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Reisebericht: Südindien - Rucksack-Rundreise
"Wenn der Vater mit dem Sohne" - unter diesem Motto starteten mein Sohn Lukas und ich am 1.1.2012 zu einer 3-wöchigen Rucksack-Rundreise durch Südindien. Die Reiseroute führte von Mumbai über Goa nach Hampi und Bangalore. Weiter ging es über Mysore in den Bandipur-Nationalpark, nach Ooty und Kerala.
Die ganze Organisation habe ich vor der Reise via Internet erledigt, um vor Ort mehr Zeit zu haben.
- 2. Januar - Dubai-Mumbai
- 3. Januar - Mumbai
- 4. Januar - Mumbai
- 5. Januar - Goa
- 6. Januar - Hampi
- 7. Januar - Hampi
- 8. Januar - Bangalore
- 9. Januar - Bangalore
- 10. Januar - Mysore
- 11. Januar - Bandipur
- 12. Januar - Bandipur
- 13. Januar - Bandipur-Ooty
- 14. Januar - Ooty
- 15. Januar - Ooty-Coimbatore
- 16. Januar - Kollam
- 17. Januar - Allepey
- 18. Januar - Allepey-Kochi
- 19. Januar - Fort Kochi
- 20. Januar - Fort Kochi
- 21. Januar - Rückflug
- Fazit
2. Januar - Dubai-Mumbai
In aller Herrgottsfrühe landen wir in Dubai. Wir besorgen uns ein Metroticket und nehmen die erste Bahn in die Stadt. Beim "World Trade Center" steigen wir aus und laufen quer durch eine gespenstische, dunkle Stadt Richtung Strand und Jumeirah-Moschee. Der Weg zieht sich lange hin und bald kommt dann der Sonnenaufgang. Nach ein paar Bildern besteigen wir einen Bus Richtung Altstadt - und machen erst mal alles falsch: lassen die Karte nicht vom Automat püfen und setzen uns in den Frauenbereich.
In der Altstadt gibt es eine Menge kleiner Gassen mit Unmengen von Gewürzhändlern und Ähnlichem. Brauchbares für Touris wie uns ist dagegen kaum zu finden. Dann machen wir uns auf zum Burj Khalifa, dem höchsten Turm der Welt. Er sticht wie eine Salzsteinnadel in Abstufungen in die Silhouette der Stadt. Zu sehen ist der Turm von überall, was fehlt ist aber ein erkennbarer Zugang für Fußgänger. Deswegen dauert es länger als geplant in den Turm hinein und wieder hinaus zu kommen. Von oben sieht man dann das ganze Ausmaß der Bauerei in der Wüste. Ganze Stadtteile und Geschäftsviertel werden aus dem Boden gestampft - die Stadt erstreckt sich bis zum Horizont.
Dann ist auch schon Zeit für den Weiterflug über die Wüste und vor allem das Arabische Meer. Uns fallen jetzt die Augen zu - bis wir dann im weiten Bogen über eine bergige Küste bei diesigem Himmel nach Mumbai hereinschweben. Direkt vor dem Flughafen sehen wir schon einen Teil der Slums. Die Taxifahrt zur Südspitze Mumbais wird ein Abenteuer für sich. Hupende Autos, Mopeds, Rikschas und dazwischen Fußgänger im dichtesten Gedränge, wobei um jeden Millimeter hart gekämpft wird. An Slums vorbei geht es - für fast 2 Stunden gibt es unglaubliche Eindrücke satt.
3. Januar - Mumbai
Nach einem guten Abendessen auf der Restaurantterrasse am Hafen mit Weihnachtsschmuck und einer passablen Nacht mit Ventilator und klapperndem Kühlschrank geht's auf in die Stadt. Schon nach ein paar Metern hat uns das indische Touristenlos ereilt; wir werden zu einer Stadttour beschwatzt. Die Tour zeigt die Highlights von Südmumbai, wie z.B. den Bahnhof (ehemals Victoria Terminus), das Nobelviertel Malabar Hill, den Totenbereich der Parsen, den Stadtstrand und auch die größte Wäscherei Asiens.
Dort werden mitten im Slum Unmengen an Wäsche aus Mumbaier Hotels und sonstwo her von Hand oder mit altertümlichen Maschinen gewaschen, getrocknet, gebügelt - tagein, tagaus. Mittendrin eine Schule. Kinder in Uniform wollen - wie überall in Indien - ein Bild mit uns, schließlich sind wir als Weiße so eine Art Attraktion.
Wir bekommen schließlich auch noch einen Jain-Tempel zu sehen. Alles in allem viele Eindrücke, vermittelt von einem netten Fahrer, der selbst einmal in der Wäscherei angefangen hat.
Nach einem Essen im Hotel machen wir uns auf in die Einkaufsstraßen der Umgebung. Dort ist es laut, chaotisch und sehr interessant... Größere Läden im westlichen Sinne gibt es kaum, aber dafür jede Menge kleine und kleinste Händler. Wir werden fast von der Menschenmasse mitgerissen, die abends in die vollen Vorortzüge drängt - sowohl auf der Straße mitten im Verkehr, als auch auf den teilweise vorhandenen Gehwegen. Am Ende landen wir dann in einer fast "normalen" Kneipe mit kitschiger Weihnachtsdeko und Bier aus Gläsern, an denen noch der Lippenstift der Vorbenutzerin klebt. Einen Bollywoodfilm, den wir uns noch anschauen wollen, lassen wir dann doch sein - er wird nur in Hindi gezeigt.
4. Januar - Mumbai
Nach dem Frühstück im Hotel mit Milchtee (Chai...), Toast, Tütenmarmelade und indischen Leckereien geht's auf zum Hafentor "Gateway of India", gleich neben dem Nobelhotel "Taj Mahal". Dort steigen wir in ein Ausflugsschiff zur "Elephanta Island". Nach kurzer Zeit schon verschwindet der Hafen im ewigen Mumbaier Dunst. Nach fast einer Stunde erreichen wir dann die Insel, auf der es Höhlen mit interessanten Tempelanlagen gibt. Noch beim Schiff haben wir schon einen lokalen Führer, der uns zu den Höhlen begleitet und uns die Bedeutung all der Skulpturen von Shiva, Brahma, Vishnu und den zugehörigen Heerscharen weiterer Götter erklärt. Die Tempel sind freilich zerstört von portugiesischen Eroberern. Nur vor dem zentralen Shiva-Bild sollen sie gezögert haben - es strahlt eine große Ruhe und Kraft aus - sodass die Skulptur noch heute fast vollständig ist.
Auch über das Leben der Inselbewohner erzählt unser Führer Einiges. Überhaupt zeigt sich, dass Inder gerne erählen und fragen, wenn man einmal mit ihnen ins Gespräch gekommen ist. Auf der Hinfahrt war es ein junger indischer Fotograf mit seinem Freund, mit dem ich über Indien, Deutschland, Hitler und anderes angeregt gesprochen habe. (Für Hitler haben manche Inder eine für mich unerklärliche Bewunderung...)
Auf dem Gipfel der Insel stehen noch britische Kanonen aus der Kolonialzeit. Der Weg dorthin ist ziemlich verdreckt, weil die Inder offenbar kaum Mülltonnen haben und alles Überflüssige bedenkenlos in die Pampa werfen.
Am Abend holen wir unser Gepäck und geben es am Bahnhof ab. Dann laufen wir noch durch das unglaubliche, große und chaotische Basarviertel nördlich des Bahnhofs. Eindrücke von Enge, Dreck, Chaos und riesigem Angebot gibt es hier kostenlos und in Unmengen! Um 10 Uhr abends steht dann zum Glück schon unser Zug bereit und wir können uns mit dem indischen Sleeper-Waggon anfreunden. Einfach und praktisch mit dem Charme einer Gefängniszelle. Ansonsten aber keine schlechte Art, die zum Reisen zu nutzen.
5. Januar - Goa
Bis wir im Zug den endgültigen Schlafplatz haben, dauert's noch ein wenig. Dafür ergibt sich aber ein interessantes Gespräch mit einem jungen indischen Lehrer über alles Mögliche. Er hat u.a. Geschichte studiert und dementsprechend wirklich Ahnung, von was er redet.
Die erste Nacht im Zug ist doch ziemlich unruhig - man muss sich erstmal an die vielen Geräusche und das Geklapper der Räder gewöhnen. Andererseits wiegt einen das Schaukeln des Zugs auch wieder in den Schlaf. Als der Morgen dämmert wird die schöne und "leere" Landschaft der Konkan-Küste sichtbar. Kaum Siedlungen zu sehen. Das Frühstück "wird ans Bett gebracht" - es gibt Chai (heißen, süßen Milchtee) und Dosas (luftige Crêpes mit einer indischen Soße dazu). Nicht übel!
Mit einer Stunde Verspätung erreicht der Zug Karmali (Old Goa), die Temperatur ist schon unangenehm hoch. Per Tuk-Tuk (Autorikscha) gehts nach Panaji, vorbei an den verfallenden Kirchen von Old Goa, eine Stadt, die einmal größer war als Lissabon oder London!
Im "Paradise Inn" wartet ein schönes, kühles Zimmer auf uns und wir können uns endlich frisch machen. Nach einer Verschnaufpause starten wir in die Gassen von Panaji. Abgesehn von ein paar hübschen Häusern nahe beim Hotel und einer kleinen und einer großen weißen Kirche (geschlossen...) ist Panaji eher indischer Standard und somit etwas enttäuschend. Noch dazu herrscht eine Bullenhitze - und das Anfang Januar.
Gegen Abend wagen wir uns dann wieder raus und suchen nach Tickets für eine Sunset-Schiffstour auf dem Mandovi-River. Die Ticketsuche wird auch wieder ziemlich schweißtreibend, aber dann haben wir es geschafft. Die Sunset-Tour entpuppt sich als Mini-Disco für Schulkids. 2 DJs machen Musik, es gibt 2,3 Folkloretänze und dann wollen die Kids mittanzen Alles in allem nicht gerade die erwartete romantische Schiffstour, sonder eher "witzig". Zurück an Land gehen wir dann noch in ein kitschig-schön dekoriertes Restaurant mit Weihnachtsambiente. Wir gönnen uns noch einen Cocktail und lassen den Tag gemütlich ausklingen.
6. Januar - Hampi
Weil unser Zug nach Hospet schon um 7:45 vom über 45 km entfernten Margao startet, heißt es heute schon früh aufstehen und gegen 6 Uhr ins Taxi steigen. Mit ein wenig Verspätung startet dann der Zug gen Osten. Nach kurzer Zeit beginnt es, gebirgig zu werden, der Zug erklimmt mühsam die Höhen der "Western Ghats". Schöne Blicke ins grüne Bergland und viele Tunnel machen die Fahrt abwechslungsreich. Einmal oben angekommen wird die Gegend flach und es wird zunehmend unangenehm warm im Zug. Endlich, so gegen 15 Uhr, erreichen wir Hospet. Schon am Zug fängt uns Javeed, ein junger Rikschafahrer, ab, der uns nach Hampi bringt und uns gleich noch eine Tour für den Abend und den nächsten Tag schmackhaft macht. Unterwegs zapft er noch etwas Benzin aus der Rikscha eines Freundes - sonst hätten wir wohl laufen müssen ;-)
Javeed ist ein ganz cooler, junger Inder mit einer etwas größeren Klappe, aber auf jeden Fall nett und unterhaltsam - zumal er auch nicht gerade auf den Kopf gefallen ist. Er bringt uns direkt in unser Guest House (Padma's - zu empfehlen!). Es liegt direkt am Tempel in Hampi. Der Ort beeindruckt uns auf den ersten Blick. Es gibt dort zahlreiche Ruinen und Tempel eines alten Hindureiches. Darüber hinaus liegt Hampi an einem Fluss, der durch eine unwirklich mit riesigen Steinen übersäte Landschaft fließt. Insgesamt ein atemberaubender Anblick!
Gegen 17:00 fährt uns Javeed dann quer durch die Tempel/Stein-Landschaft zum "Sunset Point". Dort verrichtet wiederum in einem Tempel ein Hindupriester lautstark seine Zeremonie. Dahinter befindet sich eine felsige Kuppe, von der aus die ganze Gegend samt wunderschönem Sonnenuntergang zu sehen ist. Dafür lassen wir uns eine ganze Stunde Zeit - Zeit, die sich wirklich lohnt.
Zurück in Hampi gehen wir im Dunkeln zum Fluss und essen in einem einfachen Lokal sehr gut zu Abend. Dort erleben wir auch bewusst unseren ersten "Power Cut": der Strom wird einfach für eine Weile abgeschaltet. Die Bewohner haben für diesen Fall ein Notstromaggregat, das allerdings auch nur die wichtigsten Geräte betreiben kann (Klimaanlagen z.B. nicht...).
7. Januar - Hampi
Am nächsten Morgen wird erst einmal mit Toast und Omelette ziemlich europäisch gefrühstückt. Im Zimmer habe ich einen ungebetenen Gast: ein ausgewachsener Makaken-Affe öffnet die angelehnte Tür, geht sofort zum Bett und untersucht eine dort liegende Tüte. Als er mich sieht, wird er sofort angriffslustig und ich kann ihn nur vertreiben, indem ich selbst tue, als ob ich angreifen wolle. Zum Glück verzieht er sich daraufhin auch ziemlich bald.
Ein Freund von Javeed begleitet uns nun einen halben Tag lang durch die archäologischen Stäten von Hampi. Diese sind einfach nur gigantisch und über eine weite Fläche verteilt. Wunderschön verzierte Tempel und Palastbauten gibt es in Mengen zu sehen, sodass wir am Nachmittag ganz erschlagen, aber auch sehr beeindruckt, wieder in Hampi landen.
Wir essen gemütlich im "Mango Tree", einem Restaurant im Freien unter Bäumen. Man sitzt dort wie in einem Theater an einem Hang über dem Fluss und blickt über die grandiose Landschaft - wunderschön und sehr entspannend.
In Hampi gehen wir noch in den Tempel, der direkt im Ort steht - er ist noch in Gebrauch. Danach machen wir uns noch einmal frisch (Service des Guest Houses) bevor uns Javeed zurück nach Hospet an den Zug bringt.
Neben den Tempeln und der Landschaft ist der Tag aber auch geprägt von vielen Schulklassen, die um diese Jahreszeit ihre "Klassenfahrten" machen. Laufend werden wir angesprochen mit "Hallo" und "Where do you come from?". Wir müssen viieele Fragen beantworten, Bilder machen und auch für Bilder posieren. Noch macht es uns Spaß, all die neugierigen Fragen und das Gekicher zu erleben, aber es ist schon erkennbar, dass es auf Dauer auch sehr nervig werden kann. Manchmal ist man als Europäer in Indien so etwas wie eine Attraktion - man wird ganz gerne angestarrt oder den Lieben daheim auf einem Foto präsentiert.
8. Januar - Bangalore
Die Nacht im Zug vergeht recht schnell für mich, Lukas hat aber Pech, weil er am offenen Fenster schlafen muss. Der Zug kommt mit 1 Stunde Verspätung in Bangalore an. Hier wollen wir einen Freund besuchen, der seit ein paar Jahren mit seiner Familie in Bangalore lebt. Sein Fahrer soll uns abholen, doch zunächst ist er nicht zu finden. So laufen wir einfach in der Menschenmenge auf und ab und gehen davon aus, dass es für ihn wesentlich leichter ist, uns zu erkennen als umgekehrt...
Im Haus unseres Freundes Darek werden wir ganz herzlich begrüßt - es ist so vertraut, als hätte man sich erst kürzlich gesehen. So können wir erst mal ausgiebig frühstücken; Lukas legt sich anschließend aufs Ohr.
Dareks Haus ist wunderschön, großzügig und liegt in einer geschützten Anlage. Eher "Club Mediterranée" als Indien. Später gehen wir in den "Club", eine große Anlage mit Pools, Sportmöglichkeiten und einem Restaurant. Wir spielen Badminton und lassen es uns später am Büffet richtig gut gehen. Lukas übertreibt es wohl etwas - er bekommt am Abend Bauchkrämpfe und Durchfall.
Nach dem Essen legen wir uns noch an den ziemlich kalten Pool und schwimmen ein paar Runden - das muss Urlaub sein ;-)
Zurück bei Darek steht schon der Kuchen für den nächsten Gang bereit.
Dareks Sohn Adam und Lukas verschwinden anschließend zum Gokart-Fahren mit anderen Jungs. Der Rest bleibt im Haus, redet und lässt es gemütlich angehen bis zum Schlafengehen..
9. Januar - Bangalore
Ausschlafen! Und endlich mal wieder eine Nacht ohne Geschaukel oder Ventilator. Dareks Sohn Tomasz hat Fieber als ich aufstehe und ist mit dem Kindermädchen zu Hause geblieben. Ich frühstücke gemütlich mit Kaffee, Toast und selbstgemachtem Quark (gibts in Indien ja nicht). Als Kishor - Dareks Fahrer - kommt, liegt Lukas noch im Bett und fühlt sich krank. Deswegen mache ich mich mit Kishor alleine auf den Weg, Bangalore kennenzulernen.
Wegen des morgendlichen Verkehrs brauchen wir weit über 1,5 Stunden bis zur ersten Station, dem Lalbagh-Park. Ein Führer hängt sich sofort an mich und will mich zu einem Wucherpreis durch den Park führen. Ich schüttle ihn mühsam ab und laufe los. Zuerst sieht es so aus, als ob ich auf der Müllkippe gelandet sei, dann finde ich nach ein paar Umwegen aber endlich den eigentlichen Park. Dieser ist - fast schon wider erwarten - sehr schön angelegt und sehenswert.
Dann führt mich Kishor weiter zum "Bull's Temple", einem Tempel, in dem ein Nandi, also ein Rind, verehrt wird. Eine entsprechende, riesige Skulptur sitzt im Tempel, mit Blumen behängt. Auf Europäer wirkt das Ganze eher wie eine Karikatur, aber das darf man sich natürlich nicht anmerken lassen. Stattdessen heißt es, Schuhe aus und Punkt auf die Stirn setzen lassen!
Neben dem Tempel findet lautstark eine Festival in einem Mädchen-College statt, bei dem verkleidete Figuren mit aufwändigem Kopfschmuck eine Rolle spielen.
Als Nächstes sehe ich mir den Palast von "Tipu Sultan" an, einem Holzgebäude mit 2 Etagen und vielen Säulen - sehr schön gearbeitet. Tipu Sultan hatte um 1800 versucht (für eine Weile sehr erfolgreich) sich gegen die Engländer zu wehren.
Schließlich führt mich Kishor noch bei den Regierungsgebäuden am Cubbon Park vorbei. Dort treffe ich zwei junge Inder, die mich einfach mal so zum Schwatz auf eine Bank einladen (das müsste mir in Europa noch zum ersten Mal passieren). Wir reden über Indien, Deutschland und Familienplanung: ein Inder ohne Heiratspläne - der sogar sagt, er wolle nie heiraten - eine echte Rarität!
Abends zurück bei Darek, entschließen wir uns, Lukas dem Arzt vorzustellen. Es handelt sich hier um eine Art Hospital - noch recht neu. Für indische Verhältnisse recht gut organisiert und so konnten wir wirklich nicht über die Untersuchung klagen. Beruhigt und mit ein paar Medikamenten zur Sicherheit versehen, kehren wir zurück.
10. Januar - Mysore
Weil ein Teil kränkelt und der andere früh raus muss, wird es kein langer Abend. Dafür gibt es aber noch ein gemeinsames Frühstück bevor wir uns verabschieden und von Kishor zur Bahn gebracht werden. Es geht recht flott durch die Stadt, kein Vergleich zum Tag zuvor.
Der Zug nach Mysore wird für mich zur Geduldsprobe. Es drängen immer mehr Inder rein, die sich auch ganz ungeniert auf reservierte Plätze setzen. Zwei kleine (süße) Jungs sitzen mir quasi auf dem Schoß und schauen mich mit großen Augen an.
Endlich in Mysore, bringt uns ein Rikschafahrer zum Hotel, er muss allerdings unterwegs erst mal halten und fragen, wo das Hotel eigentlich ist.
Ich laufe anschließend zum Busbahnhof, um zu checken, wann und wo unser Bus nach Bandipur startet. Alles äußerst mühsam, da es keine Fahrpläne gibt und "offizielle" Inder nicht gerade die Höflichsten sind. Aber egal, ich weiß zumindest, was ich wissen muss.
Dann geht's auf zur Hauptattraktion, dem Palast der Maharadschas. Dort gibt es sogar Audio-Guides in Deutsch und so erfahren wir auch wirklich alles Wichtige, ohne ständig nachfragen zu müssen. Zwei junge Inder gabeln uns auf - Bekannte von Cosma Shiva Hagen ;-) , bringen uns zuerst zum Palast und dann in die Stadt zur "Räucherstäbchen-Fabrik". Dort sehen wir, wie die Räucherstäbchen gemacht werden. Alles Handarbeit - ein paar Tausend am Tag. Im selben Gebäude zeigt man uns auch eine Auswahl verschiedener Öle, die in Mysore hergestellt werden. Alles duftet wunderbar und so werde ich schwach und kaufe etwas davon. Soll ja schließlich gut sein für fast alle Zipperlein ;-)
Letzte Station ist dann ein richtiger Laden, der Seidentücher und anderes Kunsthandwerk verkauft. Hier ersteht Lukas dann auch ein Mitbringsel.
Alleine machen wir uns dann noch auf den Weg zum heiligen Chamundi Hill - mit dem städtischen Bus kein Problem. Oben hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. Runter laufen wir dann viele Treppen - es handelt sich um den Pilgerweg, auf dem die Hindus den Berg besteigen.
Abends essen wir indische Pizza (spicy...) und scheitern dann erneut beim Versuch einen Bollywood-Film mit englischen Untertiteln zu finden. Dafür machen wir aber noch einen interessanten Abstecher zum Gewürzmarkt.
11. Januar - Bandipur
Um 9 Uhr, nach einem merkwürdigen Frühstück alleine im Hotel-Restaurant, sitzen wir im Bus nach Ooty (Udhagamandalam). Zum Glück ist der Bus nicht ganz voll, sodass wir unsere Rucksäcke neben uns stellen können. Erstmal geht's indisch gemächlich los, mit etwas Verspätung und verstopften Straßen. Aber bald fährt der Bus recht zügig durch und wir müssen nicht mehr fürchten, zu spät anzukommen.
Der Bus ist übrigens ganz ordentlich, jedenfalls keine Spur von den einschlägigen Horror-Beschreibungen indischer Busfahrten.
In Bandipur ist nicht ganz klar, wo wir aussteigen müssen, und so kommt es, dass wir einen Fußmarsch von 1 km rückwärts absolvieren müssen, bis wir in der Safari Lodge ankommen.
In der Lodge ist schnell alles geklärt und wir werden in ein wunderschönees, kleines Häuschen geführt, in dem ich es gut und gerne die restliche Urlaubszeit aushalten könnte. Bis auf das gelegentliche Hupen (ein Taxifahrer sagte mal, das Hupen sei die Musik der indischen Straßen) von der Straße her ist es hier einfach nur herrlich ruhig und idyllisch, inmitten eines "gepflegten Gartens".
Um 13:30 gibt es Lunch vom Büffet, wobei wir fast alleine dort sitzen. Der Lunch-Raum befindet sich im Freien unter einem runden Dach mit offenen Seiten.
Gegen 4 Uhr startet die erste Safari in den Nationalpark - jetzt sind auch die übrigen Gäste zu sehen. Wir sitzen in offenen Jeeps, werden ein Stück auf der Hauptstraße in den Park gefahren und biegen dann in die "Wildnis" ab.
Hier gibt es vor allen Dingen niedriges Buschwerk und dazwischen viele Bäume und Bambusstauden. Nur von Tieren ist nicht allzuviel zu sehen! Immer mal wieder begegnen wir Rehen und auch Pfauen. Einzelne größere Hirsche, die wie eine Mischung aus Hirsch und Pferd aussehen (Sambarhirsche) gibt es außerdem. Ansonsten viele Vögel. Dafür werden wir ganz schön durchgeschüttelt. Zur Belohnung sehen wir gegen Ende der Tour dann noch einen Elefanten, der sich an einem Baum räkelt. Zurück in der Lodge sehen wir noch einen Film über Tiger und dann, um 21:30 schließlich das Dinner - sehr indisch und sehr scharf...
12. Januar - Bandipur
Heute Morgen werden wir früh geweckt, um dann ab 6:00 zur nächsten Safari zu starten. Diesmal haben wir etwas bequemere Sitze im Inneren des Jeeps. Ich mache mir Hoffnungen, dass so früh am Morgen mehr Tiere zu sehen sind - aber leider sind es sogar noch weniger als am Vortag und wir kommen einigermaßen enttäuscht zurück.
In der Zwischenzeit bis zur Abendsafari machen wir eine Autotour auf den höchsten Berg der Gegend (ca. 1400 m), auf dem auch ein Hindutempel steht. Von oben und von unterwegs hat man immer wieder schöne Ausblicke auf das grüne Umland.
Auf dem Rückweg spendet uns ein mitfahrender Inder noch zwei (grüne) Kokosnüsse zum Austrinken. Anschließend wird noch das Mark gegessen. Ist zwar interessant, schmeckt aber irgendwie ziemlich fade.
Mit wenig Hoffnung starten wir dann zur Abendsafari, die zunächst , wie erwartet, ereignislos gestaltet. Ärgerlich ist eine Gruppe von Indern in einem separaten Jeep mit riesigen Fotoapparaten, die immer wieder Sonderrechte für sich beanspruchen und so auch als einzige schon Tiger gesehen haben.
Schließlich haben wir dann aber doch noch ein Riesenglück und können 5 Tiger auf einmal sehen - 1 Tigerin mit ihren 4 Halbwüchsigen Kindern. Einer der Tiger legt sich sogar noch mit einem Elefanten an, der sich an einer Wasserstelle mit seinem Kalb aufhält. Als der Elefant auf den Tiger losgeht, ist dieser aber schnell verschwunden. Die Tiger überqueren dann direkt vor unserer Nase noch den Weg vor uns und verzíehen sich ins nächste Gebüsch. Jetzt haben wir das Gefühl, dass sich die Safari endlich gelohnt hat!
Zurück in der Lodge gönne ich mir noch eine ayurvedische Massage, bei der ich komplet mit Öl einmassiert werde und anschließend in den Schwitzkasten komme. Großartig!
13. Januar - Bandipur-Ooty
Am letzten Morgen im Nationalpark unternehmen wir eine Wanderung im Hinterland der Lodge. Die Wanderung ist sehr schön, bietet gute Ausblicke - größere Tiere sehen wir aber keine, nur jede Menge Elefantendung. Am Morgen davor hat der Ranger hier allerdings auch einen Leoparden gesehen.
Anschließend frühstücken wir und dann heißt es auch schon, Abschied nehmen aus der wunderschönen Unterkunft.
Der Bus nach Ooty kommt pünktlich (derselbe, der uns auch hergebracht hat) und nimmt uns mit. Es folgt eine wilde Busfahrt auf engen Gebirgsstraßen durch eine eindrucksvolle Landschaft bis wir nach 3 Stunden in Ooty ankommen.
Die erwartete "britische Sommerfrische" existiert zumindest rund um den Bahnhof nicht mehr. Stattdessen das übliche indische Gewimmel. Da unser Hotel am See liegen soll, laufen wir zum See und erwarten es jeden Moment zu sehen. Dummerweise zieht sich die Strecke sehr in die Länge und weit über den See hinaus. Zum Glück gibt es zwar Wegweiser, aber der Weg wird immer schlechter, teilweise geht's richtig durch den Matsch. Na ca. 4 km (!) Fußmarsch mit Rucksack sind wir dann in einem Resort angelangt. - eine merkwürdige Anlage mit vielen kleinen Doppelhäuschen, die ziemlich verlassen wirkt. Immerhin haben wir ein schönes Zimmer und auch die Leute sind sehr freundlich (alle schick im Anzug und wir verschwitzt und im Backpacker-Outfit).
Mit dem Bus fahren wir später zum Bahnhof und laufen Richtung Ortszentrum. Es zieht sich wiederum sehr lange hin und ist nicht gerade angenehm - wie gesagt das übliche Gewimmel. Nachdem wir nicht recht wissen wohin, lassen wir uns kurzerhand in den nun wirklich sehr schönen botanischen Garten fahren.
Anschließend gehen wir in den "Kabab Corner" und essen (unter Deutschen) Kabab - Fleischstücke mit höllisch scharfer Hülle.
14. Januar - Ooty
Am nächsten Morgen schlafen wir erstmal ordentlich aus. Die angenehme kühle Bergluft macht's möglich. Um halb 10 steht dann ein Mitarbeiter des Hotels als Fahrer bereit, der uns einen ganzen Tag lang die Gegend zeigen will. Er heißt Anand, ist ein wirklich netter Kerl und wohnt im Nachbardorf. Anand fährt uns durch Ooty und eine ganze Strecke in Richtung Coonoor, wo es viele Teeplantagen gibt. Unser erster Stopp gilt der Aussicht über Berge und Orte um Ooty - eine wunderschöne Landschaft auf über 2000 m Höhe.
Dann halten wir länger am "Sims Park", einem weiteren schönen botanischen Garten. Die tropischen Pflanzen und die Lage am Berghang machen seinen Reiz aus.
Weiter geht's in die Teeplantagen. Allerdings zeigt sich das Wetter ungünstig - es wird immer nebliger. Angekommen in der Plantage ist fast nichts mehr zu sehen, trotzdem ist ein solche Plantage ein schöner Anblick. Sie liegen alle an steilen Hängen; jede Pflanze ist ein kleiner, niedriger Bsuch, von dem immer wieder die oberen hellgrünen Blätter gepflückt werden. Diese Blätter geben der ganze Plantage ein frischen, leuchtenden Glanz. Zwischenden Buschreihen führen die Wege den Berg hinauf oder horizontal an ihm entlang. Diese Wege eignen sich perfekt zum Wandern, was wir dann auch eine Weile lang nutzen.
Wir fahren nun weiter zu einer Teefabrik, in der die Blätter haufenweise auf großen Trögen abgeladen und von unten mithilfe eines starken Gebläses getrocknet werden. Anschließend gibt es Maschinen, die die Blätter immer weiter verkleinern, trocknen und nach Größe sieben.
Rund um die Fabrik und auch beim "Lamb's Rock" (einem Aussichtspunkt) ist es so neblig, dass man praktisch nichts mehr sieht. Erst an der nächsten Station, der "Dolphin's Nose" reißt es soweit auf, dass wir ein wenig mehr sehen können: z.B. den St. Catherine's Waterfall und auch endlich, wie steil es hier ist und wie hoch in den Bergen wir sind. In der Ferne erkennen wir sogar die Ebene bei Coimbatore. Nach einem gemeinsamen Essen in Coonoor fahren wir zurück nach Ooty. Dort sehen wir noch den "Thread Garden" - künstliche, täuschend echte Pflanzen aus gewickeltem Garn - trinken in in einem ehemaligen Maharadscha-Gästehaus eine Kleinigkeit und werden zum Schluss von Anand in sein Dorf und sogar sein Haus geführt. Also wirklich ein eindrucksvoller Tag!
Den beschließen wir dann mit einer Runde Billard im "Recreation Room" des Hotels.
15. Januar - Ooty-Coimbatore
An diesem Tag lassen wir es gemütlich angehen, essen spät und machen dann einen Spaziergang ins Hinterland des Hotels. Die bergige Lanschaft ist recht schön - störend sind immer wieder die Müllhaufen und der Dreck, der sich selbst hier ansammelt.
Um 1 Uhr lassen wir uns zum Bahnhof fahren, unser Zug fährt um 2 Uhr ins Tal. Der Zug ist in diesem Fall eine Schmalspurbahn, wie man sie sich kaum englischer vorstellen kann. Selbst die Bahnhöfe passen dazu und heißen z.B. Lovedale oder Wellington. Wir sitzen im bequemen 1.-Klasse-Wagen und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Und diese ist nun wirklich sehenswert! Es gibt immer wieder schöne Ausblicke ins Tal hinunter und über die ganze Umgebung. Dann auch wieder enge Stellen, Tunnel usw. Der Zug fährt langsam und bläst seine dicken Dieselwolken in die Luft. Als wir Coonoor erreichen, hat sich auch der Nebel wieder eingestellt. Die Landschaft wird aber ab hier noch einmal interessanter und schließlich schon eher "spektakulär". Wir befinden uns hoch über einer Schlucht und können in der Ferne schon tief unter uns die Ebene sehen. Der Zug windet sich immer steiler mithilfe von Zahnrädern den Berg hinab. Die Blicke ins Tal sind atemberaubend schön.
Etwas abgelenkt werden wir von einem Inder, der der Jain-Religion angehört. Er versucht uns vom Wert der Meditation und der Jain-Lehre zu überzeugen und legt ganz besonders viel Wert auf die Familie. Deswegen freut er sich auch sichtlich darüber, einen westlichen Vater mit seinem Sohn reisen zu sehen - eine absolute Ausnahme, wie er sagt. Er empfiehlt uns dringend, etwas über und von "Hermann Jacobi" zu lesen, einem Deutschen, der sich intensiv mit dem Jainismus beschäftigt hat.
Interessant ist aber auch, dass er sich nicht vorstellen kann, dass wir Zuhause keine Bediensteten haben, die z.B. für uns kochen und putzen ;-)
Dann, nach zweimaligen Umsteigen und einiger (planmäßiger) Warterei besteigen wir den Nachtzug nach Kerala - diesmal im abschließbaren Abteil.
16. Januar - Kollam
Ziemlich pünktlich, um 6 Uhr morgens, kommt der Zug in Kollam/Kerala an. Heute hätte er gerne Verspätung haben dürfen, schließlich geht unser Hausboot erst um 11:30 ab. Und so laufen wir dann zum Bootsanleger (ca. 2 km) und gehen dann nebenan erstmal Frühstücken. Für etwas mehr als 1 Euro bekommen wir leckeres indisches Essen, Wasser und Tee - das macht den Indern so schnell keiner nach!
Bis kurz vor 9 Uhr warten wir am Bootsanleger bis dann unser zuständiges Büro öffnet. Wir regeln das Nötige und stellen unser Gepäck ab. Dann laufen wir durch die Stadt zum Strand. Der ist sehr schön und voller bunter Fischerboote, in denen die Fischer ihre Netze sortieren. Getrübt wird der Anblick nur durch herumliegenden Müll beim nahliegenden Dorf und durch Fischer, die den Strand für morgendliche Bedürfnisse nutzen...
Um 11:30 startet dann unser Hausboot. Nach kurzer Zeit ist schon klar - DAS muss Urlaub sein! Auf einem Hausboot mit bequemen Sitzgelegenheiten langsam über Meeresarme und Kanäle schippern, entlang von Palmenhainen, Dörfern und Reisfeldern. So fühlt man sich schnell wie ein Maharadscha. Auch unser Schlafraum ist recht hübsch, lediglich das Bad ist nicht gerade ein Highlight, auch wenn es ein "westliches Klo" hat.
Das Beste an allem ist aber das absolut köstliche indische Essen, das wir hier von einem eigens für uns mitfahrenden Koch frisch zubereitet bekommen - unter anderem ein typisch indisches Hochzeitsmahl, angerichtet auf einem Bananenblatt.
Abends legen wir noch bei einem Dorf an und laufen den halben Kilometer bis zum nahen Arabischen Meer, das hier an die Küste brandet.
Nach Sonnenuntergang gibt es ein fürstliches Abendessen und dann genießen wir die tropische Nacht unterm Sternenhimmel.
17. Januar - Allepey
Wie der letzte Tag geendet hat, so beginnt jetzt auch der nächste, ganz gemächlich mit einem Frühstück und der Weiterfahrt durch die Backwaters.
So langsam werden die Kanäle jetzt enger und das Salzwasser weicht dem Süßwasser. Je nach den Gezeiten gibt es hier Schleusen, die nur geöffnet werden, wenn das Salzwasser aus dem Arabischen Meer nicht eindringen kann. Ansonsten ist das Landschaftsbild ganz ähnlich wie gestern: unendliche Palmenhaine und dazwischen Häuser und kleine Dörfer. Wir machen halt an einer alten Kirche, deren Ursprünge angeblich bereits zurückreichen bis ca. ins 5. Jahrhundert. Syrisch-katholische Christen sollen sie damals errichtet haben. Nach der Überlieferung geht die frühe Christengemeinde in Kerala auf die Missionierung durch den Jünger Thomas (den Ungläubigen...) zurück.
Bemerkenswert ist hier der "Nachbau" der Grotte von Lourdes auf dem Hof der Kirche. Wirkt eindeutig kitschig, wie überhaupt die Kirchen und Kapellen in Indien für unseren Geschmack ziemlich kitschig-farbenfroh ausfallen.
Später am Tag machen wir eine Paddeltour durch etwas engere Kanäle der Backwaters. Wir können dabei das Dorfleben ziemlich hautnah miterleben - vom Zähneputzen über die Körperwäsche und das Wäschewaschen bis hin zum alltäglichsten Bedürfnis...
Hinter den Häusern sieht man jetzt immer mehr ausgedehnte Reisplantagen. Frauen und Männer die zum Unkrautjäten dort sind, tragen zum Teil Sonnenschirme mit kurzem Stiel, direkt auf den Kopf geschnallt. Kurios, aber sicher sehr effektiv!
Auch ein Schlangenboot, in dem sich 100 Paddler einmal im Jahr bei Alleppey ein Rennen liefern, sehen wir aus nächster Nähe, ganz aus Holz und sehr lang!
Abends erreichen wir dann schon Alleppey und übernachten auf dem See vor der Stadt.
18. Januar - Allepey-Kochi
Die Nacht zum 18. verbringe ich überwiegend auf der Toilette - kurz vor Ende der Rundreise hat mich doch noch der Reisedurchfall erwischt. Dementsprechend elend fühle ich mich morgens. Lukas ist aber verschont geblieben.
Nach dem Frühstück heißt es schon von Bord gehen. An diesem Tag wird angeblich gestreikt in ganz Kerala, was uns einen dicken Strich durch die Weiterfahrt nach Kochi machen könnte. Glücklicherweise nimmt den Streik keiner so recht ernst und so haben wir gar kein Problem, einen Bus Richtung Kochi zu erreichen. Anscheinend haben wir einen Schnellbus erwischt - er braucht nur 1 Stunde und brettert drauflos, dass es nur so kracht (ich bin froh, dass mein Magen standhält...).
Die letzten Kilometer legen wir in einer Rikscha zurück und landen im historischen Kimansion Inn in Fort Kochi, einem 250-jährigen, schönen Gästehaus.
Ich lege mich erstmal für ein paar Stunden hin, um die Bauch- und Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen. Lukas erkundet in dieser Zeit die "Altstadt" und kehrt ganz erschlagen von der Hitze zurück.
Am Nachmittag gegen später gehen wir dann noch gemeinsam los, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu genießen.
19. Januar - Fort Kochi
Wieder einigermaßen fit, kann ich auch das Frühstück an diesem Morgen wieder genießen. Zügig gehen wir danach quer durch Fort Kochi: zum Mattancherry-Palast, einem eher unscheinbaren Gebäude, das von den Portugiesen für die lokalen Herrscher gebaut und später von den Holländern renoviert wurde. Im Inneren sind die Deckenverzierungen, Museumsstücke aus der Zeit der Maharadschas und Wandbemalungen mit Hindu-Gottheiten zu sehen. Alles in allem nichts wirklich Umwerfendes.
Beim Gang durch das anschließende Judenviertel und in der Synagoge ist da schon eher was zu sehen. Auch einen Judenfriedhof gibt es - allerdings ist der Zutritt verboten, nur durch das Tor reinschauen kann man.
Nach der Besichtigung und letzten Souvenireinkäufen machen wir uns langsam auf den Rückweg durch die Stadt. Fort Kochi ist für indische Verhältnisse relativ ruhig und teilweise sogar ganz ansehnlich und sauber. Es gibt fast überall Straßenschilder - eine Ausnahme im Vergleich zu den meisten anderen Städten, die wir bisher gesehen haben.
Zurück im Hotel wird noch ein wenig ausgeruht, bevor wir ins Kathakali-Theater gehen. Dort erwartet uns zunächst eine Vorführung keralanischer Fertigkeiten im Nahkampf mit und ohne Waffen.
Vor der anschließenden Theatervorführung wird das Schminken der Darsteller öffentlich durchgeführt. Schon alleine das ist äußerst interessant. Die Darsteller verwandeln sich allmählich in Hindu-Gottheiten bzw. einen adligen Bogenschützen. Neben der Schminke ist auch die Kostümierung sehr sehenswert. Die Vorführung beginnt danach, begleitet von ziemlich lauter und anstrengender Musik bzw. Gesängen. Die ganze Sache wird zu 100% durch Gestik und Mimik umgesetzt - Texte gibt es nicht! Zum Glück haben wir einen (deutschen) Grobablauf der Geschichte, um einigermaßen folgen zu können. Alles in allem sehr beeindruckend!
20. Januar - Fort Kochi
Heute heißt es, sich verabschieden von Indien. Ich gehe um 8 Uhr alleine - Lukas schläft noch - zu einer Morgenmeditation ins Kathakali-Theater. Mit einer Sitar und Trommeln wird meditative Musik gemacht, die man sich im Halbkreis darum herum und im Schneidersitz (Lotossitz) anhört. Abgesehen von der Tatsache, dass es nicht ganz einfach ist, eine Stunde lang in dieser ungewohnten Haltung zu sitzen, eine sehr schöne Methode, den Tag zu beginnen.
Nach dem Frühstück laufen wir noch einmal durch die nähere Umgebung zur St-Francis-Kirche, der ältesten Kirche der Stadt. Diese sieht zwar schon etwas heruntergekommen aus, dafür enthält sie aber die Grabplatte von Vasco da Gama, dem ersten Weltumsegler. Seine Überreste wurden allerdings nach ein paar Jahren nach Lissabon überführt.
Nachmittags hatten wir zunächst vorgehabt, zum Strand zu fahren. Da es aber in der Nacht geregnet hat (zum ersten Mal) und noch trüb ist, lassen wir den Plan fallen. Stattdessen setzen wir mit der Fähre für zusammen 5 Rupien (~ 8 Cent) nach Ernakulam, dem modernen Zentrum von Kochi, über, und suchen uns dann mit GPS und Durchfragen den Weg per Bus zur "Oberon Mall", um einen englischen 3-D-Film anzuschauen. Das klappt auch erstaunlich reibungslos und so sind wir nach einer Weile am Ziel. Die Shopping Mall entpuppt sich als indische Ausgabe der amerikanischen Vorbilder - sicher kein Einkaufsort für den indischen "Normalo". Der Film entpuppt sich dann als Vampir-Action-Schocker - muss man (ich) eigentlich nicht gesehen haben. Lieber wäre ich ja in einen Bollywoodfilm gegangen, aber die findet man nicht so leicht in Englisch.
Die schweißtreibende Rückfahrt im Berufsverkehr mit dem Bus ist dann eine sehr "drückende" aber auch interessante Erfahrung... Schließlich sind wir aber ganz stolz, ohne Busfahrplan und lesbare Beschriftungen doch wieder den Weg zurück gefunden zu haben.
21. Januar - Rückflug
Tag, oder besser gesagt, Nacht der Abreise. Bis Mitternacht versuchen wir vorzuschlafen und um 1 Uhr starten wir dann mit der Autorikscha zum Flughafen - über 40 km außerhalb der Stadt. Bei der langen Strecke merkt man dann schon schnell, wie sehr man in diesen "verkleideten, dreirädrigen Mopeds" durchgeschüttelt wird. Auch die an sich schöne Direktbelüftung durch die offenen Seiten ist bei dem Smog und Gestank, der teilweise herrscht, ein verzichtbares Vergnügen. Nach einer Stunde sind wir dann aber endlich da.
Die Abfertigung klappt problemlos und einigermaßen pünktlich startet der Flieger dann um 4:35 Richtung Dubai.
Kurz vor dem Ziel sieht man im Osten hinter uns das intensive Morgenrot. Da wir mit der Sonne fliegen, bleibt es sehr viel länger sichtbar als normalerweise. Als es dann langsam heller wird, erreichen wir die Arabische Halbinsel an der Küste von Oman. Nicht lange danach landen wir in Dubai.
2 Stunden später steigen wir in den A380 nach München. Wir starten über Dubai hinweg und können so noch einmal alles im Überblick sehen.
Der A380 ist deutlich bequemer und leiser als die bisherigen Flugzeuge. Nur in die obere Etage dürfen wir leider keinen Blick werfen - ist für die zahlungskräftigeren Passagiere reserviert :-(
Schon bald nach dem Start erreichen wir die iranische Küste und fliegen nun quer über das ganze Land. Eine wirklich beeindruckende Landschaft, karg, felsig und wüstenhaft, zieht sich über 100te von Kilometern hin. Richtung Nordwesten ist das Land dann zunehmend mit Schnee bedeckt. Irgendwann erreichen wir Armenien und meinen, den Berg Ararat zu erkennen. Grandiose Bilder! Dann fliegen wir hinaus über das Schwarze Meer und über Rumänien, Ungarn und Österreich nach Hause.
Am Flughafen in München zittern wir dann. Zum einen schneit's und zum andern kommt unser Gepäck gerade noch rechtzeitig, sodass wir im Laufschritt unsere S-Bahn noch erwischen. Und so treffen wir, wie geplant, kurz vor 5 Uhr wieder in Stuttgart ein.
Fazit
Was sagt man im Nachhinein über so eine Reise?
Wenn mich Inder gefragt haben, wie ich ihr Land so finde, habe ich meistens geantwortet "Incredible". Damit werben die Inder ja selbst um Touristen und ich finde, es fasst meine Eindrücke auch perfekt zusammen. "Schön" zu sagen, konnte ich mich nicht überwinden - dafür ist zu vieles, das man sieht nicht "schön" im eigentlichen Sinn. Aber unglaublich interessant, riesig, erlebnisreich und eindrucksvoll. Eben "Incredible"!
Ob ich Inder jemals wirklich verstehen werde? Ich glaube es nicht. Sie haben mich aber durch ihre Haltung zur Wirklichkeit in ihrem Land durchaus tief beeindruckt.
Regionen:
Goa, Kerala, Backwaters, Ostanatolien
Stadt:
Bangalore
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