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Sonnenfinsternis: Droht Deutschland ein Stromausfall?

Die Sonnenfinsternis am Freitag stellt Stromnetzbetreiber vor Herausforderungen. Aber müssen wir einen "Blackout" fürchten? Auch das Fraunhofer-Institut hat diese Frage beschäftigt. Ein Interview mit Wissenschaftler Johannes Mayer

Interview: Jan Henne

Kommt es bei der partiellen Sonnenfinsternis zum "Blackout"? Das Fraunhofer ISE kommt zu einem klaren Ergebnis (Foto von: Jamie Cooper/SSPL/Hulton Archive/Getty Images)
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Kommt es bei der partiellen Sonnenfinsternis zum "Blackout"? Das Fraunhofer ISE kommt zu einem klaren Ergebnis

Herr Mayer, Sie haben mit ihren Kollegen am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme die Auswirkungen der partiellen Sonnenfinsternis am 20. März auf die deutsche Stromversorgung untersucht. Worum ging es dabei?


Anders als man vielleicht denken mag, ist das Problem nicht, dass wir durch die reduzierte Einspeisung des Solarstroms während der Sonnenfinsternis zu wenig Energie haben könnten. Die durch Photovoltaik-Anlagen erzeugte Stromeinspeisung wird zwar bei der Verschattung der Sonne durch den Mond deutlich zurückgehen. Aber diesen Effekt haben wir im Prinzip jede Nacht. Spannender ist die Frage: Was passiert, wenn der Schatten wieder abzieht und die Leistung der Photovoltaik-Anlagen schnell ansteigt? Und das haben wir in unserer Analyse untersucht.


Also nicht zu wenig, sondern zu viel Strom?


Viel in kurzer Zeit. Die Verschattung der Sonne erreicht gegen 10.30 Uhr das Maximum. Es geht also auf die Mittagszeit zu, wenn der Schatten abnimmt und die Sonne wieder sichtbar wird. Dann drängt die Leistung von rund 1,4 Millionen Photovoltaikanlagen sehr schnell zurück ins Netz – zumindest, wenn es sonnig wird. Die Herausforderung: Den schnellen Anstieg der Solarenergie müssen die konventionellen Kraftwerke ausgleichen, indem sie ihre Leistung in dieser Zeit reduzieren. Aber auch Windräder und die Photovoltaik-Anlagen selbst können dabei mithelfen. Die Einspeisung in das Stromnetz muss immer genauso hoch sein wie der Verbrauch.


Dann hoffen die Netzbetreiber wohl auf schlechtes Wetter.


Das macht es auf jeden Fall einfacher. Wir haben Szenarien für den besten Fall (ein trüber Tag) und den schlechtesten Fall (wolkenfreier Himmel) simuliert: An einem sonnigen März-Tag würde der Maximalwert der Photovoltaik-Leistung aus dem Jahr 2014 um das zweieinhalbfache überschritten.



Und dann kommt es zum Stromnetz-Kollaps?


Nein, da können wir Entwarnung geben. Es wird sicher kein Tag wie jeder andere, aber die Netzbetreiber bereiten sich gut auf die Situation vor – etwa indem sie das Personal aufstocken. Und das Wetter wird man spätestens am Vortag einschätzen können. Plötzliche Schwankungen erleben wir ja auch bei anderen Ereignissen: zum Beispiel bei der Fußball-WM in der Halbzeitpause, wenn alle gleichzeitig an den Kühlschrank gehen.


Aber was ist, wenn wir in einigen Jahren nur noch oder zumindest überwiegend erneuerbare Energie nutzen werden?


Auch dann wird eine Sonnenfinsternis nicht zum "Blackout" führen. Schon heute sind größere Photovoltaik-Anlagen dafür ausgerüstet, ihre Stromerzeugung bei Bedarf in kürzester Zeit zu reduzieren. Nur wird diese Technik seitens der Netzbetreiber in der Praxis bisher noch nicht genutzt. Hier wird also Nachholbedarf bestehen.




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