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Reisebericht: Marokko, Land der Gegensätze

 
 
 
 
 
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Anreise

 
 
 
 
 

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An einem kühlen regnerischen Märztag 1989 brachen Armin und ich gegen 18 Uhr in Armins blauem VW-Bus Baujahr 1976 nach Marokko auf. Wir fuhren die Nacht durch, was für uns damals kein Problem war. Einer fuhr, der andere schlief hinten. Wir durchquerten die Schweiz bis Genf. In Frankreich ging es ab Lyon auf der Autobahn bis Avignon und von dort nach Spanien, das uns am Morgen mit Sonne und angenehmen Temperaturen begrüßte.
Wir übernachteten im Süden Spaniens und nahmen am nächsten Morgen die Fähre über die Straße von Gibraltar von Algeciras in Spanien nach Ceuta – eine spanische Exklave in Afrika. Obwohl die Fahrt auf dem Schiff nur eine halbe Stunde dauerte, waren die Preise gesalzen. Etwa 250 DM kostete die Überfahrt, da der VW-Bus 5 mm länger war als die Standard PKW-Klasse. Ein Schelm wer böses dabei denkt.



Einreise

Dutzende Menschen umringen den Schalter des kleinen Zollhäuschens, die meisten sind marokkanische Händler und spanische Touristen. Wer drängelt, kommt früher dran. Alle strecken ihre Reisepässe dem Schalter entgegen, hinter dem der marokkanische Zöllner sitzt, damit er ihn nimmt und mit stoischer Ruhe abstempelt.

Vorher muss ein anderer Zollbeamter die Autos begutachten und die Fahrzeuge in die Pässe eintragen, damit sie nicht illegal in Marokko verscherbelt werden. Die Einfuhr von Devisen war streng geregelt, weshalb ich (Euro-)Schecks zum Geldtausch dabei hatte.



Teppiche in Tétouan

 
 
 
 
 

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Ein junger Bursche auf einem Moped fährt neben uns her, erzählt von seinem Vater, der angeblich in Deutschland 30 Jahre bei Daimler am Band gestanden hat und bietet sich an, uns unentgeltlich die Medina (Altstadt) von Tétouan zu zeigen. Armin ist skeptisch. Er besuchte bereits ein Jahr zuvor Marokko und ahnt, was kommen wird. Dennoch gehen wir auf das Angebot ein.
Das Auto stellen wir am Rand der Medina von Tétouan in einer Nebenstraße ab. Ein Mann in traditioneller Djellaba (ein einteiliges langes Gewand mit Kapuze) bietet sich an, das Fahrzeug gegen einen geringen Betrag zu bewachen. Nicht dass in Marokko viele Autos aufgebrochen oder gestohlen werden.
Unser Führer geht zielstrebig in die Medina. Nach wenigen Kreuzungen stehen wir vor einem Teppichgeschäft. Der junge Mann möchte schnell mal seinen Onkel besuchen. Währenddessen sollen mal einen Blick reinwerfen, was wir auch tun. Wir betrachten die vielen schönen und teuren orientalischen Teppiche. Der Bursche hat seinen Auftrag ausgeführt und verdünnisiert sich.
Der Besitzer des Ladens serviert uns das Nationalgetränk Marokkos: „whiskey marocaine“. Aus einer silbernen Kanne gießt er heißes Wasser in einem hohen dünnen Strahl in Gläser mit frischen Minzeblättern und sehr viel Zucker. Ob wir Teppiche kaufen möchten? Der Teppichhändler gibt sich große Mühe, uns von der Qualität seiner Ware zu überzeugen und uns wenigstens einen Teppich anzudrehen – vergeblich. Wir haben vor, im Süden des Landes zu kaufen, wo die Teppiche hergestellt werden und die Preise deutlich niedriger sind, verlassen den Laden und fahren weiter ins Rifgebirge.



 
 
 
 
 

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Im Rifgebirge

Das Rifgebirge ist vor allem bekannt für seinen Cannabisanbau, den größten weltweit. Der Handel und Besitz von Drogen steht in Marokko dennoch unter strengen Strafen. Haschisch zu kaufen ist aber kein Problem. Praktisch an jeder Ecke ist es zu kriegen, es wird einem regelrecht aufgedrängt. Am Straßenrand winken Einheimische mit kleinen Plastiktüten, selbst von dem überladenen Pritschenwagen vor uns winkt ein Mitfahrer mit Tüten. Doch wer am Straßenrand kauft, kann doppelt reinfallen: Hinter der nächsten Kurve wartet oft schon die Polizei, konfisziert das soeben Gekaufte und brummt dem naiven Drögler noch eine saftige Geld- oder Gefängnisstrafe auf. Ein abgekartetes Spiel. Und ein Aufenthalt in marokkanischen Gefängnissen ist nicht empfehlenswert.
In Chefchaouen, einem der Zentren des Drogenanbaus, übernachten wir. Die Stadt ist im altandalusischen Stil erbaut: mit seinen weiß gekalkten Häusern und den in den Gassen der Altstadt zum Teil wasserblauen Wänden, bildet es einen schönen Kontrast zum dunklen Bergmassiv dahinter. Dort entspringen kräftig sprudelnde Quellen, die die Stadt mit Wasser versorgt.
In der örtlichen Bank tauschen wir D-Mark in marokkanische Dirham und bekommen nach deren Verlassen prompt Drogen angeboten: Haschisch, Marihuana, alles was wir wollen.
Am Abend spazieren wir durch die neueren Stadtteile. Spanische Touristen flanieren; ein junges Paar stolziert über einen weiten Platz. Der Minirock und der tiefe Ausschnitt sind für gläubige Moslems eine Provokation. Einige ältere Männer ziehen sich die Kapuze ihrer Djellaba über den Kopf. Die jungen Marokkanerinnen tragen hier oft westliche, offene Kleidung und sind meist unverschleiert. Sie gehen mindestens zu zweit. Eine Frau, die allein unterwegs ist, gilt als Nutte oder Freiwild.



 
 
 
 
 

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In den Ausläufern des Rif

In den Ausläufern des Rifgebirges prägen Kleinbauern das Landschaftsbild. Hügelige Landschaft, Ackerflächen mit Getreide, Gemüse und natürlich Minze für "whiskey marocain". Dazu weiden Schafe, Ziegen, Pferde und einige Kühe. Einige Hügel sind terrassiert und mit Olivenbäumen bepflanzt, um die Erosion zu verringern. Menschen arbeiten auf den Feldern mit Hacken, Eselkarren und Reiter auf Eseln begegnen uns. Autos sind sehr wenige unterwegs. Industrie scheint nicht vorhanden zu sein. Es ist angenehm ruhig und friedlich bei ebenso angenehmen Temperaturen.
Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Marokko mit 67 Einwohnern pro km² (Deutschland: 230 Ew. / km²); dünn besiedelt, die Bevölkerung konzentriert sich hauptsächlich auf die größeren Städte im Norden und in der Mitte des Landes.



 
 
 
 
 

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Brücke über den Sebou

Wir verlassen die hügeligen Ausläufer des Rifs und gelangen in die vom Oued Sebou durchflossene fruchtbare Ebene Cheraga. Gemütlich schaukeln wir auf schnurgerader Straße durch eine prächtige Pappelallee. Bei dem Ort "Pont du Sebou" (Brücke über den Sebou) treffen wir auf den gleichnamigen Fluss (Oued). Der Sebou, einer der größten Flüsse Marokkos, ist für unsere Verhältnisse eher ein bescheidenes Flüsschen. Wir kommen aus der Ebene wieder in Hügel. An den Hängen ist deutlich die Erosion zu sehen, vermutlich infolge der Abholzung.




 
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Übersicht Marokko

Regionen: Andalusien, Costa del Sol
Stadt: Fes

Kommentare
  • enfrente 11.01.2010 | 11:57 Uhr

    Eine abenteuerliche Reise durch ein interessantes Land. Marokko begeistert mich immer wieder, war 2006 auch dort aber in Agadir und Umgebung (Anti-Atlas) u. Marrakesch. Würde mir gern noch die Köngisstädte im Norden anschauen. Danke für den ausführlichen Bericht deiner Reise. lg Romy

  • rudi49er 19.01.2010 | 19:56 Uhr

    Hallo Sausi,die Bemerkung,daß "die Motorradfahrer"eine Gegend unsicher machen,oder gar ruinieren ist ganz schön unfair.Seit fast 50 Jahren bin ich unterwegs.Vor allem mit dem Motorrad und auch meinem VW Bus.Ich habe so manchen Deppen getroffen,aber auch wunderbare Menschen,egal womit sie unterwegs waren.Bevor man solche Äußerungen macht,sollte man sich überlegen,gibt es sie wirklich?Die Deutschen,oder die Touris oder die Ausländer.Wenn wir in der Fremde unterwegs sind,dann sind wir nämlich "die da".Grüße!

  • freeneck-farmer 28.11.2011 | 21:58 Uhr

    Ein schönes Bericht. Deine Bilder sind auch noch von eine relativ gute Kwalität. Ich habe Gerade meine Marokko Bilder von 1999 gescannt und die haben alle einen Rot Stich. Wir sind in 1999 4 Wochen mit öffentliche Verkehrsmitteln durch Marokko geresit.
    LG Anneken

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Marokko, Land der Gegensätze 4.29 7