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Ökologische Bestattungen So wollen Designer Friedhöfe in Wälder verwandeln


Ökologische Bestattungen liegen im Trend. Jetzt kommt die kompostierbare Urne mit integriertem Baum-Samen

Öko ist "in": Kunststoff-Verpackungen finden wir blöd, und der Kaffee soll bitteschön fair und bio sein. Aber was passiert eigentlich, wenn alles zu Ende ist? Dass sich auch Bestattungen mehr oder weniger ökologisch und nachhaltig gestalten lassen, dringt erst allmählich in unser Bewusstsein.

Doch laut einer Umfrage von Aeternitas - Verbraucherinitiative Bestattungskultur vom März dieses Jahres finden heute schon 54 Prozent der Bundesbürger die Ökologie beim Abschiednehmen wichtig. Nicht zu Unrecht. Denn ein Grab beansprucht im Schnitt 3,5 Quadratmeter Boden, das Holz für den Sarg kommt selten aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Sargausstattung, Farben, Lacke und Beschläge können das Grundwasser verunreinigen. Medikamentenrückstände und Schwermetalle im Leichnam auch.

Ökologische Bestattungen: Mehr Naturnähe: Immer beliebter werden Urnen-Beisetzungen in Friedwäldern
Mehr Naturnähe: Immer beliebter werden Urnen-Beisetzungen in Friedwäldern
© guteksk7 / shutterstock

Auch darum sind in den vergangenen Jahren Urnenbeisetzungen immer beliebter geworden. Inzwischen liegt der Anteil der Feuerbestattungen schon bei über 54 Prozent, Tendenz steigend. Und Friedwälder werden als Alternative zur steinernen Friedhofsatmosphäre immer beliebter. "Auch bei den Herstellern von Urnen und Särgen gibt es einen ganz klaren Trend zu mehr Ökologie", sagt Alexander Helbach von Aeternitas.

Bio-Urnen etwa sind komplett biologisch abbaubar und verwittern zusammen mit ihrem Inhalt. So wird die Asche des Hinterbliebenen zum Nährsubstrat für neues Leben. Für immer mehr Menschen ist das eine tröstliche Vorstellung.

Neues Leben aus der Asche

Zwei spanische Designer haben zu diesem Trend nun ein passendes Produkt kreiert. Ihre Urne besteht aus gemahlener Kokosnussschale und ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Das Gefäß sieht kein bisschen gruftig aus - sondern eher wie ein zu groß geratener Bio-Coffee-to-go-Becher. Im unteren Teil befindet sich die Asche des Verstorbenen, oben das Pflanzsubstrat für einen Baum. Wählen können Interessierte zwischen Buche-, Esche-, Ahorn-, Ginkgo- oder Kiefer-Samen.

Ökologische Bestattungen: Saubere Sache: Die Bios-Urne ist komplett biologisch abbaubar
Saubere Sache: Die Bios-Urne ist komplett biologisch abbaubar
© Bios Urn

Die Erfinder, Roger und Gerard Moliné, werben damit, dass ihre Urne Kosten und Platz spart - und die Umwelt schont. Ihr Motto: "Let's convert cemeteries into forests!" Eine Urne kostet umgerechnet rund 130 Euro. Zurzeit entwickeln die Spanier passend zur Bio-Urne einen Inkubator: ein Pflanzgefäß mit integriertem Sensor, der die Vitalfunktionen des Sämlings überwacht - und ihm bei Bedarf einen Schluck Wasser gibt.

Eine schöne, schlanke, umweltschonende Idee, die Bios-Urne. Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass auch für die Verbrennung des Leichnams ein - einfacher - Sarg vorgeschrieben ist. Und dass die Herstellung der Urne ebenso wie die Verbrennung des Leichnams Energie verbraucht, durchschnittlich etwa drei Kubikmeter Gas. Das entspricht gut 7,5 Kilogramm CO2-Emissionen.

Entscheidend für die Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit der Bestattung dürfte ohnehin nicht die Form der Beisetzung sein. Sondern die Zahl der Trauergäste, deren Transportmittel und -wege. Und ihre Unterbringung.

urnabios.com

Umfrage: Großteil der Bürger toleriert Wandel im Bestattungswesen


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