Von böhmischen Betuppern und frechen Tschechen im goldenen Prag an der Moldau

Reisebericht

Von böhmischen Betuppern und frechen Tschechen im goldenen Prag an der Moldau

Reisebericht: Von böhmischen Betuppern und frechen Tschechen im goldenen Prag an der Moldau

Prag gilt als das Paris des Ostens, als die Stadt der Liebe und Romantik. Zweifelsohne hat die Stadt seine unvergleichlichen Reize, mit denen sie jedes Jahr Millionen Touristen aus aller Welt anzieht. Und daher spielt die Liebe zum Geld des Reisenden bei den Bewohnern der Stadt eine wichtige Rolle - die nicht immer auf Gegenliebe stößt.

romantisches Prag

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Romantisches Prag - trügt der Schein?

Da liegt sie vor mir, die goldene Stadt und glänzt im Schein der winterlichen Dezembersonne. Vorweihnachtlich ist das Treiben rund um den Staroměstská und den Wenzelsplatz. Prag, die Stadt der Romantik, mit seiner wechselvollen Geschichte, seinen malerischen Gassen und traumhaften Ausblicken über und rund um die Moldau. Erhebend ist die Aussicht vom Pražský hrad, der Prager Burg auf dem Hradschin, dem Berg auf der Kleinseite Prags. Kein Wunder, dass der Präsident sich dieses Plätzchen als offizielle Residenz ausgesucht hat. Beliebt ist auch der Weg dorthin, über die Karlbrücke, die besonders am Abend von Paaren ob seiner romantischen Stimmung und seinem liebenswert-verspielten Blick über die Moldau aufgesucht wird. Leuchtend spiegeln sich die Ufergebäude im Wasser des ruhig dahingleitenden Flusses. Die winterliche Kälte läßt Licht und Farben in der frühen Dunkelheit des hereinbrechenden Abends hier noch intensiver auftreten und zeichnet ein atembreaubendes Bild vom Prager Pulverturm, der als einer der 13 Befestigungstürme der Altstadt die Karlsbrücke am Ufer festzuhalten scheint.



Mondschein



Tourismusgeschäft statt Taschendiebe

Wie im Rausch wandle ich durch die hell erleuchteten Gassen der Altstadt hin zum Staroměstská, auf dem sich hoch und glänzend der markante Weihnachtsbaum der Stadt erhebt – umringt von Altstädter Rathaus und historischer Uhr und überflutet von Heerscharen touristischer Natur.
Denn der hier aufgebaute Weihnachtsmarkt ist in diesen Tagen Publikumsmagnet – und Bühne für Händler, die mit scheinbar ahnungslosen Besuchern das Geschäft des Jahres suchen.
Gar nicht romantisch ist das Flair hier im Herzen der Stadt. Da bekommt man durchaus mal eine weihnachtliche Bratwurst für umgerechnet 16 Euro angeboten – “ein Versuch ist wert” lacht der freche Tscheche dem ablehnenden Touristen in gebrochenem Deutsch entgegen – denn nicht alle Reisenden passen gut auf, sondern zahlen ob des schwierigen Umrechnungskurses gerne mal die überteuerten Preise. Souvenir-Buden an jeder Ecke, gefüllt mit tschechischen Andenken made in China, verkauft von arabischen Händlern, die ihre Herkunft durch laut aufgedrehte Musik ihrer Heimat in den Läden preisgeben und den Kunden zu einem verkürzten Aufenthalt im Geschäft verleiten. Ja, Prag ist multikulturell und das ist schön. Schön ist es auch, dass sich die Händler die Preise ihrer Waren jedes Mal wieder erneut ausdenken können, da eine Beschilderung dem Spiel “Einer wird gewinnen” hinderlich wäre, das täglich mit den immer verlierenden Besuchern der Stadt gespielt wird.
Schnell finde ich heraus, dass eine osteuropäische Herkunft zu deutlich niedrigeren Preisen allerorts führt, als eine westliche. Längst kursiert das Gerücht, dass Taschendiebe in Prag mit der Ankurbelung der Tourismusbranche kein leichtes Spiel mehr haben, da die Geldbörsen der Reisenden bereits anderweitig auf offiziellem Weg geleert wurden.



Vom Wesen der Weihnachtsgans

Hungrig begebe ich mich in ein gemütlich anmutendes Restaurant, das mit seiner ausgezeichnet landestypischen Küche wirbt. Schweinebraten mit Semmelknödeln und Sauerkraut – das tschechische Nationalgericht – ist schnell gefunden, bestellt und seviert. Nicht weniger schnell erfahre ich, dass das stets zum Essen gereichte Brot keine Beigabe, sondern ein Zusatzgeschäft des Wirts ist – mancherorts gerne auch pro Scheibe abgerechnet. Das hat man gut von seinen ehemaligen Lehrherren, den Österreichern, gelernt, die diese Art der Gastbehandlung auch bis heute gerne betreiben.
Und selbstverständlich vergisst ein Tscheche auch niemals, um ausreichend Trinkgeld zu bitten – sonst wäre er entweder kein Tscheche oder krank. Wie bei einem ungesschriebenen Gesetz, erlebe ich in den Tagen meines Aufenthalts daher auch niemals gegenteiliges Verhalten.
Ja richtig, es ist ja Weihnachten, erinnere ich mich. Und da gehört die Weihnachtsgans natürlich dazu – dumm nur, dass der Tourist hier quasi das Federvieh verkörpert, dass nach allen Regeln der Kunst ausgenommen wird.



Sternenkauf - Prager Hotels und die erkauften Auszeichungen

Wenig anders verhält es sich in meiner Unterkunft. Hier wird der Betupperei dann noch die Krone aufgesetzt, indem man sich als 4-Sterne-Herberge gibt, von denen zwei Sterne schamlos eingekauft wurden. Keine Seltenheit, wie ich später von einem erfahrenen Prag-Kenner höre. Der Reisende darf diesen Schwindel direkt bei seinem Eintreffen erkennen an der Qualität des Hotels, dessen Name die italienische Übersetzung einer Musikstückform trägt.
Obschon die Herberge – denn mehr ist es kaum – nahe dem Wenzelsplatz angesiedelt und damit für touristische Unternehmungen sehr geeignet ist, wird eben dieses Hotel entgegen seinem musikalischen Namen eher zu einer schmerzhaften Komposition für den Gast.



Sehenswertes in Hülle und Fülle

Da freue ich mich doch direkt über die Prag-Card, mit der sich mehrere Tage unbegrenzt mehr als 40 Sehenswürdigkeiten der Stadt erkunden lassen. Unbegrenzt? Weit gefehlt, den wo wäre man, wenn man hier in Prag zu seinem Wort stünde. Jede Sehenswürdigkeit darf nur einmal besucht werden. Der zweite Besuch – man ahnt es schon - muss natürlich bezahlt werden. Und längst nicht alle Besichtigungspunkte sind gratis mit der Karte. Oft überrascht den Karteninhaber ein niedrigprozentiger Rabatt. Trotzdem lohnt sich die Prag-Card, denn selbst während eines mehrtägigen Aufenthalts schafft man es kaum, alle angebotenen Attraktionen zu besuchen.

Mit dem bezaubernden Erscheinungsbild der goldenen Stadt an der Moldau auf der einen Seite – dem entzaubernden Gefühl, dass die Stadt der Liebe wohl vor allem die Liebe zum Geld der Reisenden ist und nicht zuletzt der Hoffnung, bei meinem nächsten Besuch weniger auf die Leerung meiner Taschen, sondern mehr auf die Erfüllung des Ergebnishungers zu achten, verlasse ich Prag nach einigen Tagen mit vielen neuen Erfahrungen.



Tipps und Nützliches

Wie kommt man hin:

Flugzeug: Mit dem Billigflieger geht es von vielen großen Städten direkt in die tschechische Metropole. Germanwings, Airberlin oder Easyjet sind hier nur einige Flugklinien.
Die Bahn ist ebenfalls ein günstiges Verkehrsmittel zum Erreichen der Stadt.
Von einer Anreise mit dem Auto ist wegen der engen Straßen und des hohen Verkehrsaufkommens abzuraten.

Unterkunft:
Für ein äußerst angenehmes Ambiente der Übernachtung und Rundum-Versorgung auf hohem Niveau in der Nähe des größen Shopping-Centers „Paladium“ steht das Kempinski Hotel Hybernská Prague, www.kempinski.com/prague

Prag-Card – nützlicher Helfer für einen ausgedehnten Besuch
Wer mehrere Tage in der Stadt ist, für den lohnt sich die Prag-Card, mit der sich mehr als 40 Sehenswürdigkeiten erkunden lassen, zudem sind gegen geringen Aufpreis auch die öffentlichen verkehrsmittel eingeschlossen: http://www.praguecitycard.com/

Kultur live
Wer die tschechische Kultur und Küche in einer bunten Abendveranstaltung kennenlernen möchte, der sollte den „Folklore-Garden“ besuchen und sich dem 3stündigen Vergnügen „dining & dancing“ hingeben. Neben echt böhmischer Musik und Küche lernt man hier auch Trachten und Tänze – sogar zum mittanzen – kennen und bekommt am Ende noch ein kleines Geschenk. Dieses, mit der Prag-Card noch günstiger buchbare Angebot ist ausnahmsweise keine Touristenfalle, sondern ein lohnendes Angebot. http://www.folkloregarden.cz

Cafes:
Ein unbedingtes Muss ist ein Besuch im berühmten Cafè Slavia am Moldau-Ufer, das nicht nur geschichtsträchtig ist, sondern mit seinem Angebot an Kaffee- und Kuchensorten unschlagbar in Prag daherkommt. http://www.cafeslavia.cz/
Architektonisch ist das Cafè Orient neben dem Shopping-Center Palladium am Stare Mesto ein echtes Erlebnis unter den Prager Kaffeehäusern. http://www.grandcafeorient.cz/.

Speziaitäten:
Trdlnik ist ein baumkuchenähnliches Gebäck aus Hefe und Zucker, das vor allem in der Vorweihnachtszeit sehr beliebt ist und überall in Prag verkauft wird.
Schweinebraten oder Gulasch mit Semmelknödeln, aber auch Prager Schinken sind Spezialitäten der Stadt, die man probieren sollte. Dazu gehört tschechisches Schwarzbier oder das bekannte Pilsner Urquell.

Kultur:
Unbedingt sollte man in Prag eines der zahlreichen Schwarzlicht-Theater besuchen, das empfehlenswerteste hier ist das Image Black-light theatre an der Pařížská nahe dem jüdischen Viertel. imagetheatre.cz

Sehenswürdigkeiten Prag:
Die Top-Sehenswürdigkeiten in Prag sind hier sehr informativ zusammengestellt:
http://www.praguewelcome.cz/de/sehenswertes/sehenswurdigkeiten/top-sehenswurdigkeiten/



jüdischer Friedhof


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Kommentare

  • Schili

    Ein ganz toller Bericht. Sowohl was Stilistik, Infogehalt und nicht zuletzt wichtige kritische Anmerkungen betrifft. Super.
    Gruß aus Köln. :-)

  • astrid

    Sehr schön, es hat Spaß gemacht zu lesen! LG Astrid

  • weltreisen

    Ein kritischer bericht und trotzdem amüsant. ich bin froh, dass ich prag schon besucht habe und keine schlechten erfahrungen gemacht habe. denn dein bericht hätte mich vielleicht von einem besuch dieser stadt abbringen können. aber auch nur vielleicht.
    inge

  • philduck72 (RP)

    Ich freue mich natürlich über soviel Resonanz auf meinen Bericht. Hier geht es auch nicht darum, ein Reiseziel schlecht zu reden, sondern vielmehr darum, die schönen Seiten der tschechischen Metropole zu beleuchten, gleichzeitig aber auch zu zeigen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

  • RELDATS

    Ja, Prag ist auf alle (nicht nur) eine Reise wert, aber halt auch mit Vorsicht zu genießen.
    Nette Grüße von Josef

  • Schalimara

    Wir waren damals im März in Prag (habe hier auch einen Reisebericht geschrieben) und hatten anscheinend mehr Glück. Ein super Hotel, keine Taschendiebe und keine Abzocke irgendwo. Vermutlich denken viele, das die Vorweihnachtszeit gut geeignet ist, den Touris das Geld aus der Tasche zu ziehen.
    Gruß Schalimara

  • HartiThomi

    Danke für den detaillierten Bericht. Reisen war noch zu keiner Zeit ungefährlich, wenn man die überteuerten Preise als Gefahr ansehen möchte. Aber deswegen zu Hause bleiben? Möge man die gesammelten Infos diesbezüglich als Warnung betrachten.

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