Reisebericht

Reisebericht: Egypt 2007

 
 
 
 
 
Reisebericht: Egypt 2007

Nach einigen Abstechern nach Hurghada wieder im geliebten Luxor

Inhaltsverzeichnis

Eypt 2007

Lang war es her, dass ich die köstlichen Düfte des Orients schnuppern durfte. Eine viel zu lange Zeit. Das Heimweh war beinahe unerträglich. So entschloss ich mich in diesem Jahr wieder nach Luxor zu fliegen, wenn auch nur für einen kurze Zeit.

Ich hatte für den März eine Woche Urlaub eingeplant und März ist eine der ange-nehmsten Reisezeiten für den Nilbereich. Nicht zu kalt in der Nacht und tagsüber nicht zu heiß für die Besichtigungstouren.

Lange suchte ich nach passenden Angeboten, denn ich wollte bereits am 08. März vor Ort sein um Mahmoud’s Geburtstag mitzufeiern. Aber das war nicht so einfach. Eigenartigerweise fand ich für diesen Abflugtermin nur Möglichkeiten mit AMC-Airlines und Unterbringung in einem 3-Sterne-Haus in Luxor-Zentrum. Okay, das Ho-tel hatte ich schon gesehen und die Bewertungen im Internet waren akzeptabel.
Aber die Airline – nein, danke. Die Bewertungen waren sehr abschreckend. Abflüge gab es nur von allen möglichen Flughäfen in Deutschland. Und die Abflugzeiten sa-hen auch nicht sehr komfortabel aus. Verwundert war ich schon, denn die Suche ha-be ich bereits im Januar gestartet, aber da war der Markt praktisch schon abgegrast.

Okay, der Geburtstag musste halt ohne mich gefeiert werden. Dann würde ich eine Woche später kommen. Ich habe mir dann auch gesagt, dass ich doch besser direkt von Hamburg aus fliegen sollte – auch wenn es etwas mehr kosten würde. Wäre doch blödsinnig, noch Geld für die Bahnfahrkarten auszugeben, um von einem ande-ren Flughafen zu starten. Den Zeitaufwand mal außer Acht gelassen. Und prompt hatte ich auch ein mehr als akzeptables Arrangement gefunden.

„Ohne meinen Alltours sage ich gar nichts…..“ *LOL*LOL*LOL*

Eine Woche im Sheraton-Hotel Luxor – Übernachtung mit Frühstück. Der Flug mit
Hapag-Fly von Hamburg direkt nach Luxor. Zurück ging es mit einem Stoppover in Hurghada. Alles zusammen für € 651,--.

Das Hotel ist ein 5-Sterne-Haus und liegt ganz im Süden von Luxor. Dahinter schließt sich direkt das Village Aramia an, in dem Mahmoud mit Familie wohnt. Also absolut ideal gelegen, wie sich später auch noch herausstellte.

Die Bewertungen bei Holidaycheck.de waren recht gut. Man konnte daraus schlie-ßen, dass das Hotel erst vor kurzem renoviert wurde. Aber dazu später mehr.

Mohammed Athea in Hurghada habe ich gleich angeschrieben. Den Jungen lernte ich 2004/2005 in Hurghada kennen und hatte bis heute noch losen Kontakt gehalten. Da er aus Luxor kommt (eigentlich aus Qena, wie ich später erfahren musste) wäre er ein geeigneter Begleiter für die Woche. Das hatte er mir auch angeboten, wenn er denn Urlaub bekommen würde. Und es sollte auch so klappen. Drei Wochen Urlaub würde er im März haben und genau zu der Zeit, in der ich in Luxor bin. Da war ich ja schwer begeistert, hätte ich doch dann meinen eigenen „Guide & Guard“ und würde nicht mehr von allen Händlern in die Läden gezerrt werden. Im Laufe der Zeit hatte ich noch die Erkenntnis, dass ich ihm ja wohl einen Ausgleich zahlen sollte, denn er würde seinen Urlaub dafür opfern. Wenn er mich nur ein oder zweimal treffen würde, wäre das ja was ganz anderes, aber so nicht. Lange überlegte ich hin und her und kam dann zu der Überzeugung, dass wohl € 50,-- ein angemessenes Salär wären. Das ist je nach Betrachtungsweise ca. ein halbes Monatsgehalt. Selbstverständlich würde ich dann auch für alle anderen Kosten wie Taxi, Fähren und Eintrittskarten aufkommen müssen. Aber das ist mehr als fair.

Somit war mal wieder alles auf’s Beste geregelt. Der Abflug kann kommen.

Mein erster Urlaubstag war schon der Mittwoch – also ein Tag vor dem Abflug. So konnte ich ganz entspannt die Koffer packen und alles für den Abflug erledigen. Soll-te ich immer machen, dann fliegt man noch viel entspannter los.

Abflug war am 15.03.07 um 10.00 h mit Flug HF 4293 vom Airport Hamburg aus. Ich habe mich mit einem Taxi zum Flughafen bringen lassen, um rechtzeitig zum Check-In anwesend zu sein. Das hat auch wunderbar geklappt. Die Schlange war kurz und bald hatte ich meine Platzkarte für Sitz „10 C“ – einen Gangplatz.
Jetzt musste nur noch Frank rechtzeitig erscheinen, dann wäre alles perfekt. Frank wollte heute Morgen nach Stockholm fliegen und da hätten wir uns noch auf einen Kaffee treffen können. Aber das Schicksal wollte es mal wieder anders. Zuerst bin ich auf die Aussichtsplattform gegangen, um den Flugbetrieb zu beobachten. Nach einiger Zeit versuchte ich dann Frank zu erreichen, was aber misslang. Die Schlange vor der ersten Kontrolle wurde immer länger und ich merkte, dass die Zeit knapp wurde. Dann gab ich eine SMS auf und verabschiedete mich, denn den Flieger wollte ich nicht verpassen. Wie ich später erfuhr, hatte Frank mal wieder das Horror-Programm mit Zug-Ausfall und Liegenbleiben auf der Strecke erwischt. Danach war er dann auch ganz schön im Swing.

Boarding war ein paar Minuten später, aber der Abflug ging dann recht pünktlich über die Bühne. Ich hatte meinen iPOD mit der altbekannten Startmusik (Soundtrack „Green Card“ – Titel 2: Instinct) geladen, wie ich sie damals auf den Flügen nach Af-rika gehört hatte – damals noch mit Walkman. Wollte doch mal schauen, ob das Er-lebnis gleich wäre. Aber heutzutage startet man nicht mehr so rasant, wie damals. Nach dem vermuteten Abheben tat sich noch nichts, wie waren noch fest auf der Startbahn. Erst ein paar Augenblicke später hob die Maschine, eine B737-800, sanft von der Startbahn ab. Schade, damals hatte man noch den Eindruck, man bekäme einen Tritt in den Hintern, wenn die Maschine loslegt. Soweit zum modernen Fliegen.
Auch wurde uns das Stewardessen-Ballett vorenthalten, die Sicherheitsinstruktionen werden über ein Video vorgeführt. Fliegen wird wirklich immer langweiliger, ein wenig Entertainment könnte ruhig schon sein.

Frühzeitig wurde dann der Service durchgeführt. Recht angenehmes Essen. Ich kann mich nur nicht mehr an das Menü erinnern. Ist ja auch nicht so schlimm. Diesmal wurden zum Essen nur Softdrinks kostenfrei gereicht. Alkoholika mussten extra be-zahlt werden. So wird langsam, aber sicher gespart. Auf dem Hinflug nehme ich ge-nerell keine alkoholischen Getränke ein, damit ich nicht vielleicht irgendwann einmal trunken aus dem Flieger fallen sollte. Wie peinlich wäre das denn……
Außerdem muss ich ja auch sprachlich fit sein bei Ankunft und da brauche ich am ersten Tag immer einen klaren Kopf. Später gab es dann „Der Teufel trägt Prada“ zu sehen. Köstlich – und über dem Mittelmeer gibt es ja nichts zu schauen.

Rechtzeitig bei Überquerung der ägyptischen Küste war der Film dann auch zu Ende und es wurde noch mal ein Service gegeben. So ging es dann endlich unserem Ziel entgegen. Linkerhand der Nil, Cairo, das Faijum und endlich kreuzten wir den Nil um in Luxor zu landen. Welche Schleifen die Flieger immer drehen müssen, ich werde es nicht verstehen. Man wird ganz wuschig bei dem ganzen Hin und Her. *LOL*
Aber dann Touchdown und wir rollten vor dem Flughafengebäude aus. Der Flugha-fen ist erst im vorletzten Jahr eröffnet worden und macht einen sehr schönen Ein-druck. Ausstieg über Fahrtreppen – keine Fluggastbrücken – und Transfer mit neuen Airport-Bussen zum Terminal.

Es duftete wunderbar nach Orient. Dick und schwer die Luft, würzig der Duft. Endlich wieder in der Heimat. Ägypten empfing uns wieder mit einem strahlend blauen Him-mel. Es war warm, was kann man auch anderes erwarten – aber nicht heiß. Warum das so war, sollte ich bald erfahren.

Zuerst ging es mit dem Flughafen-Bus zum Airport-Gebäude, wo wir bereits von den Reiseleitern erwartet wurden. Ein bereits bekanntes Ritual. Unser Reiseleiter sah gleich die vielen Stempel in meinem Pass und freute sich über die häufigen Besuche.
Warum ich denn allein reisen würde, wurde ich mal wieder gefragt. Nicht verheiratet? Auch eine der so häufigen Fragen. Es wolle niemand mitkommen und außerdem würde ich mir hier jetzt eine Frau suchen und mitnehmen. Großes Gelächter und „nein, nein, die Frauen bleiben hier“. Und weiter ging es zum Immigration-Schalter.

Beim Gepäck-Band dauerte es diesmal sehr lange und oh Schreck, meine Tasche war nicht da. Das gleiche Schicksal teilten noch weitere Reisende. Zwei Paare, die eine Nil-Kreuzfahrt gebucht hatten. Das ist natürlich sehr unangenehm, wenn man auf dem Schiff in Richtung Assuan unterwegs ist. Da kann das Gepäck nicht so schnell hinterher gebracht werden (was auch gar nicht möglich ist, wie ich später er-fahren sollte). Okay, da hilft kein Meckern und Schreien, das Gepäck war halt nicht da, aber ich sah das Ganze sehr entspannt. Bin halt in Ägypten, was kann mir hier schon geschehen. Zuerst versuchte ich die anderen Reisenden ein wenig zu beruhi-gen und suchte nach einem Offiziellen für den Baggage-Claim. Der war auch schnell gefunden. Letztendlich waren dann drei Leute damit beschäftigt, nach Gepäckstü-cken Ausschau zu halten, den Claim aufzunehmen und zu übersetzen und zu beru-higen. Die beiden Paare waren außer sich vor Enttäuschung und auch Hilflosigkeit. Ich hatte den Claim recht schnell erledigt und wurde dann vom Reiseleiter abgeholt, der mich breit grinsend in Empfang nahm. Hätte ich eine Frau dabei, wäre das nicht passiert meinte er zu mir. Wir haben herzlich gelacht und dann beim Chef des Zoll-büros noch den notwendigen Stempel abgeholt. Es tat mir ja leid, dass die anderen Gäste warten mussten, obwohl die ganze Abwicklung doch recht schnell ging. Und schon setzte sich der Bus in Bewegung in Richtung Luxor. EUR 20,-- für das Visum wurden noch eingesammelt und die Route erklärt. Ich war mal wieder das Letzte *grins*.

Der Flughafen von Luxor wurde in die östliche Wüste gebaut, gleich hinter dem Fruchtland. Es ist immer wieder ein Erlebnis von der Wüste direkt in diese überaus fruchtbare Ebene zu fahren. Alles wächst und blüht im Überfluss. Unbeschreiblich. Nach kurzer Fahrt erreichten wir die Corniche und fuhren zu dem ersten Halt an ei-nem Anleger, danach hielten wir noch an 2 Hotels und endlich konnte auch ich im Sheraton-Hotel aussteigen. Die dortigen Angestellten staunten nicht schlecht, mich ohne Gepäck zu sehen. Aber so ist das Leben halt mal. Malesch.

Das Sheraton besteht aus einem 4-stöckigen Hotelbau parallel zum Nil – ein lang gezogener Riegel. Davor ist eine Terrasse mit einem runden Swimmingpool der di-rekt an den Nil angrenzt. Es gibt aber noch Bungalows im Garten, idyllisch um einen zweiten Pool gruppiert. Die Bungalows beinhalten jeweils 4 Zimmer. In einem derar-tigen Bungalow war ich untergebracht. Man konnte an dem ganzen Areal sofort er-kennen, dass die ganze Substanz vor nicht allzu langer Zeit erneuert wurde.

Mein Zimmer war recht geräumig. Die Toilette vom Badezimmer separiert. Es gab ein Badewanne, einen großen Waschtisch mit Spiegel und natürlich den obligatorischen Fön, der in einem 5-Sterne-Haus nicht fehlen darf. Alles sauber und gepflegt, wie die ganze Anlage auch. Täglich sah man die Gärtner an der Arbeit. Die Pools wurden täglich kontrolliert und gereinigt. Alle Gehwege morgens nass gesäubert. Sehr schön. Da hatte ich mal wieder den richtigen Riecher.

Michi schickte gleich eine SMS, dass man mich zum Abendessen abholen wolle. Sehr gut, dann kann ich gleich mal nach einer Zahnbürste Ausschau halten. Der Rest findet sich schon, das Gepäck soll bald nachkommen.

Zur vereinbarten Zeit warten Mahmoud und Michi schon vor dem Tor. Michi trägt ihre Abhaya, das lange ägyptische Gewand. Es steht ihr sehr gut. Umarmung, Küsse – was für eine Freude. Berichte gleich von dem Missgeschick und Mahmoud möchte sich vor Lachen ausschütten, aber alles kein Problem. Gehen wir erstmal einkaufen zur Pharmazie. Suche mir Zahnbürste und Zahnpasta aus. Ich darf nicht bezahlen, das wird mir gleich verboten. Na ja, den Versuch kann ich ja mal starten. Danach ge-hen wir erstmal in ein neue Café, das neben dem El Omda aufgemacht hat. Es ist in einen ähnliche Stil gehalten. Man sitzt bequem, raucht eine gute Shisha und be-kommt Tee oder auch frische Säfte. Michi hat sich einen Erdbeer-Saft kommen las-sen. Himmlisch. Soweit ich höre, ist alles in bester Ordnung. Kleinere Erkrankungen der Kinder, aber alles nichts Ernstes. Es geht allen gut.

Dann machen wir uns auf den Weg zu seinem Haus. Auf dem Weg dorthin grüßt je-der jeden Ein kurzer Gruß oder ein längeres Schwätzchen. Man ist dort zu Hause und kennt sich. Endlich vor der Haustür, die kleine Ola steht schon an der Treppe und fliegt mir gleich in die Arme. Beim letzten Mal war sie noch ganz schüchtern. Alle freuen sich. Auch Karima, die beim letzten Besuch noch sehr zurückhaltend war, be-grüßt mich überschwänglich. Zuerst schauen wir uns das Haus an. Es ist ja wieder eine Etage aufgestockt worden. Alles ist sehr gepflegt und macht einen guten Ein-druck. Hier könnte ich mich auch wohl fühlen. Dann geht es auf die Dachterrasse, die Mahmoud wirklich sehr schön hergerichtet hat. Ein Dach aus Strohmatten über ei-nem Metallgestell. Sessel und Sofas aus Korbgeflecht mit schönen Polstern und Auf-lagen. Dazu noch ein Aquarium und viele bunte Lichter. Wunderbar zum Entspan-nen. Sina kommt angelaufen, ist aber ein wenig zurückhaltend. Und dann erscheint der kleine Mohammed – obwohl klein wirklich übertrieben erscheint. Der Junge ist ganz schön proper und der Sonnenschein der Familie. Wie Michi mir später erzählte, nicht ganz gesund. Hat immer wieder mit der Atmung zu tun. Hoffe, es ist nichts Ernstes.

Hadijad kommt auch gleich mit einem große Tablett beladen die Treppe rauf. Die Köstlichkeiten der ägyptischen Küche werden serviert. Auch gibt es dazu die ägypti-schen Pickles, die recht salzig sind und die ich so liebe. Michi kann sich dafür aller-dings gar nicht begeistern und hatte einmal Mixed Pickles aus Deutschland mitge-bracht. Damit konnte sie allerdings hier in Luxor gar nicht punkten. So verschieden können die Geschmäcker sein.

Und dann sitzen wir alle um das Tablett herum und essen. Hadijad mischt ein wenig von dem köstlichen Huhn in Tomate mit dem Salat und füttert uns reihum. Okay, wenn es so sein soll.

Ja, ich esse hier den Salat und zwar mit großem Appetit – die meisten Durchfallerkrankungen rühren nicht unbedingt vom Essen her. Meistens wird der Wechsel zwischen klimatisierten Kabinen und heißen Außenbereichen dem Gast zum Verhängnis. Auch eiskalte Getränke nach anstrengenden Touren tragen ihren Teil dazu bei. Dazu kommen dann wohl auch noch die auf den Karibik-Kreuzfahrt-Schiffen bekannten Rino- und Noro-Viren, die Durchfall verursachen können. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten – nicht unbedingt nur das Es-sen.

Nach diesem köstlichen Mahl bringt Karima noch eine Shisha, die Mahmoud und ich zusammen rauchen. Wir plaudern noch recht lange und spielen mit den Kindern. Ola muss mir auch gleich zeigen, wie gut sie schon in den 3 Sprachen arabisch, englisch und deutsch bis 10 zählen kann. Sie geht seit einiger Zeit in die Vorschule und das macht sich bemerkbar. Mahmoud ist ganz stolz auf sie. Auch wenn es ein wenig un-bescheiden klingen mag, möchte ich hier anführen, dass ich mit dem Geld für die Kinder dazu beitragen konnte. Da hat es sich schon gelohnt.

Im Laufe des Abends wird es merklich kühler. Ein frischer Wind vom Norden her weht kalt über Luxor hinweg. Ich habe ja nur eine dünne Jacke an und fange bald an zu frieren. Hadijad und Karima ziehen sich bald eine zweite Abhaya über. Aber bei mir macht sich auch schon die Müdigkeit bemerkbar und daher friere ich noch mehr.
Bald darauf flüchte ich dann ins Hotel. Mahmoud und Michi begleiten mich noch bis zum Gate. Zum Abschluss dieses aufregenden Tages gehe ich noch in der Bar vor-bei und genehmige mir einen Gin Tonic zur Nacht und bald darauf kuschele ich mich ins das weiche und warme Bett. Ein erholsamer Schlaf übermannt mich bald. Es geht mir gut – ich bin wieder daheim.

Von Mahmoud hatte ich noch ein paar Sachen zum Wechseln erhalten, denn es kann ja noch 2-3 Tage dauern, bis das Gepäck eintrifft. So kann ich die Zeit erstmal überbrücken. Außerdem gibt es ja den Wäsche-Service im Hotel, den will ich auch nutzen. Und einen Friseur habe ich auch schon ausfindig gemacht. Da kann ich mich am nächsten Morgen gleich mal ordentlich rasieren lassen. Welch eine Wohltat mich noch erwartet.

Gegen 11.00 Uhr trafen wir dann unseren Reiseleiter in der Hotel-Lobby. Ein wirklich netter Deutscher namens Rainer Schröder. Er stellte uns sein Programm vor, sagte aber gleich, dass die meisten Reisenden hier im Hotel Wiederholungstäter wären und meist auf eigene Faust loszögen. Was sich auch heute bewahrheiten sollte.
Wegen meinem Gepäck konnte er mir sagen, dass man die Reisetasche in Hamburg vergessen hätte und sie auf den schnellsten Weg nach Luxor gebracht würde. Etwa zwei Tage könne es noch dauern. Alles nicht so schlimm, die Reisenden auf den Nilschiffen hätten da schon mehr Probleme.

Am Nachmittag kam dann Mohammed Athea ins Hotel, so dass wir erstmal Wiedersehen feiern konnten. Er hatte seine kleine Schwester mitgebracht und wir gingen dann raus in Richtung Luxor-Stadt. Hier erfuhr ich dann, dass er gar nicht in Luxor wohnen würde, sondern in Qena und nun 3 Wochen Urlaub verbringt. In Hurghada wird 3 Monate durchgearbeitet und das heißt auch, dass man jeden Tag zum Dienst zu erscheinen hat. Danach bekommt man dann seinen Urlaub. Er hatte nichts dage-gen, eine Woche von seinem Urlaub zu opfern, um mich hier in Luxor zu begleiten. Fand ich schon klasse – aber umsonst sollte er das ja auch nicht machen. Er meinte dann noch, dass er gerne Reiseführer werden möchte. Dazu braucht es aber eine dreijährige Ausbildung mit Sprach- und Geschichtsunterricht. Ich würde ihm gern al-les erzählen, was ich über die ägyptische Geschichte weiss. So könne er ja schon mal ein wenig lernen. Das freute ihn doch sehr.
Nachdem wir diesen Teil geklärt hatten, nahmen wir in einem Café an der Corniche noch Kaffee und Kuchen und dann zog er wieder ab.

Abends hatte ich dann im Hotel mein Abendessen und verbrachte ein paar Stunden unter einem leider nicht so prächtigen Sternenhimmel auf der Terrasse.

Am nächsten Morgen war Mohammed dann auch zur Stelle. Er braucht natürlich einige Zeit mit dem Bus und war gegen 11.00 h in der Hotel-Lobby. Die Security vor der Lobby hatte natürlich ein Auge drauf und wollten schon was sagen. Sein Vorteil war natürlich, dass er aus Qena stammt, wie die meisten der Touristen-Polizei. So verstand man sich und gab im noch den Rat, gleich bei der Touristen-Polizei einen Erlaubnisschein zu holen, damit er mich begleiten dürfte.

Ich hatte mir bis dato noch nie über die Lebensumstände der ägyptischen Gesell-schaft Gedanken gemacht und war erstaunt über die Restriktionen, der die Bevölke-rung ausgesetzt ist. Unsere Reisefreiheit ist für die Ägypter nur ein Fremdwort. Der Staat versucht, den übermäßigen Kontakt zwischen Touristen und Einheimischen zu unterbinden. Das Land lebt halt immer noch im Ausnahmezustand, der seit der Er-mordung Anwar El Sadats in Kraft ist.

Wir machten uns also auf den Weg zur Touristenpolizei. Da Mohammed mit einer weißen langen Galabia bekleidet war, sah er aus wie ein Saudi-Prinz und der erste Droschken-Fahrer wollte gleich einen unverschämten Preis haben. Da kein Fahrer auf Mohammed’s Handeln einging nahmen wir dann den Mini-Bus deren Route gleich am nächsten Kreisel verläuft.

Das Büro der Touristen-Polizei ist zwischen dem Winter-Palace-Hotel und dem Lu-xor-Tempel gelegen. Hier konnte ich die Bürokratie bei der Arbeit beobachten. Ei-gentlich ging es recht schnell, da auch hier die Herkunft aus Qena ein wenig die Ab-fertigung beschleunigte. Zweimal mussten wir zum Copy-Shop und dann hatte Mo-hammed endlich das begehrte Papier in der Hand. Er konnte sich gar nicht satt se-hen an den vielen Unterschriften und Stempeln. Und es war gut, dieses Dokument dabei zu haben. An jedem Einlass wurde das Papier genau gelesen (manchmal….) und begutachtet (immer….). Dann konnten wir ohne Probleme passieren.

Für einen Besuch auf der Westbank war es zu spät und wir machten uns auf den Weg zum Luxor-Museum. Es war ein erfrischender Spaziergang und ich hatte mal wieder die Entfernungen unterschätzt. Der Eintritt für Touristen liegt bei 70 LE, Ägyp-ter zahlen nur 2 LE als Studenten. Okay, die Preise subventioniere ich gern, wenn sie denn dann alle hingehen und sich über die Geschichte ihres Landes informieren.

Das Museum wurde seit meinem letzten Besuch erheblich erweitert und ich war sehr gespannt auf die Ausstellung. Und dann fing ich an zu erzählen, so gut es meine Englisch-Kenntnisse zuliessen. Ich hoffe, Mohammed hat auch alles verstanden.

Im neuen Anbau sind die Mumien von Ramses I. und Ahmose ausgestellt. Sehr pie-tätvoll in abgeteilten Bereichen hinter Glas. Man erhält den Eindruck eines Grabes.

Ich möchte an dieser Stelle wieder ein wenig Werbung für dieses Museum machen. Es werden nicht sehr viele Exponate gezeigt, aber die Ausstellungsstücke sind ganz besonders schön.

Wir verbrachten einige Zeit in dem Museum und ich konnte so richtig schön erzählen. Dann setzten wir uns in das Museums-Restaurant und ließen uns erstmal eine Pizza schmecken.

Und dann kam der Anruf von Alltours. Das Gepäck ist am Flughafen und ich sollte doch, wenn es möglich wäre, mich in Kürze mit einem Mitarbeiter treffen für die Fahrt zum Flughafen. Also hatten wir unser Zusammensein für heute beendet und ich bin gleich zurück zum Hotel, um die notwendigen Papiere mitzunehmen. Pünktlich traf ich mich dann mit Mr. Ragab und es ging per Taxi zum Flughafen. Ins Gebäude durf-te ich nicht, dazu müsse man eine Genehmigung haben. Mr. Ragab hat dann alles erledigt und nach ein paar Minuten stand er schon wieder lachend mit der Reiseta-sche vor mir. Und dann ging es zurück zum Hotel. Ich habe das Taxi gezahlt und erstmal ausgepackt. Alles war noch drin – nichts fehlte. Auf den Aufklebern konnte man dann sehen, dass die Tasche mit Lufthansa über Frankfurt nach Kairo geroutet und dann mit einem Egypt-Air-Flug nach Luxor verfrachtet wurde.

Abends war ich dann wieder bei der Family und konnte endlich die Mitbringsel für Hadijad, Karima und die Kinder loswerden. Ola war total begeistert von dem Füller, der aber gleich eingezogen und für die Schule verwahrt wurde. Buntstifte, Malhefte und Kreiden waren auch heiß begehrt. Die Puppen und Schmusetiere kamen auch sehr gut an. Und die Haarspangen und Bänder waren der Hit und mussten gleich ins Haar gemacht werden.

Mahmoud flitzte mit den Boxen gleich zum Computer und ließ Musik hören. Auf dem USB-Stick hatte ich auch einiges an Musik mitgebracht und so verbrachten wir einen netten Abend mit Essen, Wasserpfeife und Musikgenuß. Selbstverständlich wurde der USB-Stick dann gleich mit ägyptischer Musik geladen.

Mahmoud’s Wäsche hatte ich nicht mitgebracht. Die habe ich erstmal der Hotel-Wäscherei übergeben. Soviel Service muss schließlich sein. Nach einem Gin Tonic in der Hotel Bar ging es dann ab ins Bett. Endlich hatte ich meine Klamotten wieder und konnte mich auch selbst rasieren.

Tags darauf war Mohammed wieder um 10.00 h im Hotel. Die Zeit kam mir auch sehr gelegen, denn nach dem üppigen Frühstück mit Omelett, geschmorten Tomaten, Würstchen und gebratenen Schinken muss ich immer mal kurz auf’s Bett und ver-dauen.

Heute wollten wir nun wirklich auf die Westbank. Ich hatte mir vorgestellt, dass wir uns Deir el Medina (das antike Dorf der Arbeiter aus dem Tal der Könige) und den Tempel Medinet Habu von Ramses III. ansehen. Im Mini-Bus ging es erstmal durch die Stadt bis in die Nähe der Fähre. Die Fähren fahren fast 24 Stunden hin und her und sind für 1 LE pro Person zu nutzen. Mohammed hatte ich schon mal ordentlich Kleingeld in die Hand gedrückt, damit der das Bezahlen übernehmen konnte, was auch gut geklappt hat.

Auf der Fähre wurden wir gleich von einem Ägypter angesprochen, aber Mohammed ließ sich nicht darauf ein. Auf der Westbank gingen wir erst ein paar Schritte vom An-leger weg und warteten. Ich machte ihn auf Taxis aufmerksam, aber er wollte warten bis jemand auf uns zukam. Und so kam es, dass der Mann von der Fähre dann an-kam und uns ein Taxi anbot. Zwei Sehenswürdigkeiten, mit Wartezeiten sind das et-was zwei bis drei Stunden. Natürlich wollte man mit mir handeln, was ich aber gleich abgebogen habe unter dem Hinweis, dass Mohammed das Geld habe. So ging es denn los. Ich habe zwar nicht verstanden, was sie besprochen haben, konnte mir aber meinen Teil dabei denken und habe mich sehr amüsiert. Nach einer Weile dreh-te sich der Taxi-Besitzer zu mir um und sagte: „100 Pfund – good price“. Ich sagte ihm darauf hin, dass ich kein Geld habe und er mit Mohammed weiter verhandeln soll. Der Blick hätte mich fast umgebracht. Und weiter ging es in schnellem Arabisch. Endlich einigten die beiden sich auf 50 LE. Wir stiegen in das Taxi und los ging die Fahrt zum Ticket-Office. Dann machten wir uns auf den Weg nach Deir el Medina.

Von diesem Dorf hatte ich schon einiges gehört und war gleich fasziniert. Die Grundrisse sämtlicher Häuser sind noch gut zu sehen. Außerdem gibt es einen kleinen Tempel und zwei Gräber zu besichtigen. Vor den Gräber standen einige Reisegrup-pen Schlange, sodass ein Wächter uns erstmal zu dem Tempel brachte. Der wollte natürlich ein Bakschisch haben, aber das war ja jetzt Sache von Mohammed. Ich konnte mich ganz auf die Schönheit des Bauwerkes konzentrieren. Wenn die Wächter nicht dauernd dazwischen quatschen und die Bilder falsch benennen würden, wä-re es ein Hochgenuss, aber man kann sie so schlecht verscheuchen.

Das Grab des Pashedu konnten wir anschließend besichtigen. Schnell merkte ich, dass der Wächter sehr sehr gut über die Malereien Bescheid wusste. Es war eine Freude, ihm beim Erzählen zu lauschen. Das Grab besteht zwar nur aus einer Kam-mer, ist aber vollständig ausgemalt. Wunderschön. Anschließend hat der Wächter Mohammed das Ganze dann noch in Arabisch erzählt.

Dieser Besuch hat sich wirklich mal wieder gelohnt.

Weiter ging es dann zum Tempel Medinet Habu, der von Ramses III. gebaut wurde. Ein beeindruckendes Monument auf der Westbank. Recht gut erhalten und gepflegt.
Hier konnte ich mich dann so richtig auslassen über Tempel im alten Ägypten. Ich fürchte, Mohammed schwirrte der Kopf von den ganzen Erklärungen, bin aber sicher, dass das Eine oder Andere hängen geblieben ist. Schaun mer mal.

Mit der Fähre zurück und ab ins Hotel. An diesem Abend habe ich im Hotel gegessen und bin auch nicht mehr raus. Eine Shisha am Nil und die Welt war in Ordnung.

Heute wollten wir nicht zur Westbank rüber – heute steht Karnak und Luxor-Tempel auf dem Plan. Pünktlich ist Mohammed wieder im Hotel und los geht’s zum nächsten Kreisel zu den Mini-Bussen. Wie üblich, brauchen wir auch nicht allzu lange warten und Platz gibt es auch noch. Also rein und dann weiter durch die Strassen Luxor’s bis zum Umsteigen auf die Karnak-Linie. Wie gut, dass ich diese Touren schon von den letzten Urlauben her kenne. Das Treiben in den Strassen ich immer noch so quirlig wie seit Jahren. Und immer noch müssen die Busse durch das Nadelöhr hinter der Sharia Television. Wildes Hupen, Schreien und Gestikulieren und bevor sich alles im einen große Crash stürzen kann, löst sich das ganze Gewimmel auf und schon ist man durch diese enge Gasse hindurch. Jedesmal wieder ein faszinierendes Erlebnis. Wir fahren später auch ein paar Meter an der Sphingen-Allee lang und man kann sich einen Überblick über die Ausgrabungen machen. Es kommt mir vor wie ein langer Kanal, den man durch Luxor gegraben hat, man könnte auch Wasser durchleiten. Dafür wurden etliche Häuser abgerissen, was vielfach Unmut hervorrief. Es gab Entschädigungen, aber nur an die Hausbesitzer, die auch Genehmigungen hatten. Es wurden also viele schwarz errichtete Bauten weggerissen.

Vor dem Karnak-Tempel mussten wir durch eine einzige große Baustelle hindurch. Der gesamte Vor- und Parkplatz wird neu gestaltet. Souvenir-Läden werden neu aufgebaut und auch antiken Stätten freigelegt, wie z.b. den Anleger vor dem Tempel. Ob davon später etwas zu sehen sein wird, ich weiß es noch nicht.

Nachdem wir den ‚Gelände-Marsch’ gut hinter uns gebracht haben, ging es hinein in den Tempel. Immer wieder ein faszinierender Anblick, wenn man auf den großen Pylon zuschreitet. Mohammed war doch sehr angetan von dem Bauwerk. Wir strebten gleich dem Freiluft-Museum zu. Ich wollte den Bogen außen herum nehmen und dort erstmal die Kapellen in Augenschein nehmen. Weitere Teile des Tempels hat man hier rekonstruiert. Wenn ich mich recht entsinne, handelt es sich dabei um eine Tempelwand mit Reliefs von einem Thutmosis (mein Gedächtnis……muss beim nächsten Besuch unbedingt gut Buch führen).

Von dort aus haben wir dann den Gang zum Ptah-Tempel an der Nordmauer gemacht. Zwischendurch noch einen Hügel erklommen, um einen Überblick über das Gelände zu erhalten, bis wir von einem Wächter heruntergescheucht wurden. Aber es lohnt sich, man erhält einen recht guten Überblick – auch über die weiteren Ausgrabungen, denn auf dem Gelände wird kraftig gebuddelt.

Im Ptah-Tempel standen wir dann von der Statue von Sachmet und der Wächter machte hinter uns die Tür zu. Durch ein kleines Loch in der Decke direkt über der Statue fällt Licht herein und illuminiert Sachmet geheimnisvoll. Der restliche Raum liegt im Dunkeln. Ein Schaudern läuft mir über den Rücken. So war es gemeint.
Dieses Phänomen wurde schon häufig in Berichten und Foren beschrieben, endlich konnte ich es auch mal selbst erleben.

Danach gingen wir zurück zum großen Säulensaal und setzten den üblichen Weg weiter fort bis zum Café. Dort rasteten wir für eine kleine Erfrischung. Leider war heute der Service sehr unaufmerksam. Da gab es aber kein Trinkgeld. Mohammed fragte die Bedienung nach einem Geschichtsbuch in Arabisch, das dort ausgestellt war. Das wäre ja sicher etwas für ihn auf seinem Weg zum Reiseleiter. Als ich ihm anbot, es für ihn zu erwerben lehnte er allerdings ab. Es wäre zu teuer. Leider haben wir das Buch später nicht mehr gefunden. Na gut, vielleicht beim nächsten Mal.

Zurück ging es dann wieder im Mini-Bus bis zum Luxor-Tempel. Für mich immer noch ein Highlight in Luxor. Obwohl ich schon langsam ‚Fusseln am Mund’ hatte, erzählte ich Mohammed, was ich bis jetzt alles gelernt hatte. Ich hoffe, er behält noch einiges davon im Gedächtnis.

Fortschritte wurden bei der Restaurierung gemacht. Die Fresken aus römischer Zeit sind jetzt wesentlich besser zu sehen. Es lohnt sich auf jeden Fall einen ausführlichen Reiseführer über den Tempel dabei zu haben. Und wichtig ist es doch immer, sich ausreichend Zeit für die Besichtigung – wie auch in Karnak – zu lassen. Die übliche Touristen-Hetze bringt einfach nichts.

Hinter dem Tempel wurde der komplette Platz freigeräumt und neu gestaltet. Die Strassen sind erweitert. Fassaden neu gestrichen und der Souk wurde komplett neu gestaltet – jedenfalls der erste Teil für die Touristen. Kleine saubere Läden, neue Pflasterung und alles mit einer Art Pergola überdacht. Man schlendert gerne dort – am liebsten mit einem Ägypter an seiner Seite. Im hinteren, d.h. dem einheimischen Teil, ist es schon viel lebhafter und auch nicht so geleckt. Aber das macht nichts, hier geht es hoch her und es herrscht ein buntes quirliges Treiben. Man lässt sich gern treiben. Auch wird man nicht sofort vollgequatscht. Ein sehr angenehmes Gefühl. In einem Café nehmen wir noch Tee und Shisha. Mohammed muss sich unbedingt die kalte Cola einverleiben, aber er wird daran gewöhnt sein.

Für heute ist es dann auch genug. Zwei Tempel hintereinander sich schon recht anstrengend und wir nehmen den Bus zurück zum Hotel, wo mich Mohammed dann wohlbehalten abliefert. Die Polizisten vor dem Eingang wollen auch gleich wissen, was wir so alles gemacht haben heute. Ein kurzer Plausch und dann erstmal aufs Zimmer und unter die Dusche. Ein wenig geruht und ab zur nächsten Shisha ins Nil-Café. Hier kann ich mich dann ein wenig treiben lassen und den Sonnenuntergang genießen. Es geht ruhig zu, man wird hier auch nicht gleich angequatscht, wie in anderen Hotels so üblich. Eine wirklich nette Atmosphäre.

Das Abendessen nehme ich heute im Hotel ein. Ein Glas leckeren Rotwein zum Abendessen und noch eine Shisha auf der Terrasse, dann geht es auch schon früh ins Bett. Mal sehen, was der nächste Tag so bringt.

Und wieder stand eine Überfahrt zur Westbank auf dem Plan. Pünktlich holte mich Mohammed im Hotel ab und nach ein paar Sätzen mit den Polizisten ging es wieder auf unsere übliche Tour zur Fähre. Auf der Westbank dann wieder das Ritual mit dem Feilschen mit den Taxi-Fahrern. Ich muss sagen, Mohammed hatte es schon drauf und ich meinen Spaß – obwohl ich nichts verstand.

Und ab ging die Fahrt zuerst ins Tal der Könige. Dort ging ich mit ihm zuerst ins Grab von Thutmosis III. und dann noch zwei weitere Ramses-Gräber. Da staunte mein kleiner Saudi-Prinz nicht schlecht. Anschließend sind wir zum Ramesseum gefahren und haben uns dort gründlich umgesehen. Fasziniert hat mich die Konstruktion der Magazine, die in Gewölbebauweise aus Lehmziegeln errichtet wurden. Die alten Lehmziegel sind noch vorhanden. Erstaunlich, aber wahr. Fotos auf FLICKR beweisen es. Wir hatten auch einen guten Blick auf die Häuser von Qurna, die schon teilweise beseitigt wurden. Ein großer Streitpunkt bei Ägyptern und in den Internet-Foren. Die Gurnawies bekommen doch neue Häuser von der Regierung. Nicht mehr so nah bei den Gräbern, aber trotzdem nicht allzu weit weg. Jetzt besteht wenigstens die Möglichkeit, den Hügel systematisch zu erforschen und weitere Noblen-Gräber zugänglich zu machen, denn die sind ebenfalls einen Blick wert.

Danach ging es zurück zur Fähre, aber bevor wir übersetzten, kehrten wir noch im Malkatta Art Palace ein. Das ist ein Café und eine Galerie, die von einer Deutschen geführt wird. (leider wurde kurze Zeit später der Mietvertrag gekündigt und jetzt gibt es ein ägyptisches Restaurant). Dort saßen wir auf der Dachterrasse und ich unterhielt mich bei Tee und Gebäck mit Antje, der Besitzerin. Anschließend sahen wir uns noch die Bilder von einem ägyptischen Künstler an. Das war für Mohammed totales Neuland.

Zurück auf der Luxor-Seite ging es dann nochmal ins Café an der Corniche und ich gönnte mir ein Stück Basbousa (dafür könnte ich sterben…..*LOL*LOL*LOL*)
Hier regelte ich auch gleich die Bezahlung mit Mohammed. Das Geld hatte ich in einem Umschlag aus dem Hotel und habe die Summe gleich noch ein wenig erhöht.
Ich muss sagen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit ihm und ich hoffe, er hat auch ein paar Eindrücke mitgenommen und kann es später verwerten.

Am Abend war ich dann wieder mit der Familie zusammen zum Essen und Tratschen. Die Kinder sind wirklich goldig und ich könnte sie einfach immer knutschen.
Nicht allzu spät bin ich dann zurück ins Hotel und habe noch ein Pfeifchen genommen. Die Tage sind doch recht anstrengend, da ist man Abends immer rechtschaffend müde.

Die restlichen Tage gingen in Ruhe von statten - es waren ja leider nicht mehr viele.
Mohammed Athea machte jetzt noch ein wenig Urlaub - ich bin doch erstaunt, daß der Junge einfach eine Woche Urlaub für mich opfert. Na gut, ich habe ihm auch etwas dafür bezahlt. Das war aber vorher nicht so abgesprochen.

Und dann der Tag der Abreise - ich hasse es ja. Mahmoud und Michi trafen mich am Staff-Gate im Café und wir tratschten noch ein wenig rum. Durch Zufall kam ein Tourist des Weges, was an dieser Stelle eigentlich ungewöhnlich ist. Er fotografierte einige Kinder und die wurden auch gleich zudringlich und riefen nach Bakschich. Mahmoud mischte sich letztendlich ein und klärte die Angelegenheit. So kamen wir mit dem Herrn noch ein wenig ins Gespräch. Er war auch gerade auf dem Rückweg nach Deutschland. Hatte eine Nilkreuzfahrt hinter sich gebracht. Außerdem hatte er schwer mit Durchfall zu kämpfen. Ein paar Worte fielen noch und die fassten wir eher negativ auf - manche Menschen können einfach nicht aus ihrer Haut. Das Gespräch haben wir dann auch schnell beendet. Einerseits wollten wir ihn loswerden und andererseits musste ich auch los.

Ab zum Flughafen - Rotz und Wasser heulen - immer dasselbe. Am Check-In fragte man mich, ob denn alles mit meinem Gepäck gut gegangen wäre. Erst da fiel mir auf, das der junge Mann auch bei der Ankunft dagewesen war und den Baggage-Claim aufgenommen hat. Wunderbar, man erkennt mich hier schon. *LOL*LOL*LOL*

Anschließend erstmal Duty-Free, durch die Kontrolle und ab in den Flieger. War auch einigermaßen pünktlich. Leider stellte sich mein Sitz als unbrauchbar heraus. Jede Bewegung erzeugte lautes Quietschen. Na ja, dem Gurt nach zu schließen, sass hier ein sehr, sehr dicker Mensch. In Hurghada würde man schauen, was frei wäre, denn wir machten einen Zwischenstopp in Hurghada.
Dort stellte sich heraus, daß es nur noch einen XL-Seat am Notausgang gäbe, der leider extra zu zahlen wäre. Besser, als die ganze Strecke die Quietschgeräusche.
Habe mir dann eine Quittung geben lassen mit einem Vermerk über den Umstand und bin dann umgezogen. Also wirklich, das sollte man sich gönnen. Beinfreiheit auf Flugreisen ist wirklich ein Luxus. Absolut bequem - man konnte die Beine ausstrecken und sich gehen lassen.

Und dann hatte mich Hamburg wieder - ach ja, wenn's denn sein muss....
Aber die nächste Reise kommt bestimmt.




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Kommentare
  • LinaB 13.03.2008 | 15:20 Uhr

    Hi! Ich fand Deinen Bericht herrlich! Schade, dass keine Fotos dabei sind. Ich war auch mal in Ägyten und kann nur bestätigen, dass mit einem Einheimischen Freund, das Feilschen der Preise belustigt miterleben kann und vor allem günstiger durch kommt.

  • anna.laselva 10.04.2008 | 11:29 Uhr

    Hi, hab natürlich sofort geschaut, mit was Du Dich hier schon "verewigt" hast. Mit Ägypten hatte ich bisher noch gar nix im Sinn, wenngleich natürlich die Kultur unheimlich lockt. Aber das ganze drumherum......
    Du hast ja alles sehr, sehr ausführlich beschrieben. Und ich finde, wenn ich eine Anmerkung machen darf, für jemanden, der kein Insider ist, etwas zu ausführlich.
    Aber so sind sie halt, die ganz persönlichen Erlebnisse....

  • Tina_Torsten 24.05.2008 | 15:48 Uhr

    hi,
    der Luxor-Bericht ist wirklich sehr schön und erinnert an viele Erlebnisse, die wir auch schon in Ägypten erlebt haben. Diese Kultur zieht einen sofort in den Bann und man will immerwieder dort hin. Unsere Reiseberichte werden folgen. Schau' doch mal rein.

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