Olinda - die schöne ehemalige Hauptstadt Pernambucos

Reisebericht

Olinda - die schöne ehemalige Hauptstadt Pernambucos

Reisebericht: Olinda - die schöne ehemalige Hauptstadt Pernambucos

Zu Fuß durch die Kolonialzeit

Blick hinüber nach Recife

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eine von vielen Masken als...

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Leider hatten wir auf unserer Nord-Brasilienreise sehr viel Regen und wer tropischen Regen kennt, der weiß, dass es wie aus Kübeln gießt und alles in Kürze unter Wasser setzt und die unbefestigten Straßen in diesem riesigen Land in rote Schlammwüsten verwandelt.
Nun - Olinda ist eine UNESCO denkmalgeschützte Touristenstadt und die Gassen in der Altstadt sind so gut wie komplett befestigt. Das bedeutet natürlich auch, dass sich die Wassermassen in großen reißenden Sturzbächen in der hügeligen Stadt zu Tale wälzen und alles mit sich nehmen.
Wir hatten beschlossen einfach klatschnaß zu werden, denn die steilen Straßen Olindas sind am Besten zu Fuß zu erkunden. Vorbei an den bunten und teilweise gefliesten Häusern, den vielen Galerien, Straßencafés, Marktständen, den alten und teilweise sehr schön restaurierten Villen und dem ehemaligen Sklavenmarkt, der heute ein bunter Volkskunstmarkt ist. Pernambuco ist bekannt für seine eigenwilligen komischen Tonfiguren in allen nur erdenklichen Varianten. Da sitzen wildaussehende Reitersmänner mit Brille auf der Nase auf ihren Pferden, die Damen biegen sich anmutsvoll über bunten gebauschten Röcken oder kleine bunte Musikantengruppen marschieren im Gänsemarsch. Was es mit den vielen gepunkteten Tonhühnern in jeglicher Form und Größe auf sich hat, konnten wir wegen der Sprachschwierigkeiten nicht in Erfahrung bringen. Bei uns steht neuerdings eine Hühnertonschüssel in der Küche und erfreut unser Herz.



steile Gasse in Olinda

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Olinda wurde 1535 auf einem kleinen Hügel - umgeben von Zuckerrohrplantagen - gegründet. Zu dieser Zeit war Recife nur eine kleine Hafenstadt, die von Olinda lebte. Das änderte sich um 1630 als die Holländer in den Nordosten Brasiliens eindrangen, in Recife investierten und Olinda ausraubten und nieder brannten. Bis auf eine, wurden stämtliche Kirchen zerstört, die nach der Vertreibung der Holländer wieder mühsam aufgebaut wurden. Die Rivalität der beiden Städte gipfelte um 1710 in dem Krieg der Zuckerrohrbarone aus Olinda gegen die Händler in Recife. Olinda unterlag, weil es damals unter anderem



keinen direkten Zugang zum Meer hatte. Recife ist heute die Haupstadt des States Pernambuco und hat neben vielen Hochhäusern auch diverse koloniale Schätze aufzuweisen.

Die Kirchen Olindas aus der Kolonialzeit sind teilweise sehr schön restauriert und teilweise in einem traurigen desolaten Zustand. Wir besuchten die weitläufige Klosteranlage Sao Francisco (1577).



Kreuzgang Sao Francisco

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Hier wurden wir von einem freundlichen Guide eingefangen. Wir verstanden er sei nur für die Führung durch die Anlage zuständig - nein - ER hatte uns für den ganzen Vormittag gebucht. Nach viel Gelächter und noch mehr Gestik, verstanden wir die "brasilianische Variante" und fügten uns gerne, denn er war nett und lustig und sprach einige Brocken Englisch. Später schimpfte er fürchterlich auf die Politiker, denn nur für diese seien die schönen gepflasterten Straßen zwischen den Sehenswürdigkeiten angelegt worden. Der einfache Mann muss noch immer durch den Dreck waten. Leider kommt der wirtschaftliche Aufschwung Brasiliens bei den unteren Bevölkerungsschichten nicht an und die Korruption treibt böse Blüten. Das haben wir auf unserer Reise leider sehr oft gesehen.

Gleich am Anfang unseres Rundganges durch das schöne Kloster stolperten wir über eine altmodische Bummelordnung, die genau aufzeigte, welcher der 5 noch verbliebenen Padres wo war. Dabei stellte sich heraus, dass der Abt ein Deutscher ist und mit 2 Padres nach Salvador gereist war. Typisch deutsch - eine Bummelordnung - ein Brasilianer käme nie auf solche Idee! Der große Kreuzgang war über und über mit Azulejos - portugiesischen Fliesen - ausgekleidet. Sie stellten wunderschöne biblische Bilder, sowie Szenen aus dem Leben der reichen Portugiesen zur Kolonialzeit dar.



Capela St. Ana



Unvorstellbar wie viele Schiffe im 16. und 17. Jahrhundert über die Weltmeere gesegelt sind, um die vielen Tonnen Baumaterial zu den jeweiligen Bauten zu transportieren. Nicht zu vergessen die mühsamen Transporte weiter ins Landesinnere. Wunderschöne Kasettendecken mit religiösen und landestypischen Darstellungen. Dunkles Palisanderholz überall. Eine Wand bestand nur aus quadratisch gleich aussehendem Schnitzwerk und entpuppte sich als eine Schubladenwand. Kleine goldene Altäre und geflieste Kapellen luden zum Verweilen ein.



Detail Kassettendecke

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Weiter ging es zur Igreja de Sao Bento (1582) wohl eine der schönsten Chorkapellen des Landes. Auch hier überwätigte uns der brasilianische Barock. Auf unsere Frage, wieso diese Kirche in einem so bemerkenswert guten Zustand sei, bekamen wir die Antwort, dass sich die Guggenheim Stiftung direkt und ohne Umwege mit den Benediktinern in Verbindung gesetzt hatte. Die Gelder flossen punktgenau dieser Kirche zu und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im Souvernierladen der Kirche empfing uns ein heiterer "Rasputin", ein Mönch mit langem Bart und einer etwas mitgenommenen Kutte mit Kapuze. Er gab bereitwillig Auskunft auf unsere vielen Fragen und ruhte in sich.



Igreja de Sao Bento

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Am zweiten Tag - es regnete mal nicht - gingen wir auf den Alto de Sé, ein Platz auf dem Gipfel eines Hügels mit Rundblick auf den Atlantik und auf das 6 km entfernte Recife. Auf dem Hügel thront über allem die Igreja de Sé (1537). Eine eher schlichte große Kirche mit dem Grab des bekannten Befreiungstheologen Dom Helder. Die große schwarze Grabplatte liegt genau vor dem Altar und ist ständig mit frischen Blumen geschmückt. Dieser Erzbischof (1909-1999) wird tief verehrt und hat eine nachhaltige Wirkung auf die Menschen.



Blick von der Igerja de Sé auf die Igreja do Carmo



Abends tobt auf dem großen Platz vor der Kirche das Leben. Klappstühle und Blechtische zahlreicher Bars und Garküchen laden zum Verweilen ein und die vielen Marktstände bieten alles nur Erdenkliche an. Man kann am Tag den Handwerkern bei Schnitzen der kleinen bunten Häuschen zuschauen oder man schaut einem Töpfer über die Schulter, der die bereits erwähnten fröhlichen Figuren formt. Wir konnten einer Handtasche nicht widerstehen, mühsam gefaltet aus vielen bunten Chips- und Bonbontüten.



grimmiger Reitersmann

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Nicht zu vergessen der berühmte Karneval von Olinda und Recife. Hier ist er noch ursprünglich und überlebensgroße Karnevalsfiguren werden durch die Straßen getragen. Am alten Sklavenmarkt ist das Figurendepot immer geöffnet und irgendein Einheimischer tanzt aus purer Lust an Musik und Bewegung mal eben eine kleine Runde "Frevo", so auch unser fröhlicher Guide. Immer dabei, ein kleiner Sonnenschirm.



Kinder warnen vor Dengue-Fieber im Frevo Rhytmus

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Leider waren wir in der Nebensaison in dieser fassettenreichen Stadt und konnten vieles nicht besichtigen oder der Regen hat uns vergrault. Unser schönes Hotel "Sete Colinas" hat uns aber entschädigt. Der wunderschöne und liebevoll gepflegte Garten - ursprünglich ein Teil des Kirchgartens der hoch über dem Hotel gelegenen Kirche Igreja de Sé - versöhnte uns mit dem Wetter. Der offene Restauranteil ließ uns am Getobe der kleinen Pinselohräffchen in den Bäumen teilhaben und uns das Essen vergessen, wenn sich die kleinen Kolibris den Nektar aus den Blüten holten. Olinda ist eine Reise wert und bei Sonne sicher noch schöner!



Maske als Mauer-Deko

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Kommentare

  • RdF54

    Trotz Regen gibt uns Dein Bericht einen kleinen Eindruck von Olinda - einen Ort, den ich bis dato nicht kannte.

    Danke
    LG Robert

  • Kakadu

    Hallo Hina,
    danke für den sehr schönen Bericht über Olinda und die herrlichen Bilder. Da werden Urlaubserinnerungen wach!
    Zu den Keramikhühnern habe ich evtl. eine Erklärung. Wie uns der Reiseleiter bei unserem Kurzbesuch in Olinda erzählte, beziehen sich die Hühnerfiguren auf den Sklavenhandel, der auch in Brasilien so ca. 1850 verboten , aber eben nicht sofort von allen eingehalten wurde. D.h. illegal wurden immer noch Sklaven aus Afrika gebracht und auch verkauft. Wegen des Verbotes durfte die Ankunft eines Sklavenschiffes aber nicht bekannt gegeben werden. Man sagte statt dessen, dass eine Ladung Hühner angekommen sei. Daher auch der Name des Ortes Porto de Galinhas in Pernambuco.
    Liebe Grüße
    Edith

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