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Lebensmittelproduktion: Wie klimafreundlich ist unsere Nahrung?
Wieso Obst um die halbe Welt nach Deutschland reist. Warum Butter und Käse eine schlechte Klimabilanz haben. Und wie unser Appetit auf Fleisch der Umwelt schadet
Obwohl im Januar keine Früchte auf den Feldern Deutschlands reifen, halten unsere Supermärkte im Winter die gleiche Vielfalt an Obst und Gemüse wie im Sommer oder Herbst bereit. Es ist ein großenteils exotisches Angebot, das sich präsentiert: Da liegen Trauben, Äpfel und Birnen aus Argentinien
neben Ananas aus Costa Rica und brasilianischen Honigmelonen. Äpfel aus Chile und Kiwis aus Neuseeland werden ebenso angeboten wie südafrikanische Pflaumen, Zitronen aus der Türkei oder spanische Clementinen.
Die meisten dieser Früchte haben Fernreisen hinter sich. Ein Apfel der Sorte Gala etwa, auf einem Baum in
der argentinischen Provinz Río Negro herangereift, ist in einem Kühlcontainer etliche Hundert Kilometer zur Küste gefahren, dort in ein Containerschiff verladen und in knapp drei Wochen über mehrere Zwischenstopps nach Hamburg befördert worden. Zehn Cent Transportkosten pro Kilo muss der Händler für den Seetransport aufwenden. Im Lkw ging es weiter zum Zielort. Am Ende hat der Apfel gut 13 000 Kilometer zurückgelegt.
Das alles kostet Energie: 163 Gramm Kohlendioxid pro Kilogramm Äpfel entweichen dabei in die Luft und belasten als Treibhausgas die Atmosphäre. Ist es nicht Irrsinn, Lebensmittel quer über die Meere zu verschiffen, nur damit Verbraucher zu jeder Zeit jede Frucht der Welt kaufen können? Handelt es sich nicht um eine gigantische Energieverschwendung, die zudem unseren Planeten immer weiter aufheizt? So zumindest erscheint es auf den ersten Blick, doch steckt dahinter ein vielschichtiges Problem. Denn die CO2-Bilanz hängt nicht nur vom Transportweg ab, sondern auch von der Energie, die für Erzeugung, Lagerung, Verarbeitung der Lebensmittel verbraucht wird.
Welcher Apfel ist der klimfreundlichste?
Bei Äpfeln etwa hat der Konsument durchaus die Alternative, auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt deutsche Sorten zu kaufen. Auch sie sehen noch im Januar knackig frisch aus: weil sie in Kühlhäusern gelagert werden. Die aber benötigen Energie - und irgendwann, ungefähr im April, kippt die Bilanz: Dann hat die Lagerung des deutschen Obstes mehr Energie verbraucht als der Transport argentinischer Ware.
Es kann also von der Jahreszeit abhängen, ob heimische oder weit gereiste Früchte ökologisch sinnvoller sind. Eindeutig ist nur: Der Transport per Flugzeug verursacht einen um ein Vielfaches größeren Ausstoß an Kohlendioxid als der auf anderen Wegen. Eine schlechte Ökobilanz haben auch Tiefkühlkost - die mit großem Energieaufwand eingefroren und bei minus 20 Grad Celsius aufbewahrt wird - sowie jene Nahrungsmittel, die in einem beheizten Treibhaus erzeugt werden. Obst in einem solchen Gewächshaus etwa benötigt so viel Wärme, dass pro Gewichtseinheit je nach Sorte fünf- bis 30-mal mehr Treibhausgase freigesetzt werden als beim Anbau auf dem Acker. Deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, Früchte im wärmeren Süden Europas anzubauen und nach Deutschland zu befördern, statt sie in einem Gewächshaus weiter im Norden zu ziehen. Um ein Kilogramm Erdbeeren in Südspanien anzubauen und im Lkw zu uns zu bringen, muss insgesamt eine Energie aufgewendet werden, die rund 880 Gramm freigesetztem Kohlendioxid entspricht. Zwei Drittel davon entstehen bei der Produktion - etwa durch die Verwendung von Dünger, Folien und Pflanzenschutzmitteln. Der Rest ist für den Transport im Kühlwagen nötig. Alles in allem belastet das unser Klima weitaus weniger als die Aufzucht im beheizten Treibhaus.




Kommentare zu "Wie klimafreundlich ist unsere Nahrung?"
Ich selbst bin Vegetarier, aber ich denke dass man sich auch anderweitig besonders nachhaltig ernähren kann. Neulich habe ich diesen Artikel zu dem Thema gefunden, da stehen ein paar weitere Tipps drinnen: http://www.smart-urban-stage.com/blog/post/season-food/