DIE ALHAMBRA - Des Mauren letzter Seufzer

Reisebericht

DIE ALHAMBRA - Des Mauren letzter Seufzer

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Alhambra

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Kleine geschichtliche Einsortierung

Granada im Jahre 1492. Seit Monaten belagern die katholischen Könige Ferdinand und Isabella die Stadt und die prächtige Burganlage, die Alhambra, übersetzt die 'rote Zitadelle' (oben). Kolumbus besucht sie im Heereslager und bewirkt ihre Unterstützung für seinen Aufbruch in die neue Welt, der in der Entdeckung Amerikas gipfelt. Wenig später muss der letzte Sultan auf spanischem Boden, der muslimische Herrscher Boabdil, die Übermacht der Belagerer anerkennen und Burg und Stadt an die neuen Herren übergeben.
Die Geschehnisse in Granada im Jahr 1492 sind deshalb ohne Übertreibung eine Weichenstellung der Weltgeschichte zu nennen. Das Tor zur muslimischen Welt, die fast 800 Jahre lang die Geschicke der Iberischen Halbinsel bestimmte, wurde, obwohl es räumlich so nahe lag, endgültig zugestoßen, während ein neues, das zum fernen Amerika, geöffnet wurde.



Die touristische Entdeckung

Alhambra

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Im Laufe der kommenden Jahrhunderte fiel die Burg in einen Dornröschenschlaf, bis der Autor und Reisende Washington Irving sie im frühen 19.Jh. besuchte, in ihr wohnte und anschließend die 'Geschichten aus der Alhambra' schrieb.
Dieses Buch trieb so manchen Leser in romantische Verzückung, was schließlich zu ständig größer werdenden Touristenströmen Richtung Alhambra führte.
Heutzutage wird die Anzahl von Besuchertickets begrenzt. Wir mussten ein paar Tage warten, bis wir ein Ticket erhielten. Auch ist die Zeit reglementiert, während der man sich in den Nasriden-Palästen aufhalten darf. (Näheres zur Vorbestellung von Tickets siehe unter 'Tipps').

Doch wie man sieht, haben wir es geschafft hereinzukommen und befinden uns hier im sog. 'Myrtenhof', der seinen Namen von dem mit Myrten eingefassten Teich hat. Wir blicken auf den Salon des Embajadores, in dem der Sultan Besucher und Gesandte empfing.



Alhambra, Animals

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Ein grünes Hühnchen zwischen Symbolen der Macht, auch wenn die schon mal zum Briefschlitz degradiert werden: So schlecht passt dieses Bild nicht zur Alhambra, von der aus zwischen lieblichen Gärten und einem Übermaß an baulichen Verzierungen Macht ausgeübt wurde.



Alhambra, Fenster

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Die Fenster der Haremsräume

Dem wuchtigen Äußeren der Alhambra seht ein graziles Inneres gegenüber. Mit einfachen Mitteln, mit Gips, Holz und Keramik wurde praktisch jeder freie Zentimeter ausgeschmückt und farbig bemalt oder vergoldet. Das Bild rechts zeigt die Fenster zu den Haremsräumen im oberen Stock. Links blickt man vom Innern des Palastes nach außen. Wirkungsvoll wurde so die Durch- und Einsicht in jede Richtung behindert.



Alhambra, Tiles

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Im Mexuarsaal


Bild Mitte: Der Mexuar-Saal, der ehemalige Audienz- und Gerichtssaal, wurde mit bunten Kacheln ausgeschmückt, auf dem Boden liegen noch die abgetretenen Fliesen. Links sieht man das Wappen Carlos V., das dieser im ähnlichen Stil anfertigen und dort aufhängen ließ. Rechts ein Mauerdetail unterhalb der Fenster zu den Haremsräumen, wohl eine Koransure.



Alhambra Löwenhof



Der letzte Zufluchtsort der Mauren

Nachdem Cordoba und Sevilla sowie andere bedeutende Städte von den Christen zurückerobert worden waren, beschränkte sich der Einfluss der islamischen Welt zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert lediglich auf die Gegend um Granada. Die Stadt war reich und bezahlte Tribut an die anderen christlichen Herrscher, um nicht angegriffen zu werden.
In dieser labilen Lage bauten die Nasriden-Kalife die ursprünglich von einem Juden erbaute Burg zu einem Palast aus, der heute als Höhepunkt der islamischen Architektur auf westlichem Boden gilt.
Auf obigem Panorama sehen wir das Herz der Anlage, den Hof mit dem Löwenbrunnen, dessen Säulen früher vergoldet waren.



Alhambra, Löwenhof



Im Löwenhof

Die maurischen Architekten bezogen die Natur so weit wie möglich in ihre Gebäude mit ein. Alles wirkt leicht und luftig, und die Quellenflüsschen, die aus den vier Himmelsrichtungen dem Löwenbrunnen zufließen, reichen bis tief in die Wohnräume hinein.



Alhambra, Plaster

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Endlose Vielfalt im Detail

Der Detailreichtum der ausgeschmückten Wände, die kunstvollen Kalligrafien, die mit Stalaktiten verzierten Kuppeln lassen sich mit Worten kaum beschreiben. Auf dieser Collage sieht man ein paar Beispiele. Bis ins 13. Jh. entstand alles in Handarbeit, danach setzte man auch Schablonen ein.



Sala de los Reyes - Königliche Festsäle

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An der Ostseite des Löwenhofs befinden sich die Sala de los Reyes, die königlichen Festsäle, in denen extravagante Feste stattfanden.



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Dieser wunderschöne Erker öffnet sich zu einem der Innenhöfe hin, der von den Privaträumen des Palasts umschlossen wird.



Alhambra, Brunnen

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Die Brunnenbaumeister

Die arabischen Baumeister besaßen ein großes Wissen über Brunnenarchitektur. Die glatte Oberfläche des Wassers in Brunnen und Teichen sollte nicht durch spritzendes Wasser gestört werden. Deshalb wurden die Leitungen so weit verjüngt, dass das Wasser langsam hinein fließen konnte. Jeder noch so kleine Innenhof hat einen eigenen Brunnen aufzuweisen.



Alhambra, Archfountain

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Dieser schöne Brunnen im Jardin de Lindaraja stand früher vor dem Gerichtssaal und wurde von den späteren christlichen Hausherren hierher transportiert.



Alhambra, Love

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An vielen Orten sieht man die Romantik erblühen.



Granada

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Das alte Viertel und ein Jude als erster Erbauer der Alhambra

Vom Palast aus hat man eine gute Aussicht auf die verwinkelten Gässchen des alten arabischen Viertels Granadas, das Albaicin, wie die Alhambra und der Generalife-Palast Teil des Welterbes der UNESCO.
Der jüdische Bevölkerungsanteil wird im 11.Jh. auf 50% geschätzt. Der Jude Yusuf Ibn Naghrallah, der es damals unter dem Kalifen zum Minister und Heeresführer gebracht hatte, baute für sich die ursprüngliche Alhambra, eine Demonstration jüdischer Macht, die zu diesem Zeitpunkt im restlichen Europa undenkbar gewesen wäre. Damit wurde die Toleranz seiner Mitbürger allerdings überstrapaziert, er wurde ermordet, und gegen die Juden Granadas wurde ein Pogrom erlassen. Dieser Gewaltakt stellte im islamischen Spanien jedoch eine absolute Ausnahme dar, während die Juden in fast jeder deutschen Stadt unter Verfolgung litten.



Granada

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Zwei Panoramas von den Straßen und Dächern des alten Viertels. Die untere Aufnahme lässt ahnen, welche Besucherströme erwartet und bewirtet werden.
Granada, dessen Reichtum früher auf der Ausfuhr von Luxusgütern wie Leder, Papier, Keramik und Seide beruhte, lebt heute zu einem großen Teil vom Tourismus. Alte Fassaden und Gebäude wie die zahlreichen gut erhaltenen maurischen Bäder werden sorgfältig restauriert und Besuchern zugänglich gemacht.



Alhambra, Palast

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Der älteste Teil: Der Palacio del Partal

Vom ältesten Teil des Palasts, dem Palacio del Partal, steht nur noch die Eingangshalle und ein Turm. Ich fühle mich beim Anblick der Wassergärten in meine Heimatstadt Stuttgart zurückversetzt. Kaiser Wilhelm muss sich die Anregungen für die maurischen Gärten in der Wilhelma (Zoo in Stuttgart) wohl im Zuge der damals aufbrechenden Alhambra-Euphorie hier geholt haben.



Alhambra, Paläste

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Ein Panorama von der Gartenanlage und den uralten Palastgebäuden.



Palast von Carlos V.



Der Monumentalpalast Carlos V.

Carlos V., der in Cordoba den Bau der Kathedrale innerhalb der Moschee veranlasst hatte, wollte Granada zu seinem Regierungssitz machen und ließ deshalb direkt neben den Nasriden-Palästen einem monumentalen Palast für sich errichten.
Finanziert wurde er über eine Sondersteuer, die den noch verbliebenen Mauren auferlegt wurde. Allerdings wurde er nie fertiggestellt. Trotzdem gilt er mit seiner nüchternen Fassade als das bedeutendste Beispiel der spanischen Hochrenaissance. Heute beherbergt er ein Museum.


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Kommentare

  • winni

    So sollten Reiseberichte sein. Nicht zu lang und alles mit traumhaften Fotos hinterlegt. Kombliment. vg winni

  • Ulich

    Ich habe vor einiger Zeit einen Dia-Vortrag über die Alhambra gehört und dabei wesentlich weniger gelernt als durch Euren Bericht. Schön gegliedert, informativ geschrieben und architektonisch gekonnt präsentierte Fotos.
    Gruß aus dem Norden
    beate

  • Ulich

    Ich habe vor einiger Zeit einen Dia-Vortrag über die Alhambra gehört und gesehen und dabei wesentlich weniger gelernt als durch Euren Bericht. Schön gegliedert, informativ und kompakt geschrieben sowie architektonisch gekonnt präsentierte Fotos.
    Gruß aus dem Norden
    Beate

  • daruwalla

    Wir beabsichtigen, im April Andalusien mit unserem Sohn zu bereisen, mit geplanten Aufenthalten u.a. in Cordoba und Granada. Eure tolle Vorstellung der Alhambra (aber auch von Cordoba) läßt die Vorfreude auf unseren ersten Urlaub seit gefühlter Ewigkeit enorm wachsen. Herzlichen Dank dafür!!!

  • Sahara

    Wunderbarer Bericht, der zum Träumen einläd!
    Besonders der Löwenhof und die gefühlvollen Bilder dazu gefallen mir sehr!!

  • molineros

    Ein toller Bericht .Die Alhambra ist großartig und immer ein Reise wert.
    Um nicht an der Kasse enttäuscht zu werden, sollte man unbedingt die Alhambrakarten vorher (in der Saison sogar lange vorher !) kaufen .
    Über die Internetseite www.alhambra-tickets.es wählt man den gewünschten Tag und Vormittag oder Nachmittag . Man bekommt dann eine Uhrzeit zur Besichtigung der Nasridenpaläste genannt.
    Diese Uhrzeit ist verbindlich . Also unbedingt zur angegebenen Zeit dort sein, sonst kommt man nicht rein und verpasst das Beste. Man kann so lange in den Palästen bleiben wie man will .
    Wenn man mindestens eine Stunde vorher am Eingang der Alhambra ist, kommt man nicht in Zeitnot


  • J_und_E

    Lieber molineros,
    vielen Dank für Ihre Ergänzung! Wir hatten bereits im Text auf einen ähnlichen Tipp von Christian verwiesen, aber Ihr Beitrag verdeutlicht nochmals die Wichtigkeit einer Vorbestellung von Tickets und eines frühzeitigen Erscheinens an der Kasse. Wir buchten unseren Besuch an der Rezeption des Campingplatzes in Granada und erhielten einen Termin 3 Tage später. Das war allerdings Anfang Mai. Im Hochsommer wird das ganz anders aussehen.

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  • emhaeu

    Hola!

    Sehr informativer Bericht, vor allem die Fotos haben mir sehr gut gefallen - leider (warum?) sind sie ziemlich unscharf, wenn man sie sich etwas vergrößern will.
    Noch ein Tipp zu den Eintrittskarten: Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber wir waren im Januar da, da gab es Eintrittskarten ohne jede Vorbestellung und so gut wie kein Mensch in der riesigen Anlage ...
    Martin H.

  • B.Koehler

    Super Bericht! Waren im März dort und brauchten auch keine Karte zu bestellen, war nicht viel los.
    Ich muß allerdings eine Warnung aussprechen, achtung beim begehen der Stadt Granada, überall sind schöne, verzierte Häuser und kleine, gemütliche Teehäuser in engen, verwinkelten Gassen, die einen von den zahlreichen Stufen und aufgewölbten Steinen auf dem Boden ablenken!
    Überall humpeln Leute mit geschienten Beinen an einem vorbei.
    Ich konnte die Alhambra nur dank eines dort erworbenen Regenschirms erforschen, auf dem ich mich abstützen konnte. Heute hab ich eine lustige Beule auf meinem rechten Mittelfuß!
    Also immer auch Blick auf den Boden ;-) !

  • RdF54

    Toller Bericht über einesder schönsten Bauwerke der Welt - einfühlsam und informativ, was auch Eure sehr schönen Bilder zeigen!

    LG Robert

  • Blula

    Ein sehr, sehr anschaulicher Bericht mit wunderschönen Fotografien. Leider war ich selbst noch nicht vor Ort. Ihr habt mir hier nun den letzten Anstoß gegeben.
    LG Ursula

  • Porschi (RP)

    Moin Moin
    Muss sagen habe 2007 noch eine Karte bekommen,denn die sind schnell ausverkauft.
    War sehr begeistert davon.
    Der Bericht ist toll geschrieben und tolle Fotos dabei,sehr invormativ.
    Einfach toll.
    lg Porschi

  • kassa

    Danke für Euern interessanten Bericht. Ich will in 3 Wochen nach Andalusien und habe viel Informatives (praktisches und geschichtliches) erfahren. Auch die Fotos sind schön und eine tolle Ergänzung. LG Kerstin

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