Reisebericht

Reisebericht: Baumfäll-Django-Tango

 
 
 
 
 
Reisebericht: Baumfäll-Django-Tango

Die Natur schlägt immer zurück…

Er ist wieder da! Django, der tödliche Baumfäller. Der, der mit dem abgeholzten Stamm tanzt. The-one-and-only-Astabschneider. Der Laubwerk-Teminator. Himself in voller Größe und mit neuestem Equipement.

Morgens um 7.00 Uhr ist SEINE Welt in Ordnung.

Unterlegt von Alexandras legendärem „Mein Freund, der Baum, ist tot“-Song stapft er in voller Montur zu dem einzig verbliebenen Gewächs in seinem Garten, welches die Chuzpe hat, größer als er zu sein. Schon etliche Pflanzen hat sein Napoleon-Komplex das irdisch verwurzelte Leben gekostet. Letztens erst die Konifere, davor den ehemalig mit Lametta behängten Wurzel-Weihnachtsbaum vom Förster. Seine Frau hatte darauf bestanden, ihn einzupflanzen, diese sentimentale Alte aber auch…

Er duldet nur Tulpen und Rosensträucher. Letztere allerdings auch nur, wenn es keine kletternden Arten sind. Er ist nicht schwindelfrei, so etwas kommt nicht in seinen Garten. Efeu und Wein sowieso schon mal nicht. Stört das ordentliche Aussehen, dieses ungezügelte, richtungslose Geranke.

Was auch ein weiterer Grund für seine Stamm-Baum-Allergie ist. Diese Laubberge im Herbst. Und dann, im Frühling, - lauter kleine weiße, rosa oder sonst wie gefärbten Blütenblättchen auf den Petunienbeeten. Versaut ihm den ganzen Spaß an der Rasenpediküre mit Nagelschere und Lineal. Genauso wie diese verdammten Gänseblümchen!

So nicht, nicht mit ihm!

Der letzte verbliebene Baum muss fallen. Ein Apfelbaum, knorrig und riesig. Besonders für ihn, den kleinen Menschen. Wer isst heutzutage schon Äpfel aus dem eigenen Garten?

Er auf Fälle nicht!

Verschrumpelte Dinger mit Flecken und manchmal auch noch Würmern drin. Keine Ahnung, welche Krabbeltiere sich zuvor auf den Haufen Hundekot von Nachbars Ibiza-Mischling gesetzt haben und dann mit ihren ekligen Beinen, Rüsseln und weißderHimmelwas über die Früchte gelatscht sind. Da hilft keine chemische Keule, kein Schrubben. Eklig ist das einfach. Unästhetisch.

Ästhetik ist ihm wichtig.

Genauigkeit, Geradlinigkeit, Ausgewogenheit. Natürlich nur maximal bis zu seiner Augenhöhe, was den Wuchs betrifft. Jeder Trieb des Miniatur-Rhododendrons wird erbarmungslos gekappt, die Bouganvillie festgezurrt an Spalieren. Selbst die Stiefmütterchen werden ihrem Namen entsprechend behandelt, sie fristen ihr Dasein in der hintersten Ecke des Gartens. Widerlich unregelmäßig gefleckte Blütenköpfe sind ihm ein Greuel.

Mit festem Schritt und Schnitt-Muster vor dem inneren Auge nähert er sich dem Apfelbaum.

Tod diesem Ungeheuer!

Und danach einen Klaren und ein Pils für ihn, den Schnitter. Oder einen Tango. Genau abgezirkelte Schritte im Takt auf der akkurat gefliesten Terrasse. Nicht mit seiner Frau, sondern mit einer Axt im Arm. Seine Frau ist einen Kopf größer als er, und außerdem tritt sie ihm immer auf die Füße, die dumme Pute…

Er setzt an zum finalen Schneideakt.

Kreischend fräst sich die Säge in das Holz des Apfelbaumes. Glücksgefühle durchströmen ihn, Erregung macht sich in seinem Unterleib breit. DAS ist es! Ordnung in das Chaos bringen!

Der Baum wehrt sich nicht.

Lässt sich alles gefallen, knarrt ein wenig seufzend. Mit leisem, bedauernden Rauschen neigt er sich der Erde zu…ein letztes Winken mit den Ästen…ein letztes Blätterrauschen…

Der Baum-Tod-Bringende zieht die Säge aus dem Stamm, ein zwei Schritte nach hinten…dann ist er aus der Gefahrenzone…

Das Letzte, was der Rabatten-Herrscher denkt ist: „Diese verdammten Geranien-Töpfe!“

Der Apfelbaum liegt still auf dem Rasen. Durch die Äste und Blätter blitzt eine grellrote Sicherheitsweste.

Die Natur schlägt immer zurück…



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