Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben.
Reisebericht: 'Well-nass Urlaub im Hotel Zeltus Beach'
Kanutour in Südschweden, Übernachtungen auf einsamen Inseln, Natur pur, Lagerfeuer, imaginäre böse, wilde Tiere und Sonnenschein - aber auch Regen, Sturm, Wellen und Mücken begleiteten unsere Reise.
Eine abwechslungsreiche Kanufahrt durch Südschweden.
Wie dieser Bericht zu lesen ist
Ich stelle euch hier ein paar Ausschnitte von meinem auf www.world-of-chaos.de.tl veröffentlochten Schweden-Bericht rein. Auf besagter Seite sind alle Tage, sowie viele, viele Fotos zu sehen. Hier aber schon einmal ein paar Leseproben.
So. 22.07.2007 Göteborg: 57,7348°N, 11,9853°O, Göteborg: 57,7348°N, 11,9853°O
Göteborg: 57,7348°N, 11,9853°O
Ed: 58.9177°N, 11,9362°O
Aufgestanden(A): 06.15 Uhr
Losgepaddelt (L): 12.15 Uhr
Angekommen (A): 16.00 Uhr
Schon um 06.15 Uhr klingelte der Wecker. Wir duschten in aller Ruhe, holten uns ein paar matschige Brötchen, frühstückten und machten uns auf den Weg nach Ed, wo der Kanuverleiher war, wo wir uns ein Kanu reserviert hatten. Der Weg ging vorbei an typisch Schwedischen kleinen Dörfchen und einzelnen Häusern. Dank der Infotafel am Anfang des Ortes war 'Canodal' auch recht leicht zu finden. Mein Name stand sogar ganz oben auf der täglich neu mit Kreide geschriebenen Willkommenstafel.
Wir mieteten ein Zweierkanu. Dabei waren automatisch drei Paddel (eins als Ersatzpaddel), zwei Schwimmwesten (wir entdeckten später, dass es sich um 'Junior'-Westen handelte, die maximal 40 kg über Wasser halten können) und einen Spaten. Auf die Frage, wozu dieser denn gut sei, antwortete die nette Frau von der Information: 'If you need to pee or the other one....'
Super, wir sollten unsere Kacke also einbuddeln.
Davon ließen wir uns aber nicht beirren, die erste 'Ausgrabung' lag schließlich noch in ferner Zukunft. Dazu mieteten wir uns eine wasserfeste Tonne für Handys, Kameras, Schlafsäcke, Brot, eine Garnitur frische und trockene Wäsche usw., sowie eine Landkarte der Umgebung.
Uns wurde auch noch eine nett aussehende Tour vorgeschlagen, die ungefähr in unseren zeitlichen Rahmen passen müsste.
Wir fuhren noch schnell zum Supermarkt, packten unsere Rucksäcke um und unsere Tonne voll und warteten anschließend auf Bertil, den Verleiher, der uns in die hohe Kunst des Kanufahrens einweihen sollte. Während wir warteten beobachteten wir die anderen Kanuten, die sich fertig machten und offenbar viel besser als wir vorbereitet waren. Sie hatten beinahe alles in wasserdichten Tonnen oder Packsäcken aufbewahrt und etwa acht Mal so viel Proviant dabei wie wir, dabei waren wir doch gerade eben noch einkaufen!
Trotzdem waren wir froh, einen Kanadier gemietet zu haben, denn auch das wenige Gepäck, welches wir dabei hatten, hätte wahrscheinlich in ein Kajak nicht gepasst. Mit dem Kanadier waren wir zwar nicht so schnell und wendig, konnten dafür aber bis zu 400 kg einladen und angstfrei Paddeln, denn die Kanadier sind nur schwer kenterbar.
Als uns gerade erste Zweifel kamen, war Bertil auch schon wieder zurück. Er schnappte sich Kinderschwimmweste und Paddel, sprang ins Kanu, demonstrierte uns die Paddelei ein wenig, kam wieder an Land, ließ sich von mir mit Fragen überhäufen, beantwortete diese auch kurz, wünschte viel Spaß und los sollte es gehen. Das war also unsere Einführung. Von nun an waren wir auf uns selbst gestellt, nur Nils, das Boot mit dem wunderschönen Namen '68' und ich.
Ich bekam den 'leichteren' Job uns saß mit dem kurzen Paddel vorne. Nils saß mit dem langen Paddel hinten und musste zuerst einmal das Lenken lernen, denn das war - neben dem Paddeln um vorwärts zu kommen - seine Aufgabe. Jeder schien sich darauf verlassen zu haben, dass der andere verstanden hatte, war Bertil erklärt hatte, doch dem war nicht so. So übten wir uns einfach in unserer eigenen Technik. Im wilden Zickzack fuhren wir einfach mal auf einen weißen Felsen auf der anderen Seite des Sees zu. Dieser entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Wasserfall. Bis wir irgendwann die Kamera aus der Tonne gekramt hatten, waren wir aber schon an ihm vorbeigetrieben. In ein paar Tagen würde es kein Problem sein, zu wenden und zurückzufahren, doch noch waren unsere bescheidenen Manövrierkünste dazu nicht ausgereift genug und wir fuhren nach einem Foto weiter. Irgendwann entdeckten wir mitten im See eine kleine einsame Insel. Dies war nur eine von unglaublich vielen, aber das wussten wir natürlich nach unserer winzigen bereits zurückgelegten Strecke noch nicht. Für uns war das etwas Neues und damit spektakulär. Da man nach dem 'Schwedischen Allemannsrätt' offiziell wild zelten konnte, solange man sich nicht auf Privateigentum oder in der Nähe von Häusern aufhielt, beschlossen wir, auf dieser Insel unser Nachtquartier einzulegen. Als wir jedoch näher kamen, bemerkten wir, dass uns die Vierergruppe zuvorgekommen war, die vor uns losgefahren war. Unsere Insel war also schon 'besetzt'. Schon um 16.00 Uhr fanden wir ein hübsches Plätzchen zum Bleiben.
Es handelte sich um eine hübsche, flache Halbinsel mit ebenem Zeltplatz und Feuerstelle. Wir leerten das Kanu aus, zogen es an Land, drehten es um und verstauten Paddel, Schwimmwesten (die sich später noch als gemütliche Sitzplätze herausstellen sollten) und Spaten darunter. Irgendwann hörten wir ein seltsames Geraschel auf der anderen Seite der Insel. Sollte das ein Elch sein? Vielleicht sogar ein Bär? Oder waren es vielleicht doch nur ein paar Enten, Füchse oder Biber? Wir schlichen uns auf die andere Seite der Halbinsel und entdeckten etwas spitzes, grünes. Na toll, das waren gar keine wilden Tiere auf die wir so gehofft hatten, das waren nur andere Kanuten die ihr Zelt aufbauten.
Beim Warten auf die Fähre wurden kostenlose Zeitungen verteilt. Gut, dass wir die dicke Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen behalten und in die Tonne gesteckt hatten, denn mit nur einer Doppelseite Zeitung war es gar kein Problem mehr, das Lagerfeuer anzubekommen. Über diesem brutzelten schon bald Würstchen und wir ließen es uns schmecken. Wir tranken ein wenig Korn mit Grapefruit-Ananas-Fanta und vertrieben die Zeit bis um Mitternacht. Dann durfte Nils die Geschenke auspacken. Geburtstag feiern mit den Elchen, das hat man doch auch nicht alle Tage.
Fr. 27.07.2007 59,3238°N, 11,8932°O
A: 10.00 Uhr bei 59,3238°N, 11,8932°O
L: 12.35 Uhr
A: 16.50 Uhr
Wir waren schon früh wach, aber da es regnete mussten unsere vollen Blasen sich bis um 10 Uhr quälen, denn erst dann hörte es kurz auf. Für zehn Kronen gingen wir jeder duschen (Himmel, tat das gut!), packten zusammen und fuhren in Richtung Schleuse. Dort mussten wir eine Zeit lang warten, bis die Schiffe in die andere Richtung durch waren, so dass auch Kai und Andrea noch Zeit hatten um aufzuschließen. Die ganze Prozedur dauerte etwa eine Stunde. Pro Schleuse zahlten wir 30 Kronen, das machte 300 für alle zehn, die wir im Laufe der Zeit durchqueren mussten. Dann hätten wir uns wohl doch besser Räder dazugemietet, mit denen wir das Kanu hätten ziehen können. Kaum hatten wir die Schleuse durchquert, da erfasste uns ein nettes Windchen von rechts. Wir paddelten locker und ließen uns vom Wind ans linke Ufer treiben. Das war ein großer Fehler. Wir kamen kaum voran. Die Wellen schwappten uns vorne ins Kanu bis ich völlig durchnässt war, dann lief das Wasser ein Mal am Boden entlang unter den Rucksäcken hindurch ganz nach hinten bis zu Nils' Füßen. Als wir eine Zeit lang wie die verrückten paddelten und doch keinen Zentimeter vorwärts kamen, beschlossen wir, erst einmal auf die Insel vor uns zuzufahren. Diese war traumhaft. In der kleinen windgeschützten Bucht war das Wasser ganz still und auch die Insel schien trotz ihrer geringen Größe recht gut zu schützen. Wir setzten uns an die Feuerstelle, aßen Kekse, Lakritz und Chips und tranken Cola - welch ungesundes Leben. Hier konnten wir jedoch trotzdem nicht bleiben, hatten wir doch erst wenige Kilometer geschafft! Als wir am linken Inselrand entlang weiterfuhren ging es ganz gut, doch kaum waren wir an diesem vorbei und damit aus dem Windschutz raus, da machten Wind und Wellen wieder mit uns was sie wollten. Wir paddelten dagegen an und wurden trotz Einbringung der größten Kräfte schon bald wieder ans Ufer gespült. Dort wollten wir einen Moment ausharren und pausieren, doch die Brandung war zu stark und wir drohten direkt vor der Felsküste zu kentern, sollten wir nicht schleunigst von dort verschwinden. Wir gaben noch mal alles und entfernten uns langsam vom Ufer. Als die Kräfte endgültig zu schwinden schienen und auch die Motivation völlig am Boden war, beschlossen wir, auf das Stück Gras nicht weit entfernt zuzufahren. Dieses stellte sich aber bald als Schilf heraus, doch als wir das bemerkten war es schon zu spät, wir konnten nicht mehr wenden. Umgeben von vielen Halmen versuchten wir auf das nächste Stück Felsen zuzufahren, was sich als keine besonders leichte Aufgabe herausstellte. Mit hochroten Köpfen paddelten wir in einem Wahnsinnstempo, doch wir kamen einfach nicht vorwärts. Ich betrachtete die Halmgruppierungen links von mir, fuhr ein paar Minuten, sah wieder nach links und genau die selben Halme standen noch immer an genau der selben Stelle. Jeder Fußgänger hätte diese Strecke innerhalb von Sekunden geschafft, doch wir quälten uns mehrere Minuten. Am Felsen angekommen lief das Kanu seitlich auf und jede Welle schien es weiter nach oben zu spülen. Hätte ich nicht all mein Gewicht nach links verlagert und wäre Nils nicht beherzt ins Wasser gesprungen, das ihm bis zum Oberschenkel ging, um das Kanu ganz hoch zu ziehen, so wäre diese Aktion wohl schief gegangen.
Wir gingen zu aller erst an eine windgeschützte Stelle und tranken ein Bier. Dann liefen wir zurück, bauten das Zelt auf, schleppten die Sachen zum Zeltplatz und ärgerten uns über das Schild, das uns verbot, Feuer zu machen. So hängten wir alle nassen Sachen an die Wäscheleine und verkrochen uns im Zelt, wo wir auch blieben.
Sa. 28.07.2007 59,2669°N, 11,9273°O
A: 10.25 Uhr bei 59,2669°N, 11,9273°O
L: 13.10 Uhr
A: 16.15 Uhr
Es stürmte die ganze Nacht hindurch und wollte auch am Morgen noch nicht aufhören. Wir verfluchten das dämliche Stück Land auf dem es einem nicht einmal erlaubt war, seine Folienkartoffeln, auf die man sich schon den ganzen Tag gefreut hatte, zu essen, und machten uns schon bald auf den welligen Weg. Schon nach den ersten hundert Metern hatten wir keine Lust mehr, wir legten gleich an der nächsten Ecke wieder an und machten Pause. Wir waren zwar nicht besonders weit gekommen, hatten dafür aber einiges an Zeitaufwand hinter uns. Das Stück Land war noch unwirtlicher als das von der Nacht davor, denn es handelte sich um einen Landesgedenkschutz oder sowas, wo man weder Feuer machen, noch Löcher buddeln (wenn man denn mal muss) und nicht einmal zelten durfte. Das Värmland wurde uns mit seinem miesen Wetter und seinen dämlichen Bestimmungen immer unsympathischer, wir fieberten der Wiederankunft in der Provinz Dalsland entgegen. Ein Gutes hatte der Wind allerdings: Wir sehnten uns nach Abgeschiedenheit und kaum dass es stürmte waren keine Kanuten mehr unterwegs. Ganze zwei Tage sagen wir keine Menschenseele auf dem Wasser. Zuvor war schon immer so einiges los gewesen.
Ich hatte trotzdem ungeheuer miese Laune und kämpfte mit dem Strauch an dem ich das Kanu anbinden wollte. Es schien kurz, als würde der Strauch gewinnen, doch dem war nicht so. Völlig verkratzt und dreckig hatte ich es doch bald geschafft, die Schnur um das bisschen Äste zu wickeln.
Wir pausierten noch ein wenig und überlegten wie es weiter gehen sollte, da sahen wir, dass das Kanu mittlerweile eine bedenkliche Schieflage angenommen hatte. Ich hechtete hin um es aufzurichten und wir beschlossen, dass es keinen Zweck hätte an dieser Stelle zu bleiben. Nachdem wir ein weiteres Mal ganz böse auffuhren und um ein Haar mit all unserem Hab und Gut gekentert wären, nahmen wir den nächsten Teil der Strecke in Empfang. Wir wollten doch wenigstens ein paar Kilometer geschafft haben.
So hielten wir uns vom Ufer fern und schon ging es ein klein weinig besser: wir kamen immerhin vorwärts und standen nicht mehr auf der Stelle. Trotzdem schein die kleine Hütte, die man am Rand erkennen konnte nach zehn Minuten noch immer an der exakt gleichen Stelle zu sein, was nicht sehr viel motivierte. Wir fuhren von Spitze, die ins Wasser ragte, zu Spitze, was den Umständen entsprechend gut funktionierte. Irgendwann war die Spitze am rechten Ufer dichter als die linke und wir beschlossen, es zu wagen und den See ein Mal zu durchqueren. Auf der rechten Seite konnten wir schließlich damit rechnen, windgeschützter zu sein, denn von dort kam schließlich der Wind. Wir nahmen also noch einmal all unsere Kräfte zusammen und schafften es rüber. Dort verbrachten wir unsere Kekspause auf einem tollen Stück Land. Es gab zwei Sandstrände, einen zur Ost- und einen zur Westseite, eine Feuerstelle mit Sitzgelegenheiten drum herum und viele schöne Zeltplätze. Wir waren erst drei Stunden unterwegs gewesen und auch der Wind blies nur noch halb so heftig, trotzdem beschlossen wir nach kurzem Überlegen, einfach hier zu bleiben, denn einen so tollen Schlafplatz hatten wir noch nie gehabt, wer weiß, wann und ob wir solch einen jemals wieder finden würden. Außerdem hatten wir uns dieses schöne Stückchen Erde als Belohnung für die Strapazen der letzten beiden Tage verdient und wir hatten schließlich trotz des Sturmes noch viele Tage für den Rest unserer Tour übrig. Wir machten unsere Wäsche, badeten und genossen unser Stückchen Paradies. Schon um sechs Uhr knisterte das Feuer, wir brauchten schließlich genügend Glut für die Kartoffeln. Heute gab es ein Festmahl. Als Vorspeise eine leckere Spargelcremesuppe und dann Kartoffeln, die von außen schwarz und von innen hart waren aber besser schmeckten als alle Kartoffeln die ich je gegessen hatte. Darauf gab es dann Philadelphia und als dieser leer war Ketchup mit allen Gewürzen, die in meinem Multistreuer drin waren (wozu schleppte man denn sonst solch ein Ding herum?). Dazu gab es Bier und Cola-Korn ohne Kohlensäure. ja, uns ging es schon gut!
Mo. 30.07.2007 59,0908°N, 12,1869°O
A: 10.00 Uhr bei 59,0908°N, 12,1869°O
L: 13.15 Uhr
A: 17.00 Uhr
Wir lagen vor Bengsfors City
Und hatten nur noch Knäckebrot an Bord
In den Tonnen da faulte der Käse
Und täglich fiel fast einer über Bord
Ahoi, Kameraden
Ahoi, Ahoi
Leb wohl, kleine Insel
Leb wohl, leb wohl
Ja wenn das Stimmengewirr an Bord erklingt
Ja dann sind die Matrosen so laut
Ja so laut!
Weil ein jeder die schönste Stimme haben will
Und auf die anderen nur skeptisch hinabschaut!
Dank Kai und Andrea saßen wir nicht mehr auf unserem Knäckebrot fest, sondern hatten richtiges Vollkornbrot mit allerhand Aufschnitt zu essen. Nach meinem ersten richtigen Bad mit ganz untertauchen ging es auch weiter. Das Wetter war perfekt und wir hatten super Laune. Wir machten viele, viele Pausen (mit vier Blasen an Bord muss man viel öfter anhalten), gelangten aber trotzdem recht schnell in die Bucht vor Bengsfors, in der Kai den Campingplatz vermutete. Wir fuhren hinein, konnten aber keinen Campingplatz erkennen. So pausierten wir noch ein wenig und ließen uns liegend treiben und fuhren dann weiter in die 'Stadt'. Dort fragten wir einen Mann nach dem Campingplatz und dieser meinte, er sei 'on the other side of the city', wobei er in Richtung Brücke deutete. Wir konnten nirgendwo einen Campingplatz entdecken, so fuhren wir auf die Brücke zu. Uns erfasste eine leichte Strömung und wir ließen uns auch unter der zweiten Brücke hindurchtreiben. Als die Strömung stärker wurde, hielten wir uns am Rand fest und überlegten, wie es weiter gehen sollte. Das war allerdings nicht ganz einfach, zumal wir uns an der linken und die beiden anderen sich an der rechten Seite festhielten und wir einander so kaum verstanden. Bei dem kleinen, schmalen Wasserlauf konnte es sich nur um die Schleuse handeln, die Nils und ich ohnehin durchqueren müssten, Kai und Andrea allerdings nicht. Kai kletterte die Wand hinauf und sah sich ein wenig um. Als er zurück kam, verkündete er, er habe zwar niemanden getroffen, meine aber, wir führen tatsächlich auf die Schleuse zu. Da wir auf dem Weg keinen Campingplatz entdeckt hatten, mussten wir diese anscheinend durchqueren. Kai und Anderea veranstalteten einen fliegenden Wechsel (Andrea kletterte die Wand hinauf und hielt die Halteleine des Kanus fest, während Kai auf allen Vieren vom vorderen zum hinteren Sitz des Kanus kletterte), dann waren auch sie dafür gerüstet, sich einfach erst einmal in Richtung Schleusen treiben zu lassen. Vor uns war das Gewässer bald zu Ende, links über uns eine Straße und auch rechts von uns war keine Schleuse. Stattdessen fanden wir uns direkt neben einem Kraftwerk wieder, das den Sog verursachte. Um uns herum war hoher Zaun mit Stacheldraht gespannt und an diesem hingen viele Warnschilder, die wir von innen - selbst hätten wir Schwedisch gekonnt - doch nicht hätten lesen können. Wir machten an einem alten Steg fest und überlegten wie wir weiter vorgehen sollten. Auch wenn er es war, der uns versicherte dass wir auf dem direkten Weg zur Schleuse wären, vertrauten wir ein letztes Mal auf Kais gesunden Menschenverstand. Er kletterte unter dem Zaun hindurch und machte sich auf die Suche nach Hilfe. Das dumme Gefühl dass wir irgendetwas falsch gemacht hätten wurde immer stärker. Die drei Jungs, die schon seit geschlagenen zehn Minuten auf der Brücke standen und uns beobachteten und auslachten beruhigten uns dabei nicht besonders.
Wir kamen uns unglaublich dumm vor.
Kai kam wieder und versicherte uns was wir eigentlich schon lange wussten: wir waren hier sehr falsch und sollten besser schleunigst verschwinden. Zum Glück erzählte Andrea mir erst viel später, dass das Auffanggitter, durch welches das angesogene Wasser floss ein großes Loch hatte, in welches locker ein ganzes Kanu gepasst hätte. Ohne dieses Wissen konnte ich relativ ruhig gegen die Strömung zurück fahren. Dies stellte sich als gar nicht mal besonders schwer heraus. Wir legten am Gästehafen an und genehmigten uns erst einmal ein Eis. Dann liefen wir zur Tourist-Info, wo uns erzählt wurde, dass der Campingplatz genau da war, wo Kai ihn vermutet hatte. Er war nur hinter den vielen Bäumen von da aus nicht zu erkennen. Wir könnten dort hinpaddeln oder laufen oder uns in der Jugendherberge einnisten, was uns aber die 50€ pro Doppelzimmer nicht wert war. Direkt am Stadtrand (die 'Stadt' stellte sich als ein Dörfchen heraus, das nicht einmal so groß war wie Bederkesa) lag eine winzige Insel, die wir zu erkunden beschlossen. Wir liefen zunächst einmal über einen morschen Steg hin und begutachteten das Ganze. Zwei Zeltplätze wären schon da. So beschlossen wir, erst einmal eine Pizza essen zu gehen und dann in der Dämmerung die Zelte aufzubauen. Gesagt - getan. So eine Pizza schmeckt göttlich wenn man erst einmal ein wenig ausgehungert ist. Wir schafften es ohne Probleme, die riesigen Pizzen alleine aufzuessen. Auf dem Weg zurück trafen wir doch tatsächlich die nackten Pfadis von vor zwei Tagen. Diesmal waren sie jedoch angezogen. Sie hatten die ganze Strecke in der gleichen Zeit zu Fuß bewältigt und sogar noch Andreas Wassersack mitgenommen, den sie versehentlich hatte auf dem Zeltplatz liegen lassen. Die bunte Gruppe schien recht ausgehungert und konnte es gar nicht mehr erwarten endlich zum 'Konsum', einer Supermarktkette, zu gelangen. Auch wir kauften wir noch ein wenig Knabberkram und Bier und machten es uns auf der Parkbank auf unserer Insel bequem. Eine andere Gruppe Pfadfinder sang im Hintergrund 'Wünsch Dir was' während wir uns von den Mücken, die uns zuvor immer in Ruhe gelassen hatten, auffressen ließen. Wenn man bedenkt dass wir den Luxus einer idyllischen kleinen Insel mitten im Zentrum fast gegen einen drei Kilometer Marsch zum Campingplatz eingetauscht hätten..?
01.08.2007
Mi. 01.08.2007 58,9545°N, 12,2582°O
A: 09.30 Uhr, Nils 08.20 Uhr bei 58,9545°N, 12,2582°O
L: 12.25 Uhr
A: 21.45 Uhr
Weil Nils der 'doofen Karte' zu sehr vertraut hatte, durften wir heute noch eine ganze Ecke zurück fahren. Unser 'Kanal' war anscheinend doch das winzige Flüsschen an dem wir am Tag zuvor vorbeigefahren waren. Es war schmal und flach und wir merkten auch eine gewisse Strömung, aber viel schlimmer als die Strömung beim Kraftwerk war sie nicht. Wir kamen zwar um einiges langsamer voran, aber wir standen nicht wie schon so oft auf der Stelle. Wir lachten über den Mann und seine 'starke Strömung im Biberfluss'. Er war bestimmt auch noch nie im Sturm gepaddelt und hatte gar keine Ahnung was denn nun machbar war und was nicht. So ein Sonntagspaddler.
Es lag allerlei ekelhaftes Zeug auf dem Grund und wir fuhren über massenhaft Algen hinweg. Es ging unter einigen Brücken hindurch und um viele Kurven, doch irgendwann wurde die Strömung stärker. Sie wurde so stark, dass wir nicht mehr voran kamen. ich hielt mich an einem Baum fest, der in den Fluss ragte. Was sollten wir nun tun? Vor uns teilte sich der Fluss, auf beiden Seiten sah die Strömung so stark aus, dass wir nicht dagegen an gekommen wären. Ganz links entdeckten wir einen Flussarm, der kaum breiter als das Kanu selbst war. Wir nahmen nochmal all unsere Kraft zusammen und paddelten von der rechten auf die linke Seite. Der kleine Arm war sehr ruhig, doch auch an seinem Ende hätten wir nicht wieder in den großen Fluss wechseln können, denn zum einen war die Strömung sogar noch stärker als zuvor und zum anderen gab es am Ende viel starkes Gebüsch. Eines stand fest: paddelnd hatten wir hier keine Chance. ich zog mir die Schuhe aus und versuchte in der Hotpants den steilen Brennnessel bewachsenen Hang hinaufzuklettern. Oben angekommen schien ich mich im Garten eines Hauses zu befinden. Die Idee, das Kanu entlang der angrenzenden Bahnschienen zu tragen erübrigte sich von selbst in dem Moment in dem der Zug über diese bretterte. Nils schob sich und das Kanu zurück an den Anfang des Arms, von wo aus wir es im Notfall hätten hochtragen können. Ich kletterte dort wieder runter um es fest zu machen, zog mir gegen die Brennnesseln eine lange Hose an und zusammen sahen wir uns oben weiter nach einem Weg um die Stromschnellen oder am besten den ganzen verdammten Fluss zu umgehen um. Im Nachbarhaus waren Leute im Garten. Wir fragten sie, wo wir seien und wie wir um die Stromschnellen herumkämen. Sie erklärten uns, dass sie uns helfen könnten, wenn wir in den rechten Flussarm führen. Gesagt - getan!
Jonas, der etwa 20-jährige Sohn erwartete uns schon. Wir zogen das Kanu an Land und leerten es. Jonas' Vater, ein lustiger Typ mit bunten Gummibändern im Bart, trug mit Nils das Kanu um. Jonas holte in der Zeit das Auto. Um auf den Weg neben dem rechten Flussarm zu kommen, musste man noch einen weiteren Fluss durchqueren. Um alle Sachen halbwegs sicher nach oben zum Weg zu transportieren, musste ich sieben Mal mitsamt der gerade angezogenen langen Hose durch den Fluss laufen. Danach war der Schlick und Matsch so weich, dass ich keine weitere Tour mit dem schweren Gepäck mehr geschafft hätte. Jonas, ein typischer Schwede irgendwo zwischen Punk- und Surferlook mit Blümchenboxershorts bis zum Bauchnabel und locker tief sitzender Hose fuhr das Gepäck zum Kanu. Er erzählte uns weiter, dass bald schon eine etwa zehn Meter lange Stelle käme, an der es noch einmal recht schwierig würde, dann sei aber alles wieder gut. Wir bedankten und verabschiedeten uns. Gerne hätten wir den beiden den restlichen Korn gegeben, doch wir wussten nicht, wie man es in Schweden mit Alkoholgeschenken sieht, so ließen wir es bleiben. Sie wollten auch nicht gleich ein Bier mit uns trinken und auch Geld nahmen sie keines an.
Wir waren völlig kaputt und machten Kekspause an einem Badesteg der sich direkt vor den Stromschnellen befand, die wir auch erst von dieser Stelle aus erkennen konnten. Wir hatten den Beschluss gefasst an diesem Tag den Fluss zu schaffen, koste es was es wolle, so machten wir uns schon bald wieder auf den Weg. Die zweite schwere Stelle ließ nicht lange auf sich warten. Wir flogen nur so von Ufer zu Ufer, kamen dabei aber mehr rückwärts als vorwärts. Nach einiger Plackerei hatte Nils die Schnauze voll und sprang in voller Montur ins Wasser, von wo aus er das Kanu zog. Ein paar Mal musste er es von hinten schieben und zwei Mal drehte es sich dabei, so dass ich quer zum Fluss und später sogar rückwärts saß. Als das Kanu sich das zweite mal drehte, hechtete er in die Mitte des Flusses, um es zu halten, obwohl er keine Ahnung hatte, wie tief und reißend die Strömung dort war. Hätte er mich einfach losgelassen, so wäre ich schon irgendwann zum Stehen gekommen, aber so überwog die Angst um ihn sogar noch die Angst um mich selbst. Ich brüllte ihn an, er solle sowas nie wieder tun und war völlig fertig mit den Nerven. Hätten wir das vorher gewusst, so hätten wir das Kanu noch ein Stück weiter getragen. Irgendwann hatten wir aber auch dieses Hindernis überwunden. Wir paddelten weiter um Baumstämme herum und darüber hinweg (nun kam es uns zugute, dass wir kaum Tiefgang hatten, da wir so wenig Gepäck dabei hatten), durch herunterhängende Bäume hindurch und mitten durch Seerosen und Algen. Eine ganze Zeit lang ging es gut so weiter, dann nahm die Strömung wieder zu. Als sie richtig stark war, machten wir das Kanu fest und liefen die angrenzende Weide entlang, um herauszufinden wie stark die Strömung ist und wie lang sie andauerte. Dann beschlossen wir, in Zweifelsfällen wie diesem das Kanu zu tragen. Etwa 200 Meter lang mussten wir das Monstrum das etwa gefühlte zehn Tonnen wog schleppen. Anschließend packten wir uns so mit den Klamotten voll, dass wir für diese nur eine Tour laufen mussten. Anschließend machten wir eine weitere Pause. Als wir Stimmen hörten, liefen wir hinunter zum Fluss. Eine deutsche Familie die mit der Strömung fuhr hatte unser Kanu entdeckt. Wir warnten sie vor den Stromschnellen und sie uns vor einer Brücke, unter der man nicht hindurchpaddeln konnte, da der Wasserstand zu hoch war. Schon bald waren wir an besagter Brücke angekommen. Ein Mann, der gebürtig aus Celle kam, erlaubte uns, das Kanu und Gepäck über seinen Garten um die Brücke herum zu tragen. Es hatte sich dank vieler anderer Kanuten schon ein richtiger Trampelpfad durch den Garten gebildet. Wir unterhielten uns noch eine kleine Ewigkeit lang mit ihm und fuhren dann weiter. Die Baumstämme häuften sich, einen richtigen Biber hatten wir allerdings noch immer nicht gesehen. Bis zu der letzten starken Strömung mäandrierte der Fluss vor sich hin. Da Nils ohnehin der Nassere von uns beiden war, stieg er auch später noch einmal aus und zog und schob das Kanu. Als es kaum noch weiter ging machten wir wieder fest und prüften den Weg. Wir liefen einen kleinen Trampelpfad hinauf bis zu dem Kraftwerk von dem uns schon so oft erzählt wurde, dann bis hinauf zur Straße und wieder hinab bis zum Iväg. Wir hatten es also fast geschafft! Der Weg war 793 Schritte lang, für die man schnell nur mit einem kleinen Rucksack beladen 7,30 Minuten brauchte. Irgendwie mussten wir auch das Kanu hier hoch transportieren. Wir hoben es falschherum auf ein bisschen Holz, schlüpften darunter und hoben es hoch, so war die Sitzfläche in unseren Nacken. Schon nach den ersten paar Metern lag unser größtes Problem: eine Brücke. Sie verlief in 90 Grad Winkeln zum Land. Wir bogen vom linken Ufer aus rechts ab, um auf die Brücke zu gelangen und wollten dann wieder links aufs Land, aber uns war ein Baum im Weg. Dieser stand genau in der Ecke. Drum herum gehen konnten wir nicht, da Nils sonst hinten ins Wasser gefallen wäre. Nach vielen brenzligen Wackelpassagen blieb uns nur eine Möglichkeit: wir mussten die Kurve schneiden und ich musste mitsamt des Monstrums auf meinem Rücken, durch welches mein Körperschwerpunkt viel höher lag, auf einen Stein, von dem ich nicht wusste, wir leicht er wegrutscht, im Fluss hüpfen und von da aus schnell wieder die Böschung hinauf (Skizze dazu: weiter unten). Ich habe keine Ahnung wie, aber irgendwie haben wir dieses Hindernis geschafft. Wir liefen weiter über eine weitere Brücke, am Kraftwerk vorbei, den steilen Schlammhang hinauf, gegen einen Baum (man vernahm im Inneren des Kanus nur ein dumpfes 'Klong'), durch das Brennnesselfeld bis auf die Straße. Ich hatte es nicht mehr ausgehalten, das Gewicht einzig und allein auf dem Nacken zu tragen, so schob ich abwechselnd eine Schulter so gut es ging mit unter den Sitz. Als auch das nichts mehr brachte, hob ich den Kopf und nahm etwas Gewicht darauf. Die Naht schrabbte dabei die ganze Zeit über auf meiner Kopfhaut herum. An der Straße brauchte ich dann doch eine Pause. Nils schaffte es irgendwie, das Kanu hochzuheben, darunter hinauszuschlüpfen, es abzulegen, nach vorne zu eilen, es auch dort zu halten, mich hinausschlüpfen zu lassen und es dann ganz abzulegen. Es hat so einige Vorteile wenn man einen großen, starken Mann dabei hat.
Wir setzten uns aufs Kanu, jammerten ein wenig und aßen wilde Himbeeren. Da wir schon gut zwei Drittel der Strecke hatten, ging es schon bald weiter. Von nun an ging es auch nur noch bergab. Wir mussten noch zwei Touren laufen, bis wir endlich auf alles Gepäck dabei hatten. Es war schon etwas dunkel, als wir nach 1 1/2 Stunden Schlepperei endlich im Iväg lospaddelten. Natürlich windete es wieder ordentlich und um uns herum war alles dicht bewaldet. Irgendwann fanden wir doch noch einen Zeltplatz. Er war nicht besonders schön, aber es gab eine mehr oder minder ebene (wenn auch felsige) Fläche in der Größe des Zelts. Wir spannten Schnüre zu Bäumen, damit das Zelt irgendwie halbwegs stabil stand, schissen auf das Lagerfeuer und krochen ins Zelt. Dort aßen wir jeder eine Zwei-Portionen-Tüte Fertignudeln und tranken ein Bier. Eigentlich wollten wir uns für die Strapazen des Tages noch ein weiteres gönnen, doch wir waren einfach zu müde.
Weiter geht es hier
Auf www.world-of-chaos.de.tl gibt es den kompletten Bericht, gespickt mit vielen, vielen Fotos.
Über einen Gästebucheintrag freue ich mich immer!
Lesezeichen für diesen Reisebericht setzen bei ...
-
Mister Wong
-
Google Bookmarks
-
YiGG
-
del.icio.us
-
Digg
-
StumbleUpon
-
Magnolia
-
Webnews
Bookmark in Ihrem Browser speichern Schließen