Reisebericht

Reisebericht: Extremadura von Nord nach Südwest

 
 
 
 
 
Reisebericht: Extremadura von Nord nach Südwest

Die zweite Extremadura-Reise sollte uns in die Gebiete führen, die wir bei der ersten Reise links liegen lassen mussten. Wir sind bis Madrid geflogen und von dort mit einem Leihwagen zunächst in die nördliche Extremadura gefahren, von dort in den Südwest und zurück an die östliche Grenze.

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Hervás im Norden

Die zweite Reise in die Extremadura sollte in Hervás beginnen, was mein liebster Reisebegleiter und ich im für 18 Euro/Tag (!) von Sixt gemieteten Polo von Madrid aus ansteuerten. Wir hatten knapp 300 km zu fahren, von Plasencia aus 60 km aufwärts in die Sierra de Gredos.

Der Ort Hervás ist nicht sehr groß, so dass wir die Hospederia „Valle del Ambroz“ gleich fanden, alle Hotels waren ausgeschildert. Dieses ist ein ehemaliges Kloster aus dem 17. Jahrhundert. Förderer haben dafür gesorgt, dass es restauriert und seiner jetzigen Nutzung zugeführt wird. Ich mag diese alten Gebäude sehr gerne. Oft, wie auch hier, sind die Steinböden und -wände noch original. In diesem Haus werden die Böden des ehemaligen Kreuzgangs aus Kieseln durch dicke, begehbare Glasplatten geschützt. In der Mitte des doppelstöckigen Umlaufs befindet sich ein Wasserbecken, durch die Glaswände hindurch sieht man die Rückseite der Barockkirche San Juan aus dem 18. Jahrhundert.

Die Zimmer sind sehr groß und modern ausgestattet einschließlich WiFi-Zugang. So wie im ganzen Haus Sessel und Sofas zum Verweilen einladen, hat auch das Zimmer zwei Sessel und ausreichendes Leselicht. Am Morgen beim Frühstücksbuffet und am Abend wurden wir im Speisesaal gut bedient. Die Halbpension ist nicht nur wegen des günstigen Preises zu empfehlen, wir hatten die Wahl zwischen jeweils drei Gerichten und der Wein aus der Gegend ist gut.

Aus den Fenstern der Rückseite des Hotels schaut man in die Sierra, geht man zum Hauptportal hinaus, ist man mitten in der Altstadt und kann sogleich die sehr
engen und steilen Gassen des unter Denkmalschutz stehenden Judenviertels besuchen. Die Häuser dort wurden eng aneinander in Fachwerkbauweise mit Hilfe von Kastanienholz erstellt.

An diesem Morgen fuhr ein Lastwagen mit Gasflaschen, die an jeder Haustüre abgeliefert wurden, wo die leeren Behälter schon zum Abtransport bereit standen, durch die sehr engen Gassen. Es schepperte heftig und ich hielt jeweils die Luft an, wenn der Pritschenwagen versuchte, um die Ecken zu gelangen. Ich hätte nicht geglaubt, dass so ein LKW hindurch passen würde. Dieser Fahrer hatte offenbar Übung im millimetergenauen rangieren.

Ganz unten – Hervás liegt auf einem Hügel - wölbt sich eine sehr alte, steinerne Brücke über den Ambroz mit einer mir unheimlich erscheinenden Steinfigur in der Mitte. Von dort aus, wie von fast allen Standorten ringsum, ist die zweite Kirche, Santa Maria, aus dem 13. Jahrhundert, gut zu sehen, die auf dem höchsten Punkt des Ortes wie eine Wehrkirche wirkt, die sie wohl einmal gewesen ist, mit ihren beiden trutzigen Türmen und den sehr dicken Mauern. Leider ist sie nur zur Messe geöffnet. Das Innere blieb mir, wie bei mancher anderen Kirche auf dieser Reise, verborgen.




 
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Kommentare
  • agezur 18.06.2011 | 20:29 Uhr

    Danke für diesen reichhaltigen Reisebericht in ein touristisch wenig bekanntes Gebiet!
    Besonders gefällt mir, das du immer wieder zwischen Chronik und persönlichen Eindrücken wechselst. Ich habe soeben eine schone und interessante Reise gemacht! Danke!
    LG Christina

  • Blula 18.06.2011 | 23:34 Uhr

    Liebe Erika! Die Extremadura kennen sicherlich nicht allzu viele von uns. Auf einer meiner Studienreisen, die mich durch Nord- und Mittelspanien führte, sind wir quasi an der nördlichen Grenze daran vorbeigefahren. Deinen ganz hervorragenden Bericht habe ich mit Begeisterung gelesen. Da steckt alles drin, was von Interesse ist. Vielen Dank, auch für die guten Fotografien, mit denen Du diesen Reisebericht umrahmt hast.
    LG Ursula

  • traveltime 19.06.2011 | 13:41 Uhr

    Es gibt immer noch etwas neues zu entdecken!

  • ingepeter (RP) 29.06.2011 | 22:02 Uhr

    Hallo Erika, danke für diesen aufschlussreichen Bericht aus einem wirklich noch wenig touristisch erschlossenem Gebiet in Europa. Mein Entschluss dort einmal eine längere Zeit zu verbringen wird durch Deine Schilderungen verstärkt. Wie oft habe ich schon die Landkarte und auch die Routen vor Augen gehabt! Mir gefällt besonders Deine persönliche Sichtweise auf dieses Land mit seinen Besonderheiten. Nett zu lesen, wie Du Dir Gedanken über die Schlaf- und Essengewohnheiten der Spanier machst. Die Betten sind immer wieder eine Herausforderung und können die Liebe eines Paares auf die Probe stellen. Die späten Abendmahlzeiten sind auch für mich immer wieder ein Problem.
    Danke für Deine liebevolle Sichtweise auf dieses den meisten Spanienbesuchern unbekannte Region. Gruss Inge

  • Wilfried_S. 29.06.2011 | 22:20 Uhr

    Hallo Erika,
    bei einem Aufenthalt in der Extremadura vor nunmehr 11 Jahren hatten wir uns vorgenommen, diesen interessanten und zum großen Teil so wenig erschlossenen Teil Spaniens noch einmal zu besuchen. Bisher ist uns das nicht geglückt, aber beim Lesen Deines Berichts und dem Anschauen Deiner schönen Bilder (und dem Einstellen meiner Portugal-Bilder;-) ) sollte man eine Rundreise ins Innere der iberischen Halbinsel (die Extremadura kann man ja ganz gut mit Ostportugal verbinden) durchaus wieder einmal einplanen.
    Danke für Deinen interessanten Bericht!
    lg Wilfried

  • Karu24 30.06.2011 | 11:39 Uhr

    Vielen Dank für Euer Interesse an diesem wenig beachteten Landstrich Spaniens und meinem Bericht darüber. Es freut mich sehr, wenn ich ein wenig Neugier wecken konnte.
    Liebe Grüße
    Erika

  • RC-Redaktion 01.07.2011 | 17:41 Uhr

    Sehr ausführlicher und interessanter Reisebericht. Unsere Empfehlung für Sonntag.

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  • Zaubernuss 03.07.2011 | 15:20 Uhr

    Hallo Erika
    Ein besonderes Sonntagsvergnügen, Deinen Spuren zu folgen! Deine persönlichen Schilderungen und die vielen Bilder haben mich sehr beeindruckt. Du zeigst mit diesem gelungenen Bericht, dass Reisen in abgelegene Gebiete sehr schön und bereichernd sein können. Das Geheimnis liegt wohl bei Dir... LG: Ursula

  • 238EWT 03.07.2011 | 23:09 Uhr

    Ein überaus informativer Bericht und nachvollziehbar selbst im Detail.

  • freeneck-farmer 04.07.2011 | 08:59 Uhr

    Vielen Dank. War schön zu lesen was ihr gesehen und erlebt habt.
    LG Anneken

  • Schalimara 15.08.2011 | 16:13 Uhr

    Interessanter und aufschlussreicher Bericht über eine unbekannte Gegend. Man endeckt hier doch immer wieder Neues :-)
    LG. Schalimara

  • Calao 27.12.2011 | 22:58 Uhr

    Toller Bericht, auch ein Ziel auch auf meiner Wunschliste! Dank solch guten Berichten fällt die Planung leichter, auch die Fotos dazu super, danke!
    LG Calao

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