Reisebericht

Reisebericht: Simbabwe: Einsames Paradies

 
 
 
 
 
Reisebericht: Simbabwe: Einsames Paradies

Simbabwe hört nicht auf, negative Schlagzeilen zu machen. Acht Jahre Wirtschaftskrise, geschätzte 11.000%(!) Inflation, 80% Arbeitslosigkeit. Hinter diesen grimmigen Daten versteckt sich jedoch eines der schönsten – und heute völlig untouristischen – Länder des Südlichen Afrika, das neben unbeschreiblichen Naturschönheiten vor allem mit seinen Menschen punktet.

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Der Himmel ist höher

Manche Dinge ändern sich nie: der Himmel ist mindestens doppelt so hoch wie daheim. Zehn Stunden Flug von London Gatwick sind es bis in die Hauptstadt Harare. Ich sauge gierig die frische Winterluft in meine Lungen und atme auf. Endlich wieder da. Am Weg in die Stadt suche ich nach Unterschieden zu meinem letzten Besuch vor zehn Jahren. Vielleicht sind weniger Autos auf der Straße, sonst aber erscheint alles wie immer. Die Simbabwer sind penibel gekleidet und zielstrebig unterwegs. Ganz anders als das Bild in den Tageszeitungen, präsentiert sich die Stadt äußerst friedlich und absolut nicht unsicher. Das futuristisch anmutende Rainbow Towers Hotel nimmt mich in seine Fünfstern-Welt auf. Mein Handy funktioniert nicht. Angenehm. Alleine gehe ich auf den Handwerksmarkt von Mbare, wo Tausende Körbe, Taschen, Musikinstrumente, Holz- und Steinschnitzereien seit Jahren auf Touristen warten. Dort treffe ich Joshua, der mir strahlend seine alte Mbira, ein Daumenklavier, verkauft und aus seinem harten Leben erzählt, ohne sich zu beschweren. Ein Ausflug zu den balancierenden Felsen geht sich noch vor Sonnenuntergang aus. Abends in der Disco zeigt sich wieder die Offenheit und Höflichkeit der Simbabwer, und natürlich ihr Rhythmusgefühl. Kein Europäer kommt da mit.



Allein am Weltkulturerbe

Chris studiert Archäologie und Kulturmanagement an der Universität von Gweru. Wie viele Simbabwer heutzutage ist er alles andere als wohlhabend, kann sich aber immerhin die Studiengebühren leisten. In seinem Praxisjahr führt er die wenigen Touristen, die sich dieser Tage zum Weltkulturerbe Great Zimbabwe verirren. In geschliffenem Englisch und mit großer Hingabe erklärt er die Geschichte des einstigen Königssitzes, der zu den ältesten und größten Ruinenstädten Afrikas zählt und seine Blütezeit zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert hatte. Von den gewaltigen Steinbauten leitet sich auch der Landesname ab, der 1980 zur Unabhängigkeit von England gewählt wurde, um das kolonialistische Rhodesien abzuschütteln. Hoch gewachsene Aloen schmücken den Weg zwischen der Festung am Hügel und den Gemäuern, in denen die bis zu 500 Frauen des Königs gewohnt hatten. Der Empfang im Great Zimbabwe Ruins Hotel ist noch herzlicher als sonst. Kein Wunder, denn mein ultimativer Hotelauslastungstest verläuft positiv: dazu gehe ich ins Zimmer und drehe den Wasserhahn auf, kommt rostgefärbtes Wasser, bin ich der erste Gast seit Monaten. So ist es auch in unserer nächsten Unterkunft, der Hippo Creek Lodge. Das Nilpferd gibt es wirklich. Es lebt in der Bucht vor meinem Cottage.




Bulawayo: Stadt der Könige

Die zweitgrößte Stadt des Landes, Bulawayo, gibt sich beschaulicher und alles in allem unverfälschter als die Zwei-Millionen-Hauptstadt. Viele Häuser aus der Kolonialzeit sind noch da, darunter das älteste Pub des Landes aus dem Jahr 1895. Breite Alleen und große, gepflegte Parks machen den Charme der Stadt der Ndebele-Könige Mzilikazi und Lobengula aus. Sowohl die Kame Ruinen (ein UNESCO-Welterbe, das dzt. mit französischer Hilfe restauriert wird) als auch der sagenhaft schöne Matobo Hills Nationalpark (ehem. Matopos) sind in kurzer Fahrt zu erreichen. Die hohen, bizarr geformten Granithügel – auf einem der malerischsten ist der Gründer Rhodesiens, Cecil Rhodes begraben - geben nicht nur ein hervorragendes Fotomotiv ab, sondern können Kletter-Fanatiker aber auch Vogelkundler tagelang glücklich machen. Zirka 70 schwarze und weiße Nashörner tummeln sich im benachbarten Wildreservat. Stilgemäß steigt man in der Matobo Hills Safari Lodge ab, deren Cottages sich fast unbemerkt zwischen die Granitkegel schmiegen.



Wild in Hwange

Man sollte genau wissen was man tut, wenn man sich in den afrikanischen Busch begibt. Gottlob gibt es Guides wie Daffy. Keine Einssechzig groß, taucht er im Morgengrauen safarifilmreif adjustiert und schwer bewaffnet vor meinem Luxuszelt im „The Hide“ Camp auf, um mich und vier andere Furchtlose zum Buschspaziergang abzuholen. Runter mit dem „Early Morning Tea“ und rein ins Abenteuer! Länger als zwei Stunden traben wir im Gänsemarsch hinter ihm her und sind begeistert. Wir lernen Spuren zu lesen, zerlegen eigenhändig Elefantendung und wundern uns über die Größe der Termitenhügel, neben denen Daffy in der Tat entengroß erscheint. Die längste Zeit beobachten wir eine Giraffenfamilie, doch eigentlich beobachtet sie uns. Kein Löwe, dafür aber ein Bärenhunger begleitet uns zurück ins Camp, wo sich die Tische unter einem üppigen englischen Frühstück biegen. Vorsichtigen Schätzungen nach gibt es im Hwange Nationalpark 45.000 Elefanten. Mindestens 500 habe ich mit eigenen Augen gesehen. Unvermutet tauchen sie aus dem Dickicht auf und kreuzen fast lautlos unseren Weg. Die Kapazität der Speicherkarte meiner Kamera wird von riesigen Büffel- und Gnuherden ausgereizt.



Sonderfall Victoria Falls

Donnernder Rauch: bei den Fällen und dem tropischen Regenwald rundum bleibt keiner trocken. Der obligate Regenbogen spannt sich über die 1.700 breite und mehr als 100m tiefe Kaskade. Die Kameras klicken. High Tea im legendären Victoria Falls Hotel. Plötzlich sind nur mehr die Kellner aus Simbabwe. Alles andere sind reiche, weiße Touristen. Victoria Falls nimmt auch in schlechten Zeiten wie diesen eine Sonderstellung unter den simbabwischen Fremdenverkehrsorten ein. Kein rostiges Wasser im Elephant Hills Hotel also. Vielmehr jede Menge Amerikaner, Asiaten und Südafrikaner, die vor allem die atemberaubenden Wasserfälle sehen wollen, sich aber oft auch nicht scheuen, in die Schlucht des Sambesi Bungee zu springen. Erste Adresse für Adrenalin-Junkies ist die Firma Shearwater. Ich bevorzuge bodenständige Aktivitäten und begleite drei halbwüchsige Löwen durch den Busch. Nicht ohne gebrieft zu werden: nicht bücken, den Kameragurt nicht baumeln lassen, den Katzen nie den Rücken zukehren. Später reite ich eher widerwillig auf einer Elefantendame durch den Busch, die sich gottlob als stabiles Fortbewegungsmittel entpuppt. Zwei Wochen sind vorbei und der Air Zimbabwe Heimflug wartet. Den Kariba Stausee, den Mana Pools Nationalpark und das grüne Hochland im Osten hebe ich mir für den nächsten Besuch auf.



Tipps

Anflug: am besten mit SAA via Johannesburg und Air Zimbabwe. Langstrecke ist mit Air Zim eher nicht zu empfehlen, Service und Ausstattung sind zwar ok, aber es fehlt am Entertainment-Programm (keine Bildschirme).

Mit den Skylink-Flügen der Air Zimbabwe erspart man sich lange Transfers oder Autofahrten und erreicht Hwange oder den Kariba Stausee ab Harare in weniger als einer Stunde. Bulawayo/Matobo, Masvingo/Great Zimbabwe Ruins und Victoria Falls sind ebenfalls flugs erreichbar.

Trinkgelder sind auch in Simbabwe willkommen. Allerdings wird nicht um sie gebuhlt, wie in so manchen armen Ländern dieser Welt. Viel mehr versuchen Guides, Kellner und Zimmermädchen ihr bestes zu geben und hoffen dann auf einen harten Dollar.

Trotz auftretender Treibstoffengpässe verfügen die großen lokalen Autovermieter über eigene Depots entlang der wichtigsten Routen. Das Tourismusbüro baut derzeit ein flächendeckendes Tankstellennetz für Touristen auf.
Hotels und Resorts nehmen oft nur Visa-Card; Kreditkartenabrechnungen sollten unbedingt in Rand oder US-Dollar ausgestellt sein, um inflationsbedingte Preiseskalationen zu verhindern.

Von Ferngesprächen aus dem Hotelzimmer ist dringend abzuraten. Die Raten sind unverhältnismäßig hoch. Festnetz- wie Handyleitungen sind häufig unterbrochen.

Aktuelle Infos zu Simbabwe erteilt das Zimbabwe Tourist Office in Frankfurt (Tel. +49 69 92 07 730). Informationen im Web gibt es unter www.zimbabwetourism.co.zw.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • Silvia 17.01.2008 | 23:48 Uhr

    Unbedingt lesen, hier mal ein anderer, erfreulicher Bericht über Simbabwe.

  • Fairtourism (RP) 22.01.2008 | 11:18 Uhr

    Danke, liebe Silvia. Natürlich gibt es auch viele traurige Aspekte zur derzeitigen Situation in Simbabwe. Was ich aber als absolut ermutigend empfunden habe, ist der Mut, die Geduld, der Stolz und die Liebenswürdigkeit der Simbabweaner. Und bei allen Problemen, die sie haben, ist Rassismus in jedweder Richtung kein Thema mehr. Das ist der größte Vorteil im Vergleich mit z.B. Südafrika, wo viele noch den Blick zu Boden richten, wenn sie mit Touristen sprechen. Ich habe so viele Kontakte geknüpft, viele wundervolle Menschen getroffen und sinnhafte Projekte gefunden (z.b. das Painted Dogs Projekt in Hwange), im Oktober bin ich wieder dort!

  • pfriedri 17.02.2008 | 15:23 Uhr

    Toller Artikel, absolut Lesenswert! Ich finde auch das Simbabwe ein wunserschönes Land und tolles Reiseziel ist. Bleibt nur zu hoffen, daß sich in Zukunft wieder mehr Touristen dorthin verirren.

  • RdF54 04.05.2009 | 19:29 Uhr

    ich kann Dir nur recht geben! Die Menschen in Simbawe verdienen eine bessere Zukunft!! Gut geschriebener Bericht, schöne Fotos!

    LG Robert

  • rebecca 07.03.2010 | 19:17 Uhr

    Danke für deinen Bericht und die Tipps.
    Zurzeit plane ich unsere Reise nach Zim im Herbst und bin über alle Informationen, die ich bis jetzt erhalten habe, sehr positiv überrascht.
    LG Rebecca

  • RC-Redaktion 29.09.2011 | 14:37 Uhr

    Auch wenn die Reise schon länger zurück liegt - der Bericht bleibt lesenswert! Unsere Empfehlung auf der Startseite für Freitag.

  • Zaubernuss 30.09.2011 | 10:17 Uhr

    Ich bin erst heute auf diesen einmaligen Reisebericht gestossen. Hat sich inzwischen etwas zum Guten gewendet? Ich hoffe, dass die vielen Entwicklungsprojekte auch Wirkung zeigen. Danke und liebe Grüsse: Ursula

  • nach oben nach oben scrollen
  • Lioness 30.09.2011 | 17:18 Uhr



    hallo!
    nach meinen erfahrungen 2009 beim grenzübergang botswana rüber nach zim(kazangula)
    ist mir die lust auf reisen durch dieses land gründlich vergangen.
    so lange mugabe und seine schergen das land kaputt regieren, werde ich keinen fuß mehr reinsetzen.
    für die menschen dort ist das unerfreulich,klar. aber für mich ist es eine politische haltung, solche länder nicht mit ausländischer währung zu beglücken.
    ausserdem habe ich mich sehr schikaniert,beobachtet und ausgenommen gefühlt.
    wie gesagt: grenz-erfahrung!
    ich zweifle in keiner weise die naturschönheiten und die aufrichtigkeit der meisten menschen vor ort an! der besuch der vic falls war ein einmaliges erlebnis, aber auch hier hat man voll den touristennepp mit uns versucht...
    ich hoffe für die menschen dort, dass sich bald die zeiten/politik und ihre lebensumstände ändern!

    gruß, tina

  • Lioness 30.09.2011 | 21:12 Uhr

    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/SimbabweSicherheit.html
    wer nach lesen dieser seiten des auswärtigen amtes noch hinmöchte: bitte.


    gruß, tina/lioness

  • RELDATS 03.10.2011 | 12:23 Uhr

    Es ist eine Tragödie, was dieses unselige Mugabe-Regime in diesem Land anrichtet!
    Ein toller Bericht, aber gibt es überhaupt noch Tourismus in Simbabwe ?
    Nette Grüße.......Josef

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