Blogeintrag

Liebe Bewertungs-Interessierte :-)
 
zu unserem Bewertungssystem – das sind die kleinen Kameras und Bücher – mit denen über Beiträge abgestimmt werden kann - gab es in den Foren und zu einzelnen Beiträgen immer wieder Diskussionen. Und wir haben uns seit dem Start der RC auch intern wiederholt die Köpfe heiß geredet. Da Interesse groß ist, will ich versuchen, einmal weit auszuholen und unsere Intentionen und Abwägungen zu erläutern. Denn es ist klar, dass das bestehende System einige Vorteile aber auch Nachteile hat.
 
Zunächst einmal zum Wichtigsten - Was macht ein Bewertungssystem aus?
1) Es schafft für uns einen Anhaltspunkt, um gute von schlechten Beiträgen (und schlechte von noch nicht bewerteten) zu unterscheiden - z.B. für Sortierungen auf Übersichtsseiten
2) Es bietet eine einfache Möglichkeit, sich zu beteiligen. Eine Bewertung ist deutlich unaufwändiger als ein Forenkommentar und soll allen Usern offenstehen - auch solchen, die noch ganz neu in der Community sind und so auf den Geschmack kommen
3) Es ist hinreichend einfach und in seinen Grundprinzipien nachvollziehbar. Damit scheiden fast alle Mechanismen aus, die z.B. Votes nach dem Renommee des Abstimmenden gewichten
4) Es fördert den Austausch in der Community auf positive Art und Weise - und ist dabei fair und transparent
 
Schwierig sind vor allem zwei Aspekte:
 
zu 1) Es gibt keine absolut objektive und faire Beurteilung.
Jede Beurteilung ist eine grobe Vereinfachung - erst recht, wenn man auch noch Durchschnittsnoten bildet. (Man kann z.B. durchaus fragen, ob es gut ist, wenn bis zu 13 Schuljahre, einige Jahre Ausbildung oder Studium letztlich jeweils in einer Zahl zusammengefasst werden. - Aber ich schweife ab.) Kurz gesagt bietet es aber so große Vorteile eine durchschnittliche Meinung kennen und nutzen zu können, um beliebte von unbeliebten Meinungen zu unterscheiden, dass wir lieber um Verständnis dafür bitten, dass die Beurteilung auch einmal verständnislos oder ungerecht sind. Würden wir grundsätzlich auf Bewertungen verzichten, könnten wir die Arbeit niemals leisten, aus über 100.000 Bildern die besten herauszusuchen und z.B. auf der Homepage zu präsentieren. Und selbst wenn wir es könnten: auch in diesem Fall wären die "Besten" dann auch nur die unserer Meinung nach Besten und nicht die "objektiv" Besten.
 
nochmal zu 1) Die Beiträge können auch ganz unterschiedliche Funktionen erfüllen. Ein abschreckendes Bild von einer schmutzigen Hotelküche kann sehr sehr hilfreich und gleichzeitig ästhetisch schlecht sein.
Zur Lösung dieses Problems gibt es (mindestens) zwei Ansätze: Man führt differenzierte Bewertungen ein, bei der für "Technik", "Aussage", "Nützlichkeit", "Künstlerischem Wert" o.ä. getrennt gewertet werden kann. Das ist aber in der Praxis eher eine "Verschlimmbesserung": Soll man einen technisch und ästhetisch brillant fotografierten Sonnenuntergang mit der "Nützlichkeit" "schlecht" beurteilen? Was bedeuten diese Begriffe? Letztlich wird man so der Grundanforderung der Einfachheit nicht mehr gerecht.
Der zweite Lösungsansatz erlaubt den Autoren das Abschalten der Bewertungsmöglichkeit. Das brächte den Nachteil mit sich, dass man eine Möglichkeit anbieten müsste, zwischen diesen beiden Modi hin- und herzuschalten. Mit allen Problemen bei einer zwischenzeitigen Löschung der Bewertungen. Für viele User wäre es außerdem schwer verständlich, dass sie einige Bilder bewerten und andere nicht bewerten könnten. Hinzu kämen Schwierigkeiten bei der Sortierung. Lauter Kleinigkeiten, in der Summe haben sie uns aber von dieser Lösung abgeschreckt.
 
zu 4) Die Transparenz unserer Bewertungssystems ist bewusst eingeschränkt: Die Urheber schlechter Bewertungen werden nicht angezeigt. Das führt leider dazu, dass es immer wieder einmal zu unfairem Verhalten kommt - z.B. dem gezielten Abwerten anderer User
Urheber schlechter Bewertungen anzuzeigen bringt zwei Gefahren mit sich: Auch wohl abgewogene, zumindest subjektiv faire schlechte Noten werden aus Angst vor den Reaktionen nicht mehr vergeben. Ich kenne mindestens eine Community deren Durchschnittsnote nach der Umstellung auf vollständige Transparenz auf 4,8 von 5 Sternen hochschnellte. In der Folge konnte man nicht mehr zwischen guten und schlechten Beiträgen unterscheiden und musste weitere Bewertungssysteme einführen, um überhaupt noch sinnvoll sortieren zu können. Die zweite Gefahr besteht in sogenannten "Flamewars": Auf eine schlechte Bewertung folgt eine erregte Diskussion, die sich immer weiter steigert, in "Rachebewertungen" und schließlich in dem Ausscheiden einzelner User aus der Community mündet.
Analysiert man das Problem etwas genauer, dann stößt man außerdem auf ein anderes Phänomen: Die Sockenpuppe :-) Das eigentliche Problem sind nämlich nicht schlechte Bewertungen: Diese sind hilfreich, wenn sie in ehrlicher Absicht abgegeben werden. Und sie treffen auch nur selten in großem Umfang aktive User, von denen die meisten im Zweifelsfall auch verständlich entnervt, aber doch souverän reagieren. Das Problem sind "unehrliche" schlechte Bewertungen, bei denen eigentlich gute Beiträge gezielt "heruntergewertet" werden. Leider gibt es vor allem auf Systemen mit vollständiger Transparenz User, die sich extra für derartige Aktionen mehrfach unter unterschiedlichen Namen und mit unterschiedlichen E-Mailadressen anmelden - im Forenjargon "Sockenpuppen" genannt. Würde man also auch schlechte Bewertungen anzeigen, so würden vermutlich viele ehrliche schlechte Bewertungen unterbleiben, gerade bei den willkürlichen Abwertungen würde der Autor eines Beitrags dann aber häufig auf ein Pseudo-Profil stoßen. "'blabla63' hat Ihren Beitrag schlecht bewertet". Das hilft auch nicht wirklich.
 
Dazu am Rande: wir löschen regelmäßig Doppel- und SPAM-Accounts aus der Reisecommunity. Falls Sie das Gefühl haben, dass Ihre Bilder reihenweise systematisch abgewertet werden, können Sie uns gerne eine Mail an info@geo-reisecommunity.de schicken. Wir werden uns dann Ihre Bilder anschauen und ggf. eingreifen. (Zusatz: In der letzten Woche hatten wir außerdem ein anderes Problem mit dem Bewertungssystem, das jedoch kurz darauf  behoben werden konnte.)
 
Mein Fazit: Auch wenn wir nicht auf jede Anregung in Foren einzeln antworten können, so hören wir doch auf die Kritik und bemühen uns um gezielte Verbesserung – zum Beispiel mit der Löschung der Doppelaccounts. Nach Abwägung vieler Aspekte und Analysen glauben wir aber, dass das Bewertungssystem im Großen und Ganzen funktioniert und die meisten umfangreichen Eingriffe zu viele Nachteile mit sich brächten. Daher hoffen wir gerade bei Usern mit vielen guten Beiträgen auf Souveränität und Toleranz bei den unbestreitbaren Nachteilen des derzeitigen Systems.
 
Grüße, Daniel Olzien
GEO-Reisecommunity

 

Kommentare

  • poseydon
    22.11.2009 | 00:14 Uhr

    Sockenpuppe

    Warum heißt das Sockenpuppe??

    In einem großen Auktionshaus im Internet (...) fliegen User raus, die drei negative Bewertungen haben - zumindest war das früher mal so, vielleicht hat es sich mittlerweile geändert. Vielleicht mögt ihr mal einen Filter einbauen, der automatisch Accounts sperrt, von denen aus zu schlechte Bewertungen (im Schnitt) vergeben werden.

    Danke für die ganzen anderen Erklärungen. Die Sache mit "meldet euch, fass ihr systematisch abbewertet werdet" ist ja nicht so einfach. Kommt die Negativbewertung ganz zu Beginn, ist sie leicht zu erkennen. Nach ein paar Positivbewertungen aber nicht mehr, es führt ja nicht jeder Buch über seinen Bewertungsstand. (Nun könnte man sagen, wenn es nicht auffällt, kann es ja auch nicht stören. Tut es aber trotzdem).

    Viele Grüße,
    Carolin

  • mosaik
    23.11.2009 | 13:49 Uhr

    Meine Gedanken dazu

    Für mich stellen Bewertungen in Foren im Grunde nur subjektive Momentaufnahmen einiger weniger Personen dar. Was sind beispielsweise 20 Bewertungen bei einem Bild oder Beitrag bei 18.000 Mitgliedern?

    Wie ich schon bei einem Beitrag von mir <a href="http://www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/116456/1/Dort-wo-Italien-noch-zu-Hause-ist-ein-Streifzug-durch-die-Tuscia#Kommentare">Dort wo Italien noch zu Hause ist...</a> erläutert habe, stelle ich mir oft die Frage, nach welchen Kriterien ein Beitrag beurteilt wird: nach der Entfernung von Mitteleuropa? Nach der Datenmenge, die aufgelistet wird? Oder vielleicht nach der Originalität?

    Ich kann mich allerdings nicht ganz dem Eindruck verwehren, dass jene Bilder und oder Artikel eher "links liegen gelassen" werden, die keine Bewertungen aufweisen. Was in Folge dazu führen könnte, dass sie erst gar nicht gelesen werden und so vielleicht ein interessantes Kapitel nicht wahrnehmen. Und umgekehrt, jene, die schon viele hohe Bewertungen erhalten haben, bekommen noch a Sternderl oben drauf...

    Keine Bewertungen - höherer Aufwand für alle Beteiligten

    Bewertungen - unterbewusste Vorsortierung und daher Verschwinden in der Versenkung

    Was mir bei Eurer Bildermenge auffällt, dass manche User ihren kompletten Urlaubs-Bildervorrat samt Omi, Opa, abendlichem Beisammensein usw. hoch laden. Dadurch wird es sehr ermüdend, sich wirklich gute Fotos überhaupt erst anschauen zu können, sprich zu finden.

    Daher meine naive Frage: wäre es nicht möglich, eine Art "Sortiersystem" zu hinterlegen? Sei es gleich für den User beim Hochladen: "Dein Bild zeigt ... eine Sehenswürdigkeit ... Menschen ... Tiere ... eine private Szene ... eine Sportveranstaltung ..... oder aber dass die Redaktion einen Grobfilter drüber stülpt. Sagen wir: offensichtliche Aufnahmen mit gar keinem oder sehr mageren Motiv (Papi und Mami mit Anhang vor einem Fischbecken, in dessen Glas sich der Blitz spiegelt...) werden in eine eigene Rubrik ausgesondert.

    Wenn ich mein eigenes Bilder-Betrachten-Verhalten analysiere, so fällt mir auf, dass ich hier bei geo weniger oft Bilder "konsumiere" als in anderen, vergleichbaren communities, die diese Problem des "Foto-Spams" besser gelöst haben, offensichtlich, unterbewusst...

    Soweit mal meine Gedankengänge rund um die Bewertungsproblematik.

    lg Peter alias mosaik

  • hardyuno
    23.11.2009 | 15:14 Uhr

    Ich sehe das ähnlich

    Peter hat schon recht mit der Problematik dieser Fotoflut. Dadurch, dass man soviele Bilder in einem Monat hochladen kann passiert es doch öfter, dass manche User diese 200 Bilder auf einmal hochjagen und da ist wirklich auch sehr viel nicht so "tolles Material" dabei. Bis man sich dann durch diese Flut durchgekämpft hat, puhh. Oft verpasst man dann dabei auch wirklich gute Beiträge, die dazwischen untergehen.
    Das Bewertungssystem an sich ist nicht schlecht, vielleicht hätte man etwas andere Bezeichnungen nehmen können wie z.B. schlecht, mäßig, gut, sehr gut, klasse oder super. Es ist immer etwas komisch wenn ein Bild lauter gut oder großartig bekommt und dann kommt einer daher und gibt ein in "Ordnung", für mich Thema verfehlt. Ich finde die Bezeichnung "in Ordnung" ziemlich schlecht gewählt, das ist für mich gar nichts. Eher kann ich mit einem "schlecht" leben.

    Liebe Grüße
    Hartmut/hardyuno

  • mosaik
    27.11.2009 | 20:34 Uhr

    was mir noch aufgefallen ist

    ich habe gerade eben 500 Bilder durchgeschaut, so wie sie daher gekommen sind. Dabei ist mir aufgefallen, dass es sehr viele - auch gute - Bilder gibt, die rein aus fotografisch-technischer oder vom Motiv her sehr gut oder ansprechend sind, aber im Grunde nichts mit Reisen oder einem Eigenart eines Landes zu tun hätten.

    Wie also diese bewerten? Ist es nun eine Reise-Community, in der Reisebilder geschaut (und bewertet...) werden möchten oder ist das eine Schau (durchaus begabter) Fotografen, die mit Reisen an sich nichts auf dem Hut haben?

    Bewerte ich aus dem Blickwinkel "Reisen", so müsste ich von diesen 500 vielleicht ein Fünftel mit "schlecht" (... weil nicht mit Reisen) beurteilen. Andererseits sind da Top-Bilder darunter, die mit "hervorragend" zu bewerten wären...

    Also ein weiterer Aspekt ...

  • mosaik
    27.11.2009 | 20:35 Uhr

    man möge die Fall- und Schreibfehler meines vorigen Beitrags entschuldigen - Korrektur ja leider nicht möglich...

  • Raudi
    30.11.2009 | 12:02 Uhr

    schlechte Bewertung ist in Ordnung wenn sie fachlich begründet ist,ansonsten finde
    ich es einfach nur Feige nicht öfentlich zu seiner Bewertung zu stehen.

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