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Reisebericht: Hyder/Alaska und Stewart/Kanada, zwei freundliche Geisterstädte am Portland Canal
Hyder ist ein Ort in Alaska, der nur über Kanada zu erreichen ist. Aber nicht nur das ist bemerkenswert. Es gibt viel mehr Gründe, einmal Hyder und Stewart zu besuchen.
Hat es einen Kanadareisenden schon einmal nach Stewart (Kanada, British Columbia) und Hyder(USA, Alaska) verschlagen? Aufgrund der vielen Waldbrände in diesem Jahr mussten wir unsere Route ändern und landeten in diesem kuriosen Teil der Welt. Beide Ortschaften waren einst blühende Minenstädte, nur 2km voneinander entfernt. Auch wurden von hier außer Erzen zahllose Baumstämme den 140km langen Portland Canal (ein natürlicher Fjord) bis nach Prince Rupert geflößt.
Heute ist von dem einstigen Wohlstand fast nichts geblieben. Von den über 10 000Menschen, die damals hier lebten, sind ganze 400 in Stewart und 100 in Hyder übriggeblieben. In Hyder wird man denn auch von einem fröhlichen Geist auf einem kleinen Banner begrüßt, das über die Straße gespannt ist: „Welcome to the friendliest ghost town in Alaska.“ In der Tat ist Hyder eine Geisterstadt. Überall stehen die typischen Holzhäuser im Wildweststil, die meisten von ihnen unbewohnt, vernagelte Fenster, windschiefe Veranden, abgeblätterte Farbe, verwitterte Inschriften. Die beiden wassergebundenen Straßen verwandeln sich bei Regen in Matschpisten, was offenbar keinen stört. Feine Autos fahren hier sowieso nicht, man bewegt sich mit Pickups vorwärts. Vor einigen Häusern parken Snowmobiles. Die Leute erzählen, dass vor ein paar Jahren in 36 Stunden 6m Schnee gefallen sind. Kitimat, die nächstgrößere Stadt, bedeutet nicht umsonst Schneeland.
Aber was ist noch kurios an Hyder/Alaska? Der Ort hat keinerlei Verbindung zu den USA und ist nur über Kanada zu erreichen. So gibt es keine amerikanischen Zollbeamten am kleinen Grenzübergang und damit auch keine unangenehmen Grenzkontrollen, die man sonst bei der Einreise in die USA über sich ergehen lassen muss. Nur die Kanadier kontrollieren die wenigen Leute, die aus Hyder nach Kanada einreisen und wenn es nur zum Einkaufen ist. Manchmal sind bestimmte Artikel in Hyder einfach ausverkauft. Die Kinder aus Hyder gehen in Stewart zur Schule. Man bezahlt mit kanadischen Dollars. Mit den Zeitzonen nimmt man es nicht so genau. Eigentlich gilt hier Alaska Time, aber meistens geht es nach der Canadian Pacific Time, nur am Sonntagmorgen ist um 9.00 CPT noch alles zu, also ist das Auslegungssache.
Eine Unterkunft bekommt man im einzigen Hotel : The Sealaska Inn. Der rührige Betreiber, genannt Jerry, bietet Zimmer, winzige Appartmens (Zimmer mit Kochgelegenheit und Bad) und einen Zeltplatz an, der vor allem von Motorradfahrern aufgesucht wird. Es gibt sogar einen Waschsalon, das Waschpulver dazu aber in Stewart! Die Appartments sind nichts für verwöhnte Reisende. Man fühlt sich wie auf „Montage“ in den winzigen, niedrigen Zimmerchen, die an Wohncontainer erinnern. Die Möblierung ist spartanisch, die Preise allerdings fürstlich, aber alles ist sauber und das ist das Wichtigste.
Warum sollte man aber überhaupt in diese Region reisen? Die Landschaft ist einfach atemberaubend. Beide Ortschaften liegen in einem ausgedehnten Gletschergebiet, gleichzeitig vermittelt der Fjord mit Hafen, Fischerboten, Holzflößen und den Gezeiten die Nähe zum Pazifik. Zwei Gletscher sind sogar mit dem Auto erreichen: der Bear Glacier liegt direkt an der Straße nach Stewart und der Salmon Glacier, einer der größten Gletscher Kanadas von 12km Länge, oberhalb von Hyder. Normalerweise kann man mit dem eigenen Fahrzeug über eine Schotterpiste dorthin fahren. In diesem Jahr ist der Gletschersee des Salmon Glaciers allerdings völlig ausgelaufen und hat dabei Teile der Straße weggespült. Unser geschäftstüchtiger Hotelier bietet daher Glaciertours in einem alten Schulbus zu stattlichen Preisen an. Der Gletscher liegt wieder auf kanadischem Gebiet. Der Grenzübertritt ist noch unspektakulärer, weil die Grenze nur als schmale Waldschneise auf einem steilen Abhang zu erkennen ist. Der Salmon Glacier mit seinen gewaltigen Ausmaßen ist wirklich ein absolutes Highlight, auch deshalb, weil der Aussichtspunkt eine Sicht von oben auf den Gletscher ermöglicht.
Die zweite Attraktion ist der Fish Creek in Hyder. Hier schwimmen im Sommer tausende von Lachsen über den Portland Canal zum Laichen den Fluss hinauf. Es gibt eine hölzerne Aussichtsplattform, die von dutzenden von Touristen mit Riesenobjektiven bevölkert ist, von der man für ein paar Dollar die Lachse beobachten kann. Wenn man Glück hat, sieht man dort auch Grizzly- und Braunbären, die sich an den ermatteten Fischen gütlich tun. Wir sehen allerdings nur die frisch geschlagenen Lachskadaver am Ufer und einen gefräßigen Biber im angrenzenden Biberteich.
Für Feinschmecker gibt es ein besonders Restaurant in Hyder: The Bus. Dort gibt es feinsten Fisch, nämlich frischen Lachs und Heilbutt, und Riesenkrebse (Dungeness Crabs) zu absolut vernünftigen Preisen und hervorragend zubereitet. Allerdings darf man sich hier kein Luxusambiente vorstellen, auch wenn die Speisen Luxus sind. Man sitzt vor einem ausgedienten Bus, in dem sich die Küche befindet, auf verrosteten Gartenstühlen oder Holzbänken. Das Essen wird auf Plastikgeschirr und mit Plastikbesteck serviert. Beim Krebsessen bekommt man Plastiklätzchen.
Von Stewart aus kann man auf einem Holzbohlenweg in das sumpfige Mündungsgebiet des Bear River spazieren, der in den Portland Canal mündet. Die Stimmungen und das Licht dort sind ganz besonders. Stewart selbst ist ein nettes Städtchen mit bunten Holzhäusern und kleinen Läden, sichtlich wohlhabender, als Hyder. Im August steppt hier der Bär, auf dem Grizzly Festival. Wenn man allerdings meint, es würden tausende von Menschen hierher strömen, der irrt sich. Es ist ein betuliches Dorffest auf dem sich die verschiedenen Gruppierungen des Ortes präsentieren: Kirchengemeinde, Feuerwehr, Landfrauen, mit selbstgebackenem Kuchen, gehäkelten Topflappen, frischen Hamburgern oder Kinderschminken. Es gibt allerdings eine Fotoausstellung von Laien und Profis, die ihre Begegnungen mit den Grizzlies dokumentieren. Die lokale Band streicht bereits um 16.00Uhr die Segel. „Oh, they already played since eleven“, ist die entschuldigende Antwort, weil es im Programm doch ganz anders steht.
Als wir nach ein paar Tagen weiterfahren, sind wir überzeugt, dass sich unsere Spontanidee absolut gelohnt hat, einen Abstecher in diese Region gemacht zu haben.
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sehr interessant, vielen Dank...
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Hallo Tanemeyer,
um Deine Frage zu beantworten:ja, es hat schon mal jemanden aus der RC dorthin verschlagen: 1994 wir waren mit einem WoMo unterwegs durch BC, kamen von Vanc.Island mit den Ferries nach Prince Rupert.
Unterwegs hatte uns jemand den Tipp f. Hyder gegeben, und wir wir waren sehr
begeistert...
eine eher unwirkliche Stimmung über Stewart, den Canal und die Reste der
alten Minen...alles lag sehr im Dunst
und dann die Bären im Fish-Creek! Damals gab es die jetzige
Holzplattform noch nicht..wir standen einfach auf dem kleinen Kiesweg hinter der
Brücke (wo jetzt die Plattform liegt) und warteten...eine Reihe von Tierfotografen mit vollausrüstung, eine Handvoll Touristen, manche von ihnen kamen jedes Jahr hierher und kannte "ihre" Bären
Die Lachse waren in dem Jahr sehr spät dran, die Grizzlys sehr
hungrig und entsprechend aggressiv (ein Ranger war immer in der Nähe und passte auf, daß keiner der Anwesenden zu mutig wurde...)
Als wir am 2.Tag hinfuhren (schöner Campground am Ortseingang re.Seite von Stewart), nahm uns der Ranger leise mit durch
ein kl.Unterholz vor der Brücke:
Im Flußbett stand auf einer Steinfurt ein jungerer Grizzly und
"verspeiste" einen anderen,älteren, den er offenbar wenig vorher zu Tode gebracht hatte.
Nahe unseres Campgrounds stand eine riesige eiserne nach hinten offene, aber mit einem stabilen Gitter versehene Tonne, in der ein Köder ausgelegt war = Tage zuvor hatte ein Grizzly einen kl. Hund zumOpfer gemacht..
Ich habe noch etliche Fotos (damals noch nicht digital) von dieser und den übrigen Situationen , auch von der Tading Post und dem Schilderwald an der
Tankstelle der Kreuzung nach Med.Junction...Zum Salmon River sind wir dann noch raufgefahren, allerdings haben wir auf halber Strecke kehrt gemacht, sobald er in Sichtweite war. Die Schlaglöcher waren dermaßen tief und zahlreich, daß wir um Schäden an unserem Wohnmobil fürchteten...
Eine tolle Reise - und ich kann nur jedem empfehlen,diesen "Abstecher" dorthin zu machen (zumindest aus meiner Erinnerung..)
Es gab (oder gibt immer noch) eine sehr gute Internetseite zum Fish Creek, die außerordentlich informatiiv ist und gut gepflegt wurde. Ich bin allerdings lange nicht mehr "reingesurft" (kein Wunder, die RC beansprucht alle Zeit..:-))) und weiß die genaue Adresse nicht mehr, aber man kann ja googlen...
Danke für Deinen tollen Bericht, ich habe mich sofort zurückversetzt gefühlt...
Im übrigen hat mich diese Reise veranlasst, mich mit dem Thema Bären weiter zu befassen. Wir haben dann auf einer Yukon/Alaskareise zwei weitere Bärenberührungen gehabt:
1. auf der Kenai-Halbinsel Homer Spit gibt es den Emerald Flight Service. (sobald man auf den Spit fährt links nach der Brücke, direkt am See, kaum zu verfehlen, dort
liegen diverse Wasserflugzeuge, selbst auf Google Earth gut auszumachen)
Kriss ist die Bärenflüsterin schlechthin, ihr Mann begeisterter Tier- (Bären-)Fotograf.
Und so flogen wir mit insges. 9 Personen über den Sound und über den Vulkan Mt. Augustin in den Katmai NP. Die Bäche waren voll (wirklich voll) von Lachsen, die Bären hatten leichtes Spiel und waren -ausser mit der ihnen eigenen Neugierde an unserem Wasserflugzeug und an uns im allgemeinen- nur an den Lachsen interessiert. Wir haben etwa 20 -25 Bären über den Tag beobachtet, 1-2 mal
sind Kriss und ihr Mann mit uns an weitere Stellen geflogen um uns dieses
einmalige Schauspiel zu beschweren. Obwohl nur 6, max. 7 Stunden für den Trip
der Bezahlung zugrundlagen, haben sie um fast 2 Stunden verlängert, da das Wetter traumhaft schön war und sie selbst ganz begeistert von dem guten Verlauf des Tages. als wir abflogen, wurde die Gruppe geteilt:
von dem kleinen See, auf dem wir gelandet waren, konnte das kl. Flugzeug uns aus Gewichtsgründen nicht alle mitnehmen...so setzte es die erste Gruppe an einem größeren See ab.
Es war ein leicht merkwürdiges Gefühl,
zurückzubleiben und auf die Rückkehr (10 Min.) zu warten, allerdings blieb Kriss
mit bei unsere Gruppe - zu ihr hatten wir vollstes Vertrauen ( Waffen sind im NP nicht erlaubt!)
Als wir den Tagestrip buchten, kämpften wir ob des Preises sehr mit uns (davon können wir in D eine vier Tage Urlaub machen)..wir haben es nicht bereut !!
2. Die weitere Begegnung hattenw ir wieder aufgrund eines Hinweises:
Vom Kluane NP kommend, fährt man durch Haines (vis a vis von Skagway) bis zum
Ufer runter, hält sich nach links Ri. Fähranleger (nach Skagway), bleibt aber auf
der Straße ca. 2 Meilen, immer am Ufer entlang.. Am Ende liegt ein staatl.Campground im Waldrand.
Wir wunderten uns schon auf dem Weg, daß viele Autos am Strassenrand standen.
Und dann sahen wir im Fluß bereits 4,5 und mehr Bären, lachsfangend..
Nach einer Kurve kreuzte direkt vor uns ein Bär (wir waren völlig uninteressant f. ihn)
den Weg und brach durchs kl. Unterholz durch zum Fluß (dieser mündet übrigens wenig weiter in einen wunderbaren See, auf dem man Kanu fahren kann..
auf dem Campground wurden Zettel verteilt, auf denen ganz klar die Verhaltensregeln
standen: nachts nicht aus dem WoMo gehen, Grillen verboten etc.
Da die meisten Bären von der anderen Fluss-Seite aus ins Wasser stiegen, war auf unserer Seite auch keine nennenswerte Gefahr beim Beobachten.
Wir sind zwei Tage geblieben, auch diese haben wir nicht bereut. Ausserdem ist
Haines ein nettes Städtchen und die Schiffs-Fahrt nach Skagway sicher ein "must-do", ebenso wie die Fahrt dort mit der Yukon-Railroad rauf auf den Paß.
Herzl.Gruß Waterwoman
Mit dem Wasserflugzeug -
Hallo, wir waren auch schon dort !!
Auf unserer Reise 2004 hatten wir ein Wohnmobil in Vancouver gemietet,
bei dem gleichen Vermieter wie Jahr zuvor auch schon, über CANUSA von
Deutschland aus gebucht. Wir bekamen einen nagelneues Pick-up Fahrzeug !
Da wir Vanvouver schon von früheren Reisen kannten, sind wir ein nach Vancouver Island, danach mit dem Schiff von Port Hardy nach Prince Ruppert und von da
nach Whitehorse. Am 31.5. - meinem Geburtstag - wollten wir zum Essen ausgehen -
in Hyder / Stewart !! Da wir in Hyder kein Restaurant fanden - nur : einen umgebauten
Schoolbus !! in dem eine Fischbude !! war, dort wurde das Essen zubereitet und man
konnte dieses entweder im Freien oder bei schlechten Wetter in einem halbfertigen
Raum serviert bekommen und essen, also - haben wir dort gegessen - ein Geburtstagsessen, das ich niemals vegessen werde !! Wir waren mehrere Male
in Alaska, dies Alles zu beschreiben, würde den "Rahmen" sprengen !!
Viel Spaß in Alaska wünscht der Baerenfan
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