Abenteuerurlaub in Myanmar mit Rucksack und Eisenbahn

Reisebericht

Abenteuerurlaub in Myanmar mit Rucksack und Eisenbahn

Reisebericht: Abenteuerurlaub in Myanmar mit Rucksack und Eisenbahn

Myanmar, das ist mehr als nur die Shwe Dagon Pagode, der Inle-See und Bagan. Es sind vielmehr die kleinen Dinge, die das Land so liebenswert machen. Diese kleinen Dinge erlebt man abseits der Touristenbusse, wenn man sich Zeit nimmt und genauer hinsieht und sich hineinfühlt.

Ich habe drei Wochen in diesem exotischen Land verbracht und sowohl angenehme als auch unangenehme Erfahrungen gemacht

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10.02.2013

Yangon

Nach einem anstrengenden 10-Stunden-Flug habe ich eine Zwischenstopp in Bangkok für einen kurzen Ausflug in die Stadt genutzt, um Thailand mal Guten Tag zu sagen. Hat sich vieles verändert, seit ich das letzte Mal dort war. Bankok ist eben doch schon ganz schön westlich und zivilisiert. Gigantische teilweise mehrstöckige Autobahnen - wie in Amerika - durchziehen das Stadtgebiet. Am Stadtrand werden immer mehr Hochhäuser und Einfamilienhaussiedlungen gebaut - wie im Westen. Ab und zu verstecken sich noch ein paar Klongs (Wasserkanaele) zwischen den Einfamilienhaussiedlungen und Autobahnen. Eine S-Bahn fährt vom neuen Flughafen in die Stadt, und von dort eine Metro weiter - alles ganz modern, mit Automaten und alles zweisprachig (Thai und Englisch).
Der neue Flughafen ist mindestens so gross wie der in Frankfurt, nur viel moderner und besser organisiert. Das Essen hat zum Glück in Thailand noch die gleiche Qualitaet wie damals 1998.

Meine Ankunft in Yangon war selbst von Thailand aus nochmal ein Kulturschock. Der kleine Flughafen empfing uns herzlich und mit einem schönen alten vergoldeten Gebaude. Ich wurde von den Leuten von meinem Guesthouse vom Flughafen abgeholt, und das war auch gut so.

Yangon, das ehemalige Rangoon ist die ehemalige Hauptstadt und größte Stadt Myanmars.

Bei meinem ersten Ausflug in Yangon habe ich mich erstmal gründlich verlaufen. Außerdem war ich auch noch ziemlich fertig von dem langen Flug mit kaum Schlaf (ein Kleinkind hat den halben Flug lang geschrien, so dass ich nur sehr wenig Schlaf hatte).
Eigentlich wollte ich zum Fahrkartenbüro am Hauptbahnhof, um mir eine Fahrkarte nach Thazi zu kaufen. Aber ich bin in die falsche Richtung gelaufen, und in einer Art Elendsviertel gelandet. Dort hausen Menschen in einfachsten Baracken auf dem Müll. Die Kinder spielen in Müllhalden. Trotzdem ist keiner aggressiv.
Myanmar ist für mich erstmal ein Kulturschock. Die Straßen sind kaputt, auf den Bürgersteigen muss man Slalom laufen, weil die Hälfte der Gehwegplatten über der Kanalisation zerbrochen ist und auf den restlichen intakten Gehwegabschnitten Dieselgeneratoren und geparkte Autos stehen.
Viele Maenner kauen Betelnüsse (ist ein Aufputschmittel, gibt es auch in Indien) und spucken die Reste auf die Straße. Deswegen sind auf den Straßen und Wegen ganz viele rote Flecken.
Viele Männer tragen Longys – lange Röcke, die aus einem grossen Stück Stoff bestehen, welches zusammengeknotet wird.
Die meisten Frauen tragen lange bunte Röcke. Viele habe weiße Streifen im Gesicht. Das ist die Thanaka-Paste – ein Schönheitsmittel, welches auch gut gegen Sonnenbrand ist. Es wird aus Sandelholz hergestellt.

Strom aus dem öffentlichen Netz gibt es nur stundenweise. Deshalb haben die meisten Geschäfte und Hotels einen Dieselgenerator an der Strasse stehen, der bei Stromausfall einspringt. Heute Abend im Supermarkt ging plötzlich das Licht aus, weil der Strom weg war. Nach 1-2 Minuten sprang der Dieselgenerator an, und das Licht ging wieder an.
Nachts ist es stockdunkel, weil die Straßenbeleuchtung, wenn überhaupt vorhanden, nur sehr lückenhaft ist.

Aber auf den Straßen gibt es überall lecker Essen für wenig Geld. Mit mechanischen Pressen wird Zuckerrohrsaft gepresst und auf der Straße verkauft.

Die erste Nacht in Myanmar bin ich zuerst sofort eingeschlafen, wegen dem langen Flug. Aber kurz nach Mitternacht war ich wieder wach und konnte stundenlang nicht wieder einschlafen. Irgendwann bin ich dann aber doch eingeschlafen und zu meinem grossen Erschrecken erst wieder kurz vor 11.00 Uhr frühs aufgewacht. Da war die Frühstückszeit in meinem Hotel schon vorbei.
Ich bin dann ohne Frühstück losgelaufen, habe mir unterwegs ein Stück Melone gekauft und habe von meinen gekauften Bananenvorräten gegessen. Bis zum Abend hatte ich dann so gut wie keinen Hunger, nur Durst. Die Fahrkarte nach Thazi habe ich auch erstanden. Touristen müssen sich auf der Rückseite des Hauptbahnhofes (im Süden, an der Bogyoke Aung San Road) Fahrkarten (relativ teuer und in US-Dollar zu bezahlen) kaufen. Das Ticket-Office für die Touristen seit eher wie ein Bauernhof aus als wie ein Bahnhof. Hat aber gut funktioniert, die Leute waren freundlich und konnten auch recht gut englisch.

Die meiste Zeit meines ersten ganzen Tages in Yangon war ich dann in der Shwe Dagon Pagode. Das ist fuer die Buddhisten eines der größten Heiligtümer auf der Welt - so wie die Peterskirche in Rom für die Katholiken. Das Gelände ist gigantisch groß, man muss die Schuhe am Eingang abgeben und Eintritt bezahlen (zumindest die Ausländer). Solch eine Pracht und Schönheit habe ich noch in keiner Kirche gesehen und auch nicht in Thailand. Unzählige vergoldete Pagoden und Meditationshallen versammeln sich in einem grossen Kreis um die riesige Hauptpagode in der Mitte. Tausende Pilger aus aller Welt, die dort meditieren, rezitieren oder Wasser auf kleine weiße Buddha-Figuren gießen. Es ist eine unbeschreiblich schöne und friedliche Atmosphäre.
Ich habe einen Mönch aus Sri Lanka kennengelernt, der gerade auf Pilgerreise in Myanmar ist. Er war mit seiner Schwester in Myanmar.
Eine Frau hat mir im Tempel leckere Eierkuchen angeboten.

Trinkwasser gibt es in den Klöstern und auf den Bahnhöfen kostenlos. Weil das Leitungswasser ungenießbar ist, wird entkeimtes sauberes Wasser in großen Plastikbehältern oder in Tonkrügen angeboten.

Am Abend kam dann der Hunger. Ich habe dann spontan auf der Straße einige Leckereien ausprobiert. Rückzu hatte ich keine Lust mehr, den langen Weg von der Shwe Dagon Pagode zurueckzulaufen und habe den öffentlichen Bus ausprobiert. Ist wirklich lustig. An der Tür steht ein Mann, der an jeder Haltestelle rausspringt und versucht, Fahrgäste anzulocken und dann die Einsteigenden in den Bus stopft. Während noch die Letzten einsteigen, fährt der Bus schon wieder weiter. Ist nichts für alte Leute. Drinnen wird dann das Fahrgeld kassiert. Mir haben die Leute sogar einen Platz im Bus angeboten. Die Liniennummern stehen nur in birmanischer Schrift an den Bussen. Man muß also zumindest die birmanischen Zahlen lernen oder jemanden fragen, wohin der Bus fährt und wo man aussteigen muß.
Übrigens haben trotz Rechtsverkehr in Myanmar viele Autos und Busse das Lenkrad auf der falschen Seite. Das kommt, daher, dass so viele gebrauchte Fahrzeuge aus Japan, Thailand oder Singapur (dort ist überall Linksverkehr) importiert werden.

Der Hauptbahnhof von Yangon ist auch krass. Überall Massen von Menschen. Auf den Bahnsteigen liegen die Frauen auf dem Boden, während die Kleinkinder nackt herumtoben. Ist schon ein wenig wie in Afrika. Aber es fängt an, mir Spaß zu machen.

Straßenhunde gibt es auch viele, und ab und zu auch ein paar Katzen.

Gegen Mittag waren es ca. 35 °C.

Am letzten Abend dachte ich noch: Was mache ich hier eigentlich? Warum bin ich nicht zu Hause geblieben? Aber jetzt ist alles gut.



Sikh-Tempel in der Anawrahta Road in Yangon...


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Kommentare

  • shootingstar

    Dein Bericht liest sich gut bis zum Ende ; ) Ähnlich habe ich die Menschen und das Land schon vor 7 Jahren erlebt, nur heute ist es zum Glück etwas freier. Hoffen wir, dass es so bleibt und die Menschen, obwohl noch immer sehr arm, nun bessere Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben.
    LG Claudia

  • gabi.weinert

    Hi Eckart, danke für deine ausführlichen Beschreibungen. Ich konnte viel davon nachvollziehen, nachdem ich in Thailand und Laos unterwegs gewesen bin. Dein Bericht vermittelt mir ein sehr authentisches "feeling" und viiiiele Informationen die Nutzen bringen. Danke! Und danke auch für die Ausführlichkeit, von der ich seh profiiere, weil wir überlegen, manymnar über die Jahreswende zu besuchen.
    Ich mag deine Stil, weil du e schaffst, Infos und persönliches Erlebnis zu verquicken und in dem Fall die Wahnsinnsmenge an Infos hilfreich ist. Danke!!! lg gabi

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