Entschleunigt reisen – mit der Eisenbahn durch Rumänien

Reisebericht

Entschleunigt reisen – mit der Eisenbahn durch Rumänien

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1. Tag: Ankunft in Bukarest

„Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“ (Johann Wolfgang von Goethe) – dies soll unser Leitspruch für drei Wochen Rumänienreise sein. Ein Land oder eine Region erschließt sich einem nur wirklich, wenn man sie langsam, möglichst zu Fuß, erkundet und lange genug an einem Ort verweilt.
Um ganz Rumänien kennenzulernen, würden wir sicherlich Jahre benötigen. Da dies nicht möglich ist, machen wir Kompromisse. Der erste Kompromiss ist: wir beschränken uns auf zwei Orte, an welchen wir längere Zeit bleiben und von dort aus die nähere Umgebung erkunden.
Der erste dieser Orte soll das Dorf Crișan im Donaudelta sein, der andere das Bergdorf Magura im Nationalpark Piatra Craiului (bei Kronstadt / rumänisch: Brașov) in Transsilvanien.
Unser zweiter Kompromiss ist, dass wir nach Bukarest mit dem Flugzeug anreisen, dafür aber mit der Eisenbahn nach Deutschland zurückfahren.

Gegen Mittag kommen wir auf dem internationalen Flughafen Henri Coandă in Bukarest an.
Der Stadtbus Nr. 780 bringt uns in einer Dreiviertelstunde zum Hauptbahnhof Gara de Nord.
Bukarest ist keine schöne Stadt. Der sozialistische Diktator Nicolae Ceaușescu hat während seiner Herrschaftszeit viele schöne alte Gebäude abreißen oder verfallen lassen und an deren Stelle hässliche Betonmonster errichten lassen.
Sogar Kirchen wurden versetzt und hinter Plattenbauten versteckt.
Bis auf einige Parks und Museen fahren wir fast ausschließlich an diesen Plattenbauten vorbei.
Auch der Gara de Nord ist nicht schön, zumindest nicht von außen.
Unsere Unterkunft, das Hostel Vila 11, befindet sich nur fünf Minuten vom Gara de Nord entfernt in einer kleinen Seitenstraße.
Es ist ein altes Haus. Von innen sieht die Vila 11 sogar noch schöner aus. Schmale Holztreppen führen hinauf zu den Zimmern, vorbei an herrlichen antiken Möbeln. An den Wänden sind schöne alte Gemälde aufgehängt.

Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehen wir zum Hauptbahnhof, kaufen unsere Fahrkarten für die morgige Zugfahrt und begeben uns zur Metro.
Das Bukarester Metronetz ist recht weitmaschig. Die Stationen liegen weit auseinander. Von einer Station bis zur nächsten fährt man oft mehrere Minuten. Dafür ist die Metro modern, die Züge sind sauber und schnell. Die Metrostationen werden in den Zügen an einer Anzeigetafel angezeigt. Mit der gelben Linie M1 fahren wir bis zum Piața Victoriei. Dort steigen wir in die blaue Linie M2 um und fahren zwei Stationen bis zur Haltestelle Universitate. Von hier gelangen wir schnell zu Fuß in die historische Altstadt von Bukarest – in das Lipscani-Viertel (auf deutsch: Leipziger Viertel).
Das Lipscani-Viertel ist eine Oase des Schönen, Alten in Bukarest. Dieses Viertel ist zum Glück von den Verschlimmbesserungen Ceaușescus verschont geblieben. Hier reiht sich eine Kneipe an die nächste. Prachtvoll sanierte Bauten leuchten neben maroden, bröckelnden Fassaden auf.
Wir suchen uns ein nettes Lokal zum Mittagessen und schlendern anschließend durch die Altstadt.

Da wir am nächsten Morgen früh aufstehen müssen, gehen wir zeitig schlafen.



Kneipenmeile im Lipscani-Viertel in Bukarest


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Kommentare

  • therese

    Der Bericht über eine ungewöhnliche Rumänien-Reise hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich hab durch eure Erlebnisse einen ganz neuen Blick auf Rumänien geworfen, das ich auf ausgetretenen Touristenpfaden bereist habe.Vielen Dank dafür und volle Punktzahl von mir.
    LG therese

  • frieden_schenker

    Hallo Therese,

    Danke für Dein Interesse und Deine Bewertung für unseren Rumänien-Reisebericht.

    LG Eckart

  • Blula

    Hallo Eckart, nun, ich muss sagen, das mit der Entschleunigung, das hat geklappt, auch lesenderweise. Ich gebe allerdings zu, dass ich Deinen sehr langen und ausführlichen Bericht hier in mehreren Etappen gelesen habe. Vor dem Computer sitzend kommt sonst bei mir keine Entspannung auf..... Ich habe von Rumänien noch nicht viel gesehen und das Donaudelta und Transsilvanien schon gar nicht. Auch deshalb hat mich Dein Bericht, die Route abseits der Touristenpfade sehr interessiert. Also, diese Reise sowie ihr Verlauf hätte mir auch zugesagt. Von den vielen Erlebnissen werdet Ihr sicher noch lange zehren.
    LG Ursula

  • auf-Achse-sein.de

    Der Bericht ist wirklich ausführlich. Auch ich habe in mehreren Etappen gelesen und hin und wieder auch ein paar Passagen übersprungen. Trotzdem ein schöner Bericht, der meine Vorfreude auf Rumänien gesteigert hat. Leider werden wir es nicht in das wunderschöne Donaudelta schaffen, da wir mit dem Wohnmobil an- und abreisen. Aber zumindest Schloss Bran werden wir sehen, sowie viele andere Ecken Rumäniens.
    Danke für das Mitnehmen auf deine Reise und das Vorfreude steigern ;)
    LG Christa

  • Sternensilber

    Hallo Eckart, ich bin auch eine der Etappenleser. Dein Bericht war eine schöne Ablenkung in meinen letzten paar Mittagspausen. Toll finde ich die Passage mit den Bären. Schön, dass die Menschen dort Bär und Wolf akzeptieren. Bei uns ist Wolfserwartungsland und die Bauern jammern jetzt schon lautstark, obwohl noch kein einziges Tier vorbeigelaufen ist.
    Wie sind denn die Straßen so in Rumänien, wenn sich Taxifahrer schon weigern, in die Dörfer zu fahren? Siebenbürgen steht auch noch auf meiner Reisewunschliste. Nur hätte ich gerne einen Mietwagen und gehe davon aus, dass sowas dort möglich ist.
    Danke für den schönen Bericht und viele Grüße
    Anne

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