Great Barrier Reef, Australien

Das berühmteste Riff der Erde, das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens, steht massiv unter Druck. Vor allem, weil durch den Klimawandel die Wassertemperaturen in den Ozeanen klettern und der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre das Wasser saurer macht. Hinzu kommen Pläne für den weltgrößten Kohlehafen an der Küste. Die Bauarbeiten könnten das empfindliche Ökosystem massiv beeinträchtigen. Immerhin erließ das Parlament von Queensland im Jahr 2015 ein Verbot der Verklappung von Bauabfällen und Schlämmen im gesamten Gebiet des Great Barrier Reef.

Experten warnen, dass in den vergangenen 20 Jahren schon ein Viertel der weltweiten Korallenriffe abgestorben ist. Besonders dramatisch: Rund ein Viertel aller marinen Arten leben in Korallenriffen. Ihr kompletter Lebensraum ist damit vom Aussterben bedroht.

Virunga-Nationalpark, Kongo

Im Osten der Demokratischen Republik erstreckt sich der älteste, artenreichste und landschaftlich vielfältigste Nationalpark Afrikas, die Heimat von annähernd 200 der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Doch die Idylle ist seit Jahren in Gefahr. Konzerne und Regierung bringen immer wieder Pläne ins Spiel, im Nationalpark Öl zu fördern. Zudem erlegen Wilderer immer wieder geschützte Wildtiere, darunter auch die stark bedrohten Berggorillas. Der Kampf um die Letzten ihrer Art ist erbarmungslos: Erst im April diesen Jahres wurden wieder sechs Nationalpark-Mitarbeiter getötet. Seit 1996 starben insgesamt mehr als 130 Wildhüter.

Wattenmeer, Deutschland

Auch vor unserer Haustür droht einem einzigartigen, riesigen Naturparadies Gefahr. Das Wattenmeer, das sich entlang der Küsten der Niederlande, Deutschland und Dänemarks ersteckt, ist Heimat von zahllosen Tieren und Pflanzen, die an den Wechsel von Ebbe und Flut perfekt angepasst sind. Und es dient Millionen von Zugvögeln als Snackbar. Doch wenn der Meeresspiegel weiter ansteigt, könnte das Paradies überflutet werden – und komplett verschwinden. Als weitere Stressfaktoren kommen hinzu: eine stellenweise intensive touristische Nutzung, Bauarbeiten an Häfen und Fahrrinnen, Verschmutzungen und Nährstoffeinträge durch Flüsse und Überfischung.

Białowieża-Nationalpark

Über 20.000 Tierarten leben in dem letzten großen Urwald Europas an der Ostgrenze Polens – darunter auch die größte Wisent-Population Europas, Luchse und Wölfe. Doch die Regierung genehmigte 2016 den Holzeinschlag in dem nach EU-Recht streng geschützten Gebiet. Angeblich, um die Natur vor dem Borkenkäfer zu schützen, nach Ansicht des WWF alledings eher, um Profit zu machen. 2017 erließ der Europäische Gerichtshof einen sofortigen Abholzungsstopp. Denn die Rodungen seien illegal. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Selous-Reservat, Tansania

Das Reservat im Osten Afrikas erstreckt sich über eine Fläche so groß wie die Schweiz, rund 50.000 Quadratkilometer – eine der letzten großen Wildnisse der Erde, Heimat für Elefanten, Löwen, Giraffen und Wildhunde. Doch das Naturparadies ist unter Druck, nicht nur durch organisierte Wilderei: Die Regierung von Tansania plant einen Staudamm im Zentrum des Reservats, der nicht nur einen schweren Eingriff in die intakte Natur des Reservats darstellt, sondern auch das touristische Potenzial des Reservats stark beeinträchtigen würde. Baubeginn soll schon im Juli dieses Jahres sein. Ein schwacher Trost: Noch ist kein Investor gefunden, der das zerstörerische Großprojekt finanzieren möchte.

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