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Reisebericht: Expeditionsreise nach Svalbard 2006
Meine Expeditionsreise mit der MV Polar Star rund um Svalbard, mit Gletschern, Eisbären, Rentiere, Polarfüchsen und die große Einsamkeit
Svalbard 2006
Svalbard 2006
Sommer – das bedeutet wohl für viele Menschen Sonne, Hitze, Strand, Palmen, leicht bekleidete Menschen, mit einen Wort Urlaubszeit.
Als ich am 28. Juli nach einer Hitzeperiode von Bozen nach München und über Oslo weiter nach Longyearbyen flog, war ich schon etwas gespannt was mich da am 78° Breitengrad Nord, d.h. in Spitzbergen bzw. Svalbard erwarten würde. In einen Touristenprospekt stand der Satz „Svalbard ist eine Perle der Arktis“. Würde das stimmen? Als Skandinavienverrückten war ich ja schon an einiges gewöhnt, aber so eine Expedition mit einem Eisbrecher rund um diese Inseln im Norden ist doch etwas ganz anderes. Der Koffer war nicht voll mit Schwimmutensilien, sondern mit einer dicken Winterjacke, Stiefel, Bergschuhe, warme Pullover, Wasserfeste Hosen von Fjällräven, Mütze und Handschuhe. Das ist eine Standardausrüstung für einen Svalbardsommer.
Svalbard ist der offizielle norwegische Name für den Archipel zwischen den 74. und 81. Breitengrad Nord, wobei Spitzbergen im Westen die größte Insel ist. Spitzbergen gehört seit 1925 zum norwegischen Königreich. Entdeckt wurde diese Inselgruppe wie z.B. auch Amerika von den Wikingern. In isländischen Sagen aus dem Jahr 1194 wurde zum ersten Mal der Name Svalbard erwähnt und bedeutet in ungefähr „die kühle Küste“. Die Fläche beträgt 63.000 km² wovon ca. 60 % von Gletschern bedeckt ist. In Longyearbyen angekommen wurde uns das kleine Städtchen mit ca. 1.800 Einwohnern bei einer Stadtrundfahrt vorgestellt. Dabei besuchten wir auch das neue Museum. Longyearbyen feierte übrigens heuer ihr 100 jähriges Bestehen.
Und nun begann also die große Reise auf den Eisbrecher MV Polar Star. Die MV Polar Star gehört einer kanadischen Firma, wird im Sommer von einem norwegischen Reiseunternehmen mit Sitz in Svalbard gemietet. Der Kapitän und die Offiziere kommen aus Polen, die Hotelmanagerin aus Russland, die Ärztin aus Schottland, Bedienung und Matrosen aus Philippinen und der Koch aus Australien und so wie die Besatzung kommen auch die Gäste aus allen möglichen Ländern. Bereits kurz nach dem Willkommens-Cocktail erreichen wir die russische Siedlung Barentsburg. Als Unterzeichner des Svalbard-Vertrages hat auch Russland das Recht auf Spitzbergen Bodenschätze abzubauen, z.B. Kohle. In Barentsburg leben zur Zeit nur noch 300 Menschen. Sehr schnell entdeckt man den Unterschied zwischen den norwegischen modernen Longyearbyen und dieser russischen Siedlung. Verfall, Umweltverschmutzung, leer stehende Häuser usw. Ob Russland noch lange diese Außenstation subventionieren kann ist sehr fraglich.
Der 2. Tag führte uns in den Kongsfjorden (Königsfjord) nach Ny-Ålesund. Da der Platz an der Pier durch ein Kreuzfahrtschiff besetzt war, konnten wir zum ersten Mal unsere Zodiacs nutzen. Mit diesen Schlauchbooten werden wir in den nächsten Tagen noch einige Fahrten machen. Ny-Ålesund ist die nördlichste Siedlung der Welt und entstammt einer Kohlebergbausiedlung und ist heute ein internationales Zentrum der Arktisforschung mit dem Schwerpunkt Atmosphären- und Ozonschichtforschung. Nach einen kurzen Spaziergang und Postkartenschreiben ging es weiter in den Magdalenefjord, den wohl bekanntesten Fjord auf Svalbard. Ein 8 km langer und 5 km breiter Fjord mit den sprichwörtlichen „spitzen Bergen“ an den Küsten, die vermutlich diejenigen Berge waren, die der Niederländer Willem Barents 1596 erstmals gesichtet hat und nach denen er die Insel benannt hat. Auf der Halbinsel Gravneset (Gräberhalbinsel) sahen wir auf einen kurzen Spazierweg die Überreste der Walfängergräber aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Bereits am nächsten Tag erlebten wir den eigentlichen Höhepunkt der Expedition und zwar einen Eisbär in freier Natur, dazu Walrosse, Bartrobben und verschiedene Vögel. Auf der Insel Lågøya (=flache Insel) wollten wir eigentlich mit unseren Zodiacs an Land gehen und die Walrosse aus nächster Nähe ansehen. Der König der Arktis erlaubte dies leider nicht und so mussten wir die Tiere vom Schlauchboot aus bewundern. Der Nachmittag wurde dann zum Härtetest mit unseren Zodiacs, als wir in „full speed“ rund um die Phippsøya fuhren. Die Fahrt ging ganze 35 km bei leichten Tröpfeln, Nebel und einen kühlen Fahrtwind. Die Reisegäste, mit einen durchwegs hohen Altersdurchschnitt, hielten alle durch! Und wir wurden belohnt damit dass wir an einen Strand 13 Eisbären sahen. Der Grund lag in etwa 2 m Tiefe auf den Meeresboden. Dort war ein toter Wal und die Eisbären tauchten hinunter um sich ihr „Mittagsessen“ abzuholen. Dieses Naturerlebnis hat die lange Schlauchbootfahrt doch sehr erleichtert. Bereits am nächsten Tag hatten wir das nächste Eisbärenerlebnis, diesmal endete es leider tragisch. Davor erreichten wir noch am Abend unseren nördlichsten Punkt und zwar den 81° Nord 6’, das heißt von hier aus wären es nur mehr knapp 990 km bis zum Nordpol. Dies wurde mit einem norwegischen Aquavit gefeiert. Dann kam also der traurigste Tag unserer Expedition. In der Früh erreichten wir die Insel Storøya auf der wir nach einem kurzen Fußmarsch den Gletscher erreichen konnten. Während der Wanderung entdeckten unsere Guides einen Eisbär der zunächst noch schlief. Es wurden 2 Wachen abgestellt und wir konnten unsere Wanderung fortsetzen. Inzwischen ist der Eisbär aufgewachen und hat uns entdeckt. Die Jäger versuchten mit Warnschüsse und Leuchtraketen den Bär zu verjagen, es gelang ihnen leider nicht. So ging es nur mehr um Leben und Tod für unsere Guides und diese mussten den Eisbär in Notwehr erschießen. Wir brachen natürlich unsere Wanderung ab und kehrten zur MV Polar Star zurück. Es legte sich eine melancholische Stimmung auf Guides und auch Reisegäste, vorallen der Expeditionsleiter Jörn Henriksen war sehr traurig dass es so weit kommen konnte. Es war dies das erste Mal in der Geschichte dieses Reiseunternehmens. Nichts desto trotz mussten wir unsere Fahrt fortsetzen und sie führte uns zum Austfonna, den größten Gletscher Svalbards. Die Kante dieses Gletschers ist ungefähr 200 km lang und es war schon ein unglaubliches Erlebnis mit der Polar Star wenigstens ein kleines Stück an dieser Eisfront entlangzufahren. Die Kante war zwischen 20 bis 50 m hoch. Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren Zodiacs zur Flussmündung im Visdalen und begannen von dort aus einen ca. 20 km lange Wanderung. Dabei machten wir auch ein Picknick und konnten während eines Experiments unseres Expeditionsleiters selber feststellen warum die Arktis auch als Königin der Stille genannt wird. Wir mussten uns für 5 Minuten alle nieder setzen bzw. legen, die Funkgeräte wurden ausgeschaltet und schon genossen wir die Ruhe in Svalbard. Unbeschreiblich! Die Wanderung endete im Kapp Lee, wo wir abermals auf eine Gruppe von Walrossen trafen. In der Nacht ging die Reise um das Südkap und dann wieder nordwärts. Der vorletzte Tag auf dem Schiff stand voll im Zeichen des Hornsunds und endlich war uns auch der Wettergott gnädig und wir konnten die Gletscher und spitzen Berge bei wunderbaren Wetter genießen. Wir sahen auch eine alte Trapperhütte in der Wanny Woldstad als erste Frau 5 Jahre lang von 1932 bis 1937 überwintert hat. Am Abend steuerte die MV Polar Star auf die offene See um Walbeobachtungen zu ermöglichen und wir hatten Glück und sahen ca. 20 Finnwale. Und schon steuerten wir den letzten Tag entgegen, dieser war auf den Schiff und auch auf den Zodiac etwas anstrengend, weil auf See bis 2 Meter hohe Wellen waren. Während unser Eisbrecher nur ein wenig schwankte, so war die Überfahrt zur Vårsolbukta mit unseren Schlauchbooten doch wieder ein anstrengendes Abenteuer. Glücklich angekommen konnten wir in dieser Bucht zahlreiche Rentiere sehen, sowie eine ehemalige Goldmiene.
Der Abschied von Schiff, Besatzung und Guides wurde in Trygghamna (=sicherer Hafen) mit einer Barbecue auf Deck gefeiert. Ein schöner Abschluss einer sehr vielfältigen und interessanten Reise bei der ich mir „leider“ den Svalbardvirus geholt habe, das heißt eine Krankheit die einen zwingt immer wieder gen Norden zu reisen. Und ach ja, es stimmte wirklich, Svalbard ist eine Perle.
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Netter und Informativer Bericht, leider absolut Bilderfrei.
ach ja und was den Svalbardvirus angeht, da empfehle ich eine Reise in die Antarktis. Das heilt sicher, steckt aber doppelt an :-) -
Hallo Fjaellraeven,
Bilder sind ja mittlerweile da, leider keine von Eisbären. Nächstes Jahr will ich auch Richtung Spitzbergen. Mal schauen, wie der Vergleich zur Antarktis ausfällt, wo ich 2005 war.
Dein Artikel könnte noch ein bisschen Formatierung brauchen (mehr Zeilenumbrüche, vielleicht Bilder zwischen den Texten), läßt sich aber gut lesen.
Grüsse, Gabi -
Hallo, wir fahren jetzt in July und auch ich bin gespannt wie es da aussieht.
Ihr Bericht war interressant und obwohl die Bilder Tiere fehlen waren die anderen doch schön.
MfG Anneken -
Hallo noch mal, ich war inzwischen da. Sehr beeindruckendes Land. Wir haben auch Eisbären gesehen. Haben auch Bilder, aber es war schwierig.
Mein Reisebericht ist hier im Community zu lesen.
LG Anneken
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