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Modellstadt Mannheim: Das Stromnetz der Zukunft

Smart Grids, intelligente Netze, sollen helfen, grünen Strom möglichst effizient zu nutzen. In Mannheim proben Ingenieure mit 800 Haushalten den Ernstfall

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An Weihnachten 2009 kam es an der Strombörse in Leipzig zu einem skurrilen Vorfall: Der Preis für eine Megawattstunde Strom sank kurzzeitig auf minus 200 Euro. Die Kraftwerksbetreiber mussten also dafür zahlen, dass sie Strom ins öffentliche Netz einspeisen durften. Der Grund: In der Nacht vom 25. zum 26. Dezember trieb das Sturmtief "Yann" die Windenergieanlagen in Mitteleuropa zu Höchstleistungen. Doch Strom wurde in diesen Stunden kaum benötigt. So fiel der Preis für die Kilowattstunde ins Bodenlose.


Der Anteil der Erneuerbaren am deutschen Strommix beträgt heute schon 25 Prozent, Tendenz stark steigend. Das ist gut so. Doch die Schwankungen der Produktion in Abhängigkeit von Wetter und Tageszeit bringen das herkömmliche Stromnetz an seine Grenzen (Foto von: Paul Langrock/Zenit/laif)
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Der Anteil der Erneuerbaren am deutschen Strommix beträgt heute schon 25 Prozent, Tendenz stark steigend. Das ist gut so. Doch die Schwankungen der Produktion in Abhängigkeit von Wetter und Tageszeit bringen das herkömmliche Stromnetz an seine Grenzen

Windkraft boomt - allerdings manchmal zur Unzeit. Das hat nicht nur negative Strompreise zur Folge. Es führt auch dazu, dass das Potenzial nicht optimal ausgeschöpft werden kann. Allein im Jahr 2010 mussten Windräder an über 100 Tagen zeitweilig stillgelegt werden, weil das öffentliche Netz den Windstrom nicht mehr aufnehmen konnte. Auf diese Weise gingen im selben Jahr bis zu 150 Gigawattstunden verloren. Mit dieser Strommenge hätten 40.000 Dreipersonenhaushalte ein Jahr lang versorgt werden können.

Diese Probleme machen die Krux der Energiewende deutlich: Während früher wenige Großkraftwerke dafür sorgten, dass immer die richtige Strommenge zur Verfügung stand, sind es jetzt viele kleine - bis hin zum Privathaushalt mit Solardach -, die abhängig von Wind und Wetter sehr unterschiedliche Strommengen ins Netz einspeisen. Und effizient speichern lässt sich der grüne Strom noch nicht. Strom-Angebot und -Nachfrage zusammenzubringen, wird so zum Ingenieurs-Kunststück.


Könnte in Zukunft das Energiemanagement im Haus übernehmen: der Energiebutler (Foto von: MVV Energie)
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Könnte in Zukunft das Energiemanagement im Haus übernehmen: der Energiebutler

Ein Butler fürs intelligente Strommanagement

Ein Kunststück, das in Zukunft der Energiebutler vollbringen helfen soll: eine Box, nicht größer als ein externes PC-Modem. Entwickelt haben ihn Ingenieure im Rahmen des Projekts Modellstadt Mannheim (moma). Der Energiebutler kennt und regelt den Stromverbrauch jedes elektrischen Geräts im Haus. Und er weiß, wie viel Strom gerade die Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert. Zugleich beobachtet er, wie viel Strom im öffentlichen Netz verfügbar ist - und zu welchem Preis. Denn der Strom der Zukunft wird, abhängig von Angebot und Nachfrage, unterschiedlich viel kosten.

"Auf der Grundlage seiner Informationen wird der Energiebutler in Zukunft Einsatzpläne für elektrische Geräte im Haus erstellen. Und er wird entscheiden, ob und wann der selbst produzierte Strom gespeichert, selbst verbraucht oder verkauft wird", sagt moma-Projektleiter Andreas Kießling. Bis Ende 2012 wollen die Mannheimer mit rund 800 Haushalten demonstrieren, dass die intelligente Vernetzung von Angebot und Nachfrage im großen Stil funktioniert.

moma, geleitet vom städtischen Versorger MVV Energie, ist eines von bundesweit sechs Leuchtturmprojekten zum Thema, die seit 2008 vom Wirtschafts- und vom Umweltministerium mit rund 140 Millionen Euro gefördert werden. Das Ziel: die Entwicklung eines Smart Grid, eines intelligenten Stromnetzes. Denn auch wenn die Energiewende mächtig voranschreitet: Viele notwendige Innovationen stecken noch in den Kinderschuhen.



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Kommentare zu "Das Stromnetz der Zukunft"

Manfred Heiderer | 30.12.2012 20:49

Ich selber habe eine 10 kW Photovoltaik Anlage, ein 5 kW Windrad und eine Hackgutheizung sowie ein Elektrorad, Elektromoped und jetzt auch einElektroauto
> daher interessiert mich dieses Thema besonders. Danke für ihren Beitrag. Beitrag melden!

Freier Energiewende Babysitter | 10.11.2012 11:26

Das Stromnetz der Zukunft kann nicht das sein, wie es heute geplant und konfiguriert wird. Denn ad 1 braucht die Zukunft eine Infrastruktur, die der zunehmenden Bevölkerungsdichte entgegen kommt. Ad 2 eine solche, wo primär eingefangene Energie nicht in Binsen verschwendet, sondern komplett im Nutzen verwendet wird. Und ad 3 eine solche, die ein bis dato völlig indiskutables Quellpotenzial erneuerbarer Energien implementieren kann. Vor dem obigen Hintergrund ad 1 ist es das denkbar wichtigste Quellpotenzial. Denn es trägt diesem Hintergrund Rechnung und driftet praktisch wie von selbst proportional der Verbrauchslasten. Das geht mit simpler Technik und übersichtlicher Infrastruktur und funktioniert für immer Welten besser als das, was mit der für immer zu modifizierenden Komplexität der Smart Grids zu regeln geplant ist. Zudem partizipiert damit jeder von jedem, so dass sich die Kinder und Kindeskinder unserer Gesellschaft mit der Dichte ihrer Gesellschaft besser arrangieren können. Beitrag melden!

berthu | 26.10.2012 13:17

Das gleich gil für die Politik: Eigenverantwortung in Gemeinden, Regionen!
Nicht das zentralistische Europa, gelenkt von Pseudo-Verwaltern! Es muß und kann auch nicht "global" gedacht, gesteuert werden!
Nur Leider wird wie bei der Energie dieser Zentralismus sich selbst zerstören, weil Hausverstand ist da keiner im Spiel, nur Gier weniger vermeintlich Mächtiger.
Siehe: Stromgiganten in Deutschland verhindern seit Jahrzehnten einen vernünftigen Netzausbau. Da war man vor einem Jahrhundert noch "moderner". Beitrag melden!

Lars | 25.10.2012 17:15

Wirklich klasse Artikel. Gerade die Idee mit dem "Butler" finde ich sehr spannend. Allgemein wird viel zu viel Energie praktisch verschenkt und es sollten intelligente Systeme eingesetzt werden, die verschwendete Energien minimieren. Beitrag melden!

jan | 22.10.2012 23:30

Hallo,

sehr interessanter Artikel, schön zu sehen das es im bereich der Netze auch ein Umdenken gibt und auch hier versucht wird die Monopole der vier großen zu brechen. Ein interessanter Aspekt ist meiner Meinung nach die Elektrolyse/ Mehtangewinnung diese Metode ist zwar auch nicht sehr Effizent, aber so ist es Möglich mehrere TW/h an Energie zu speichern und sie wieder Flexibel zu nutzen: BHKW, GuD, Erdgas autos, Chemische Industrie. Beitrag melden!


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