Seidenstrasse Teil 2: Urumqi - Kashgar

Reisebericht

Seidenstrasse Teil 2: Urumqi - Kashgar

Reisebericht: Seidenstrasse Teil 2: Urumqi - Kashgar

2007: Urumqi - Turfan - Kucha - Aksu - Kashgar - Karakul See
1992: Karakul See - Kashgar - Turfan
Dies war für mich der spannendste Teil der Reise 2007: Wie würde sich alles seit 1992 verändert haben?

China: Urumqi

2007: China - Urumqi

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Morgens früh Ankunft in Urumqi. Ich habe eigentlich ganz gut geschlafen, aber einige aus der Gruppe grummeln unausgeschlafen vor sich hin. Zuerst fahren wir zu einem Frühstück im Xinjiang Hotel. Das ist total lecker, ein tolles Buffet!! Ich hatte 1992 darauf verzichtet, Urumqi zu besuchen, weil es damals hieß, dass Urumqi eine langweilige Provinzstadt sei ohne große Highlights. Umso interessanter ist die Stadtrundfahrt für mich. Es ist Samstag, auf dem zentralen Platz findet ein Verkaufsevent für Mineralwasser statt: Marktstände, Basketballspiel, Musik und eine kleine Parade. Da heute der 02. Juni ist, wird immer noch der Tag des Kindes (1.Juni) gefeiert. Viele Familien sind mit ihren Kindern in den Parks der Stadt. Die Straßen brodeln vor Leben. Der Hongshan Park wirkt wie eine Kirmes mit Karussells und Schießbuden. Wie schön, dass es hier auch einen Buddhistischen Tempel gibt, der uns eine kurze ruhige Verschnaufpause bietet!
Für mich ist der Besuch des Provinzmuseums (Seidenstraßenmuseum) ein Höhepunkt. Nicht nur, dass uns unser Reiseführer geduldig die unterschiedlichen Völker, die in Xinjiang leben, erklärt, sondern es sind auch viele archäologische Funde aus der Taklamakan Wüste ausgestellt. Leider darf man nicht fotografieren. Ich würde ja zu gerne ein Foto von zwei sehr merkwürdigen Kamelfiguren machen, die ich spontan für eine Fälschung halte. Es heisst zwar, dass sie aus der Tang-Zeit sind, also ca. 1200 Jahre alt. Aber sie haben so ein breites Grinsen im Gesicht, dass sie wie Karikaturen wirken. Ich schleiche also immer wieder in den Saal mit diesen Kamelen zurück und hoffe darauf, dass ich mal einen unbeobachteten Augenblick erwische. aber es ist nichts zu machen. In Deutschland erfahre ich übrigens von einem Kenner, dass der Direktor des Museums vor 2 Jahren ins Gefängnis gekommen ist, weil er Fälschungen ausgestellt hat. Das muss ja nicht heißen, dass die beiden Kamele auch gefälscht sind.



2007: Urumqi



China: Auf den Märkten von Urumqi

2007: China - Urumqi

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Am nächsten Morgen bin ich schon sehr früh wach. Neugierig mache ich mich auf den Weg, die Umgebung des Hotels auf eigene Faust zu erkunden. In der Nähe gibt es einen Park. Schon auf dem Weg dorthin komme ich mit einer Frau ins Gespräch und ich kann endlich wieder mein eingerostetes Chinesisch anwenden. Das klappt gar nicht so schlecht! Im Park gibt es viele Gruppen, die Tai Ji, Qi Gong oder andere Übungen machen. Ich schließe mich einer Tai Ji-Gruppe an. Doch ich merke schnell, dass ich da bei weitem mehr vergessen habe als bei meinem Chinesisch. Also begnüge ich mich damit, die Leute zu fotografieren.

Dann fahren wir zum großen Gemüsemarkt. Es ist unglaublich, was es alles an lokalen aber auch an importierten Früchten, Gemüsesorten und auch Fleisch und Fisch gibt! Die Einheimischen fahren, wenn sie es sich leisten können, mit dem eigenen Auto vor und kaufen ein. Im großen Basar in der Innenstadt werden nicht nur Souvenirs verkauft sondern auch bunte Stoffe, Bekleidung und alles, was z.B. die Nomaden so brauchen. Bei denen sind übrigens Cowboy-Hüte groß in Mode. Die nüchterne klimatisierte Atmosphäre des Freundschaftsladens mit seiner 5-Sterne-Toilette wird danach von uns als eine Erholung empfunden.

Urumqi ist eine sehr moderne Millionenstadt. Eine richtige Altstadt gibt es nicht mehr. Aber die soll auch nicht so interessant gewesen sein, weil Urumqi bis vor 20 Jahren wirklich ein kleines unbedeutendes Nest gewesen ist.



2007: China - Urumqi



Turfan: 1992 - 2007

2007: China - Auf dem Weg nach...

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Über eine gutausgebaute Autobahn fahren wir nach Turfan. Unterwegs machen wir Stopp inmitten der fast 600 Windkrafträder des größten Windkraftwerks der Welt. Die Landschaft ist Wüste, der Wind wirbelt viel Sand auf, so dass die Berge in der Ferne fast verschwinden.

Turfan ist eine für chinesische Verhältnisse kleine Stadt: wenig Hochhäuser, breite ruhige Straßen, weite Plätze. Was hat sich verändert seit 1992? Die Straßen, die damals mit Traubenspalieren überspannt waren, sind nun eine schöne ruhige Fussgängerzone. Die Trauben hängen höher. Es sind keine Verbotsschilder mehr nötig, die Strafen androhten, falls man sich an den Trauben bediente. Alle Sehenswürdigkeiten sind gut organisiert mit modernen Eintrittsschranken, die jeden Besucher, der seine Karte durchschiebt, mit einem blechern klingenden aber freundlichem 'Huanying!' (Willkommen) begrüßen.

Die deutlichste Veränderung finde ich beim berühmten Emin-Minarett. 1992 waren das Minarett und die dazugehörige Moschee fast unbeachtet, kein Eintrittsgeld war nötig, die Moschee machte einen ungenutzten Eindruck. Jetzt gibt es einen gepflegten Park, die Moschee wird offensichtlich auch wieder für Gebete benutzt. Viele Touristen und Einheimische besuchen die Moschee.

Für mich bekommt diese Moschee noch eine ganz besondere Bedeutung. Ich leide seit Jahren an häufigen Schmerzen im Knie. In Turfan sind sie so schlimm, dass ich nicht auf das Minarett steigen möchte. Aber seit diesem Tag sind die Schmerzen wie weggeblasen!



2007: China - Turfan



Turfan: Geschichte hautnah!

2007: Turfan Emin Minarett

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Turfan ist ideal für mich und mein Interesse an Geschichte und Archäologie. In der Umgebung gibt es einige der berühmtesten versunkenen Städte der Taklamakan-Wüste, die berühmten Astana-Grräber mit ihren Mumien und die buddhistischen Grotten von Biziklik. Ich genieße es sehr, diesmal einen Führer dabei zu haben, der alles wunderbar erklären kann. Hier und auch in den nächsten Tagen wird mir bewusst, welche Vorteile eine organisierte Reise haben kann. Wenn man sich alles selbst erarbeiten muss, so benötigt das doch sehr viel Zeit und man sieht manches vielleicht auch gar nicht. 'Man sieht nur, was man weiß.'

Ich genieße die Möglichkeit, den Reiseleiter mit Fragen zu überschütten oder während der Fahrt um einen Fotostopp zu bitten. Welch ein Luxus! Dann aber genieße ich auch das kühle Bier in einem Backpacker-Lokal, als ich mich am freien Nachmittag von der Gruppe davonstehle. Es sind wenig Backpacker in Turfan.

Ein weiteres Highlight ist der Besuch des kleinen Museums von Turfan. Der Reiseleiter kommt mit, auch wenn es eigentlich nicht zum Programm gehört. Welch ein Genuss! Die Beschriftungen der ausgestellten Funde aus der Wüste sind nur in Chinesisch und Uigurisch, aber unser Reiseleiter erklärt alles geduldig! Schade, dass nur drei Leute aus der Gruppe mit kommen. Wir sind die einzigen Besucher im Museum, das auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Es gibt eine sehr interessante Ausstellung von einigen Mumien aus den Astana-Gräbern sowie Reste von Seide und uralten Schriften, die man in den Ruinenstädte gefunden hat.



Turfan, bei Gaochang



Turfan - Kucha: eine/keine Zugfahrt

2007: China - Zwischen Turfan...

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Spät abends fahren wir zum Bahnhof, der etwas außerhalb liegt. Als wir endlich in den Zug steigen, sind wir alle ziemlich müde. Wir haben jeweils die unteren Betten in einem Hardsleeper-Wagen. Das bedeutet, dass die mittleren und oberen Betten von chinesen belegt sind. Ich finde das sehr schön, da ich auch sonst in China Hardsleeper-Wagen bevorzuge. Doch manch einer aus der Gruppe guckt etwas sparsam. Es dauert ziemlich lange, bis ein wenig Ruhe einkehrt. solange wir wach sind, merken wir, dass der Zug nicht fährt. Wenn ich in einen unruhigen Halbschlaf falle, höre ich immer wieder lange güterzüge vorbeidonnern, aber mir ist auch bewusst, dass unser Zug sich nicht bewegt.

Und so wundert es mich auch nicht, dass wir am nächsten Morgen immer noch im Bahnhof stehen. Warum ist der Zug nicht gefahren? Wann wird er fahren? Unser Reiseleiter sagt, dass die Bahnstrecke nach Kucha gesperrt ist, weil ein Orkan draußen tobt. Die Bahnstrecke ist ein technisches Meisterwerk und geht teilweise über hohe Berge udn entlang einer tiefen Schlucht. Vor ein paar Wochen ist bei einem Sandsturm ein Zug entgleist, es hat Verletzte und Tote gegeben. Deshalb ist man nun besonders vorsichtig geworden. Die Güterzüge, die wir nachts gehört haben, fahren auf einer anderen Strecke Richtung Lanzhou.

Nach einiger Diskussion wird aus Turfan ein Bus angefordert, der gegen Mittag endlich eintrifft. Dann fahren wir über eine sehr schöne Strecke, die autobahnmässig ausgebaut ist, Richtung Kucha. Die Schlucht, durch die wir fahren, war vor 15 Jahren ein unbefestigter Weg. An den Hängen sind große Dünen von Sand aus der Taklamakan-Wüste. Als wir die Berge überwunden haben und in die Ebene der Wüste, das Tarim-Becken, hineinfahren, sehen wir häufig Erdölpumpen und Fabriken. Die erste Großstadt Korla ist ein Schock für mich: endlose Hochhäuser und Fabriken! Durch die Förderung von Erdöl hat sich das kleine Nest von 1992 zu einer modernen Großstadt alá Denver entwickelt.

Während der gesamten Fahrt umweht uns der Sandsturm, die Aussicht auf die Berge des Tianshan rechts und auf die Wüste links ist von dichten Sandwolken verhangen. Erst gegen 22:00 Uhr kommen wir in Kucha an. Unser Reiseleiter findet ein sehr schönes typisches Restaurant für uns, wo wir über Schaschlik und Nudeln herfallen.



2007: China - Turfan



Kucha

2007: China - Kucha

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Zu Kucha 1992 möchte ich lieber nicht ausführlich schreiben. Ich erinnere mich nur an das schrecklichste Hotel, das ich je gesehen habe: dreckig, laut, unerträglich - damals.

Was für ein Unterschied heute: wir wohnen komfortabel im Kucha-Hotel - 4-Sterne, wenn man die Zimmer mit allem Komfort sieht. Für das Frühstück können keinerlei Sterne vergeben werden: der Nescafe ist eine helle Brühe ohne Geschmack, die Butter flüssig, der Toast angebrannt, die Spiegeleier schlabberig. Das chinesische Frühstück des Buffets ist sicherlich sehr viel besser, aber bei aller Liebe zu China: ich kriege morgens kein sauer eingelegtes Gemüse oder Reissuppe runter.

Durch die lange Busfahrt gestern, durch die wir das geplante Programm nicht haben durchziehen können, wird es heute etwas anstrengend. Aber die Altstadt mit ihren ruhigen, idyllischen Gassen erkunden wir mit einem lange Spaziergang. Wir tauchen ein in die Atmosphäre des alten Xinjiang. Manchmal haben wir die Gelegenheit, in einen der schönen, blumengeschmückten Höfe hineinzuschauen. Die Menschen sind alle sehr freundlich und freuen sich, dass sie uns ihre gepflegten Häuser zeigen können. Ich finde die bunten Tore besonders schön, jedes ist anders.



2007: China - Kucha



Durch die Wüste nach Aksu

2007: China - Taklamakan Wüste

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Dann fahren wir weiter zunächst über gute Straßen in Richtung Kizil. Doch schnell wird die Straße zur Piste. Die Landschaft ist Wüste mit beeindruckenden Felswänden. Alles scheint eine graubeige Patina angenommen zu haben, sogar die Kamele heben sich kaum davon ab.

Die Gegend ist voller alter Ruinen und Sehenswürdigkeiten, Zeugen der Bedeutung vor 1000 bis 1500 Jahren, als der Buddhismus blühte, die Tang-Zeit ihren Höhepunkt hatte und wahrscheinlich einfach mehr Wasser vorhanden war.

So besichtigen wir die alte Klosterstadt Subashi, die Tausend-Buddha-Grotten von Kizil und sehen etliche alte Feuersignaltürme. Mich beeindrucken die Grotten von Kizil sehr. Auch wenn nicht mehr viel zu erkennen ist, so zeugt das wenige, was wir sehen können, von der hohen Kunstfertigkeit der alten Fresken. Man sagt, dass die besterhaltenenen Grotten nur Wissenschaftlern zugänglich sind (gegen ernorme Gebühren). Wer sich ein Bild von einer dieser Grotten machen will, kann sich eine vollständig mit originalen Wandmalereien rekonstruierte Grotte im Museum für Ostasien in Berlin-Dahlem anschauen.

Weil sich das Programm verschoben hatte, sind wir leider während der heißen Mittagszeit in Kizil. Die Kletterei die Treppen hinauf ist sehr anstrengend, ein ständiger Begleiter der örtlichen Museumsbehörde wacht mt Argusaugen darüber, dass niemand auch nur die Kamera zückt. Fotografieren ist strengstens verboten!

Mich beeindruckt dann doch die Wüste mit ihren immer wieder anderen Landschaftsformen am meisten. Mal sind es Felswände, die mit ihren Schichten wie zusammen gefaltet wirken, dann wieder Sanddünen, die mit einem Häubchen aus trockenem Buschwerk verziert sind.

Aksu selbst ist kein besonders schöner Ort: chinesische Hochhäuser, weite Straßen. Wir besichtigen hier nichts, sondern fahren früh am nächsten Morgen in Richtung Kahsgar weiter.



2007: China - Kamele



Aksu - Kashgar: Auf Nebenwegen durchs Gebirge

2007: China - Xinjiang

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Von Aksu aus startet eine lange Fahrt auf einer erst seit zwei Jahren für Touristen geöffneten nach Kashgar. Ich bin schon sehr gspannt darauf. Außerdem bin ich mir bewusst, dass diese Strecke auf eigene Faust und mit Öffis kaum möglich ist, das es einfach keine Busse gibt. Ich genieße es, dass ich mich um nichts kümmern muss und bequem mitfahre.

Zunächst fahren wir durch die Oasen am Rande der Taklamakan Wüste, die irgendwie alle gleich aussehen: gelbe Lehmhäuser, grüne Pappeln, Reisfelder und Obstplantagen. Hauptverkehrsmittel sind Eselskarren. Die Straße ist gut ausgebaut. Als wir darauf drängen, in einem Ort anzuhalten, um Brot und Obst zu kaufen, wird unser Reiseleiter nervös. Erlaubt ist uns zwar die Durchfahrt aber nicht der Stopp. Trotzdem halten wir an und dürfen eine halbe Stunde lang uns mit dem nötigsten versorgen. Die Einheimischen gucken erstaunt: hier hat man noch nicht viele westliche Touristen gesehen!

Dann lassen wir die Orte hinter uns. Ein weites Tal öffnet sich: in der Ferne leuchten die schneebedeckten Gipfel des Tianshan. Das Tal wirkt trocken. Doch die Regenfälle des Frühlings haben die Tamarisken zum Blühen gebracht und so scheint über allem ein Hauch von Rosa zu liegen. Neben kleinen Dörfern m it den leerstehenden Winterhäusern der Nomaden sehen wir ausgedehnte muslimische Friedhöfe mit hübschen gepflegten Mausoleen und Grabsteinen. Manchmal begegnen uns Nomaden mit ihren Herden von Kamelen und Schafen.

Dann geht es in die Berge, deren Hänge von den vielen Schafen abgegrast sind. Unser Reiseleiter erklärt uns, dass die Anzahl der Tiere, die hier weiden dürfen, begrenzt ist, damit die Umwelt nicht noch mehr leidet. Sonst würde hier sicher bald alles Wüste sein. Auf einer Wiese sehen wir unser erstes Murmeltier.

Dann erreichen wir wieder die Ebene des Tarimbeckens und damit auch die großen Städte entlang des Highways. Wir machen eine Pause in einer Stadt, weil auch unser Busfahrer seine vorgeschriebenen Pausen einhalten muss. Hier entdecken wir eine Konditorei mit einem Cafe, in dem wir einen richtigen Capuccino trinken können. Wir freuen uns und die Kellnerinnen sind ganz nervös, weil sie unsicher sind, ob ihr Kaffee unseren Ansprüchen genügen kann. Wir sind ganz begeistert, der Capuccino ist wirklich gut!



2007: China - Auf dem Weg nach Kashgar



Endlich in Kashgar!

Kashgar: Blick auf die Berge

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Nach einer langen Fahrt erreichen wir endlich Kashgar. Das ist für mich der spannendste Moment der Reise: würde ich die Stadt nach 15 Jahren wiedererkennen? Nicht wirklich. Moderne breite Straßen, die üblichen Hochhäuser: so sieht Kashgar auf den ersten Blick aus. Doch kaum bin ich aus dem Bus ausgestiegen und habe endlich die Zeit, auf eigene Faust die Umgebung des Hotels zu erobern, tauche ich ein in die schmalen Gassen mit Läden und Handwerksstuben. Ich bin begeistert von den kleinen Supermärkten und sauberen Apotheken. Gegen Abend sind überall Schaschlik-Stände aufgebaut, deren Duft appetitlich die Luft durchzieht.

Am ehesten erkenne ich die Sehenswürdigkeiten wieder: Id Kah Moschee, die Gassen der Altstadt. Hier scheint sich nichts geändert zu haben. Selbst die erschreckend anschaulichen Tafeln der Zahnärzte sind noch dieselben. Ich genieße es mal wieder, einen Reiseführer zu haben, der alles wunderbar erklärt, und einen Bus, der mich bequem von Station zu Station fährt.

In einem netten Restaurant im Hof des Hotels treffe ich auf Leute aus einer anderen Reisegruppe. Sie sind anscheinend nicht sehr zufrieden und lassen sich von mir erzählen, was sie alles noch unbedingt sehen müssen. Im Hof parken auch einige sehr interessante Jeeps einer koreanischen Gruppe, die auf dem Weg von Südkorea nach Europa ist.

Auch wenn ich ganz glücklich bin, dass ich mich um nichts kümmern muss, so nutze ich hier doch jede freie Minute, um alleine durch die kleinen Straßen zu streifen, die fremden, Erinnerungen weckenden Gerüche aufzunehmen und das bunte Treiben zu beobachten. Ein kühles Bier schließt diese Traumtage ab.



2007: Kashgar, Handwerkergasse



Ausflug zum Vater aller Schneeberge

Xinjiang: Auf dem Karakorum...

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Am Samstag startet der Ausflug, auf den ich mit größter Spannung gewartet habe: die Fahrt auf dem Karakorum Highway zum Karakul See.

Vor 15 Jahren bin ich den gleichen Weg gefahren, nur in umgekehrter Richtung: von Pakistan kommend. Damals saß ich in einem klapprigen chinesischen Bus. Es war auch Mitte Juni, es regnete und die Wolken hingen tief. Am Karakul See konnte man nur mit einer speziellen Genehmigung aussteigen, also fuhr ich weiter. Irgendwo zwischen dem See und der Abfahrt zum Tarim-Becken erwischte mich noch einmal ein kurzer Anfall von Höhenkrankheit. Doch in der spektakulären roten Schlucht, durch die es sehr schnell hinab ging, hätte ich auch so nach Luft geschnappt, zu schön, zu überwältigend die Eindrücke!

Und an eines erinnere ich mich genau: ich dachte damals überwältigt: 'was für ein einmaliges Erlebnis! Hier wirst Du nie wieder hinkommen! Das ist etwas, was nur einmal im Leben geht!' Ich sperrte die Augen auf und versuchte, mir jede Kurve, jeden Ausblick genau einzuprägen, denn der Bus hielt natürlich nicht für einen Fotostopp.

Mir sind meine damaligen Gefühle sehr bewusst, als wir die ersten roten Felswände sehen, als sich der Bus auf der jetzt gut ausgebauten Straße die enge Schlucht hinaufquält. Nach der Schlucht öffnet sich eine weite Hochebene: Fotostopp!!! Ich stehe abseits von der Gruppe und versuche nicht mehr, meine Tränen zurückzuhalten. Es ist fast unglaublich: 15 Jahre danach stehe ich hier, habe das Privileg, diese fantastische Landschaft zum 2. Mal im Leben zu sehen und kann sogar auch noch in aller Ruhe Fotos machen!

Dann fahren wir weiter. Schon von weitem beherrscht jetzt der Muztag Ata, der Vater aller Schneeberge, mit seinen mehr als 7000m Höhe die Landschaft. Der vor 15 Jahren so einsame See ist an einer Stelle zur Touristenattraktion geworden: auf dem Parkplatz stehen mehrere Busse, es gibt Souvenirstände, zwei kleine Restaurants und viele Nomaden, die ihre Pferde oder Kamele den Touristen für Fotos oder zum Reiten anbieten. Einige scheinen aber auch einfach da zu sein, um sich mal diese merkwürdigen Touristen anzuschauen, die ob der für die Nomaden so 'normalen' Landschaft schier aus dem Häuschen geraten. Ich nutze die freie Zeit am See, um mich ein wenig von diesem Rummel zu entfernen und an einer ruhigen Stelle zu meditieren, die frische Luft zu genießen und mit meinen Gefühlen fertig zu werden.



2007: Xinjiang, Karakulsee



Kashgar: Sonntagsmarkt

2007: China - Kashgar

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Als wir nach Kashgar zurück fahren, sind wir alle der Meinung, dass dieser Tag ein Höhepunkt der Reise war. Ich selbst ziehe mich noch immer ein wenig zurück und versuche, die Stimmung zu halten.

Am nächsten Morgen geht des zum Sonntagsmarkt. Wie sehr hat sich der geändert!!! Es gibt nun einen großen überdachten Basar, den ich doch sehr interessant finde. Natürlich existiert der Basar nicht nur für die paar Touristen, die nach Kashgar kommen, sondern er ist ein lebendiges 'Kaufhaus' für die Einheimischen. Kaum geht man in die Seitenwege, gibt es kaum noch Menschen, die Englisch sprechen. Und auch Chinesisch scheint nicht jeder zu können, wie ich schnell merke, als ich einen Brokatstoff als Mitbringsel kaufen möchte. Natürlich sind Sprachunkenntnisse kein Problem und schnell werde ich mit dem jungen charmanten Uiguren handelseinig. Dann bin ich auch ganz glücklich, dass es einen sog. Freundschaftsladen gibt, wo man ein sauberen Klo besuchen kann.

Die Hauptattraktion des früheren Sonntagsmarktes, der Viehmarkt, ist an den Rand Kashgars verlegt worden. auch diesen besuchen wir. Ich streife alleine über das weite Gelände, wo Pferde, Esel, Ziegen und Schafe angeboten werden. Als ich sehe, wie sich zwei Uiguren die Hand auf einen erfolgreichen Handel geben, finde ich, dass dieser Markt gar nicht so fremd ist.

Rund um den Viehmarkt gibt es weitere große Märkte: für Baumaterial, Motorräder, kleine Kastenwagen, und und und... Gerne würde ich ja noch länger hier herumwandern, doch es ist sehr heiß und staubig.

Im Hotel zurück gönne ich mir ein kühles Bier, rede mit anderen Reisenden und spaziere noch ein wenig durch die Straßen rund ums Hotel. Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, denn eine Lange Fahrt wird uns zur Grenze nach Kirgistan bringen.

Das ist eine andere Geschichte und folgt im 3. Teil meines Reiseberichts: 2007: Seidenstraße: Kirgistan und Uzbekistan. Eine Traumroute mit den Städten Samarkand und Bukhara.



2007: China - Kashgar



Fortsetzung folgt

weiter geht's mit dem Teil 3: Kashgar - Kirgistan - Tashkent


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Kommentare

  • lautine

    Eine andere Art China kennenzu lernen. Diese gefällt mit und dein Bericht macht Mut, einmal dorthin zu fahren. Doch ohne Chinesichkenntnisse wird es sicher schwer sein, ähnlich wie du zu empfinden.
    Hast du die Sprache im Land gelernt? Respekt!

  • Guido

    Toll geschrieben mit klasse Fotos, als wäre man dabei. Danke!

  • Margitberger

    Was gibt es schöneres im Leben, als irgentwo angekommen zu sein und vor Rührung weinen zu können.
    Gute Reisebeschreibung, die Fernweh verursacht!

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