Produktwerbung Warum es nun auch "veganes" Mineralwasser gibt

Ein Hersteller aus Schleswig-Holstein bietet jetzt Mineralwasser mit dem Aufdruck "vegan" an. Das ist nicht so abwegig, wie es klingt
Kasten Mineralwasser

"100 % vegan": Wittenseer Mineralwasser

Veganer machen in Deutschland nach vorsichtigen Schätzungen zwar nur 1,6 Prozent der Bevölkerung aus. Doch in der Wahrnehmung der Werbeindustrie scheinen die Deutschen auf dem Weg in die flächendeckende Vegan-Gesellschaft zu sein: Kein anderer Begriff erlebte in den vergangenen Jahren einen vergleichbaren Hype. Und kaum ein Lebensmittel, das es nicht inzwischen auch in der tierfreien Variante gibt.

Dabei machen viele Hersteller auch vor Lebensmitteln nicht Halt, die ziemlich offensichtlich ohne tierische Bestandteile auskommen.

Jetzt hat es sogar ein eigentlich völlig unverdächtiges Mineralwasser erwischt. Das Unternehmen Wittenseer Quelle am gleichnamigen See in Schleswig-Holstein druckt neuerdings auf seine Mineralwasserflaschen, ziemlich groß und grün den Hinweis "vegan". Wer sich fragt, was an einem Mineralwasser denn tierisch sein soll, wird auf der Homepage des Unternehmens fündig: Mineralwasser sei "natürlich immer" vegan. Man verzichte aber beim Kleber für die Etiketten auf kaseinhaltige Produkte.

Was macht die Milch im Etikettenkleber?

Kasein ist ein Milcheiweiß, das traditionell zur Herstellung von Etikettenleim verwendet wird – vor allem bei Mehrwegflaschen. "Während die Kleber von Einwegflaschen fast ausschließlich synthetisch sind, kommen bei der Mehrweg-Variante zu rund 80 Prozent Milcheiweißkleber zum Einsatz", schätzt Ansgar van Halteren vom Industrieverband Klebstoffe e.V.

Das entspricht rund 7000 Tonnen Milcheiweißkleber jährlich – für deren Herstellung 35.000 Tonnen Milch benötigt werden. Und das ist weder vegan noch besonders nachhaltig. Denn die Milchproduktion bringt nicht nur erhebliche Tierschutz-, sondern auch große Umweltprobleme mit sich. Bei der Produktion eines Liters Milch, so die Faustregel, fallen drei Liter Gülle an.

Einen entscheidenden Vorteil haben die Milcheiweiß-Kleber allerdings: Sie sind biologisch abbaubar. "Wenn wir die durch synthetische Kleber ersetzen wollten", sagt van Halteren, "hätten wir ein Recyclingproblem". Die Mineralölbestandteile und sonstigen Chemikalien des Klebers müssten in den Reinigungsanlagen aufwendig abgeschieden und entsorgt werden.

Alternativen aus Pflanzenstärke

Eine recycling-freundliche Lösung sind stärkehaltige Etikettenleime auf der Grundlage von Pflanzenstärke, überwiegend aus Kartoffeln, aber auch aus Mais oder Weizen.

Zwar ließe sich auch hier einwenden, dass man die Kartoffeln lieber essen als zu Leim verarbeiten sollte. Doch immerhin ist die Umweltbilanz der Erdknolle wesentlich besser als die von Milch.

Allerdings hätte das Unternehmen mit einem Sternchen darauf hinweisen sollen, worauf genau sich das "vegan" bezieht. Das hätte bei kritischen Konsumenten für genau das "rundherum gute Bauchgefühl" gesorgt, mit dem das Unternehmen wirbt.

Nach harscher Kritik hat Wittenseer Quelle übrigens den grünen Vegan-Hinweis nun wieder von seinen Etiketten verbannt. Diskreter und präziser findet sich nun unter den Analysedaten der Vermerk: "Unser Etikett wird mit Leim ohne tierische Bestandteile verklebt, somit halten Sie ein 100 % veganes Produkt in Händen."

Für Veganer dürfte übrigens auch interessant sein, dass die Milcheiweißkleber an der Gesamtproduktion von Verpackungs- und Etikettenleimen nur einen geringen Anteil haben, nämlich sechs Prozent. Alle anderen Kleber sind vegan.

Etikett der Wittenseer Quelle

Das neue Etikett mit dem Hinweis "Unser Etikett wird mit Leim ohne tierische Bestandteile verklebt, somit halten Sie ein 100 % veganes Produkt in Händen."

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