Der Kapwind, der bläst so kalt

Reisebericht

Der Kapwind, der bläst so kalt

Reisebericht: Der Kapwind, der bläst so kalt

Mit Foxy und Thema in Kapstadt, um Kapstadt und um Kapstadt herum

Keine Bildinformationen verfügbar

Tag 1
Nach einem recht langen Nachtflug (immerhin gute zehn Stunden) kommen wir am nächsten Morgen am Cape Town International Airport an. Recht entspannt allerdings, und vor allem auch ohne Jetlag, ticken die Uhren hier doch nur eine Stunde anders als in Deutschland. Kapstadt wird oft als der optimale Ausgangspunkt für eine Fahrt ins Blaue angepriesen.
Wir bleiben dieses Mal allerdings 6 Tage und 6 Nächte, verdient die Stadt meines Erachtens doch mehr als lediglich Gateway zu sein. Vom Flughafen geht es mit dem Mietwagen die rund 20 km ins Zentrum. Vorbei an den Townships, mit abertausenden Hütten aus Wellblech und Kartonage, noch immer den Gettos und Schlafstätten der Schwarzen. Vor den Toren der Stadt.
Unser Hotel ist das Ritz. Es liegt ungefähr 2 km oder 3 km von der Victoria & Alfred Waterfront entfernt und ist von außen echt hässlich. Ein Hochhaus, das schon bessere Tage gesehen hat. Von innen ist es ein wenig besser, aber letztendlich entschädigt die Aussicht für alles. Wir wohnen in der 26 Etage mit Blick auf den Atlantik, bei dem einem echt die Spucke wegbleibt. (Bedenkt man, das Kapstadt eigentlich keinen Platz mehr hat, wie andere Großstädte von innen nach außen zu wachsen, freut man sich schon heute für die künftigen Bewohner und auch darauf, das Hochhäuser vielleicht irgendwann ihr Image als gesichtslose Wohntürme verlieren. Ich mag Hochhäuser. Wohne selber in der 5. Etage und könnte ohne diesen Blick in die Wolken gar nicht mehr leben. Denkt man jedoch an die Townships an den Stadträndern, bin ich jedoch die erste, die diese in gutbürgerliche Vororte umwandelte, wenn ich es könnte. Ich mag keine Vororte, aber hier würde ich sie begrüßen. Aber zurück zum Ritz. Es lässt sich hier wirklich vortrefflich wohnen. Wir sind angekommen in Kapstadt, der Stadt, die häufig als „schönste Stadt der Welt“ angepriesen wird. Sie ist aber auch die Stadt mit den vielen Gesichtern.
Eine Stadt, in der auf den ersten Blick längst die ganze Welt zu Hause ist, eine „Weltstadt“. In Reiseführern wird Südafrika oft als Regenbogenstaat angepriesen; Kapstadt als Schmelztiegel der Kulturen. Knapp 2,4 Mio. Einwohner leben heute hier (in ganz Südafrika sind es gut 47 Mio.). Elf - in Zahlen 11 – offizielle Sprachen werden in Südafrika gesprochen. Sind viele, hat aber einen Sinn, denn keiner soll seit dem Ende der Apartheid mehr ausgegrenzt werden. Deshalb sprich man neben Englisch und Afrikaans auch die folgenden neun Sprachen: isZulu, Siswti, isiNdebele, Sesoho, Sotho Nord, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa. Jede Sprache betitelt auch das Ende der Apartheid. Jede Sprache hat zudem auch einen offiziellen Namen für das Land. So heißt Südafrika auf Englisch „Republic of South Africa“ , auf Afrikaans krieg ich das auch noch hin „Republiek van Suid-Africa“ , die restlichen Namen für die verbleibenden neun (!) Sprachen wahrscheinlich nicht ohne Tippfehler. Daher lasse ich es an dieser Stelle lieber.
Auf den zweiten Blick frage ich mich allerdings: Kann sich hier die ganze Welt zu Hause fühlen? In einer Stadt, die hinter dem Berg, nach dem Motto „Aus den Augen, aus den Sinn“ solche Townships hat?
Als ich unter der Dusche stehe, um diese Gedanken abzustellen, hilft auch wie beim letzten Mal der Blick auf den Atlantik. Dieses Mal wird er allerdings noch getoppt, zeigt sich in diesem Zimmer doch zumindest ansatzweise der rechte Zipfel des Lion’s Head und verzaubert mich (man möge mich bitte erinnern, die Zimmernummer vom Nebenzimmer für meinen nächsten Besuch aufzuschreiben). Wie war das noch mal, es hat sich schon mal jemand tot geduscht? Das war mit Sicherheit hier. Die zweite möchte ich allerdings nicht sein, daher springe ich auch schweren Herzens wieder raus und wir machen uns zu Fuß auf zur Waterfront. Die Promenade führt direkt am Meer entlang. Alles sieht friedlich aus und ist es hoffentlich auch. Kapstadt ist nämlich auch eine Stadt mit einer sehr hohen Kriminalitätsrate, aber wir passen ja auf. Wir strecken unsere müden Knochen und beschließen, was essen zu gehen. Es wimmelt an der Waterfront von wunderbaren Cafes und Restaurants aus aller Herren Länder und man hat die Qual der Wahl. Die Stadt, sie lacht wirklich. Die Einkaufspassage kann sich auch sehen lassen. Wer mag, kann hier viel Geld lassen, reihen sich doch Edelboutiqen an Edelboutiqen, in denen man mich ganz bestimmt noch kurz verlieren wird. Schnell vergessen sind da auch schon wieder die Townships vor den Toren der Stadt, der weinenden Stadt.
Kapstadt hat echt viele Gesichter, wie viele Städte auf dieser Welt. Hast du Geld, ist es die tollste Stadt der Welt. Hast du kein Geld, ist es die schlimmste Stadt der Welt. Ist aber meines Erachtens in Europa genauso.
Aber wir wollen ja was essen. Empfehlen kann ich das Andiamo, ein wunderbares italienisches Restaurant mit Blick auf den Hafen. Heute sitzen wir wieder drinnen. Leider. Draußen wütet plötzlich der Wind. Genau wie beim letzten Mal. Ganz plötzlich war er da. Nichts Ungewöhnliches hier. Aber darüber werde ich noch berichten. Zu genüge. Ist es doch der Wind, der uns letztendlich den Zutritt auf den Tafelberg gewährt! Aber wir sind ja erst am Anfang der Reise. Und die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach einem leckeren Salat (seit der erzwungenen Steak-Kur in Namibia bin ich Vegetarierin geworden), fahren wir mit einem Taxi zurück zum Hotel. Den Abend lassen wir an der Hotelbar ausklingen. Ist ganz nett da und ich springe auch noch kurz in den Swimmingpool.

Tag 2

Die Nacht verbringen wir im 7. Himmel. Ich schlief wieder den Schlaf, den ich nur in Afrika schlafen konnte. Voller süßer Träume, die salzige Luft des Atlantiks noch in der Nase und auf den Lippen und das Rauschen des Meeres im Hintergrund. Einfach nur magisch. Am liebsten würde ich das immer haben. Aber das Beste kommt noch: ich bin wirklich kein Freund des frühen Aufstehens, aber in Afrika trifft das nicht zu. Es ist unglaublich, wie fit und ausgeschlafen ich in diesem Land am frühen Morgen immer bin. Ist das Magie? Dann würde ich gerne diesen Zauber mit nach Hause nehmen. Ich verzolle ihn auch und bin bereit viel dafür zu zahlen. .
Voller Elan und Tatendrang mache ich mir am nächsten Morgen noch im Zimmer meinen ersten Kaffee. Toll, einen Wasserkocher auf dem Zimmer zu haben. Ein echter Luxus und eine wahre Wonne, was so ein kleines Ding bewirken kann. Gibt es einem doch die Möglichkeit, den Tag würdevoll in Stille zu begrüßen. Und wenn nicht hier, bei diesem Blick, wo dann? Ist wahrscheinlich noch ein schönes Überbleibsel aus der Kolonialzeit. War ja schließlich mal englisch hier. Wie so oft im Urlaub, schmeckt der lösliche Kaffee einfach nur fantastisch. Echt, nicht übertrieben. Besser als jede Latte Machiato eines bekannten italienischen Herstellers, dessen Namen ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Ich muss zugeben, dass ich nach meinem letzten Aufenthalt mit einer großen Dose zurückgereist bin und frage mich, wo die wohl abgeblieben ist? Hat natürlich wie erwartet zu Hause nicht geschmeckt, aber verschimmeln wird sie mir die Wohnung ja nicht.
So hing ich meinen Gedanken nach, trank dann noch einen Kaffee und dann noch einen und hatte kaum Lust mich hier wegzubegeben. Musste ich auch nicht, wollte ich aber. Denn der Tafelberg ruft.
Und das ist doch mal was! Es sieht zwar windstill aus, heißt aber nichts. Die Wellen (hier liebevoll „Kaprollen“ genannt, wirft Thema ein) sind meines Erachtens gar nicht so groß. Aber bevor ich noch selber zum Wetterfrosch werde, mache ich mich auf zur Hotelrezeption. Denke an einen Freund, der hier in Kapstadt mal als Reiseleiter gearbeitet hat und jeden Morgen von irgendeinem Service-Anbieter eine SMS bekam, die ihm mitteilte: „Tafelberg auf“ oder „Tafelberg zu“. Auf mich trifft heute leider letzteres zu. Pech gehabt. Aber ich bin ja noch einige Tage hier.
So musste ich meinen Tag neu planen und beschloss, mir dabei ein wenig die Beine zu vertreten. Trotz der Windwarnung und der frühen Stunde war es echt richtig schön warm. In einiger Entfernung sah ich den Tafelberg und hielt darauf zu. Wie ein „Tischtuch“, sagt man hier, hingen die Wolken über dem Berg. Ansonsten war der Himmel über Kapstadt strahlend blau. Und ich habe ja Urlaub und die Freiheit, zu tun, was ich will. Und da ich das Meer so sehr liebe, plane ich einen Ausflug zum Strand. Mal wieder richtig faulenzen und nichts tun. Auch Thema vermisst das Meer. Und Kapstadt rühmt sich mit vielen Stränden. Alle haben eins gemeinsam und liegen am Atlantik. Das Wasser ist daher nie wärmer als unsere Nordsee und lädt nicht wirklich zum Planschen ein. Aber die Strände sind superschön. Wir fahren zur Camps Bay, liegt sie doch Innenstadtnah und ist mein Lieblingsstrand geworden. Hier gibt es auch viele nette Cafes. Und daher, man beachte, auch viele Leute. Nach der langen Zeit in der Wüste brauchen wir das aber auch. (Defizit an Gesellschaft!). Muizenberg mit seinen bunten Holzhäuschen ist auch wunderschön, und wäre heute auch meine Wahl gewesen. War es aber aus nur einem Grund nicht geworden: beim letzten Mal sind wir hier fast verhungert, hatten wir doch keinen Picknickkorb dabei und mussten einen „Zwangswasserkururlaub“ einlegen. Gut, dass ich nie Diäten mache. Habe diese noch nicht einmal einen Tag lang durchgehalten (denn wir haben uns abends den Bauch vollgeschlagen). Zunächst war das Wasser noch trinkbar, zwar nicht mehr kalt, aber auch noch nicht lauwarm. Irgendwann war es dann aber mehr als das, nämlich teewarm. Fehlte nur der hierzu erforderliche Teebeutel. Der lag jedoch noch im Hotelzimmer. Schade, hätte den Wettbewerb „Kochen ohne Herd durch Sonneneinstrahlung in Kapstadt“ problemlos gewonnen (verbessert sich so doch das Aroma durch die naturnahe Herstellung). Aber in der Not darf man nicht wählerisch sein! Camps Bay hat echt eine Menge zu bieten. Ich bin von dem Restaurant „Codfather“ einfach nur angetan. Habe ich letztes Mal nach Muizenberg kennengelernt. Sushi macht nicht satt? Falsch! Dieses Angebot hier schafft es. Man braucht danach eine ganze Woche nichts mehr zu essen. Aber an morgen denken wir jetzt noch nicht und hauen angestachelt durch die Wellenmusik des Atlantiks erst einmal rein.

Tag 3

Nach einer weiteren traumreichen Nacht, wachen wir am nächsten Morgen bereits vor dem Wecker auf. So gerne würde ich auf den Tafelberg. Ich habe wirklich Lust. Also, rein in die Klamotten und runter zur Rezeption. Voller Erwartung und Hoffnung. Ganz schnell. Aber auch heute bleibt uns dieser Ausflug vorenthalten. Ich war echt enttäuscht. Zum wiederholten Mal. Das es noch schlimmer kommen könnte, ahnte ich da noch nicht (Gott-sei-Dank, sollte ich dem vielleicht hinzufügen).
Circa eine Autostunde von Kapstadt entfernt liegt Langebaan, das ich nach dieser Enttäuschung zum heutigen Tagesziel erklärte. Das Meer hatte schon immer eine beruhigende Wirkung auf mich, aber ich wiederhole mich. Aber bevor der Leser jetzt denken mag, heute gäbe es außer einer schönen Nixe, die faul am Strand liegt, wieder nichts zu erleben, und sich verdünnisiert: ich mache auch noch einen Abstecher zum Postberg, der im wunderschönen West-Coast Nationalpark liegt.
(Anmerkung: das ist so eine Sache mit den Namen, wenn man auf Deutsch schreibt und alles auf Englisch kennen gelernt hat. Echt nicht einfach, aber in diesem Fall ist „West-Coast“ West-Coast. Bei den Tieren wird das ganze für mich noch schlimmer. Aber warten wir damit bis zur Safari).
Hier möchte ich mir ein Bild darüber machen, ob die südafrikanischen Vögel genau so einen Zauber auf mich ausüben, wie die in Namibia es getan haben. Und dann kann ich auch den Vogelliebhabern unter euch, die gerade mit Fernrohr irgendwo in den Vogelbeobachtungsstationen im Park verweilen, etwas Schönes erzählen. Aber schauen wir mal.
Um eine eventuelle Hungerattacke (hatte nach dem gestrigen Abend essen noch nichts wieder zu mir genommen und musste wieder an die Muizenberg-Erfahrung denken, die sich wieder neu in mein Gehirn eingebrannt hatte) zu verhindern, hielt ich in einem kleinen Städtchen, in dem ich mich nicht gewundert hätte, dem „Kleinen Hobbit“ und seinem Meister John Ronald Reuel Tolkien höchstpersönlich zu begegnen. So bizarr wirkte die Landschaft auf mich. Spricht man das Wort des Schutzgebietes laut und langsam aus, Küstenfynbos, ich wiederhole, Küstenfynbos, versteht man hoffentlich was ich meine. Den Namen dieses Städtchens habe ich leider vergessen (ehrlich), aber es gab lediglich eine Tankstelle und eine „Versorgungseinrichtung“ (man denke an unsere alten Bundesländer). Ich entschied mich für mehrere Brötchen, drei an der Zahl, die die Besitzerin für mich zubereiten wollte. Weil ich mal für kleine Mädchen musste, fragte ich sie nach dem Örtchen, dem für das kleine Geschäft. Sie wies mich nach draußen und unvermittelt stand ich vor einem kleinen Häuschen.
„4U2P“ lachte mich ein Schild an.
(Steht für „For you, to pee“. Derjenige, der kein Englisch spricht, sei hier kurz geholfen: Für Dich, zum Pinkeln“. Daneben hing das Geweih eines immerhin toten Tieres).
Ich betrat das Innere und möchte nicht näher beschreiben, was ich dort sah. Aber da wir schon mal im Englischen sind, dachte ich nur „Fucking Shit“ und verließ das Örtchen ohne mein Geschäft verrichtet zu haben.
Ich bezahlte dennoch die Brötchen und bedankte mich. Dann machte ich mich auf den Weg nach draußen. Will ja nicht unhöflich sein. Aber mir auch keinen Ärger einhandeln, und die Vögel damit füttern. Einmal in Afrika gewesen, weiß man, dass man das nicht tut. Wilde Tiere füttern, meine ich.
Zurück zum Nationalpark. Laut Reiseführer schaffte es dieser Park ohne Probleme in die Top10 der außergewöhnlichen Naturschönheiten. Den botanisch Interessierten werden äußerst farbenfrohe Blumenbiotope empfohlen, deren Abwesenheit im Dezember mich allerdings hätte skeptisch machen müssen (und mir einige Kilometer erspart hätte). Aber nach der kurzen Rast für den erwähnten Brötchenstopp, tat es das leider nicht. Ich war zwar nicht in Ohnmacht gefallen, aber seither war mein Gehirn ausgestellt.
Irgendwann erreichten wir mit mittlerweile abgestelltem Ekel den Park, konnten ihn aber leider nicht betreten, war der Monat Dezember doch nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
Da wir uns einig waren, dass wir im Urlaub waren, ließen wir uns den Unmut aber nicht anmerken und machten ein Foto, das bestimmt niemand hat, gab es doch nicht viel zu sehen zu dieser Jahreszeit. Leider hat es bis heute nicht geschafft einen Preis für außergewöhnliche Naturaufnahmen zu erzielen.
Südafrika. Hier waren wir. Und wir sind Touristen. Mittendrin. Und heute besuchen wir Langebaan. Freiwillig (man vergesse das nicht). Die Landschaft ändert sich wieder. Die für südafrikanische karge Landschaft verschwindet, macht mehr und mehr Platz für das kleine Küstenstädtchen Langebaan. Langebaan ist eine Lagune, circa 16 km lang und ein wirklicher Traum. Einer der faszinierendsten Orte, die ich je gesehen habe. Daher ist der Unmut und Schrecken des gesamten Tages schnell vergessen. Wir badeten heute ausgiebig. Das Wasser ist im Gegensatz zum Atlantik ganz warm und flach. Machten einen Strandspaziergang, bei dem auch Thema mal wieder andere Pinguine traf und wurden immer ausgelassener. Liefen eine halbe Stunde in die eine Richtung, eine halbe Stunde in die andere, ohne dass wir eine Menschenseele trafen. Verlaufen konnten wir uns so auch nicht. Aber dann fand uns der Wind wieder. Wie so oft ohne Vorwarnung.
Ein mieses Gefühl, Sand zu schlucken, zeigte es aber auch, dass wir hungrig waren. Und überhaupt keinen Grund zum Trübsal blasen haben. Ganz im Gegenteil. Im Strandloper- Restaurant fanden wir ein windgeschütztes Plätzchen. Es wartet der beste „Fisch-Braii“ der Welt auf euch. Nein, kein Mus, so wird hier gegrillter Fisch genannt. Und der Grill hier in Langebaan haut einen nicht nur größenmäßig um. Dazu gibt es das ganze in Buffet-Form, sowohl zur Mittags- als auch Abendzeit und man kann sich zu mehr als fairen Preisen satt essen. Aber „Langsaam“. Wir sind in Langebaan.
Während wir warten, machen wir die Bekanntschaft eines äußerst netten Südafrikaners und erfahren Interessantes: „Ist es windig in Kapstadt, ist es definitiv noch windiger in Langebaan. Liegt irgendwie an der Lage der Lagune“. Unsere windstille Badezeit war eine große Ausnahme gewesen. Ich lächelte tapfer und dachte nur „Wieder etwas gelernt“.

Tag 4

Am nächsten Tag bleiben wir daher in Kapstadt. Es gibt nur Plan A. Und Plan B ist Plan A. Man denke an unser lehrreiches gestriges Gespräch. Unser Tagesziel ist und bleibt der Tafelberg. Oh Tafelberg!
Fehlanzeige. Bin ich mir sicher. Auch wenn ich normalerweise wirklich positiv eingestellt bin und schon viele Leute durch meine Gelassenheit zum Mäusemelken getrieben habe. Vielleicht komm ich deswegen in Afrika so gut klar?
Mein lieber Herr Gesangsverein: heute Morgen rüttelt der Wind so laut an mein Fenster, das ich davon wach werde und noch im Halbschlaf erblinzeln kann, wie er meine Zeitung vom Tisch fegt. Er bläst wirklich mit seiner ganzen Kraft. Kommt aus den Tiefen des Südatlantiks und hat es auf mich abgesehen. Langsam werde ich wach, ist auch lebensnotwendig. Man kann die Fenster hier zwar nur fingerbreit öffnen und sich demnach nicht in die Tiefe stürzen, aber es sind auch schon Leute gestorben, die beispielsweise nur eine kleine Menge Fluid verschluckt haben. Das passiert zwar in der Regel nur Feuerschluckern, aber weiß ich, was mir der Atlantik gerade ins Zimmer treibt?
Als ich aufstehe, peitschte der Wind mir heftig ins Gesicht und fegt den Tisch dabei komplett leer. Das kann doch wohl nicht wahr sein und muss ein Albtraum sein. Es geht schon bald nach Hause! Ich glaube, ich muss mit dem„Kapdoktor mal ein Hühnchen rupfen (so nennen die Kapstädter diesen Wind).
Rasch ging ich in die Dusche, um diesen Traum wegzuwaschen.
Als ich raus kam, dauerte das Spektakel da draußen aber leider noch an.
Ich dachte an meinen Reisebericht. Ein Reisebericht über Kapstadt ohne den Tafelberg. Das geht doch nicht. Heute brauche ich also Geduld. Mein Plan ist daher ganz bescheiden: Hört der Wind auf, bin ich auf dem Berg. Schneller als die Polizei erlaubt, das verspreche ich dir. Und mehr Pläne gibt es nicht.
Die Zwischenzeit nutze ich aber. Ist es doch eine gute Möglichkeit durch den „Pan African Market“ zu schlendern und mich an afrikanischer Kunst zu erfreuen. Hier gibt es Vieles! Souvenirs aus Südafrika. Wer gerät da nicht in Versuchung? Und die Auswahl ist schwer. Ketten aus exotischen Materialien wie Samen oder Muscheln, Schnitzereien aus Knysna, aber auch Töpfe und Textilien. Einfach alles. Will die Liste ein wenig verkürzen.
Aber nicht alles hier kommt auch aus Südafrika. Viele Händler kommen heute auch aus Mali. Hat sich halt herumgesprochen, dass hier gut eingekauft wird. Viele mögen es deswegen hier nicht. Finde ich Quatsch. Wer sich jedoch durch seinen Urlaub zum Dank bei den Südafrikanern verpflichtet sieht, und noch keine Chance hatte, Curio-Läden oder Straßenmärkte aufzusuchen, dem sei hier ein wenig geholfen. So ist zum Beispiel der Stamm der Ndeble für ihre üppigen und bunten Perlenarbeiten bekannt, die nicht nur bestickte Puppen, sondern auch Armreife aus Kupfer oder Messing verschönern. Auch die Zulus fertigen schönen Perlenschmuck, bieten aber auch rustikale Getreidekörbe an, die aber gut und gerne mal ein Kilo wiegen (für den Heimreisenden, der in den Einkaufs- Sog gerät).
Ach, egal, bevor ich jetzt auch noch einen Shopping-Ratgeber zusammen schreibe, lasse ich mich lieber treiben und sauge die Atmosphäre auf. Kauft was euch gefällt. Macht ihr ja eh. Aber handelt. Doch noch ein Ratschlag. Wirft Thema ein.
Mir fällt es schwer, aber nach so vielen Besuchen in Afrika vertraute ich mittlerweile meiner eigenen Methode. Und die begann mittlerweile echt Früchte zu tragen. Es handelt sich dabei um die Methode „“1-Euro-Shop“. Vor meiner Abfahrt kaufte ich in der Regel in etwa 50 Haarbänder ein, für ein paar Kröten. Die, die ich am Ende einer Reise noch über habe (im Schnitt verliere ich pro Woche zwei), tausche ich ein. Sind hier heiß begehrt und erfreuen die Menschen wirklich sehr. Gibt zwar keinen großen Webteppich oder eine wunderbar geschnitzte Maske, aber die brauch ich auch nicht mehr. Hab ich vergessen zu erwähnen. Mein Wohnzimmer ist auch Afrika. Brauche und will ich dennoch mal was Größeres, handele ich jedoch auch. Zumindest ein wenig.
Aber wie ich erfahren habe: nicht genug. Aber wenn es nichts an Qualität zu meckern gibt und ein schönes Stück für ein paar Euro zu haben ist, reichen mir persönlich 30 Prozent Preisnachlass. Eine professionelle Käuferin afrikanischer Kunst, die ich auf einer meiner Reisen kennenlernte, betreibt einen kleinen Shop in Kanada. Sagte sie. Angeblich verdient sie sich dumm und dusselig. Aufschlag liegt bei 4000 Prozent. Richtig gehört.4000, ich wiederhole. Wie gut das Kanada so weit weg ist. Ist bestimmt gelogen. Andere kochen auch nur mit Wasser, wirft Thema ein. Und wenn nicht, kriegt sie bestimmt mal Ärger mit dem afrikanischen Zoll. Und das gibt bestimmt mehr als Ärger. Aber lassen wir das.
Mich lockte noch immer der Tafelberg. Nein, hab ich nicht vergessen, mich lediglich erfolgreich abgelenkt. Aber leider tobte draußen noch immer der Bär. Kein Ende war in Sicht, aber das sah gestern ja genauso aus.
Plan lautet daher jetzt: Langsame Annäherung an das begehrte Objekt!
Der Signal Hill. Hier stehe ich mittlerweile und das sind immerhin ca. 350 Meter über der Metropole und das ist besser als gar nichts! Hier wird einem auch schon klar, wieso der Blick vom Tafelberg zu den schönsten Blicken der Welt zählen soll. Der Wind fegt leider noch immer, auch hier. Pustet eine leere Flasche durch die Gegend, eine Tüte durch die Luft und mich fast um. Ich kann nur sagen, man kann auch in Afrika frieren. Die Luft prickelt. Das Licht ist aber fantastisch. Auch der Tafelberg (ich mag den Namen schon gar nicht mehr in den Mund nehmen) sieht wunderschön aus. In Namibia lachte jetzt bestimmt gerade eine Hyäne.
Ich beschließe daher mir auch noch den Flower Market an der Adderley Street anzuschauen. Mich lockt dieser Markt immer wieder an und ich liebe es hier. Bedauerlicherweise kann ich hier nichts kaufen oder was soll ich beispielsweise mit einer wunderschönen Protea (der Nationalblume am Kap), bin ich doch nur auf der Durchreise (Thema merkt an: „Geht doch, auch eine Frau kann Bummeln ohne Schnäppchen zu schlagen) Aber meine Nase und meine Augen danken es mir. Sie arbeiten hier auf Hochtouren. Vor allem die Nase (das ist glaube ich etwas, was mir fehlt, wenn ich in Deutschland bin und vielleicht ist das endlich die Definition für das, was das Reisen ausmacht? Wir werden sehen!) Dieser Duft des Blumenmeers lässt mir die Sinne schwinden. Da kann ein großer europäischer Blumenmarkt wie z.B. der in London echt nicht mithalten. Obwohl der mich auch immer wieder aufs Neue verzaubert.
Als ich genug gesehen und gerochen habe, machte ich mich noch einmal auf zum Signal Hill. Ein letztes Mal für heute! Mir brennt es unter den Nägeln einen Sonnenuntergang von oben zu sehen. Ich schaue auch gar nicht mehr auf den Tafelberg! Nur auf den Ozean, denn hier spielt sich das erwünschte Spektakel ab. Ich sehe zu, wie draußen auf dem Meer ein feuerroter Sonnenball erst langsam, dann mit voller Wucht in Sekundenschnelle im Wasser versank. Das ist Afrika. Gerade noch hell, dann schon dunkel. Schalter an, Schalter aus. Ich bin mir sicher, Gott hat die Welt doch vom Tafelberg erschaffen.

Tag 5

Guten morgen, liebe Sorgen. Auch heute liegen breite Wolkenbänder über dem Berg. Vom Wind bedroht wurden wir jedoch nicht und auch der Rest der Stadt ist wie immer wolkenfrei. Die Fragerei an der Rezeption sparte ich mir da lieber. Ist ja enttäuschend genug, die Wolken an der falschen Stelle zu sehen. Vielleicht hat Gott doch nicht die Welt vom Tafelberg erschaffen. Ist ja nie freie Sicht. Oder liegt da der Hase im Pfeffer?
Also, wie immer, anderes Programm. Das Afrika der Armen sehen wir (die Touristen) hier in Kapstadt nicht. Kriegen nichts davon mit. Sehen es lediglich auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt oder wollen es sehen und buchen eine Township-Tour. Und das machen wir heute.
Ich muss an ein kleines Mädchen in Rundu in Namibia denken. Ich hab dieses Mädchen mal fotografiert. Wie es dazu gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr. Mache so etwas eigentlich nicht. Aber ich weiß noch: Sie hat so gelacht. Sich so gefreut. Sich noch nie auf einem Foto gesehen. Dank an die Digitalkamera! Wir haben total gelacht. Sie liebte es einfach. Das Eis war gebrochen. Mit Fotos, die ich nicht dalassen konnte, hatte ich ihr Herz gewonnen. Wenigstens für einen kurzen Moment.
Als zukünftiger WM-Botschafter muss ich da aber mal hin. Möchte ich nicht. Aber will doch wenigstens ein bisschen helfen. Und Sachen, die man selber nicht gesehen hat, kann man sich echt nicht gut vorstellen. Oder wie sollen diese Menschen sonst ein Ticket bekommen? Jeder zweite ist arbeitslos. Diese Zahl halte ich noch für untertrieben, zumindest für die Townships. Oder wie wird hier gezählt? Vielleicht finden wir auch einen Sponsor für eine Leinwand oder gar mehrere? Die Kapstädter und anderen Südafrikaner, sie warten doch alle auf die Fußball-WM – und zwar alle gemeinsam! Schwarz und weiß. Es ist das größte Fest seit der Unabhängigkeit. Und das nicht nur für die Südafrikaner, sondern auch für die Touristen. Für die Menschen aus aller Welt. Und das ist doch eine große Chance.
Es ist bereits früher Mittag, als wir mit unserem Tourguide Dave die Grenzen von Khayelitsha erreichen. Es ist nach Soweto das zweitgrößte Township Südafrikas und befindet sich nur einige Kilometer außerhalb Kapstadts. Übersetzt bedeutet der Name paradoxerweise so viel wie Neue Heimat. Was ich sehe, gefällt mir überhaupt nicht. Eine Ansammlung von Hütten . Die meisten aus Wellblech und Holz. Ab und an eine etwas größere aus Beton.
Zwischen 600.000 und 1,5 Millionen leben hier. Wie viele es letztendlich wirklich sind, weiß keiner so genau. Das zeigt auch die überaus große Spannweite dieser Angabe. Oder will es keiner richtig wissen? Oder traut sich nur nicht die wahren Zahlen rüber kommen zu lassen? Ich hoffe, dass nicht wie so oft in Europa die Dunkelziffer nicht noch höher ist. Aber wieso höre und lese ich nie von sinkenden Zahlen? Das wären doch mal gute Nachrichten (und das in diesen Zeiten und dazu auch noch aus Afrika) Mittlerweile ist seit dem Ende der Apartheid fast eine ganze neue Nation herangewachsen. Irgendwie vergleichbar mit unserer alten DDR. Man verzeihe mir den Vergleich. Da sind es lediglich 4 Jahre mehr und die (Nicht-)Ent¬wicklung dort ist ja hinreichend bekannt.
Die meisten Hütten sind ohne Strom und ohne fließend Wasser. Stützen sich gegenseitig. Straßennamen? Fehlanzeige. Khayelitsha ist zwar in Bezirke eingeteilt, aber mehr nicht. Die Einteilung sehe ich nicht. Nur die Nummern, die mit Farbe an die Hütten gepinselt sind, die natürlich fast überall vom Sonnenlicht verblichen ist.
Dave ist echt toll. Total gut gelaunt und sympathisch. Versucht uns das Township zu erklären, mit seinen guten und schlechten Seiten. Ich sehe nur die schlechten Seiten. Verrostete Autos hier und dort, dann wieder Hütten in endlosen Reihen, alle gleich, doch verschieden, gebaut aus Sachen, die man gerade übrig hatte. Weggeschmissen wird hier nichts. Höchstens zum recyceln. Aber verlaufen kann man sich hier. Die einzig gute Seite, die ich entdecke: die vielen lachenden Kinder, ihre gleichmütigen Blicke. Sie verstehen unsere Sorgen nicht.
Dann ein kleiner Shop, hunderte von leeren Flaschen davor. Wir werden ermuntert zu kaufen. Kaufen wir, helfen wir. Deswegen sind wir ja da. Also, gehen wir in den Laden, auch ich, obwohl ich mich nicht danach fühle. Hier gibt es eine Theke, aus wenigen Brettern zusammengenagelt. Dahinter ein einfaches Regal, das bis zur Decke reichte, in dem ich aber außer ein paar Schnapsflaschen, ein halbes Dutzend Weinflaschen und ein paar Wasserflaschen nicht entdecken konnte. Die Frau hinter der Theke lacht mich jedoch freundlich an. Eigentlich will ich ihr mein Geld geben, ohne etwas zu kaufen, aber das geht ja nicht. Einen Kühlschrank sehe ich nicht. Fragen mag ich nicht. Daher kaufe ich mir ein warmes Wasser. Um etwas zu tun. Als ich es später am Tag trank und sich der erhoffte Aha-Effekt partout nicht einstellen wollte, dachte ich nur. Jetzt mach mal halblang und schämte mich echt für meine Gedanken.
Wir wurden so herzlich in Empfang genommen. Die Leute freuten sich auf über uns. Nicht nur über das Geld, das wir bringen, sondern auch über die willkommene Abwechslung, die wir in ihren tristen Alltag bringen. Das war mir vorher gar nicht klar.
Hier spielt sich das Elend ab. Nur ein paar Kilometer von Kapstadt entfernt. Die Schere zwischen Arm und Reich. Größer als anderswo in dieser Welt. Die schwer bewaffneten Sicherheitsleute vor unserem Hotel sieht man mit einem Mal mit anderen ganz Augen.
Der Stress zieht an den Nerven, bei Anblick von so viel Armut. Ich fühle mich so klein. Will mich nicht einmischen, aber auch nicht ignorieren.
Dave findet die richtigen Worte: „Kommt wieder. Ihr helft uns damit“. Keiner hat mich gezwungen, heute hierher zu kommen, ich habe es freiwillig getan, aber noch einmal schaffe ich das nicht. Dave. Das tut mir leid.
Ich hoffe nur, dass diese Townships verschwinden, irgendwann, ganz schnell. Aber das wünschen sich auch noch ganz andere. Wiederkommen, das scheint im Moment unmöglich zu sein. Aber ich werde an mir arbeiten. Will ja helfen.
Eine Horde Kinder läuft uns gerade lachend entgegen. Ist das die gute Seite? Ich werte es mal so. Dann geht es mir gleich ein bisschen besser. Die Hütten zeugten wirklich von wahrer Baukunst. Alles wird verwertet. Auch diverse Milchtüten haben wir heute in den Wänden eingebaut gesehen.
Dann sehen wir noch einen kleinen Straßenmarkt. In der prallen Sonne verkauft eine Frau dicke fette sehnige Fleischstücke. Fliegen kreisen und brummen. Auch sie lacht uns an und preist strahlend ihre Ware an. Dave kennt sie natürlich. Sie ist nett und voller Energie, strahlt Lebensfreude aus: sie bietet uns an, auch für uns zu kochen. Wir lehnen dankend ab, schämen uns aber dafür.
Ende der Townshiptour.
Keine Worte mehr. Wir fahren schweigend ins Hotel zurück.
Und ich muss euch auch noch was gestehen. Ihr erinnert euch an die Brötchen, die ich auf dem Weg nach Langebaan gekauft habe? Sie sind wirklich im Müll gelandet. Es ging echt nicht anders.
Die folgende Nacht war grausam.
Ich konnte meine Gedanken nicht abstellen. Der Wind pfiff mal wieder total laut und ich lag auf dem Rücken, sah in die dunkle Nacht und dachte über das Unrecht dieser Welt nach. Und versuchte Antworten auf Fragen zu finden, die ich natürlich nicht fand. Mittlerweile hatte ich sogar mehr Fragen als Antworten gefunden. Aber das geht wohl vielen so.
Fühle mich auch am nächsten Morgen noch unwohl, irgendwie. Und das obwohl uns die Menschen wirklich sehr offen und herzlich entgegenkommen sind. Davon sollten wir uns echt mal eine Scheibe abschneiden! Auf meinen Reisen habe ich viele Menschen getroffen, aber so eine Herzlichkeit wie gestern im Township selten erlebt. Fühle mich beklemmt.
Und bin froh, kein einziges Foto gemacht zu haben. Mag keine „arme Menschen gucken“. Und dann noch mit Fotos einen draufsetzen.

Tag 6

Vom Tafelberg gibt es nichts Neues. So sollte unser neues Buch heißen. Wer in Afrika unterwegs ist, sollte geduldig sein. Sind wir. Wer nach Afrika fährt, sollte geduldiger als ein Gärtner sein. Sind wir auch. Haben auch einen grünen Daumen.
Vielleicht sollten wir den Film „Fußball wie noch nie“ mit George Best imitieren. Kennt ihr nicht? Kurzzusammenfassung: Vom Spiel Manchester gegen Coventry ist nur der wunderschöne George Best 100 Minuten lang zu sehen. Mehr nicht, aber ist echt ein schöner Mann. Fußball für Frauen, dieser Film. Ne, echt verrückt, oder? 6 Kameras begleiten ihn. Wir sehen immer nur ein Bild.
Für unseren Film „Vom Tafelberg gibt es nichts Neues“ filmen wir lediglich mit 2 Kameras. Vom Signal Hill und aus der Innenstadt. Mehr nicht. Zwei verschiedene Perspektiven. Das reicht. Und ich glaube nach nur einer Woche müssten wir den Titel schon ändern „Vom Tafelberg gibt es jeden Tag was Neues“. Denn es passiert eine ganze Menge. Und die Wolkenformationen hier sind echt mehr als phänomenal.
Umsetzen kann man das Ganze auch recht schnell. Und man kann sich darauf verlassen, dass er wenigstens an Ort und Stelle ist. Wer? Der Tafelberg natürlich (geht ja hier nicht um George Best).
So gerne würden wir. Dass die Lust sich noch steigern könnte, hatte ich nicht geglaubt. Aber so war es. Wir waren in Kapstadt. Unser Flug geht morgen. Und wir hatten einen Reisebericht zu schreiben. Für manche ist das vielleicht nicht so schlimm. Für uns schon. Wollen wir doch imponieren.
Nach dem Aufstehen dachten wir natürlich auch sofort wieder an den Berg. Mann! Das ist echt schon fast krankhaft und wird mir zu Hause bestimmt fehlen. Vielleicht werde ich auch noch immer heimlich jeden Morgen im Internet nachschauen, ob er geöffnet ist. So wie mein Bekannter, über den ich berichtet habe.
Nach uns die Sintflut. Wir sind fast weggeregnet, heute Nacht. Und noch ein Tag voller Hoffnung und Bangen schaffen wir nicht. Echt nicht. Ich brauche nichts weiter zu sagen.
Daher fahren wir heute noch nach Stellenbosch. Wollen echt einfach nur noch weg hier. Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs!
Ungefähr eine Stunde dauert die Fahrt mit dem Auto. Dort angekommen, denkt man erst einmal, es habe einen nach Frankreich verschlagen. Mag eigentlich diese Vergleiche nicht und will schon gar nicht stigmatisieren. Erinnert mich aber total an Bordeaux. Passt auch, ist Stellenbosch doch ein Paradies für alle Weinliebhaber. Sorten wie Pinot Noir und Merlot werden hier angebaut. Und die Landschaft ist echt bizarr.
Sieht aus als ob Godzilla hier durch die Gegen gestampft ist, und dabei Felsformationen geschaffen hat, um ein wenig Abwechslung in die rebumrandeten wunderschönen Straßen zu bringen. Könnte ich stundenlang herfahren. Und morgen auch wieder und übermorgen natürlich auch.
Hilft sicherlich auch den Arbeitern bei ihrer täglichen Runde durch den Rebstock, laden die Bergformationen doch aus der Ferne zum Träumen ein und bringen ein wenig Abwechslung in den ansonsten recht monotonen Arbeitsalltag.
Mir hilft heute dahingegen glaube ich nur noch ein gutes Glas Wein. Die lieben Nerven. Die frische Luft hat sicherlich auch dazu beigetragen. Also gehen wir shoppen. Ich entscheide mich für einen Wein mit dem Namen „Vin Constance“. Der Name spricht mich an, entspricht dessen Bedeutung doch meiner momentan erwünschten Stimmung.
Nach unseren wochenlangen Touren durch Namibia, Botswana, Sambia und jetzt auch noch Südafrika, sagt selbst der Nomade in mir, die Heimat ruft.
Leider muss ich ja noch fahren und ich mag es ja kaum sagen: wir beschließen den Sundowner in Kapstadt einzunehmen. Ja, genau, vom Tafelberg! Und versprochen: Klappt es nicht, stecken wir nicht den Kopf in den Sand und setzen uns ohne Widerspruch auf den Signal Hill.
Und das machten wir dann auch. Ohne weiteren Kommentar. Wir sahen einen Sonnenuntergang, der uns für alles entschädigte. In dem Augenblick, als die Sonne im Meer versank, war dieses Gefühl wieder da. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen zu sein und unseren Traum „Südafrika-Reporter“ zu werden, ein ganzes Stück näher gekommen zu sein. So hingen wir unseren Gedanken noch eine Weile nach, knabberten glücklich und zufrieden unser mitgebrachtes Billtong (wirklich schmackhaftes getrocknetes Fleisch vom Rind) und genossen den Wein. Bissen für Bissen, Schluck für Schluck.
Ein Klippschliefer (sag doch Dassie, hört sich schöner an)kam noch vorbei. Und gab uns einen guten Tipp. Aber das erzähle ich euch morgen.

Tag 7
Tag der Abreise
Ich würde es ja noch mal gerne versuchen. Aber höre auf den Klippschliefer. Will ja zufrieden nach Hause fahren.
Daher machen wir uns vor dem Heimflug auf zum Bloubergstrand. In Bloubergstrand (so heißt der Ort) wohnt übrigens angeblich der Sohn von Dieter Thomas Heck (erzählte mir Dave. Du erinnerst dich. Der Guide von der Township-Tour. Erstaunlich, wer es im Township zu Ruhm gebracht hat, oder?) Es ist der Vorort von Kapstadt, in dem die Reichen und Superreichen residieren. Die gibt es hier nämlich auch, zu genüge. Von hier genießt man den schönsten Blick auf den Tafelberg. Gigantisch. Thema schreibt bereits das Drehbuch für unseren Film um, beziehungsweise ergänzt es, wird doch hier die dritte Kamera positioniert. Das ist dann ihr Beitrag, um den Südafrikanern ein wenig zu helfen. Ich bin mir sicher: Der Film wird ein Erfolg. Was sie in der letzten Woche gesehen hatte, ließ sie irgendwie nicht mehr los.
Ich hingegen bin in meiner Phantasie schon wieder da. Eröffne ein Zentrum für gestresste Menschen aus aller Welt, die an Lungenkrankheiten leiden und viel Geld für Heilung bezahlen täten. Denn das Klima hier ist gut dafür. Bis dahin lerne ich aber erst einmal weiter Afrikaans. Und dann schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens bringe ich den Schwarzen in den Townships Afrikaans bei, die Sprache der Weißen oder den Südafrikanern Englisch .Oder auch umgekehrt. Was immer einfacher ist. Denn so richtig glauben kann und will ich nicht, dass die absolute Mehrheit der Weißen Afrikaans spricht, das aber so gut wie von keinem Schwarzen beherrscht wird. Der Rest der Weißen spricht Englisch, das aber wiederum nur von einem kleinen Bruchteil der Schwarzen verstanden wird. Zu kompliziert? Zusammengefasst heißt das meines Erachtens, dass Schwarze und Weiße gar nicht richtig miteinander reden können. Und das geht ja nicht.
Reden hilft nicht immer, aber bewirkt manchmal viel.
Jan van Riebeeck hat sich vor vielen vielen Jahren auf seinem Weg von Europa nach Indien ein Plätzchen auf Erden ausgesucht, das von Schönheit nicht so schnell übertroffen werden kann. Und diese Probleme hätte schon er nicht gewollt.
Ach, ja. Zweitens fehlt noch: ich komme wieder, muss doch noch auf den Tafelberg.
Neugierig auf mehr? Machen wir gerne. Aber jetzt ist erst mal Ab-in-die-Haia angesagt.
Hurra, noch einmal schlafen, dann ist Weihnachtnacht
Oder: Weihnachten in Südafrika (1. Aufgabe).



Keine Bildinformationen verfügbar

Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • winni

    Erinnerungen an meine Reise nach Südafrika kommen hoch. Nur schade, dass wenige Bilder innerhalb des Berichtes erscheinen. Auch hätte ich einen Seitenvorschub eingebaut. Die Tageszeile würde ich in der Überschrift mit Ortsangabe einbauen. Dieses ist meine Meinung. vg winni

  • RdF54

    Ja Foxy - auch bei mir kommen sofort Erinnerung an die zweitschönste Stadt der Welt auf ... :-)
    Wie Winni schon festgestellt hat, solltest Du bei einem so langen Text, der gut und locker geschrieben ist, dem Leser durch Bilder und Absätze Ruheinseln anbieten.

    WM-Botschafterin ... ??

    LG Robert

  • karinchen

    Ja der Bericht ist echt gut, locker und flockig Geschrieben! Aber mich störte ab und an das leicht Überhebliche in manchen Sätzen! ( Bsp.Betreff der NICHT- Entwicklung in UNSERER alten DDR .))) ganz schlechter Vergleich!!! )
    Mal sehen, in acht Wochen bin ich in Kapstadt, hoffentlich spielt bei mir das Wetter mit, da ein Blick vom Tafelberg nicht schlecht wäre.
    LG Karin

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Der Kapwind, der bläst so kalt 4.20 10

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps