Reisebericht

Reisebericht: Nach Ladakh kommen nur gute Freunde oder schlimme Feinde

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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„Nach Ladakh kommen nur gute Freunde oder schlimme Feinde“ – so lautet eine tibetische Weisheit. Das würde ich sofort unterschreiben, denn nach vier Tagen Fahrt in einem fast modernen Kleinbus sind wir endlich in der Hauptstadt Leh angekommen.



Ladakh

 
 
 
 
 

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Das ehemalige Königreich Ladakh gehört heute zum indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir. Mit dem Mutterland hat Ladakh allerdings wenig gemein, denn 90% der Ladakhi sind Buddhisten und sprechen einen tibetischen Dialekt. Häufig wird das Land auch als Klein-Tibet bezeichnet, da sich hier tibetischer Buddhismus nicht nur in seiner ganzen Vielfalt erhalten hat sondern auch praktiziert wird.



Der Weg: Von Delhi nach Manali

 
 
 
 
 

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Wir starten mit einer kleinen Reisegruppe an einem schwülheißen Augustmorgen in der indischen Hauptstadt Delhi und erreichen nach einer ereignislosen, verschlafenen Fahrt am Abend Manali. Der Ort liegt in 1.900 m Höhe, Landschaft und Vegetation erinnern mich stark an den Schwarzwald. Manali ist die letzte größere Stadt, wir kaufen Proviant und unser Bus wird für die kommende, 4-tägige Fahrt ein letztes Mal aufgetankt. Von nun an geht es nur noch bergauf und bergab.



 
 
 
 
 

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Von Manali nach Keylong

 
 
 
 
 

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Die Passstraße ist eineinhalbspurig mit Ausweichmöglichkeiten für den LKW-Gegenverkehr. Leitplanken gibt es keine, nur tiefe Abgründe, endlose Spitzkehren und tausende Schlaglöcher. Ein Heer von armselig gekleideten Arbeitern attackiert mit Hammer, Meißel, Spitzhacke und Schaufel kleinere und größere Erdrutsche die den Weg blockieren. Die meisten von ihnen sind Saisonarbeiter aus Bihar, einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens. Häufig müssen wir auf Grund der Straßenarbeiten eine Zwangspause einlegen. Für uns ist es eine willkommene Abwechslung und wir nutzen diese Gelegenheiten um uns die Füße zu vertreten. Einer der Arbeiter, schaut kurz auf und lächelt mich an. Ich frage - durch Fingerzeig auf meine Kamera - ob ich ihn fotografieren darf. Er ist hoch erfreut und sagt gleich seinen Kollegen Bescheid. Alle lassen ihre Werkzeuge fallen, gruppieren sich und schauen fröhlich bis ernst in die Kamera. Ob das wohl in Deutschland auch so passieren würde?!



 
 
 
 
 

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Wenn unser Bus fährt erreicht er eine Höchstgeschwindigkeit von 15 kmh. So erreichen wir nach zwei Stunden Pistenfahrt den Rothang La. Mit 3974 m ist dieser Pass bereits 1000 m höher als die Zugspitze; der Bus schnauft, heult und klappert aber er schafft es. Die Landschaft ist gigantisch: Dunkle, bizarre Felsbrocken wechseln mit hellem Geröll, an manchen Stellen blühen rote Blumen, die aus dem Gestein zu wachsen scheinen, tiefe Schluchten, breitere Täler und über allem ein stahlblauer Himmel.
Wir übernachten in Keylong, einem kleinen Ort in 3150 m Höhe gut 100 Kilometer von Manali entfernt. Um uns an die Höhe zu gewöhnen bleiben wir einen ganzen Tag und machen gemäßigte Spaziergänge in die Umgebung.



 
 
 
 
 

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Von Keylong nach Sarchu

Am 3. Tag bin ich schon ganz meschugge im Kopf von all den Spitzkehren, da kommt wie eine Fata Morgana die Moore-Ebene in Sicht. Eine 35 km lange Hochebene durch die schnurgerade die Straße führt. Ich denke erfreut: Juchuu, endlich mal geradeaus fahren und ein entspanntes Nickerchen halten. Der Busfahrer denkt: Juchuu, endlich mal den Bus mit 40 kmh ausfahren! Nach 30 Sekunden findet meine Freude ein jähes Ende, denn die Straße besteht aus aneinander gereihten Bodenwellen und ersetzt jede Achterbahn. Da der Bus praktisch keine Stoßdämpfer hat, werden die Reisenden wie hilflose Gummibälle auf und nieder geworfen; Kleidung, Gepäckstücke, Trinkflaschen, Proviant und was sonst nicht fest verschraubt ist, purtzelt durch den Bus. Nach 45 Minuten ist die Tortur vorbei: Endlich wieder Kurven!
Die letzte Nacht verbringen wir in einem Camp in Sarchu in einer Höhe von 4290 m.



 
 
 
 
 

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Von Sarchu zum Taglang La

Noch einmal geht es hoch hinauf, dieses Mal bis auf 5.324 m. Der zweithöchste befahrbare Pass der Welt, der Taglang La, erwartet uns mit Kälte und Nieselregen. Trotzdem bin ich froh, dass wir aussteigen dürfen, denn meine Blase drückt erheblich. In der Höhe sollen wir viel Trinken und daran habe ich mich brav gehalten. Erwartungsvoll springe ich aus dem Vehikel. Doch ich habe die Höhe und die damit verbundene Sauerstoffarmut nicht einkalkuliert: Wie besoffen torkele ich umher, mir ist schwindelig, mir ist kalt, mein Kopf droht zu zerspringen und das ersehnte Toilettenhäuschen gibt es natürlich nicht. Dafür liegen etliche Relikte des Straßenbaus in Form von schwarzen Teerfässern am Pistenrand. In der kahlen, vegetationslosen Einöde ein fast ideales Pendant zum „Toilettenbaum“. Diese Idee hatten zwar schon Generationen von Reisenden vor mir, aber das stört in diesem Moment wenig. Erleichtert steige ich zurück in den Bus.



Vom Taglang La nach Leh

 
 
 
 
 

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Nur wenige Kilometer nach dem Pass und einige hundert Meter tiefer lassen die Kopfschmerzen nach, der Himmel reißt auf, die Sonne beleuchtet ein sattgrünes, langsam breiter werdendes Tal. Der Indus – hier ein etwa ruhrbreiter Fluss - schlängelt sich gemächlich mittendurch. Junge Esel springen übermütig auf den saftiigen Wiesen, bunte Gebetsfähnchen flattern auf den Dächern der einstöckigen Lehmhäuser, farbenfroh gekleidete Menschen schneiden mit Sicheln die reife Gerste auf den Feldern. Eingerahmt wird das Tal von mehr als 6000 m hohen, baumlosen Bergen mit einer weißen Schneekappe. „Shangri La“, so habe ich es mir vorgestellt! Die Luft ist angenehm warm und trocken, Kinder stehen am Wegrand und winken, der Weg hat sich gelohnt! Zurück bin ich übrigens geflogen: eine Stunde und fünf Minuten benötigt der Jet für die gesamte Strecke. Doch die Eindrücke der Hinfahrt möchte ich nicht missen, denn wie sagte schon Gautama Buddha: Der Weg ist das Ziel!



 
 
 
 
 

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Regionen: Industal, Ladakh, Manali
Stadt: Delhi

Kommentare
  • anna.laselva 03.12.2008 | 14:42 Uhr

    ..... und wie ich gerade mitfühlte beim Lesen!
    Sehr lebendig geschrieben.
    Gibt es auch einen Fortsetzungsbericht?
    Oder war wirklich der Weg das Ziel?


  • Gudrun.Vehlen 06.12.2008 | 19:20 Uhr

    Ich habe voller Begeisterung diesen Bericht gelesen. Toll geschrieben und sehr informativ. Großes Kompliment.
    Liebe Grüße - Gudrun

  • stopfkuchen 18.12.2008 | 15:45 Uhr

    Hallo Astrid,
    auch ich würde gerne weiterlesen! Vielen Dank für den informativen Bericht und die schönen Bilder!
    Gruß, Steffi

  • astrid 18.12.2008 | 21:07 Uhr

    Vielen Dank! Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich etwas mehr Zeit - dann wird der Bericht fortgesetzt -versprochen!
    Herzlichen Gruß Astrid

  • winni 28.01.2009 | 18:25 Uhr

    Macht Lust sich auch einmal aufzumachen. vg winni

  • moeraki 28.01.2009 | 18:31 Uhr

    hallo astrid-
    jo.... rothang la bin ich auch schon mal hochgekrabbelt. nach2 vergeblichen anläufen wegen abgerutschter straßen. danach bin ich dann nach osten richtung spiti gefahren.
    schöner reisebericht- klasse geschrieben. grüße von moeraki

  • Guido 28.01.2009 | 18:34 Uhr

    Hallo Astrid,
    um diese abenteuerliche Fahrt beneide ich dich. Toll geschrieben als wäre man mitten drin, auch dank den eindrücklichen Fotos. Danke?
    L.G. Guido

  • nach oben nach oben scrollen
  • astrid 28.01.2009 | 22:06 Uhr

    Hallo Guido,
    na ja - im Nachhinein kann ich amüsant darüber berichten, aber objektiv betrachtet war es doch eine gewisse Strapaze - eben ein bißchen beschwerlicher als eine Fahrt über einen gut ausgebauten Schweizer Pass. Aber missen möchte ich diese Fahrt nicht und ich würd's wieder so machen, nicht nur wegen der eindrucksvollen Landschaft sondern auch weil es bei der Akklimatisierung im hoch gelegenen Ladakh hilft.
    Gruß Astrid

  • AndreCravan 24.08.2009 | 19:28 Uhr

    Hallo Astrid,

    schön geschrieben und wie immer tolle Bilder :-)

    Gruß, Andre

  • cirrus 17.12.2010 | 17:04 Uhr

    Jetzt gefunden und sehr gern gelesen....Lg Christel

  • gabi.weinert 21.03.2011 | 20:15 Uhr

    Hui, bin die Kurven förmlich mitgefahren beim lesen - hab aber auch die Ausblicke genossen. Ein wirklich stimmungsvoller eindrücklicher Bericht. Muss mal gleich schauen, ob bzw. wo es weitergeht. L G Gabi

  • traveltime 28.08.2011 | 09:34 Uhr

    Hat mir sehr gefallen, ein Zipfel der Erde den ich auch noch nicht kenne.
    LG Rolf

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