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Fracking: "Tickende Zeitbombe"?

"Unkonventionelle" Gasförderung mit teilweise giftigen Chemikalien: Für die einen ist sie die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland. Für die anderen ein Spiel mit dem Feuer

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Wenn man durch die Diepholzer Moorniederung fährt, fällt einem besonders die Weite der niedersächsischen Landschaft, das satte Grün, gesprenkelt mit den weißen Flocken der Wollgrasblüte, auf. Doch bald werden in dieser wasserreichen Landschaft, zumindest wenn es nach dem Ölkonzern ExxonMobil geht, noch ganz andere Dinge zu bestaunen sein: Bohrtürme, großzügige Zugangsstraßen und Abwasserbecken; in der Diepholzer Moorniederung soll gefrackt werden. Fracking ist ein umstrittenes Verfahren der Bohrtechnik, bei dem durch hydraulischen Druck und mit Hilfe spezieller, teilweise giftiger Chemikalien Risse im Untergrund erzeugt werden, um anschließend Gas zu fördern.


Bürger der Interessengemeinschaft "Schönes Lünne" demonstrieren vor der Baustelle der Exxon-Erdgasprobebohrung in Lünne (Kreis Emsland) (Foto von: picture alliance/dpa)
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Bürger der Interessengemeinschaft "Schönes Lünne" demonstrieren vor der Baustelle der Exxon-Erdgasprobebohrung in Lünne (Kreis Emsland)

Längst schlagen Wasserversorgungsbetriebe, Mineralbrunnen-Unternehmen und Bürgerinitiativen Alarm. Jüngster Konfliktstoff: die Studie einer Expertenkommission vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, die eine Risikoeinschätzung zum Fracking lieferte. Doch die Neutralität des Gutachtens wird angezweifelt. Denn finanziert und beauftragt wurde die Studie von ExxonMobil selbst. Das Ergebnis der Studie: Die Experten empfehlen eine "langsame Entwicklung in vorsichtigen Schritten", sehen jedoch "keinen sachlichen Grund für ein grundsätzliches Verbot des Frackings".


Neutral oder nicht neutral?

Zu den Zweiflern gehört zum Beispiel Dirk Lütvogt. Als Geschäftsführer der Auburg Quelle wäre sein Unternehmen direkt von den Bohrungen betroffen. Der Mineralbrunnen steht in der Nähe von Diepholz. Rund um die Gegend lagern große Mengen Schiefergas, die ausgebeutet werden sollen. Weil Lütvogt um die Qualität seines Mineralwassers fürchtet, wurde er zu einem der federführenden Mitstreiter im Aktionsbündnis "No Moor Fracking". Zu der Studie der Expertenkommission des Helmholtz-Zentrums hat er eine ganz eigene Meinung: "Überraschend war schon, dass die Ergebnisse der Studie durchaus schmerzhaft für ExxonMobil sind." Denn die Experten zeigten tatsächlich wesentliche Gefahren auf, die vom Fracking ausgehen. Doch für Lütvogt ist klar: "Diese Ergebnisse waren nötig, damit die Studie halbwegs seriös erscheint." Die redaktionelle Aufbereitung der Informationen und das Resümee ließen den Auftraggeber dagegen klar erkennen. Die Pressesprecherin von ExxonMobil, Ritva Westendorf-Lahouse, widerspricht: An einem gekauften Gutachten habe ihre Firma kein Interesse, die Experten seien hochrangige, unabhängige Wissenschaftler, die "ihren guten Ruf nicht für uns aufs Spiel setzen würden".


In Nordrhein-Westfalen wollen immer mehr Unternehmen in Zukunft Erdgas mit der Fracking-Methode fördern (Foto von: picture-alliance/dpa-Grafik)
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In Nordrhein-Westfalen wollen immer mehr Unternehmen in Zukunft Erdgas mit der Fracking-Methode fördern

Doch was macht das Fracking so brisant? Anders als bei herkömmlichen Lagerstätten ist das zu fördernde Gas nicht frei verfügbar, sondern zum Beispiel im Schiefergestein oder in Kohleflözen gebunden (so genannte unkonventionelle Lagerstätten). Um das Gas aus dem Gestein zu lösen, muss der Untergrund aufgebrochen werden. Dazu werden unter hohem hydraulischem Druck sogenannten Fracks (Risse) in 1000 bis 2000 Meter tief liegenden Gesteinsschichten erzeugt. Damit sich die Risse unter dem Druck der auflastenden Gesteinsmassen nicht sofort wieder verschließen, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepumpt. Von den Chemikalien aber müssen laut Umweltbundesamt 17 als wassergefährdend eingestuft werden. Weitere 38 Substanzen gelten als "toxisch für die menschliche Gesundheit". Dringt das Frack-Wasser also durch ein Leck in das Grundwasser ein, entsteht ein Schaden, der nicht einfach so wieder behoben werden kann. Auch wenn die Frack-Flüssigkeit die Chemikalien nur noch in sehr geringer Dosierung enthält - für Christian Krumkamp von der Bürgerinitiative "Gegen Gasbohren" in Werne gilt das Argument der Verdünnung nicht: "Es sind einfach Stoffe enthalten, die nicht ins Wasser gehören. Auch nicht verdünnt."


Exxon sucht den Dialog

Um der Kritik zu begegnen und Aufklärungsarbeit zu leisten, startete ExxonMobil einen Informations- und Dialogprozess. Das Unternehmen betont, dass das Fracking-Verfahren bereits seit über 50 Jahren in Deutschland eingesetzt werde. Bisher soll es zu keinerlei Umweltschäden gekommen sein. Allerdings: Erst jetzt soll Erdgas aus den unkonventionellen Lagerstätten gefördert werden. Bisher fand bei Gas aus diesen Lagerstätten keine kommerzielle Förderung statt. Das Umweltbundesamt bringt in einer Stellungnahme auf den Punkt, was Fracking-Gegner schon lange wütend macht: "Wissenschaftlich fundierte Kenntnisse zu den möglichen Auswirkungen einer Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten liegen für Deutschland zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in ausreichendem Maße vor." Die Risiken für Umwelt und Natur könnten nicht abschließend bewertet werden.



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Kommentare zu "Fracking: "Tickende Zeitbombe"?"

chef79 | 23.06.2012 12:42

@ happy:"Fracking" findet in Deutschland seit Jahrzehnten statt, und nicht nur im Bereich Erdgas. Informieren Sie sich dazu unabhängig von Bürgerinitiativen und Dorfpresse. Sie sollten den Suchbegriff "Hydraulic Fracturing" verwenden.Mit "Fracking" kommen Sie nicht weit über Ihren Horizont hinaus.@ siegfried: Ihren seltsamen Kommentar, der neben orthographischen auch vor inhaltl. Fehlern strotzt, habe ich heute schon dreimal gelesen. Ihrer Argumentation folgend sollte dann auch in unseren Gaslieferländern, die jeweils Bruchteile zu unserem einheimischem Bruchteil von 14 % liefern, Bohrungen und "Fracking" verbieten, denn in allen Lieferländern wird gefract, u.a. um uns zu beliefern. @ JoSi: Aha, Sie sind also gegen die Energieversorgung aus einheimischen Quellen, unserem Eigentum, welches nach Gesetz durch Unternehmen erschlossen wird, die das volle finanzielle Risiko der Aufsuchung usw. tragen aber einen Förderzins abführen, der 3x über dem gesetzlich vorgeschriebenen von 10% liegt. Beitrag melden!

happy | 22.06.2012 17:45

Wer Fracking in Deutschland erlaubt wird, verliere ich jeden Glauben an nachhaltige Politik!!
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Siegfried | 21.06.2012 18:30

Leider wird immer vieles durch einander gebracht. Fracking ist nur die Spitze des Eisberges. Beim lochbohrer werden immer Chemikalien benutzt (Gleit- und Kühlmittel). Der Bohrschlamm muß entsorgt werden (zb Bohrschlammgruben). Beim Fördern ensteht immer Lagerstättenwasser(Teilweise sehr giftig(Benzol, Quecksilber)). Das Lagerstättenwasser wird meistens wieder in andere Löcher verpresst. Und erst in der Neuzeit kommt das oben beschriebene Fräcking. Da aber der Giftstoffanteil der Frackflüssigkeit sehr gering ist im Verhältniss der Menge des Grundwassers, wird man eine Vergiftung vom Trinkwasser kaum nachweisen. Und wenn ein Nachweiss stattfindet ist es eh zu späht. Die Förderung in Deutschland macht nur ein Bruchteil vom deutschen Verbrauch aus, deshalb sollte die Bohrung von neuen Löcher und das Fracken grundsätzlich verboten werden.
Da die Politik durch die Förderung in Deutschland Milliarden einnahmen hat, wird dieses schwer durchzusetzen sein. Beitrag melden!

JoSi | 21.06.2012 11:17

NoFracking am Niederrhein - Neben verschiedenen Studien (EU, Umweltbundesamt und NRW) werden auch zahlreiche Bürgeraktivitäten hoffentlich erfolgreich die geplanten Fracking-Projekte in Deutschland verzögern bzw. verhindern helfen. (Neue) Umweltauflagen werden die Projektkosten in die Höhe treiben und damit unmittelbar Auswirkungen auf eine technisch-wirtschaftliche Umsetzung dieser Projekte - auch am Niederrhein - haben. Dem ist nur noch hinzuzufügen: "Wehret den Anfängen!" Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Beitrag melden!


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