Moorbrand bei Meppen Warum ein höherer Wasserstand die Katastrophe verhindert hätte

Die Brandkatastrophe bei Meppen wäre ohne eine frühere Entwässerung des Moores nicht möglich gewesen, erklärt der NABU-Moorexperte Felix Grützmacher. Und fordert die Wiedervernässung von Mooren für mehr Artenvielfalt und Klimaschutz
Moor Tinner Dose bei Meppen

Nur Teile des Moores Tinner Dose verfügen noch über einen hohen Wasserstand. Hier konnte der Brand sich nicht in die Tiefe graben

Herr Grützmacher, wie groß ist der Schaden aus ökologischer Sicht?

Die Tinner Dose ist eines der größten zusammenhängenden Hochmoore Deutschlands und ein Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Das Besondere an diesem Moor ist allerdings, das es zu großen Teilen entwässert ist. Dadurch reicht der Brand bis zu einem Meter in die Tiefe. Bis die letzten Glutnester gelöscht sind, können noch Wochen oder sogar Monate vergehen. Und erst dann wird man das ganze Ausmaß der Katastrophe sehen. Was sich jetzt schon sagen lässt: Es gibt hier besondere Arten wie Kreuzkröte, Kreuzotter und Schlingnatter. Die sind natürlich direkt betroffen, weil sie nicht fliehen können. Es wird lange dauern, bis sich deren Bestände erholen werden.

Sind auch Vögel betroffen?

Die Brutzeit ist zwar vorbei, aber wenn die Zugvögel im nächsten Jahr wiederkommen, finden die ein vollkommen verändertes Biotop vor. Dazu kommt, dass natürlich auch Insekten massenweise verbrannt sind, und auch das wird Auswirkungen auf die Vogelwelt haben.

Wie lange wird das Moor brauchen, um sich zu regenerieren?

Wir teilen die Einschätzung des niedersächsischen Umweltministeriums, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis sich dort wieder ein lebendes, natürliches Hochmoor entwickeln kann.

NABU-Moorexperte Felix Grützmacher

Mahnt mehr Moorschutz an: NABU-Experte Felix Grützmacher

Welche Konsequenzen müssen aus dem Brand gezogen werden?

Wir fordern, dass der Bund jetzt genau schaut, welche der Flächen in seiner Verantwortung, speziell Übungsplätze, entwässert sind und welche davon bei gleichzeitigem Übungsbetrieb wiedervernässt werden können. Wäre der Wasserstand in der Tinner Dose höher gewesen, wären die Auswirkungen bei weitem nicht so dramatisch, wie wir sie jetzt erleben. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zu einer Moorschutzstrategie verpflichtet, und ein Baustein einer solchen Strategie muss die Überprüfung aller Moorflächen in der Verantwortung des Bundes sein. Das wäre nicht nur wichtig für den Artenschutz und den Brandschutz, sondern auch für unsere Klimaschutzbemühungen. Denn der Moorschutz ist die beste naturbezogene Klimaschutzmaßnahme, die wir haben. Wie viel Kohlenstoff Moore speichern, zeigen die Emissionen, die beim jetzigen Brand freigesetzt werden ...

Der NABU hat die Zahl 500.000 Tonnen CO2 ins Spiel gebracht ...

Diese vorsichtige Schätzung beruht auf den Angaben der Bundeswehr zur Dimension des Brandes und auf wissenschaftlichen Angaben zum Kohlenstoffgehalt von Torf und den Lagerungsdichten von Torf im Moor. Das niedersächsische Umweltministerium hat gestern von 300.000 Tonnen gesprochen. Ich befürchte, das ist zu optimistisch.

Moore sind wichtig fürs Klima. Sind Truppenübungsplätze wichtig für die Natur?

Die militärisch genutzten Flächen in Deutschland sind oftmals die letzten großen, zusammenhängenden Naturräume, die wir noch haben, mit einer großen Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Ohne die militärische Nutzung wäre es diesem Moor vermutlich wie anderen ergangen: Es wäre abgetorft oder landwirtschaftlich genutzt worden. Wir haben in Deutschland viele Landschaften, die nur durch den militärischen Übungsbetrieb erhalten worden sind, zum Teil sind das wahre Naturschätze. Daraus ergibt sich allerdings auch eine große Verantwortung – die die Bundeswehr auch wahrnehmen muss.