Gemeint ist der Beschluss im Pariser Klimaabkommen von 2015, wonach die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Grad gestoppt werden soll im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Zugleich verwies Sharma auf jüngste Zusagen, die Hoffnung gäben: Etwa die Zusage großer Wirtschaftsnationen der G20, im Ausland den Bau von Kohlekraftwerken nicht mehr mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Auch der neue Pakt von gut 100 Staaten zum Stopp der Entwaldung bis 2030 sei wegweisend. Er räumte aber ein: "Wir müssen zusammen darauf achten, dass sich auch alle an ihre Zusagen halten."

Die UN-Klimachefin Patricia Espinosa nannte die Forderungen der Jugend berechtigt. Sie versprach, sie in die Delegationen der rund 200 in Glasgow vertretenen Staaten zu tragen.

5.11. Studie: Superreiche leben wie ökologische Vandalen

Die Superreichen in aller Welt leben einer Oxfam-Studie zufolge wie ökologische Vandalen. Sie verursachen demnach zigfach mehr klimaschädliche Treibhausgase als der Rest der Menschheit. Dagegen bleiben die Pro-Kopf-Emissionen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung auch 2030 weit unter der angestrebten 1,5-Grad-Grenze bei der Erderhitzung. Die reichsten zehn Prozent überschreiten 2030 den Wert aber voraussichtlich um das Neunfache, das reichste Prozent sogar um das 30-fache.

Die Studie wurde von Oxfam auf der Weltklimakonferenz in Glasgow vorgestellt. Sie beruht nach Angaben der Entwicklungsorganisation auf Untersuchungen des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP) und des Stockholmer Umweltinstituts (SEI).

Das reichste ein Prozent - das sind weniger Menschen als die Bevölkerung Deutschlands - wird laut Oxfam bis 2030 für 16 Prozent der globalen Gesamtemissionen verantwortlich sein. Nafkote Dabi, Klimaexpertin bei Oxfam, sagte dazu: "Eine kleine Elite gönnt sich einen Freifahrtschein für die Zerstörung unseres Klimas." Dies habe katastrophale Folgen für Millionen Menschen, die bereits jetzt mit tödlichen Stürmen, Hunger und Not konfrontiert seien. Mit einem einzigen Weltraumflug verursache ein Milliardär mehr Emissionen, als jemand aus der ärmsten Milliarde Menschen in einem ganzen Leben zusammenbringe.

Die Studie zeigt den Angaben zufolge zudem, dass sich die geografische Verteilung bei den Treibhausgasemissionen zunehmend nicht mehr hauptsächlich aus den traditionellen Industrieländern zusammensetzt. Fast ein Viertel (23 Prozent) des reichsten Prozent werden Chinesen sein und ein Zehntel (elf Prozent) Inder.

Tim Gore, Autor der Studie bei IEEP, erklärte dazu, Regierungen müssten ihre Maßnahmen auf die extrem Reichen ausrichten. "Dazu gehören sowohl Maßnahmen zur Einschränkung des CO2-Verbrauchs für Luxusgüter wie Megajachten, Privatjets und private Raumfahrt, als auch zur Begrenzung klimaintensiver Investitionen wie Aktienbesitz in der fossilen Brennstoffindustrie."

Erst am Donnerstag war EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wegen eines rund 20-minütigen Charterflugs aus Wien nach Bratislava in die Kritik geraten. Sowohl vom Europäischen Steuerzahlerbund als auch aus dem Bundestag kamen deutliche Worte. Der Flug sei eine "ökologische Sünde", sagte der Generalsekretär des Steuerzahlerbundes, Michael Jäger, der "Bild"-Zeitung.

4.11. Allianz zu Kohleausstieg bei UN-Klimagipfel ohne wichtige Länder

Beim Weltklimagipfel im schottischen Glasgow hat eine Zusage zum Ausstieg aus der Kohleenergie die Unterstützung wichtiger Länder wie China und den USA verfehlt. Trotzdem sprach der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng am Donnerstag von einem "Meilenstein". Er verkündete, "das Ende der Kohle" sei in Sicht. Wie die Regierung des Gastgeberlandes weiter mitteilte, sagten mindestens 23 Staaten erstmals zu, den Betrieb ihrer Kohlekraftwerke auslaufen zu lassen und nicht in neue zu investieren. Darunter sind Staaten wie Polen, Vietnam und Chile.

Mehr als 40 Länder bekannten sich zu einem kompletten Ausstieg aus der Kohle in den 2030er-Jahren für große Volkswirtschaften und in den 2040er-Jahren im Rest der Welt. Bedeutende Kohle-Nutzer wie China, die USA, Indien und Australien schlossen sich der Vereinbarung jedoch nicht an. Die Energiegewinnung durch Kohle ist der größte Einzelfaktor bei der Klimaerwärmung.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Vereinbarung als unzureichend. "Das Kleingedruckte scheint den Ländern erheblichen Spielraum zu geben, um ihr eigenes Ausstiegsdatum zu wählen, trotz der schillernden Überschrift", sagte Delegationsleiter Juan Pablo Osornion der BBC. Begrüßt wurde hingegen das Vorhaben von mehr als 20 Ländern und Institutionen, die Finanzierung fossiler Brennstoffe zu beenden und stattdessen in grüne Energien zu investieren.

4.11. Im Privatjet vom Klimagipfel - Premier Johnson in der Kritik

Weil er den UN-Weltklimagipfel per Privatjet verlassen hat, ist der britische Premierminister Boris Johnson am Donnerstag in die Kritik geraten. Am Dienstag hatte der konservative Politiker noch den versammelten Staats- und Regierungschefs beim COP26 in Glasgow gehörig ins Gewissen geredet, beim Kampf gegen den Klimawandel den Worten Taten folgen zu lassen.

Einem Bericht des "Daily Mirror" zufolge setzte sich Johnson daraufhin in einen Privatjet und flog zu einem Dinner in einem exklusiven Club in London, dessen Mitgliedschaft nur Männern vorbehalten ist. Er soll dort den früheren Chefredakteur des "Daily Telegraph" und bekennenden Klimaskeptiker Charles Moore getroffen haben. "Das ist atemberaubende Heuchelei vom Premierminister", sagte Anneliese Dodds von der oppositionellen Labour-Partei dem "Mirror".

Ein Regierungssprecher hatte die Reisepläne Johnsons mit dem Flugzeug noch am Montag damit gerechtfertigt, der Premier müsse in der Lage sein, mit erheblichem Zeitdruck zurechtzukommen. In einer Mitteilung am Donnerstag hieß es, Johnson habe eines der CO2-effizientesten Flugzeuge seiner Größe in der Welt genutzt - mit dem nachhaltigsten Kraftstoff. Großbritannien werde alle CO2-Emmissionen, die mit dem Klimagipfel in Verbindung stünden, neutralisieren, so die Mitteilung weiter.

4.11. Report: Kein Abwärtstrend beim globalen Treibhausgasausstoß

Elf Jahre könnte die Welt noch leben wie bisher, dann wäre das gesamte Budget an Kohlendioxidemissionen aufgebraucht, wenn die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Ist die Welt aufgewacht? Der neueste Trend beim Treibhausgasausstoß ist alarmierend.

Der globale Ausstoß von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas dürfte nach dem Rückgang 2020 durch die Corona-Pandemie im Jahr 2021 wieder annähernd das Vor-Krisen-Niveau erreichen. Wenn derzeitige Trends sich fortsetzen und auch Straßen- und Flugverkehr zum alten Niveau zurückkehren, könnte es ungeachtet aller Klimaschutzversprechen im Jahr 2022 sogar einen neuen Höchstwert geben, wie aus der neuen Analyse des Forschungsverbundes "Global Carbon Project" unter Leitung der Universitäten von Exeter in Großbritannien und Stanford in den USA hervorgeht.

Tatsächlich müsste der gesamte CO2-Ausstoß aber jedes Jahr um 1,4 Milliarden Tonnen sinken, um das Ziel von netto null Kohlendioxidemissionen bis 2050 zu erreichen. Im Corona-Jahr waren es minus 1,9 Milliarden Tonnen. Von der Erreichung des Ziels sei die Welt nun aber weit entfernt.

Um eine 50-prozentige Chance zu haben, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur wie angestrebt auf 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau zu begrenzen, dürften insgesamt künftig nur noch 420 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Dieses Budget wäre bei einem Ausstoß wie 2021 in etwa elf Jahren aufgebraucht.

Die fossilen CO2-Emissionen dürften in diesem Jahr nach den Berechnungen bei 36,4 Milliarden Tonnen liegen. Das sind etwa 4,9 Prozent mehr als 2020 und es ist fast so viel wie im Vor-Pandemie-Jahr 2019 (36,7 Milliarden Tonnen nach aktuellsten Zahlen). 2020 sei der Umfang durch den vorübergehenden Rückgang von Industrie, Flug- und anderem Verkehr um rund 5,4 Prozent gesunken. Dazu gibt es verschiedene Schätzungen. Die Weltwetterorganisation WMO spricht von 5,6 Prozent Rückgang.

CO2-Emissionen kommen außer aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas etwa auch aus der Waldvernichtung. Gleichzeitig nehmen Wälder aber viel CO2 auf. Netto betragen diese CO2-Emissionen nur rund ein Zehntel der fossilen Emissionen.

Getrieben wurde der Anstieg fossiler Emissionen in diesem Jahr nach dem Bericht vor allem durch die wachsende Nutzung von Kohle in China. Auch in anderen Ländern, darunter Indien, werde der wachsende Energiebedarf weiter durch fossile Energie gedeckt. Dagegen setze sich der mehrjährige Trend mit sinkendem CO2-Ausstoß in den USA und der EU fort. Der Ausbau erneuerbarer Energien sei 2020 ungebrochen gewesen.

Die Entwicklung bei den vier größten Treibhausgasverursachern im Vergleich zu 2019: Berechnet nach den vorläufigen Daten bis Ende Oktober, steigen die fossilen Emissionen in China und Indien in diesem Jahr, in den USA und der EU sinken sie. In China, dem größten Treibhausgasverursacher, dürften es plus 5,5 Prozent gegenüber 2019 sein. In Indien, dem viertgrößten Verursacher, plus 4,4 Prozent. In den USA wird minus 3,7 Prozent gegenüber 2019 erwartet, in der EU minus 4,2 Prozent. In Deutschland lagen die Emissionen 2020 nach diesem Bericht 9,7 Prozent unter denen von 2019. Eine einzelne Prognose für den deutschen Anstieg 2021 gibt es nicht.

3.11. Munich Re fordert bessere staatliche Katastrophenvorsorge

Der Rückversicherer Munich Re mahnt wegen steigender Gefahr von Naturkatastrophen eine bessere staatliche Vorsorge an. Vorstandschef Joachim Wenning plädierte am Mittwoch für "Risikovorstände" in den Regierungen, bei denen die Zuständigkeit für Vorbeugung und Katastrophenhilfe zentral zusammenläuft - in Analogie zu den Risikovorständen, die in großen Unternehmen für die Gefahrenprävention zuständig sind. "Wir müssen das Risikomanagement der Staaten und die Einstellung zum Risikomanagement stärken", sagte Wenning am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Glasgow.

Anlass der Forderung ist unter anderem die Hochwasserkatastrophe im Sommer, die europaweit volkswirtschaftliche Schäden von geschätzt 46 Milliarden Euro verursacht hatte. Die Munich Re kritisiert, dass in den Regierungen die Zuständigkeit für Gefahren und Risiken bisher häufig auf mehrere Ministerien verteilt sei. "Katastrophenvorsorge scheitert daher oft schon an den unklaren Zuständigkeiten in den betroffenen Ländern", hieß es in einer Mitteilung des Münchner Dax-Konzerns.

Die Gefahr schwerer Unwetter und die voraussichtlichen Schäden würden voraussichtlich weiter steigen, sagte Ernst Rauch, der Leiter der Geowissenschaften des Unternehmens, auf der Pressekonferenz am Rande der Glasgower Klimakonferenz. "Unsere Beobachtung ist, dass vor allem in Europa und in Teilen Nordamerikas sogenannte konvektive Stürme zunehmen. Das sind schwere Gewitter, häufig verbunden mit Tornados, Hagel und extremem Niederschlag." Die Munich Re führt seit Jahrzehnten eine Datenbank zu den weltweiten Naturkatastrophen.

Das Unternehmen legte eine Reihe weiterer Vorschläge und Forderungen vor. Dazu gehören der Ruf nach international koordinierten Fahrplänen für den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Verbesserung des Versicherungsschutzes bei Naturkatastrophen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

3.11. Klimaforscher: Erderhitzung von 2,7 Grad wäre "ein anderer Planet"

Das Ziel des Klimagipfels lautet: das 1,5-Grad-Ziel im Rahmen des Möglichen zu halten. Aktuell steuert die Welt allerdings noch auf 2,7 Grad Erhitzung zu. Einer der weltweit wichtigsten Klimaforscher erklärt, was in Glasgow auf dem Spiel steht.

Der renommierte schwedische Klimaforscher Johan Rockström hat eindringlich vor der drohenden drastischen Erderhitzung gewarnt, auf die die Welt mit ihren aktuellen Plänen zusteuert. "Mit 2,7 Grad würden wir unbekanntes Terrain betreten. Wir würden auf einem anderen Planeten leben als heute", sagte der Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung der Deutschen Presse-Agentur auf der Weltklimakonferenz in Glasgow.

Die bislang bei den Vereinten Nationen eingereichten Pläne reichen bei weitem nicht aus, um das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß von 1,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu begrenzen. Der UN-Klimaagentur zufolge befindet sich die Welt stattdessen auf einem 2,7-Grad-Pfad. Dies würde eine so stark zunehmende Häufigkeit von Extremereignissen wie Dürren, Überschwemmungen, Brände, Krankheiten oder Hitzewellen bedeuten, dass diese der Menschheit ein angemessenes Leben auf der Erde beinahe unmöglich machen würden, so Rockström.

Bereits im Jahr 2070 - also noch lange vor 2,7 Grad - würden in diesem Szenario 3,5 Milliarden Menschen in Regionen leben, deren jährliche Durchschnittstemperatur ein Risiko für ihre Gesundheit wäre. Darüber hinaus werde man in dieser Zukunft Probleme haben, die Menschheit überhaupt noch zu ernähren. "Man würde praktisch auf einem zerstörten Planeten leben", sagte der Klimaforscher. "Um es klar zu sagen: Man will dort nicht hin."

Bei der Weltklimakonferenz COP26 ringen derzeit in Schottland rund 200 Staaten darum, wie die drohende Klimakatastrophe abgewendet werden kann. "Wir haben nun mehr wissenschaftliche Beweise als jemals, das wir alles tun müssen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen", sagte Rockström. In Glasgow hofft er auf konkrete Enddaten für den Abschied vom Kohlestrom und vom Verbrennungsmotor. Da bereits so viel Zeit vergangen sei, reichten Allianzen ambitionierter Länder nicht mehr aus, sondern alle Staaten müssten sich bewegen. Beim Klimagipfel zeigte sich jedoch bereits in den ersten Tagen, welche Staaten auf der Bremse stehen. So tauchten die Präsidenten von China und Russland gar nicht persönlich auf. Indien kündigte zwar Klimaneutralität an, zögerte diesen Plan aber bis ins Jahr 2070 hinaus.

"Um wirklich erfolgreich zu sein, müssten alle hier versammelten Nationen ihre Pläne aktualisieren, um bis 2050 netto null Emissionen zu haben und die Emissionen bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren", so der Schwede. "Wenn wir das von allen Nationen bekämen, wäre das ein Grund zum Feiern."

3.11. Seeschifffahrt will Klimaziele verschärfen: CO2-neutral bis 2050

Die Schifffahrt ist das Rückgrat des Welthandels und belastet gleichzeitig Umwelt und Klima. In diesem Spannungsfeld lotet die maritime Wirtschaft Lösungen aus - und will jetzt das Tempo erhöhen.

Die internationale Seeschifffahrt will ihre Klimaziele deutlich verschärfen. Statt den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid bis 2050 zu halbieren, wie bisher von der Weltschifffahrtsorganisation IMO angepeilt, strebt die Branche nun an, bis dahin netto gar kein zusätzliches CO2 mehr in die Atmosphäre zu lassen. "Unsere Branche will bereits im Jahr 2050 klimaneutral sein", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Alfred Hartmann. Einen entsprechenden Vorschlag habe der Weltreederverband ICS bei der IMO in London, einer Organisation der UN, auf Initiative der deutschen Reeder eingereicht.

"Klimaschutz erlaubt keinen Aufschub mehr, das belegt auch der jüngste Bericht des internationalen Klimarates IPCC", sagte Hartmann. "Wir hoffen, alle Teilnehmer der maritimen Transportkette, aber insbesondere auch die Staaten werden uns bei dieser großen Aufgabe umfassend unterstützen."

Der Reederverband verspricht sich von seinem Vorstoß ein Signal an Energieversorger, Schiffbauer und Motorenhersteller, mehr in "grüne" Antriebstechnologien und Treibstoffe zu investieren. Optimierungen beim Bau und dem Betrieb von Schiffen reichten nicht aus. Vielmehr sei bei Entwicklung und Verfügbarkeit eine "Revolution bei den Treibstoffen" nötig. "Grundsätzlich gilt: Nicht der Motor ist das Problem, sondern der Brennstoff", betonte VDR-Präsident Hartmann.

Das Problem: Containerschiffe können anders als Autos lange Strecken nicht mit Batteriekraft bewältigen. Zwar wird in den maritimen Branchen über ein großes Spektrum an alternativen Antriebskonzepten und Treibstoffen diskutiert. Neben Wasserstoff und Ammoniak stehen unter anderem sogenannte "E-fuels" im Blickfeld - beispielsweise Methanol, dessen Verbrennung zwar CO2 freisetzt, bei dessen Herstellung zuvor aber massenhaft CO2 gebunden wird, so dass ein neutraler Kreislauf entsteht. Allen Alternativen ist aber gemein: Noch nichts ist marktreif und in großem Stil für den breiten Praxiseinsatz verfügbar. Daher kann ein Reeder, der ein Schiff bestellt, derzeit nur zwischen einem Dieselantrieb oder dem ebenfalls fossilen Flüssiggas (LNG) wählen.

Die Schifffahrt, die weltweit um die 90 Prozent aller Waren transportiert, ist nach IMO-Angaben für mehr als 2 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Die Branche ist auch deswegen unter Druck, weil die EU die Zielmarken für die Verringerung von Treibhausgasemissionen verschärfen will. Dem Kommissionspaket "Fit for 55" zufolge sollen diese gegenüber 1990 bis 2030 um mindestens 55 Prozent sinken. Bis 2050 sollen in der Union netto gar keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausgestoßen werden.

3.11. "Beendet den Klima-Betrug": Proteste bei Klimagipfel in Glasgow

In Glasgow haben parallel zum Weltklimagipfel COP26 Hunderte Aktivistinnen und Aktivisten für eine ehrgeizigere Klimapolitik demonstriert. Mitglieder der Organisation Extinction Rebellion und anderer Gruppen versammelten sich am Dienstagabend vor dem Gelände der Klimakonferenz und forderten mit Sitzblockaden, Bannern und Sprechchören die Verantwortlichen auf, geeignete Maßnahmen zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe zu ergreifen.

"Beendet den Klima-Betrug", appellierten mehrere Demonstrierende, zu denen auch die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer gehörte, in Form einer Botschaft aus in den Händen gehaltenen Leuchtbuchstaben.

Bereits im Laufe des Tages gab es parallel zu den Sitzungen der Klimakonferenz in Glasgow verschiedenste Proteste. So verkleideten sich einige Aktivisten als Boris Johnson oder Wladimir Putin, die mit der Erde ein tödliches Spiel im Stil der Netflix-Serie "Squid Game" veranstalteten. Im Laufe der Woche sind weitere Großproteste angekündigt, darunter ein Klimamarsch und ein Fridays-for-Future-Streik mit der Schwedin Greta Thunberg.

Bei der UN-Weltklimakonferenz ringen rund 200 Staaten über zwei Wochen hinweg darum, wie das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, noch erreicht werden kann. Die derzeitigen Pläne der Staaten reichen bei weitem nicht aus, um die verheerende Folgen einer deutlich stärkeren Erderhitzung abzuwenden.

2.11. Mehr als 80 Staaten besiegeln Pakt gegen Methan-Ausstoß

Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow haben sich mehr als 80 Staaten einer Initiative der EU und der USA angeschlossen, um den Ausstoß von klimaschädlichem Methan zu reduzieren. "Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag in Glasgow. Sie stellte den Pakt gemeinsam mit US-Präsident Joe Biden vor. Der Ausstoß von Methan in die Atmosphäre habe einen erheblichen Beitrag zur Erderwärmung. "Das ist die am tiefsten hängende Frucht", die man schnell und effektiv reduzieren müsse.

Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung. Die schon im September ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden. Mit dabei sind neben Deutschland unter anderem auch Frankreich, Kanada, Israel und Japan.

US-Präsident Joe Biden sprach von einem "wegweisenden Engagement". Er sagte in Glasgow, das 30-Prozent-Ziel könne wahrscheinlich sogar übertroffen werden. Biden präsentierte zugleich einen nationalen Aktionsplan zur Reduzierung des Methan-Ausstoßes in den USA. Damit soll unter anderem der Methan-Ausstoß von Öl- und Gasbohrlöchern, von Pipelines und von Mülldeponien deutlich reduziert werden.

Methan entsteht zum Beispiel in der Landwirtschaft, auf Abfalldeponien oder in der Öl- und Gasindustrie. Einer von der EU-Kommission zitierten Statistik des Weltklimarats (IPCC) zufolge ist Methan für die Hälfte der bisherigen Klimaerwärmung von rund einem Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit verantwortlich.

2.11. COP26-Vorsitz von Aktivisten zum "Fossil des Tages" gekürt

Die britische Regierung als Ausrichter des Weltklimagipfels ist von den Umweltschützern des Climate Action Networks (CAN) zum "Fossil des Tages" gekürt worden - unter anderem wegen Organisationsmängeln bei dem Mammuttreffen in Glasgow mit 28 000 Teilnehmern. Die versprochene inklusive Einbindung aller Interessen und Aktivisten zeige sich derzeit vor allem darin, was die Briten am besten könnten: nämlich "in der Kunst des Schlangestehens", erklärten sie ironisch.

An den ersten beiden Tagen hatten sich sehr lange Schlangen vor dem Kongresszentrum gebildet. Die Wartezeit betrug etwa am Dienstag weit mehr als eine Stunde bis zum Sicherheitscheck.

CAN rügte zudem, Vertretern der Zivilgesellschaft, die von weit her angereist seien, werde gesagt, es gebe keinen Platz in den Veranstaltungen und sie sollten diese online anschauen. "Da hätten wir gleich zuhause bleiben können - obwohl: Dann hätten wir das Wetter verpasst", bilanzierten sie mit Blick auf den trüben schottischen Herbst.

Man hoffe, dass dieser Negativpreis der COP26-Präsidentschaft in dieser Hinsicht ein "Weckruf" sei. Vertreter der Zivilgesellschaft und Klimaaktivisten müssten als gleichwertige Partner behandelt werden, erklärte das Netzwerk.

Ebenfalls zum "Fossil des Tages" gekürt wurde Australien, das stark vom Kohleexport profitiert. Das Land überbiete alle darin, die COP an einen "Tiefpunkt" zu führen, hieß es kritisch vom Climate Action Network. So habe die Regierung nicht nur sehr schwache Pläne zum Klimaschutz präsentiert, sondern in den vergangenen Monaten auch noch drei neue Kohleprojekte genehmigt.

2.11. Verheerende Hungersnot durch Klimawandel nur in Madagaskar 

Die verheerende Hungersnot in Madagaskar ist nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) die einzige derartige durch den Klimawandel verursachte Notlage. Im Süden des tropischen Inselstaats nahe der Ostküste Afrikas hätten 1,3 Millionen Menschen nicht genug zu essen, sagte Aduino Mangoni vom WFP am Dienstag via Video aus der Hauptstadt Antananarivo zu Journalisten in Genf. Die Lage werde sich noch verschlimmern, weil die nächste Ernte erst im April erwartet wird. Bis dahin dürften eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren unterernährt sein, sagte Mangoni. "Die Situation ist alarmierend."

Es sei die schwerste Dürre in der Region seit 1981. Die Menschen hätten dieses Mal aber seit fünf Jahren Dürren hintereinander erlebt, sowie ungewöhnlich starke Sandstürme durch Bodenerosion. Auf den Feldern wachse kaum noch etwas, die Menschen müssten sich von Kaktusblättern und Heuschrecken ernähren. Ursache sei der Klimawandel, sagte Mangoni. Andere Krisen, in denen das WFP Lebensmittelhilfe leistet, etwa im Südsudan, Jemen und der Tigray-Region von Äthiopien, seien durch Konflikte ausgelöst worden.

Das WFP habe hunderttausenden Menschen mangels Geld zeitweise nur mit halben Rationen helfen können. Dies sei eine Mahlzeit pro Tag, damit sie nicht sterben. Inzwischen sei die Lage etwas besser. Das WFP brauche aber 69 Millionen Dollar (rund 60 Mio Euro), um den Bedarf bis April zu decken. Wie viele Kinder schon durch Unterernährung gestorben sind, ist unklar. Kinder würden dort oft erst Monate nach der Geburt registriert, wenn sie überlebt haben, sagte Mangoni.

2.11. 100 Staaten wollen Entwaldung stoppen

Nach drastischen Klimaschutz-Appellen am Vortag kommen bei der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow am Dienstag erneut zahlreiche Staats- und Regierungschefs zu Wort. Zudem wird eine Initiative von 100 Staaten vorgestellt, die bis 2030 die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften stoppen wollen. Wie die britische Regierung, die der UN-Konferenz vorsitzt, bekannt gab, repräsentieren die beteiligten Länder 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer.

Mit dabei sind Deutschland und die gesamte EU, aber auch die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt - also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen.

1.11. Klimawandel mit Holocaust verglichen: Erzbischof entschuldigt sich

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, hat sich nach einem Vergleich zwischen dem Holocaust und den Folgen des Klimawandels entschuldigt. "Es ist niemals richtig, Vergleiche zu den Gräueltaten der Nazis zu ziehen", schrieb das Oberhaupt der anglikanischen Kirche am Montag bei Twitter. Es tue ihm leid, bei jüdischen Menschen Anstoß erregt zu haben.

Zuvor hatte Welby im Gespräch mit einer BBC-Reporterin beim UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow davor gewarnt, die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs zögen einen Fluch auf sich, wenn sie nicht die richtigen Maßnahmen ergriffen. Er fügte hinzu, man werde eines Tages härter über solche Politiker urteilen als über diejenigen, die während der 1930er-Jahre ignoriert hätten, was sich in Nazi-Deutschland abgespielt habe. "Es wird einen Genozid von unendlich größerem Ausmaß ermöglichen", so Welby weiter.

dpa

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