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Masken und Co. So leidet die Tierwelt unter Corona-Einwegplastik

Das erste dokumentierte Opfer der Corona-Plastikflut: eine Wanderdrossel (Turdus migratorius)
Das erste dokumentierte Opfer der Corona-Plastikflut: eine Wanderdrossel (Turdus migratorius)
© Sandra Denisuk, Animal Biology 71, 2 (2021) ; 10.1163/15707563-bja10052
Milliarden Kunststoffmasken und -handschuhe gelangen pandemiebedingt in die Umwelt. Eine Überblicksstudie hat nun erstmals die Folgen untersucht

Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Fahrt aufnahm, warnten die ersten Naturforscher vor einer drohenden Umweltkatastrophe. Der Grund: Aus Gründen der Hygiene wurden plötzlich Unmengen von Masken und Einmal-Handschuhen hergestellt und weggeworfen.

Schätzungen zufolge werden seit Begin der Pandemie jeden Monat 129 Milliarden Gesichtsmasken und 65 Milliarden Einmal-Handschuhe verbraucht. Sofern sie nicht richtig entsorgt werden, landen sie in der Umwelt. Und können dort Tieren zum Verhängnis werden.

Eine erste Überblicksstudie über die Folgen für die Tierwelt veröffentlichte jetzt ein niederländisches Forscherteam von der Universität Leiden. Demnach forderte die Pandemie-Plastikflut ein erstes Opfer spätestens im April 2020: Eine Wanderdrossel (Turdus migratorius) hatte sich in Kanada in den Schlaufen einer OP-Maske verheddert und war verendet.

Die Forscher warnen: Corona-Einwegartikel verschärfen ein Problem, das durch Kunststoffteile und Mikroplastik in der Umwelt ohnehin schon gravierend ist – auch in den Ozeanen. Meeresschützer der NGO OceansAsia schätzen einem Report zufolge, dass allein im Jahr 2020 rund 1,56 Milliarden Schutzmasken in die Ozeane der Welt gelangt sein könnten. Doch Berichte über tote oder verletzte Wasserlebewesen gab es bislang nur sporadisch.

Ein Latex-Handschuh wird zur tödlichen Falle

Ein bizarrer Fund aus einem niederländischen Kanal in Leiden rief den Biologen Auke-Florian Hiemstra von der Universität Leiden auf den Plan: Ein kleiner Flussbarsch hatte sich mit der vorderen Körperhälfte in einem löcherigen Latexhandschuh verfangen – und war darin vermutlich erstickt.

Der Forscher begann, mit weiteren Fachkolleginnen und -kollegen in sozialen Netzwerken systematisch nach Berichten über verletzte oder tödlich verunglückte Tiere zu suchen. Als Quelle dienten ihnen vor allem die Posts von Tierfotografen, Birdwatchern, Tierrettungsstationen, Strand-Aufräumaktionen oder Tierärzten.

In Brasilien wurde im Magen eines Magellan-Pinguins eine Einwegmaske gefunden, die er möglicherweise für Nahrung gehalten hatte; aus England kamen Berichte von Igeln und Füchsen, die sich in den elastischen Schlaufen von Masken verheddert hatten. Auch wurden Vögel beobachtet, die Einwegplastik für den Nestbau benutzt hatten.

Forscher bitten um Mithilfe

Um einen besseren Überblick über die Unglücksfälle mit Pandemie-Abfall zu bekommen, starteten Hiemstra und sein Team eine laufend aktualisierte Homepage (covidlitter.com), auf der Funde gemeldet werden können.

„Wie immer bei diesen Einwegartikeln achtet man nicht wirklich darauf – und sie gelangen leicht in die Umwelt“, sagte Hiemstra gegenüber CNN. Es sei eine Ironie, dass Stoffe, die uns Menschen schützen, so schädlich für die Tiere in unserer Umgebung seien.

Das Forscherteam rät dazu, wo immer möglich, wiederverwendbare Alternativen zu nutzen.


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