Alleine durch Patagonien

Reisebericht

Alleine durch Patagonien

Reisebericht: Alleine durch Patagonien

Punta Arenas, Wandern im Torres del Paine Nationalpark, Gletscherkalben am Perito Moreno, die Tierwelt der Halbinsel Valdés, Lake District.

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Anreise mit Iberia nach Punta Arenas

Isla Magdalena

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Bin mal wieder zum Abenteuer-Urlaub aufgebrochen, diemal aber 'nur' fuer vier Wochen. Das Ziel diesmal: Patagonien. Patagonien ist der Suedzipfel Suedamerikas (alles was suedlich des 42. Breitengrades ist) und gehoert zu den Laendern Chile und Argentinien. Schon seit ueber 10 Jahren steht Patagonien auf meiner Urlaubsziel-Wunschliste ganz weit oben, doch fehlende Sprachkenntnisse hatten's bisher nicht zugelassen. Ich hoffe, mein bisschen Spanisch reicht nun dafuer.

Der Abschied - sonst eher ein Problem beim Heimflug - fiel mir, da meine Freundin nicht mitkam, diesmal besonders schwer. Der mit unter 1000 Euro relativ billige Flug hatte dann den Nachteil, dass auf dem Hinweg ein Acht-Stunden-Aufenthalt in Madrid inklusive war, was zum einen die Flugzeit verlaengerte und zum anderen mir eine kraeftige Erkaeltung durch das lange Sitzen in der klimatisierten Flughafenhalle (ich hasse Klimanlagen!) bescherte. Als Trost gönnte ich mir dann auf dem letzten Flug von Santiago nach Punta Arenas einen Flan Caramelo als Nachtisch :-)

Meine Reise begann in Punta Arenas, der suedlichsten (Gross-) Stadt der Erde. Die vier Stunden Zeitunterschied machten mir fast gar nix aus, so konnte ich gleich eine Tour zur Isla Magdalena mitmachen. Die Insel liegt in der Magellan-Strasse und beherbergt zur Zeit ueber 120.000 Magellan-Pinguine. Wir latschten eine Stunde lang kreuz und quer durch die Kolonie, das war so beeindruckend, dass ich gleich 27 (Analog-) Fotos 'verschoss'.

Naechstes Ziel und Hoehepunkt des Urlaubs ist der Torres del Paine Nationalpark, ein Unesco-Welterbe. Hier werde ich mich von Samstag an vier Tage lang von der Zivilisation verabschieden (kein Strom, kein fliessendes Wasser, kein Handyempfang), um mit Rucksack um die Tuerme (=Torres) herum zu wandern. Zweimal werde ich in Huetten, einmal im Zelt (jeweils mit
Schlafsack) uebernachten. Alles was man in den vier Tage braucht, muss man selbst mitschleppen. Das wird hart aber bestimmt toll. Ich werde dann berichten ...



Torres del Paine und Los Glaciares Nationalparks

Los Cuernos im Feuerdunst

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Weiter geht's mit den Trekking-Erlebnissen im Torres del Paine Nationalpark. Auf der Anfahrt mit Bus (4 Std) und Schiff (1 Std) lernte man schon die ersten Leute kennen und erfuhr, dass ein tschechischer Camper am Vortag (Fr) beim Kochen unvorsichtigerweise einen Brand entfacht hat. Die Wahrzeichen des Parks (Los Cuernos) waren im Rauch daher zunaechst nicht zu sehen. Ich hatte mir fuer den ersten Tag nur eine kurze Etappe (2x6 km) eintlang eines Sees ausgeguckt, damit ich mich langsam an das Rucksack tragen gewoehne. Am Abend lag ich dann bei der ersten Hütte am See, hielt die Fuesse in das eiskalte Wasser und holte mir den ersten Sonnenbrand. Am 2. Tag ging es zur naechsten Huette, die 16 km entfernt war. Es ging im 'franzoesischen Tal' stets rauf und runter, ueber Haengebrucken und mit den Berggipfeln in der Nachbarschaft. Nach Kloenen beim gemeinsamen Dinner kroch ich in mein fertiges Zelt, denn die Huette war ausgebucht (was ich aber schon vorher wusste). Am 3. Tag kam dann der Muskelkater, doch zur naechsten Huette (15 km) ging es wieder rauf und runter und insgesamt 500 m in die Hoehe. Doch als Belohnung gab es die Torres, die Wahrzeichen des Parks, aus der Naehe zu sehen.

Der 4. Tag wurde dann dramatisch: Es kam ein Sturm auf, der dem Feuer neue Nahrung gab. Ich marschierte 5 km zu einem großen Hotel im Park, von wo normalerweise Shuttles zum Parkeingang verkehren und von dort Busse zurück nach Puerto Natales fahren. Unterwegs sah ich schon aus der Entfernung die Rauchsaeulen und die meterhohen Flammen. Im Hotel hiess es dann, der Heimweg sei wegen des Feuers abgeschnitten. Spaeter hatte die Feuerwehr eine Schneise geschlagen und eine Evakuierungsaktion wurde gestartet. Kinder, Rentner und Touristen zuerst, Hotelpersonal spaeter, das Gepaeck mussten wir zuruecklassen (es kam spaeter nach). Mit Kleinbussen ging es Richtung Parkeingang. An der heissesten Stelle gabs eine Einweisung. Wir sollten bei der Durchfahrt die Augen schliessen und unsere Gesichter so gut es ging bedecken. Dann fuhren wir durch die Flammen, die meterhoch direkt neben der Schotterpiste tobten. Das war dann gar nicht mehr lustig. Weiter gings durch verbranntes Land, ueberall glimmte es noch. Die Feuerwand war inzwischen ueber 30 km breit. Beim Parkeingang rechnet wir eigentlich damit, in groessere Busse umgefrachtet zu werden, doch auch dort brach auf einmal Panik aus, weil sich haushohe Flammen ziemlich schnell naeherten, so dass sogar die Feuerwehrleute zu Fuss fluechteten. Wir fuhren in einem Affenzahn den Flammen davon und kamen heile in Puerto Natales an. Seitdem ist der Torres del Paine Natinalpark komplett geschlossen. Dennoch waren die knapp vier Tage im Nationalpark super. Neben der tollen Landschaft sah ich Nandus (etwas kleiner als die afr. Strausse), Guanakos (wilde Lamas) und Kondore.

Am Mittwoch fuhr ich dann weiter auf die argentinische Seite der Anden und erholte mich von Muskelkater und Blasen an den Fuessen. In der Nähe des Touristenoertchens Calafate sah ich wie ein Gletscher kalbt. Der Perito Moreno Gletscher schiebt sein Eis immer weiter in den Lago Argentino bis sein Ende krachend in den See stuerzt. 10 Stunden blieb ich dort. Sehr beeindruckend!!! Am Abend zogen zig Kondore ihre Kreise ueber dem Gletscher. Ohne Fluegelschlag lassen sie sich von den Winden immer hoeher gleiten. Das sah schon schoen aus. Morgen frueh fahre ich nach El Chaltén, im Nationalpark Los Glaciares. Hier werde ich Sonntag nochmal einige Stunden trekken gehen bevor ich am Dienstag an die Atlantikkueste zur Halbinsel Valdés fliege (90€). Die Dame von der kleinen argentinischen Fluggesellschaft LADE (Lineas Aereas del Estado) verstand uebrigens kein Englisch, ich musste den Flug auf Spanisch klar machen, was auch ganz gut klappte (Stolz!).



Perito Moreno Gletscher


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Kommentare

  • s.gerhard

    Schöner Bericht :) Hast du auch noch ein paar Bilder dazu?

  • MarcoRiccio

    Schön, mir fehlen auch nu die Bilder :-)
    Gruß Marco

  • bernie-99

    Hallo Marco, hallo Sebastian,
    Fotos müssen nachgereicht werden, da sie noch nicht digitalisiert sind.
    Gruß Bernie-99

  • dr.ray

    Am Anstrengendsten klag irgendwie das Weintrinken ;)

  • s.gerhard

    Super... jetzt, wo die Bilder noch dabei sind, ein einwandfreier Bericht! :)

  • Eviwild

    Super ! 5 Bücher

  • immerFernweh

    wirklich schöner Bericht.. Chile steht auch bei uns ganz oben auf der Wunschliste.

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  • Petra.Goepfert61

    Ich bin etwas enttäuscht, dass du keine Chilenen kennengelernt hast oder hast du es nur nicht erwähnt?

  • Schimmi

    Hallo Bernie,
    hast einen eindrucksvollen Bericht geschrieben, den ich mit grossem Interesse gelesen habe, da ich im Januar ebenfalls Patagonien bereisen will. Habe in den letzten 2 Jahren Peru, Bolivien, Chile, Ecuador und die Galapagos-Inseln bereist und bin von Südamerika sehr angetan.
    Ich freue mich schon auf meine 28-tägige Reise durch diesen Teil der Erde.

    LG,
    Alex
    www.alschim.de

  • mychaosland

    Coole Reise, und so günstig... zu welcher Jahreszeit warst du den dort?

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