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Der Traum vom Schwarm-Akku

Noch fahren nur wenige Elektroautos auf deutschen Straßen. Doch schon träumen Ingenieure davon, Millionen von ihnen als Speicher für erneuerbare Energien zu nutzen

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Hamburg, im Jahr 2050. Rushhour. Man hört das Wasser der Alster plätschern, Vögel singen, Schritte von Fußgängern - keine Autos. Die Blechlawine rollt zwar, aber ihre Elektromotoren sind kaum zu hören. Vor den Toren der Hansestadt, am Elbdeich, surren die Rotoren von Windenergieanlagen. Die produzieren den Strom für die Autos.

Klingt gut? Es geht noch besser: Die Autobatterien werden immer dann aufgeladen, wenn der Wind weht. Bei Flaute geben sie Strom an das Netz ab - um so die Schwankungen auszugleichen, denen die erneuerbaren Energien, vor allem Photovoltaik und Windkraft, nun mal unterliegen. Eine geniale Idee. Aber ist sie realisierbar?


Elektroauto und Windenergie: ein perfektes Team? (Foto von: Colin Anderson/Photographer's Choice/Getty Images)
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Elektroauto und Windenergie: ein perfektes Team?

Zunächst einmal: Wir müssen weg von fossilen Energieträgern. Darin sind sich Umweltschützer und Wirtschaftsexperten einig. Einfach darum, weil es schon bald nicht mehr genug davon geben wird. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass wir das Erdöl-Fördermaximum schon 2006 überschritten haben.

Fest steht auch, dass der Verkehr seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss. In Deutschland ist er für rund 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. "Wir stehen vor einer Herausforderung, wie sie seit der Erfindung des Autos nicht vorgekommen ist", glaubt Volker Weißermel, Professor am Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Für ihn ist sicher: Das Auto der Zukunft fährt mit elektrischer Energie.

Nun sind Elektroautos nur so klimafreundlich wie der Strom, der sie antreibt. Ausgehend vom heutigen Strommix hätte ein Elektroauto einen CO2-Ausstoß von ungefähr 90 Gramm pro Kilometer, rechnet Guillem Tänzer vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) in Saarbrücken vor. Das Kohlendioxid geht vor allem auf das Konto von Kohlekraftwerken, die immer noch rund 43 Prozent des bundesdeutschen Stroms liefern. 90 g/km, das entspreche annähernd dem Wert, den laut EU-Vorgaben auch Verbrennungsmotoren in zehn Jahren durchschnittlich erreichen müssen, sagt Tänzer. CO2-neutral geht anders.

Die Lösung liegt auf der Hand. Der Strommix muss grüner werden. Idealerweise sogar vollkommen grün. Doch das wirft ein Problem auf: Der Strom aus erneuerbaren Energien steht nicht immer gleichmäßig zur Verfügung. Die Sonne scheint nur tagsüber und der Wind schläft abends ein oder bläst über Tage hinweg mit Sturmstärke. Mit der Folge, dass die Betreiber immer wieder Windkraftwerke zeitweilig abschalten müssen, weil das Stromnetz überlastet ist.

Ein anderer unerwünschter Effekt sind bizarre Preisentwicklungen am Strommarkt. In den Jahren 2008 und 2009 haben die Betreiber von Kohlekraftwerken zeitweise Geld dafür bezahlt, dass sie ihren Strom ins Netz einspeisen durften. Denn es wäre für sie teurer gewesen, ein Kraftwerk für wenige Stunden herunterzufahren.

Die Möglichkeiten, Schwankungen der Stromproduktion auszugleichen, sind begrenzt. Pumpspeicherkraftwerke etwa befördern in Zeiten des Überangebots Wasser in ein höher gelegenes Wasserreservoir. Sobald wieder Strom im Netz gebraucht wird, wandeln sie die Lageenergie des Wassers in Elektrizität um. Die Kapazitäten solcher Kraftwerke sind allerdings begrenzt. Unterirdische Druckluftspeicher, die im Prinzip ähnlich funktionieren, wären eine Alternative, sagt Guillem Tänzer. Die Frage sei nur, ob sie sie sich auch wirtschaftlich nutzen lassen. Um die geeigneten Hohlräume konkurrieren viele Unternehmen, die sie als Erdgas-, Wasserstoff-, oder CO2-Speicher nutzen wollen.

Wie also passen der Ausbau der regenerativen Energien und die Elektrifizierung der Mobilität zusammen?



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Kommentare zu "Der Traum vom Schwarm-Akku"

Freier Energiewende Babysitter | 10.11.2012 11:29

Der Traum vom Schwarm-Akku wird sinnvollerweise nicht in Erfüllung gehen. Denn ihm zuvor kommt der sich unweigerlich erfüllende Altptraum, wonach die Energiewende kollabieren wird. Freilich deshalb, weil sie hauptsächlich auf dem Spielfeld dieses heillosen und unter immer mehr Druck geratenden Wettbewerbs gedeiht. Hier stehen einander kontraproduktive Strategien und eben monetär messbare Gewinn-Potenzen in der Priorität. Mithin die primäre Energieeffizienz am Abgrund. Wie wir alle wissen, sind auch die Akkus nicht besonders ungiftig. Und dazu noch so gewichtig, dass es schlicht Bullshit sein muss, bald zig Millionen zusätzliche noch viel gewichtigere immer dann transportieren zu müssen, wenn man einfach nur mit dem Auto fahren will. Geschweige kein Autofahrer sicher sein kann, ob das Stromnetz die Reichweite zu seinem Arbeitsplatz oder sonst geplanten Fahrtziel konfisziert oder doch den Akku aufgeladen hat. Die Karriere der Zukunft wird die des 'erneuerbaren Traumtänzers' sein ... Beitrag melden!

Erich61 | 14.11.2010 00:55

Warum können Windkraftwerke keine mehrstufigen Federwerke aufziehen? Beitrag melden!


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