Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: Im Wasserreservoir Konstantinopels
Istanbul ist voller Sehenswürdigkeiten. Doch kaum ein Tourist kennt den ehemaligen Wasserspeicher der Stadt, der in die Unterwelt Istanbuls führt und mit Mozartklängen verzaubert.
Im unterirdischen Istanbul
Geschichte:
Die Yerebatan Sarnıcı oder auch Basilika-Zisterne ist ein altes Wasserreservoir und die grösste Zsterne Istanbuls. Sie wurde um 532 von dem Imperator des Oströmischen Reiches Justinian dem Grossen (527 – 565) erbaut, ein Kaiser, der nur im Grossen dachte. Zum Bau wurden etliche Elemente von bereits in Ruin befindlichen anderen Gebäuden teils von grosseren Entfernungen verwendet.
Dieser ‘versunkene Palast’, wie sie auch genannt wird, ist ganze 65 m breit und 143 m lang und 9.800 qm. In diesem Dunkel befinden sich 336 Säulen, die das Deckengewölbe halten. Sie sind 9 m hoch und aufgeteilt in 12 Reihen zu 28 Säulen. Einige wenige Säulen sind leider sehr unschön mit Zementpfeilern ersetzt worden, damit alles vor dem Einsturz geschützt werden kann. Kurios sind die 2 Medusen-Köpfe, die als Sockel von 2 Säulen dienen und nicht aufrecht, sondern eine kopfüber und die andere auf der Seite liegend unter die Säulen gesetzt wurden. Diese Köpfe kamen wahrscheinlich von einem Tempel auf der anderen Seite des Bosporus. Die meisten Säulen sind im ionischen oder korinthischen und wenige im dorischen Stil gehalten.
Die Mauer der Zisterne ist feuersicher und ganze 4 m dick. Sie wurde mit einem bestimmten Mörtel verputzt zur Isolierung des Wassers.
80.000 Kubikmeter Wasser konnten hier gespeichert werden. Das Wasser wurde in ein Wassersystem gepumpt, das die damalige Stadt versorgte im Falle langer Belagerungen. Das Wasser kam aus einem 20 km entfernten Wald.
Später wurde diese Zisterne jedoch als Abfallstelle benutzt.
Im Laufe der Zeit wurde das Gewölbe mehrmals ristrukturiert, grosse Arbeiten wurden im 18.
Jahrhundert und Mitte des letzten. Mitte der 80er Jahre hat die Gemeinde Istanbuls Säuberungsarbeiten und Renovierungen vorgenommen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Beleuchtungs- sowie ein Akkustiksystem wurde eingebaut und inzwischen gibt es Stege, auf denen man durch das tropfende Gewölbe gehen kann. Da es von der Decke her ständig tropft (Regenwasser, das gefiltert wird) sind an einigen Stellen durchsichtige Plastikplatten angebracht, die das Tropfen zwar aufhalten, aber an der Seite trotzdem dem Regenwasser freien Lauf lassen.
Lage:
Sehr unscheinbar liegt der Eingang der Zisterne schräg gegenüber der Hagia Sofia. Geht man aus dem Ausgang der Hagia Sofia rechts vorbei am Eingang derselbigen, muss man geradeaus bis an die Strasse vorgehen, auf de andere Strassenseite und dann gleich wieder auf die linke Strassenseite. Dann steht man schon vor dem Zisterneneingang.
In der Zisterne:
Die Kasse liegt sofort rechts ganz unspektakulär. Der Eintritt kostet 10.- YTL (ca. 6 Euro). Man bekommt sein Eintrittskärtchen mit einer hübschen Fotografie des Gewölbes drauf. Und geht geradeaus zu den Stufen der feuchten Tiefen. In zwei Ecken geht es herunter. Achtung! Man kann sich nach dem ersten Absatz seine Wissenshülle stossen! Also besser Kopf einziehen. Die Stufen sind zwar mit einem rutschfesten Streifen versehen am äussersten Rand, sind aber trotzdem ziemlich glitschig durch die ständige Feuchte.
Wenn man am Treppenende ankommt, muss man erst einmal tief durchatmen. Es ist total beindruckend! Die vielen Säulen, die sich in der Dunkelheit inder Weite verlieren, das Wasser auf dem Grund, was sich durch die herunterfallenden tropfen und die darin schwimmenden Fische bewegt, die hohen Deckengewölbe voller Licht und Schatten, das schummerige Licht, die wunderbare Musik…. Einfach toll! – Vor einem tun sich breite, nasse Stege auf, die man entlang gehen kann. Wie Strassenlaternen sind rechts und links Lampen angebracht. Sieht man in das Wasser, kann man Goldfische, Karpfen und andere schwimmen sehen. Und der eine oder andere Besucher hat gedacht, hier ist der Trevi-Brunnen und hat eine Münze ins Wasser geworfen. Oder wollten die die Goldfische füttern? Die Säulen sind teilweise von unten her angeleuchtet, schimmern perlmutten oder grün, sind glatt oder verziert. Sehr interessant der Kontrast zu der Backsteindecke. Ganz am anderen Ende der Zisterne geht es links ein paar Stufen herunter und man kann die 2 Medusen sehen. Beim Aufstellen der Säulen hat mandiese Köpfe wahrscheinlich nur unter diese geschoden, egal wie sie lagen. Durch die Feuchtigkeit sind sie grün geworden und das gibt ihnen einen ganz besonderen Flair.
Von hier aus geht man den Steg einen Teil wieder zurück und geradeaus geht es dann wieder zur ursprünglichen Seite der Zisterne. Hier sollte man unbedingt noch nicht gleich zur Cafeteria schwenken, sondern links den Steg einschlagen. Von hier sieht man einen ganzen Säulengang entlang bis zum Ende der Zisterne. Wundervoll! Ich finde, man sollte nicht bis zum Ende des Stegs gehen, sondern gleich am Anfang stehen bleiben.
Überall hört man die klassische Musik, die dem Ganzen sehr viel Atmosphäre gibt.
Kurz vorm Ausgang gibt es eine Cafeteria mit Sitzmöglichkeiten und einer Plattform, auf der auch Konzerte gegeben werden. Leider habe ich aber noch keines gehört. Die Akkustik wirklich toll und so haben wir uns auch noch ein bisschen hier hingesetzt und etwas getrunken. So ziemlich alles kostet gelich: 3.50 YTL (ca. 2 Euro). Vielleicht etwas teuer für eine Cola, ein Bounty oder eine heisse Schokolade, aber es loht sich einfach, zu sitzen, die Musik zu geniessen, trotz Tropfgeräusche und leiser Stimmen der anderen Menschen. Auch die Licht- und Schattenspiele, die durch das ständig bewegte Wasser entstehen und auf dem Deckengewölbe, an den Säulen Bilder formen.
Am Ausgang, nachdem man eine Treppe wieder heraufgegangen ist, befindet sich noch ein Souvenirgeschäft. Mit allem möglichen Schnickschnack natürlich. Ich habe mir dort ein paar Postkarten gekauft, 7 Stück für nur eine Lira. Das ist wirklich nicht viel. Wichtig zu wissen ist auch, dass der eigentliche Ausgang nicht der Eingang ist, sondern ‘um die Ecke’ liegt. Wenn man wen vorm Eingang gelassen hat, dann sitzt der jetzt nicht vorm Ausgang!
Allgemeines:
Die Öffnungszeiten sind ab morgens um 9.00 Uhr bis zum Spätnachmittag 16.30, in der Sommerzeit 17.30 Uhr.
Hat man die Zisterne nicht gesehen, hat man meines Erachtens etwas wichtiges verpasst. Durch die Lage ist es wirklich ganz leicht, hier einen Gang hin ‘einzuschieben’. Ob sie bei bereits organisierten Führungen mit dabei ist, kann ich nicht sagen. Mir gefällt sie jedenfalls von allen am meisten.
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen