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Reisebericht: Lost in Ireland. Teil 2 - Connemara bis Croagh Patrick
„Then there are the grand bare mountains, …
with caprices of sunlight playing about their solemn heads,
and shining into their purple depths,
and below are waters untraceable and incalculable.”
Letters from Ireland. Harriett Martineau, 1852.
Connemara
Alles ändert sich hier.
Ich fahre ans „Ende der Welt“ über schmalste Wege auf die kleinen Inseln Lettermore, Gorumna und Lettermullan bis Dinish – und wo der Pfad endet, laufe ich über Hügel bis es nicht mehr weiter geht. Da ist der Ozean. Dort sind Wildpferde, verfallene Häuser, Moore, Wale, die sich austoben, ein Hund. Ab und an blinzelt die Sonne, ein Traum. Stille.
Abseits der Mini-Hauptstraße: eine Mondlandschaft mit weiß blühendem Wollgras und gelb blühenden Blumen, überall Tümpel. Loseisen muss ich mich, so schön ist es hier.
In Clifden übernachte ich im B&B Premier Guesthouse. Vor dem brennenden Kamin mache ich es mir auf einem dicken Ledersofa gemütlich, sammle Energie. Nach einem heißen Tee geht es mir wieder gut. Diese Unterkunft kann ich nur empfehlen. Das Frühstück wird individuell zubereitet, und entlassen werde ich mit Bussi hier und Bussi da .
Und wieder fahre ich Umwege. Unterer Skyway, oberer Skyway, endlich bin ich zurück auf der N59. Der Eingang zum Connamara Natinalpark befindet sich in Letterfrack Village an der N59 in Richtung Clifden.
Connemara Nationalpark
Die Sonne begleitet mich das erste Stück auf meiner Wanderung zum Diamond Hill. An urwüchsigen Connemara-Ponys vorbei, komme ich zum Lower Diamond Hill Walk, auf Holzstegen gehe ich entspannt übers Moor der Hochebene, und erst nach einiger Zeit führt der Upper Diamond Hill Walk steil bergan.
Urplötzlich bricht ein Unwetter los mit peitschendem Regen, Hagel und Sturm. Dank meines eigentlich zu schweren Fotorucksacks incl. Stativ kann mich der Wind nicht umpusten und, ich bin ja in Irland, Minuten später ist alles vorbei, auf dem Gipfel scheint wieder die Sonne.
Eigentlich möchte ich gar nicht mehr den Berg verlassen.
„Beautiful“ ist die Rundumsicht. Meer, lange Täler, Kylemore Abbey, saftige grüne Hügel.
Vom Fuße der Twelve Bens dehnt sich eine von Seen und schmalen Bächen durchzogene und von Granitblöcken übersäte wilde Moorlandschaft bis an die Küste.
Statt der angesagten 2,5 Stunden bin ich fast 5 Stunden unterwegs. Ich bin viel zu warm angezogen, Wanderschuhe aus, Sandalen an, ein Shirtwechsel und ein Kaffee, und schon fühle ich mich bereit für: Irrwege.
Unzählige loops schaffen es, dass ich mich wieder verfahre. Bauarbeiter führen mich diesmal nicht in die Irre sondern auf den richtigen Weg nach Leenane.
Es ist kalt und nass, vom Fenster meines Hotelzimmers sehe ich lediglich auf einen greifbar nahen Abhang mit Geröll und Müll. Egal. Das Bad hat eine Wanne und die Heizung funktioniert.
Das Abendessen, Haddock-Fisch mit Salsa verde und exotischem Gemüse schmecken mir ausgezeichnet, genauso das Guinness, und das alles direkt vor einem brennenden Kamin. Die Welt ist wieder in Ordnung.
Mit dem letzten Licht des Tages streife ich leise durch die wenigen Gassen des kleinen Ortes.
Am nächsten Morgen erstrahlen die Berge im Licht der Sonne. Spontan beschließe ich, die Scenic Route nach Westport zu fahren durch Wald und Wiese, über Bäche und eine beeindruckende Hochebene. Im zweiten Anlauf finde ich mein Quartier für diesen Tag, die Augusta Lodge. Die Hausdame begrüßt mich am frühen Vormittag sehr freundlich und beschreibt mir den Weg zum Croagh Patrick, auch, an welchen Stellen ich aufpassen soll, da es am Vortag geregnet hat und einige Stellen rutschig sein können.
Croagh Patrick (753m)
Seit Menschengedenken wird der Berg mit dem Sonnengott Lug und mit Lughnasa assoziiert, ebenso mit Crom Dubh, der dunklen Seite dieses Gottes, der durch die Entführung der Kornjungfrau in sein unterirdisches Reich die Fruchtbarkeit der Felder für das kommende Jahr sichert. Im christlichen Glauben, der das Dunkle gleichsetzt mit dem Bösen, verdrängt Patrick den Sonnengott Lug als Symbol des Lichts und besiegt Crom Dubh, die teuflische Gestalt der Dunkelheit.
Heute pilgern am Garland Sunday, am letzten Sonntag im Juli, Heerscharen auf den Croagh Patrick, um den Beginn der Erntezeit zu feiern. Ursprünglich soll der Weg auf den heiligen Berg der alten Route zwischen dem Königssitz Cruachain in Roscommon und der Insel Caher im Westen gefolgt sein, über die weniger steile und steinige Kammlinie, was zwar ein längerer, dafür aber im Gegensatz zum Pilgeranstieg der christlichen Zeit ein eher belebender als mühseliger Weg ist. Auch darin zeigt sich der Unterschied zwischen dem heidnischen und christlichen Brauch.
Als Patrick auf dem heiligen Berg fastet, wird er, der Legende nach, von bösen Geistern aller Art bedrängt. Alle treibt er in die Flucht bis auf Caoranach, ein Ungeheuer in Gestalt einer Schlange, das mal als Mutter des Teufels, mal als Verkörperung des Heidentums und auch als eine Erscheinung der Göttin gedeutet wird. Patrick besiegt am Ende die dreifaltige Göttin in ihrer dunkelsten Form als Schlange.
Im benachbarten Galway gibt es einen Berg, die „Teufelsmutter“. Hier soll sich Caoranach nach ihrem Kampf mit Patrick ausgeruht haben, ihre Knochen ruhen als Inseln im Lough Derg. (aus: Cary Meehan, Heiliges Irland)
Kurz vor Mittag marschiere ich los, eine unter vielen auf diesem ersten Stück zum Gipfel des Berges. Der Weg ist ungewöhnlich breit und steinig.
1988 fand man Gold auf dem Croagh Patrick. Eine Schürflizenz wurde beantragt. Bevor darüber entschieden war, fing bereits die Bergbaugesellschaft an, einen breiten Weg den Berg hinaufzubahnen. Proteste aus aller Welt verhinderten den Abbau des Goldes. Nur, diese breite Schneise existierte bereits.
Das Gehen auf diesem Gelände geht in die Knochen. Nach einer Stunde überquere ich den Bergsattel auf 500 Meter Höhe. An dieser Stelle kehren die meisten „Bergsteiger“ um. Mit Flip-Flops und dünnen Turnschuhen ist das vernünftig. Ich bin froh über meine stabilen Wanderschuhe. Das restliche Stück hoch zum Gipfel ist eine steile Geröllhalde.
Vorsichtig überwinde ich Steine und die dazwischen liegenden Sandflächen. Hier sind auch die rutschigen Stellen, auf die ich aufmerksam gemacht worden war. Schritt für Schritt, manchmal auf allen Vieren kriechend, manchmal zurückrutschend, erreiche ich nach 3 Stunden den Gipfel. So sehr konzentriere ich mich auf das Hinaufklimmen, dass ich erst hier oben die dichten Nebelwände und den Sturm wahrnehme. Nur eine Handvoll Menschen haben es bis hierher geschafft, wir suchen alle an den Mauern der verschlossenen Wallfahrtskirche Schutz vor dem Sturm.
Aber immer wieder fegt der Wind die Nebelwände für Sekunden auseinander und gibt den Blick frei auf die unzähligen kleinen Inseln der Clew Bay. Farben tauchen auf von Gelb, Grün bis Türkis und dunkelstem Blau, Nebelschwaden steigen auf aus dem Wasser. Schon schließen sich wieder die Nebelwände und ein „Nichts“ umgibt mich.
Stück für Stück umrunde ich die Kirchenmauern. Auf der Rückseite balanciert ein Schaf selbstbewusst und sicher auf einem Mauerrest am Rande des Gipfelplateaus, so, als könnte nichts und niemand ihm etwas anhaben.
Dies alles sind Momente für die Ewigkeit.
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Danke, daß ich endlich die herrlich Aussicht vom Croagh Patrick bewundern darf. Denn unser Aufstiegsversuch wurde viel zu früh von dickem undurchdringlichem Nebel gestoppt.
Toll geschrieben.
Jetzt habe ich Fernweh ...
LG
Gaby -
álainn
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Irland ist schon sagenhaft, am besten hat mir Connemara gefallen. Schöner Bericht
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Danke für den eindrucksvollen Bericht!
LG Ursula -
Mensch, das ist ein wirklich toller Bericht.
Der Croagh Patrick hat es mir da nicht so schwer gemacht wie Dir.
Nette Grüße von Josef
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