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Rechte Ökos: Braun oder grün?

Rechtsradikale mischen in der Öko-Szene mit. Das ist kein Zufall. Nationalisten und Rassisten standen schon an der Wiege des Tier- und Naturschutzes

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22. Januar 2011: In Berlin treffen sich 20.000 empörte Bürger aus allen Teilen der Republik, um gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft, gegen Massentierhaltung und grüne Gentechnik zu demonstrieren. Das Bündnis aus Bauern, Umweltschützern und Verbrauchern eint das Motto: "Wir haben es satt!" Der Chor der Landwirtschaftskritiker ist eine laute Gegenstimme zur "Grünen Woche", der zeitgleich stattfindenden landwirtschaftlichen Leistungsschau unter dem Berliner Funkturm.


Im Wald von Zernikow ließ 1938 ein linientreuer Förster Lärchen in Form eines 60 mal 60 Meter großen Hakenkreuzes anpflanzen. Die Forstverwaltung schritt erst im Jahr 2000 ein und ließ die Bäume fällen (Foto von: Reuters/CORBIS)
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Im Wald von Zernikow ließ 1938 ein linientreuer Förster Lärchen in Form eines 60 mal 60 Meter großen Hakenkreuzes anpflanzen. Die Forstverwaltung schritt erst im Jahr 2000 ein und ließ die Bäume fällen

Mit von der Partie ist auch ein Trupp schwarz gekleideter junger Menschen mit einem Transparent. "Wir haben es satt - Dem Schächten ein Ende setzen", steht darauf geschrieben. Das betäubungslose Schlachten von Wirbeltieren ist vielen der anwesenden Tierfreunde ein Dorn im Auge. Also ist die Forderung in Ordnung. Oder? Plötzlich werden unter den Demonstranten Stimmen laut. Sie protestieren nicht gegen das Schächten - sondern gegen die schwarzen Mit-Marschierer. Polizisten trennen bald darauf die Gruppe von der übrigen Menge.

Aufmerksame Demonstranten hatten die auffällig-unauffälligen Protestler als Neonazis entlarvt. Wollten die jungen Leute im Look der "Autonomen Nationalisten" auf fremdem Terrain wildern? Sich durch populäre Slogans in der Ökoszene Sympathien erschwindeln? Keineswegs. Die schwarzen Protestierer sind tatsächlich Gegner des Schächtens. Freilich aus den falschen Gründen.

Rechtsradikale stehen mit ihrer Ablehnung des Schächtens in einer langen Tradition der zweifelhaften Tierliebe. Denn seit jeher mischte sich in die Kritik am Schächten auch antisemitische Propaganda. "Wenn Sie sich die Tierschutzbewegung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ansehen, dann sind da führende Antisemiten aktiv. Und natürlich geht es gegen das Schächten", sagt Uwe Puschner, Historiker an der FU Berlin.

Die Nazis trieben die propagandistische Ausschlachtung der Tierliebe auf die Spitze. Im Februar 1934 trat mit dem Reichstierschutzgesetz das erste umfassende deutsche Tierschutzgesetz in Kraft. Ein "Erfolg", den tierliebe Rechtsextremisten bis heute für sich reklamieren. Neben dem Verbot der Tierquälerei und von Versuchen am lebenden Tier war ein zentraler Bestandteil des Gesetzes das Verbot des Schächtens. Letzten Endes ging es also auch darum, Juden per Gesetz in der Ausübung ihrer Religion zu beschränken - und sie als grausame Barbaren zu diffamieren. Schon im August 1933 hatte Reichsminister Hermann Göring, ein passionierter Jäger, gefordert, die "unerträgliche Folter" und das Leiden der Tiere müssten ein Ende haben. Gleichzeitig drohte er denen, die immer noch glaubten, "Tiere behandeln zu können, wie es ihnen beliebte", mit dem Konzentrationslager. Eine Ankündigung, die erst in der Rückschau ihre ganze Ungeheuerlichkeit offenbart.

Zeitsprung in das Jahr 2004: In Mecklenburg-Vorpommern gipfelt der Widerstand gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft in der Erklärung der "gentechnikfreien Region Nebel/Krakow am See". Der Landesverband des BUND steht Pate. Drei Jahre später sorgt das Anti-Gentechnik-Bündnis für Schlagzeilen. Nicht wegen seiner Erfolge. Sondern weil ruchbar wurde, dass der Sprecher der Initiative, der Biobauer Helmut Ernst, inzwischen der NPD beigetreten war.

Ernst musste schließlich zurücktreten. Dabei hätten seine Mitstreiter schon früher stutzig werden können. Schon 2006 hatte er dem NPD-Parteiorgan "Deutsche Stimme" ein Interview gegeben und darin zum Thema Gentechnik erklärt: "Die Ernährungssouveränität der Völker soll schlichtweg gebrochen werden; im Sinne der Globalisierer kommt es zu einer Versklavung der Bauern weltweit." Im selben Interview vergleicht er die Gentechnik mit einer Massenvernichtungswaffe. Das fremdbestimmte, bedrohte Volk, der enteignete Bauer - es sind Gemeinplätze der nationalsozialistischen Propaganda. "Man kann mit einem geschlossenen, rassistischen und braunen Nazi-Weltbild zu 'ur-grünen' Forderungen kommen", sagt der Autor und Journalist Toralf Staud.



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Kommentare zu "Braun oder grün?"

Peter | 13.02.2012 19:03

Heimat und Volk... das sagt schon alles... hatten wir das nicht schon mal...damals, beim GröFaZ ? Beitrag melden!

Anita | 05.10.2011 13:47

Da gab es doch mal einen uralten Witz ueber Oekos: "War nicht alles schlecht, was der Adolf gemacht hat, nur die Autobahnen, die haette er nicht bauen sollen!"

Und wenn mein Glaube mir verbietet Fleisch zu essen von Tieren, die vor dem Schlachten betaeubt wurden, kann ich das Fleischessen ja auch ganz sein lassen, wenn ich meinen Gott so liebe, dass ich unbedingt seine Gebote einhalten will.

Keine Religion verlangt Fleischkonsum. Beitrag melden!

Hansa | 30.09.2011 15:36

Muss alles was von Rechts-Rechts kommt verwerflich sein? Der Autor möge Rudolf Steiner lesen und das Gedankengut seiner Zeit!
Ich wähle jeden z.B., der dieser Finanzindustrie zum Wohle der Menschen Einhalt gebietet und Volksvermögen nicht aus falsch verstandener "Europagesinnung" in bodenlose Fässer leert. Beitrag melden!

Thomas Sochart | 30.09.2011 14:00

Naturschutz / Umweltschutz ist ein Thema, das uns alle betrifft. Wenn sich Menschen - egal aus welchem politischen Lager - wirklich für die Umwelt angagieren, kann ich das grundsätzlich begrüßen. Wenn sich immer mehr Menschen für den Naturschutz angagieren dann bewegt sich was. Bitte kommt alle! Eure Parteizugehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Beitrag melden!

Peter Carstens | 27.09.2011 09:41

@ celeste

Das Schächten ist nach deutschem Recht zwar grundsätzlich untersagt, aber es werden Ausnahmegenehmigungen erteilt. Die sind dann auch deutsches Recht. Natürlich kann man dagegen protestieren, genauso, wie man gegen das protestieren kann, was tagtäglich in Schlachthöfen passiert, Stichwort unzulängliche Betäubung. Es macht allerdings einen Unterschied, ob jemand gegen das Schächten protestiert, weil es Tieren Schmerzen zufügt, oder darum, weil Juden und die jüdische Kultur denunziert werden sollen. Beitrag melden!

celeste | 26.09.2011 19:45

Wie gut, daß uns ein "Toralf" (nord. Donnergott u. Naturgeist) wieder einmal klarmacht, daß, wer gegen das Schächten ist, gleichzeitig in Richtung Nazi tendiert. Sorry, aber wer schächtet? In Deutschland ist das verboten - darf man dann nicht darauf bestehen, daß man es nicht macht? Oh sorry, Toralf, der Name, der Name, in welche Richtung deutet der bloß?
Wäre doch schlimm, wenn ich intolerant wäre in diesem Zusammenhang, oder? Manche Vermutungen sind doch sehr oberflächlich und spiegeln einen gewissen Zeitgeist......! Beitrag melden!

E. Streyt | 26.09.2011 17:23

Dieser ungelenke Artikel versucht mal wieder Konservative mit Nazis in Verbindung zu bringen. Was bitte hat Herbert Gruhl, mit dem "Herzen Herzen des deutschen Rechtsextremismus der Nachkriegszeit zu tun? Diese Konstruierung einer Identität von konservativen und Nazis ist bei Gruner&Jahr-Produkten ja ein nicht selten vorkommendes Unterfangen.

Da echte und vermeintliche "Rchte" ja mit aller Gewalt aus gesellschaftlichen und politischen Debatten herausgehalten sollen, ist eher die Frage, ob die Gefahr nicht mehr durch "eher linke" Medien vom Schlage der Gruner & Jahrs ausgeht.

Akezptieren Sie endlich Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt, wenn jemand für den Erhalt von Heimat und Volk eintritt ist er noch lange keine Nazi!

Nicht zuletzt ist ein linksextremer Autor wie Toralf Staud auch nicht wirkich anders als ein NPDler. Mit dem Unterschied, dass solche Autoren in der Mitte der Gesellschaft ihre Vorurteile und Verallgemeinerungen kundtun dürfen! Beitrag melden!


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